Caschys Blog

Oppo Find X5 Pro ausprobiert: Ein edles Smartphone-Flaggschiff

Oppo hat mit dem Find X5 Pro ein neues Smartphone-Flaggschiff veröffentlicht. Nicht nur technisch, auch preislich spielt man mit dem Marktführer Samsung hier in einer Liga: 1.299 Euro wollen die Chinesen für das mobile Endgerät haben. Ich habe mir das Oppo Find X5 Pro im Test einmal genauer für euch angesehen.

Dabei ist der erste Eindruck übrigens durchwachsen, denn Oppo sollte sich Gedanken darüber machen, wie man Neukunden im Gedächtnis bleiben will. Ich behaupte, das erste Mal, dass man so ein teures Gerät hochfährt und durch die Systemoberfläche des frisch eingerichteten Smartphones wischt, bleibt im Gedächtnis. Ab Werk bespielt Oppo aber etwa das Display des Geräts gar nicht mit der vollen Auflösung, sondern nur mit FHD+. Damit will man sicherlich den Akku schonen, das trübt jedoch merklich den ersten visuellen Eindruck.

Außerdem geht es meiner Meinung nach so gar nicht, dass ein Smartphone für 1.299 Euro mit Bloatware bestückt ist. Das kann ich in der Einstiegs- und Mittelklasse nachvollziehen, nicht aber zu diesem Preis. Das Oppo Find X5 bringt ab Werk Apps für TikTok, Facebook, Amazon, AliExpress, Joom, Booking.com, LinkedIn sowie PUBG Mobile mit. Damit schlägt man manches Xiaomi-Gerät der Mittelklasse. Die Bloatware-Apps lassen sich zwar deinstallieren, es bleibt aber ein fader Beigeschmack.

Technische Daten des Oppo Find X5 Pro

Doch wie euch ein Blick auf die Spezifikationen des Oppo Find X5 Pro zeigt, sollte jener vergehen, wenn die Technik alle Versprechungen hält. Und dem will ich ja für euch auf den Grund gehen.

Ausstattung und Verarbeitung

Das Oppo Find X5 macht optisch ordentlich etwas her: Zumindest für mich persönlich ist das Design das wertigste und hübscheste, das ich seit dem Huawei Mate 40 Pro in einem Smartphone-Test besprechen durfte. So hat Oppo es tatsächlich geschafft, auf der Rückseite einen absolut fließenden Übergang zum Kamerahügel zu gewährleisten. Die Keramik wölbt sich quasi nach oben, die Linsen sind dann direkt integriert. Das sieht extrem edel aus und überzeugt mich in Optik und Haptik komplett.

Fingerabdrücke sieht man auf der stark spiegelnden Hochglanz-Rückseite dennoch flott und seien wir ehrlich: So schick das Design ist, zugunsten einer höheren Lebenserwartung wird wohl eine Schutzhülle Pflicht sein. Ich finde übrigens, dass Oppo bei den Displayrändern des Find X5 Pro einen sauberen Mittelweg gefunden hat. Der Bildschirm ist zwar nicht komplett plan, aber der „Verlauf“ zum Rand ist deutlich sanfter als etwa beim Xiaomi Mi 11. Meiner Ansicht nach dürften hier also auch die User zufrieden sein, die gegen derartige Curved-Displays sonst eine Abneigung haben.

Im Lieferumfang des Oppo Find X5 Pro liegen abseits des Smartphones selbst noch etwas Papierkram, eine SIM-Nadel, ein Adapter für Kopfhörer, ein 80-Watt-Netzteil plus USB-C-Kabel sowie eine Schutzhülle bei. Letztere ist aber recht labberig. Ich persönlich würde bei Verfügbarkeit zu einem hochwertigeren Modell eines Drittherstellers greifen.

Benchmarks und Leistung

Das Oppo Find X5 Pro bringt den Qualcomm Snapdragon 8 Gen 1, ein Display mit 120 Hz Bildwiederholrate sowie 12 GByte RAM mit. Da müsste der Hersteller also schon einiges in der Software versauen, damit eine flüssige Darstellung verhindert würde. Glücklicherweise ist das nicht der Fall und das System läuft butterweich und sehr performant. Das merke ich auch im Vergleich mit meinem Daily Driver, dem Xiaomi Mi 11. Apps, die sich öffnen, der Wechsel über den Homebutton zum Startbildschirm, die Animationen beim Schließen von Anwendungen bzw. dem Wechseln zwischen selbigen – alles ist pfeilschnell und ohne Lag.

Ein wenig ungewöhnlich muten allerdings die Benchmark-Ergebnisse an: Diese fallen beim Oppo Find X5 Pro in Geekbench im Test der Prozessorkerne niedriger aus als bei Smartphones mit dem Snapdragon 888. Etwa heimste sich das erwähnte Mi 11 im Core-Test jeweils 1.129 (Single) bzw. 3.725 (Multi) Punkte ein und lag in beiden Fällen über dem Oppo Find X5. Dieses seltsame Gefälle löste sich auch nach mehreren Anläufen nicht auf. Eventuell liegt hier ein Bug vor.

Auf den Alltag wirkte sich dies nicht aus. Erwähnt sei aber, dass die Leistung des Oppo Find X5 Pro ihren Preis hat: Zwar steckt ein Akku mit 5.000 mAh im Inneren, der mit 80 Watt Schnellladung zudem rasch prall gefüllt ist, dafür purzeln die Prozente im Betrieb aber auch eifrig. Ich habe das Smartphone mit 120 Hz bei voller Auflösung verwendet. Für einen Tag reicht die Akkuladung natürlich, ich gehe aber davon aus, dass die meisten Nutzer Abends an die Steckdose müssen, um am nächsten Werktag nicht auf dem Schlauch zu stehen. Da wird einem klar, warum Oppo ab Werk die Screen-Auflösung erst einmal auf FHD+ gedrosselt hat.

Display und Kamera

Mit jeder neuen Smartphone-Generation werben die Hersteller damit, dass ihre Bildschirme noch besser geworden seien und schmeißen mit Superlativen um sich. Vergleiche ich jetzt den AMOLED-Screen des Oppo Find X5 Pro mit Pendants aus dem Vorjahr, dann entsteht da kein Wow-Effekt. Eher ist es mittlerweile wie bei den OLED-TVs von z. B. LG: Ja, sie werden jedes Jahr besser, aber mittlerweile sprechen wir eher von Nuancen. Das gilt in den meisten Szenarien auch für das Display des Oppo Find X5 Pro.

Dabei bietet Oppo angenehm viele Konfigurationsmodi für etwa die Farbdarstellung, die Nachschärfung für niedrig aufgelöste Fotos und Videos oder auch den sogenannten „Farbverstärker“, der eigentlich eine SDR-zu-HDR-Konvertierung meint. Zudem dürft ihr angeben, dass für HDR-Videos explizit die Bildschirmhelligkeit ausgereizt werden darf. Erhöht natürlich den Akkuverbrauch. Die Funktion „Naturfarbendisplay“ wiederum sorgt dafür, dass sich die Farbtemperatur je nach Umgebungslicht anpasst – erinnert an Apples TrueTone.

In HDR-Videos spielt das Oppo Find X5 Pro dann auch enorme Stärken aus. LGs obiges Testvideo etwa sieht auf dem Smartphone traumhaft aus. Hier erkennt man definitiv einen Sprung zu Konkurrenten aus dem letzten Jahr. Allerdings dürfte es immer noch für die meisten Anwender eher unüblich sein, am Phone HDR-Inhalte zu konsumieren. Daher bleibt in erster Linie ein exzellentes AMOLED-Display, für das sich jetzt aber nicht unbedingt ein Upgrade lohnt.

Groß warb Oppo schon im Vorfeld mit seiner neuen Partnerschaft mit dem Kameraspezialisten Hasselblad. Der hat an der Kamera mit zweimal 50 Megapixeln für Weitwinkel- plus Ultraweitwinkel, 13 Megapixeln für die Telephoto-Linse plus 13-Kanal-Spektralsensor mitgearbeitet. Ihr habt dabei die Option Bilder auch in vollen 50 MP aufzunehmen, was aber nur dann Sinn ergibt, wenn die Verhältnisse optional sind, da das Gros des Processings nicht stattfindet. Ebenfalls könnt ihr Fotos als effizienteres HEIC speichern sowie mit 10-bit-Farben.

Fangen wir mal mit den Porträtfotos an: Oppo nimmt sich hier nach meinem Eindruck die Google Pixel zum Vorbild. So schneidet man eher vorsichtig aus – manchmal zu vorsichtig. Das führt dazu, dass ab und an zu viel Rand gelassen wird. Zudem könnt ihr vor dem Knipsen den Grad der Tiefenunschärfe manuell anpassen. Das Bokeh sieht natürlicher aus als bei den meisten Konkurrenten, gefällt mir sehr gut.

Auch der zweifache optische Zoom liefert gute Aufnahmen, sollte man ja auch erwarten dürfen. Ähnlich wie in der Kamera-App von Xiaomi könnt ihr dabei jederzeit zwischen normalem Weitwinkel sowie Ultra-Weitwinkel oder eben zweifachem Zoom über drei kleine Symbole im Interface wechseln. Das geht sehr gut von der Hand. Es ist auch zu loben, dass die Farben, die Kontraste und die Dynamik über alle drei Linsen wie aus einem Guß wirken.

Von der Weitwinkel-Linse bin ich dennoch ehrlich gesagt unter normalen Bedingungen etwas enttäuscht. So musste ich bei meinen Schnappschüssen sowohl eine Tendenz zur Überbelichtung als auch eine stets zu präsente Nachschärfung entdecken, die leicht unnatürlich wirkt. Dies betrifft sowohl die Weitwinkel- als auch die Ultra-Weitwinkel-Fotos. Die Farben kommen hingegen wirklich sehr dynamisch rüber, da hat Oppo nicht zu viel versprochen.

Per se sind auch die Ultra-Weitwinkel-Fotos schön dynamisch, auch wenn sich auch bei Oppo am Rand die üblichen Verzerrungen zeigen, gut zu erkennen beispielsweise am Foto mit der Brücke. Auch hier finde ich die Nachschärfung aber zu extrem – blickt etwa einmal auf den hellen Strauch und dessen Zweige im dritten Bild rechts. Versteht mich nicht falsch: Die Bilder von Weitwinkel- und Ultra-Weitwinkel-Kamera liefern ein starkes Gesamtbild ab, insbesondere bei den Farben und der Dynamik. Die Balance aus Rauschen und Filterung finde ich aber bei beispielsweise Xiaomi oder Samsung gelungener.

Grundsätzlich funktioniert der Nachtmodus des Oppo Find X5 Pro super. So kommen scharfe Bilder heraus, die viele Details zeigen. Subjektiv stört mich, dass es aber nicht mehr wirklich nach Nacht aussieht – speziell auf meinem zweiten Foto gut zu erkennen. Hier sollte jeder selbst entscheiden, welche Ästhetik er bevorzugt, denn da gibt es auch bei den Herstellern verschiedene Herangehensweisen.

Die Selfie-Kamera des Oppo Find X5 Pro ist richtig gut, auch bei nicht optimalem Umgebungslicht. Auch hier gefällt mir erneut die natürliche Farbgebung. Allerlei Filter könnt ihr ebenfalls zuschalten, das habe ich aber im Testzeitraum bewusst vermieden.

Solltet ihr euch einen genaueren Eindruck von den Kameras des Oppo Find X5 verschaffen wollen: Hier sind einige unkomprimierte Fotos für euch zum Download. Etwas enttäuschend: Den Modus für 4K-Nachtvideos konnte ich in der Kamera-App noch nicht entdecken, der wird wohl kurz vor Launch nachgereicht. Verfügbar war bereits der Ultra-Bildstabilisator Pro für Videos, der aber nur bei maximal 1080p greift. Der funktioniert klasse und macht einen Gimbal im Grunde überflüssig. Ich selbst würde aber nicht auf 4K-Auflösung verzichten wollen, sehe das daher mehr als Spielerei.

Fazit

Das Oppo Find X5 Pro ist eines der schicksten Smartphone-Flaggschiffe, das ich bisher in Augenschein genommen habe. Die Hasselblad-Kamera hingegen ist gut, enttäuscht aber auf hohem Niveau. Die Farbwiedergabe kann absolut überzeugen, aber bei Details ist mir persönlich die Nachschärfung oftmals zu stark und unnatürlich. Vergleicht man die Fotos und Videos des Oppo Find X5 Pro mit dem Find X3 Pro, wird es wohl schwerfallen umfangreiche Verbesserungen zu erkennen. Was bleibt ist eine sehr gute Kamera, die aber keine neuen Maßstäbe setzt.

Sehr wohl kann man das von dem Design behaupten. Das Oppo Find X5 Pro ist für mein Empfinden in seinem Design haptisch und optisch eines der wertigsten Smartphones, das ich bisher testen durfte. Und in Sachen Performance macht dem Gerät natürlich ohnehin niemand etwas vor. Schade aber, dass Oppo bei einem mobilen Endgerät für fast 1.300 Euro dennoch Bloatware vorinstalliert.

Das AMOLED-Display punktet übrigens besonders bei der HDR-Wiedergabe, da bin ich durchaus beeindruckt gewesen. Leider kann ich einen der wichtigsten Faktoren aktuell noch nicht beurteilen: Wie wird es um die Update-Versorgung stehen? Sollte Oppo sich da schrittweise annähern, dann könnte es im High-End-Segment immer besser für die Chinesen aussehen.

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