OnePlus 10T 5G im Test: Mit schnellem Laden, aber ohne OnePlus-DNA

Anfang August hat OnePlus mit dem 10T 5G ein neues Smartphone vorgestellt. Seit dem 25. August ist man mit jenem am Markt vertreten. Treffender wäre wohl eher, man ist auf den Markt gestolpert. Denn: Aufgrund eines Rechtsstreits mit Nokia wird das OnePlus 10T lediglich von anderen Händlern vertrieben, OnePlus selbst darf es nicht vermarkten, die Händler dürfen nur unter Auflage die Restbestände verkaufen. Ich selbst habe seit einigen Wochen ein Exemplar in der Benutzung und möchte meine Erfahrungen mit dem Smartphone „zu Papier bringen“. Als Vergleichsobjekt liegt mir unter anderem das OnePlus 10 Pro vor. Wieso man das 10T nachschob? Nun man wollte wohl ein Gerät mit dem Snapdragon 8+ Gen 1 an den Start bringen und das 10T ist zudem mit 150-Watt-Aufladung eines der Top-Modelle, was die Aufladegeschwindigkeit angeht – eine Königsdisziplin von OnePlus und den anderen BBK-Geschwistern.

Ein Blick auf die technischen Daten macht deutlich, dass man sich, abgesehen von den genannten Punkten, unter dem Pro-Modell ansiedelt. Preislich geht es ab 699 Euro los. Für das voll ausgestattete Modell bewegt man sich mit 799 Euro nahezu in die Preisgefilde des Pro-Modells.

Technische Daten des OnePlus 10T 5G im Überblick

  • Display: 6,7 Zoll, AMOLED, 2412 x 1080 Pixel (394 PPI), 120 Hz Bildwiederholrate, Gorilla Glass 5
  • Betriebssystem: Android 12 mit OxygenOS 12.1
  • SoC: Qualcomm Snapdragon 8+ Gen 1
  • RAM: 8/16 GByte LPDDR5
  • Speicherplatz: 128/256 GByte (UFS 3.1)
  • Hauptkamera: 50 (Weitwinkel, OIS, Sony IMX766) + 8 (Ultra-Weitwinkel, 120 Grad) + 2 (Makro) Megapixel
  • Frontkamera: 16 (Weitwinkel) Megapixel
  • Akku: 4.800 mAh, mit 150-Watt-Schnellladung
  • Schnittstellen: NFC, GPS, Bluetooth 5.3, Wi-Fi 6, USB-C (2.0)
  • Maße / Gewicht: 163 mm × 75.37 mm × 8.75 mm / 203.5 g
  • Besonderheiten: Stereo-Lautsprecher, Fingerabdruckscanner unter dem Display
  • Farbvarianten: Moonstone Black, Jadegreen
  • Preis: 699 Euro (8 GB / 128 GB); 799 Euro (16 GB / 256 GB)

Ausgepackt – ein erster Eindruck

Rein optisch lehnt sich das OnePlus 10T stark an den großen Bruder an. Das ist nichts Schlechtes, im Grunde genommen sagt mir diese Optik und klare Symmetrie zu. Beim 10T steht der Kamera-Buckel etwas weniger heraus. Der Buckel geht nicht in den Rahmen über, dafür ist der Übergang in die Rückseite, wie man es eher von Oppo-Modellen kennt, geschmeidiger. Wieso man aber abermals die Linsen größer macht als sie wirklich sind, bleibt für mich unverständlich. Nach „viele Linsen helfen viel“, ist hier wohl – auch bei anderen Geräten – das Credo: Groß wirkende Linsen machen gute Fotos. Immerhin: Der Marken-Aufdruck fehlt, dafür fehlt aber auch das Hasselblad-Branding.

Das mir vorliegende Modell in Jadegreen zieht Fingerabdrücke förmlich an und spiegelt deutlich. Die Oberfläche ist sehr glatt und auf ebenfalls glatten Oberflächen rutscht das Gerät umher – Hülle ist hier Pflicht. Alles in allem aber, wie von OnePlus gewohnt, top verarbeitet. Man merkt beim in die Hand, nehmen aber, dass es bei der Wertigkeit nicht in der obersten Liga mitspielen kann. Dazu zählen mitunter so Dinge wie der Kunststoffrahmen. Trotz Abmaßen von 163 mm x 75,37 mm x 8,75 mm bei 6,7 Zoll Displaydiagonale wirkt das Gerät mit 200 Gramm, nicht unbedingt wuchtig und liegt gut in der Hand. Klein und kompakt ist es freilich nicht.

Was ebenfalls direkt auffällt: Es ist kein Alert-Slider vorhanden. Für mich ist der Schalter nach wie vor eines der Argumente, mit dem sich OnePlus abhebt – hier, wenn auch mit Begründung nicht dabei. Hochwertig fällt bei der Haptik auch der verbaute Vibrationsmotor auf. Das merkt man bereits bei den ersten Gehversuchen.

Display: Flach, gewohnt hochwertig & mit 120 Hz

Bonuspunkte sammelt das OnePlus 10T durch sein flaches Display – keine abgerundeten Ecken, dafür dünne und symmetrische Ränder. Mir gefällt auch die Symmetrie durch das mittig angeordnete Punch-Hole. Bei Selfies muss man nicht in die Ecke lunsen. Das AMOLED-Panel wird ausreichend hell und macht somit auch Outdoor noch Spaß. Dass man hier nicht auf eine Auflösung von QHD+ setzt, fällt im Alltag wenig auf, insbesondere wenn man da nicht den direkten Vergleich hat. Was den meisten jedoch auffallen dürfte, ist die Bildwiederholrate von 120 Hz, leider aber kein LTPO 2.0, somit keine variablen Bildwiederholraten. Bedeutet auch: Mehr Stromverbrauch beim Always-on-Display. Die 120 Hz lassen alles butterweich erscheinen und unterstreichen die Performance, die im Gerät steckt. OnePlus regelt software-seitig aber nach wie vor einige Apps ab und sperrt diese auf 60 Hz bzw. 90 Hz, somit spielt die Bildwiederholrate enttäuschenderweise nicht ihr volles Potenzial aus.

Performance: Performant durch 1-2 Tage

Mit dem Snapdragon 8+ Gen 1 steckt der aktuell stärkste Chip von Qualcomm im Gerät. Beim Arbeitsspeicher geizt man ebenso wenig: LPDDR5 mit 16 GB in der Maximalkonfiguration. Auch beim Speicher verbaut man mit UFS 3.1 hochwertige, schnelle Hardware mit wahlweise 128 oder 256 GB. Da stimmt das Gesamtpaket. Alles spricht auf Anhieb an, Apps öffnen und schließen rasend schnell. Wenn das 10T, außerhalb der reinen Gaming-Riege, wohl für etwas steht, dann ist es die Performance.

Gegenüber dem OnePlus 10 Pro macht sich das „mehr an Performance“ eher durch die bessere Software-Abstimmung bemerkbar. Das Hauptargument für das neue SoC ist allerdings dessen Effizienz. Das 10T ist endlich mal wieder ein OnePlus-Gerät mit überdurchschnittlicher Akkulaufzeit. Auch Power-User kommen locker durch den Tag. Andere dürften auch zwei Tag hinkommen.

OxygenOS 12: Noch immer ein Mischmasch mit ColorOS

OnePlus hat mit OxygenOS 12 kein Meisterstück hingelegt. Das habe ich in diversen Beiträgen moniert. OxygenOS 12 ist nach wie vor ein inkonsistentes System, durchmischt mit Elementen aus ColorOS. Bei Oxygen OS 13 wird es einheitlicher, wenngleich man da quasi Color OS komplett adaptiert – das dürfte alteingesessenen Nutzern nicht schmecken. Immerhin: Beim 10T hat man das OS besser auf die Hardware abgestimmt.

Unschön: Drei Jahre Update-Garantie spielen nicht ganz oben mit, da sind Samsung und Google emsiger. Umso ärgerlicher, wenn ein Update davon zudem für Android 13 „draufgeht“.

Aufladen: Druckbetankung 2.0 mit 150 Watt

OnePlus verstand sich schon seit jeher als Meister des schnellen Aufladens. Inzwischen schläft die Konkurrenz nicht mehr und mit SuperVOOC von 150 Watt musste man neue Dimensionen anreißen. Das entsprechende Netzteil mit proprietärem Ladestandard liegt dem Lieferumfang bei. Man setzt auf einen USB-C-Anschluss (geht doch!). OnePlus verspricht eine vollständige Aufladung des 4.800 mAh großen Akkus binnen 19 Minuten. Das ist realistisch. Man merkt aber eine Anfälligkeit in warmen Umgebungen, da wird die Leistung gedrosselt, bleibt aber immer noch sehr schnell.

Drahtloses Laden gibt es nicht, das war beim OnePlus 9 mit Standard-Qi-Geschwindigkeit dabei. Sollte in dieser Preiskategorie auch dabei sein. Der USB-C-Port ist nur mit USB 2.0 ausgestattet – ebenfalls nicht zeitgemäß.

Die Unterstützung vom Netzteil von Power Delivery ist super. Immerhin 45 Watt sind hier drin, das reicht, um unterwegs auch mal ein Notebook aufzuladen – dürfte aber in Anbetracht der potenziellen Leistung gerne höher ausfallen. Mit 100 Watt gemäß PD-Protokoll wäre es ein Allrounder. Nett auch: Der Fußabdruck des Netzteils fällt nur unmerklich größer aus, als bei der 80-Watt-Variante. Ein 96-Watt starkes MacBook-Netzteil ist um einiges größer.

… unterwegs gehts im Auto mit bis zu 80 Watt – auch für andere OnePlus-Geräte

Wo wir schon beim Aufladen sind: Auch einen neuen Car Charger hat OnePlus auf den Markt gebracht. Kostet 59,99 Euro und unterstützt immerhin das Aufladen mit bis zu 80 Watt, man erreicht hier quasi maximal die Geschwindigkeiten vom OnePlus 10 Pro, die nach wie vor super sind. Wie beim Netzteil für die normale Steckdose missfällt mir, dass OnePlus für die maximale Ladegeschwindigkeit (mit SuperVOOC) USB-A verbaut. Da ist man ja beim 10T wieder von weggekommen.

Nette Sache: Der USB-C-Anschluss, der als zweiter Anschluss mit von der Partie ist, liefert gemäß PD-Protokoll 30 Watt. Das dürfte auch für diverse Ladestationen, Tablets oder gar ein MacBook Air ausreichen – zumindest 45 Watt wären hier nett, um die Bandbreite an Geräten zu vergrößern. Der Lader ist auch eine Empfehlung für Nutzer älterer Modelle. Diese laden dann mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit auf (z. B. 9 Pro mit 65 Watt). Der obere Ring des Car Chargers ist zudem beleuchtet.

Kamera: Die wohl größte Schwäche des OnePlus 10T

Kommen wir zur Kamera, bei der es am meisten zu meckern gibt. Mit Updates hat OnePlus zumindest bei der Hauptkamera nachgebessert. Nichtsdestotrotz kann man für den aufgerufenen Preis ab 699 Euro mehr erwarten.

Mit einer Foto-Bibliothek in voller Qualität könnt ihr euch hier ein eigenes Bild machen. Zwecks getätigten Kamera-Optimierungen in den letzten Updates ist da auch ein Blick auf das Aufnahmedatum empfehlenswert.

Als Sensor der Hauptkamera dient der IMX766 – der 50-Megapixel-Sensor aus dem Hause Sony. Bei guten Lichtverhältnissen ist mit soliden Ergebnissen zu rechnen. Probleme hatte ich teils bei Gegenlicht. Da kam es zu überbelichteten Bild-Teilen und dass, obwohl HDR-Aufnahmen sonst eine Stärke von OnePlus waren. In der Dämmerung ist die Lichtstärke in Ordnung, da kann man aber nicht mit anderen mithalten und schwimmt im Durchschnitt mit.

Zudem: Des Öfteren vergreift man sich bei den Farben. Hier ist man oftmals übersättigt, das hatte man mit den Hasselblad-Farben schon besser im Griff. Ansonsten? Die Kamera fokussiert schnell und oftmals zuverlässig, das war nicht bei allen OnePlus-Geräten so. Auch der Shutter Lag ist zu vernachlässigen. Die Ultraweitwinkel-Kamera dient mehr Schnappschüssen. Hier mangelt es mit 8 Megapixeln oftmals an Schärfe, vor allem in Randbereichen. Sobald es dämmerig wird, ist die Ultraweitwinkel-Linse unbrauchbar.

In diversen Mittelklasse-Smartphones ist man davon abgekommen, die Rede ist vom 2-Megapixel-Makro-Sensor. Hier hätte man lieber die Ultraweitwinkel-Linse aufgebohrt und diese für Makros optimiert – so macht OnePlus das ja selbst auch bei anderen Smartphone-Modellen. Eine dedizierte Tele-Linse gibt es nicht, in 48-Megapixel-Shots kann man aber bei Tageslicht etwas reincroppen.

Fazit: Gute Performance, schnelles Aufladen – Enttäuschung bei Preis & Kamera

Das OnePlus 10T wäre ein tolles Smartphone: gute Performance, schnelles Aufladen – wären da Preis und die Kamera nicht. Für 699 Euro bzw. 799 Euro hätte ich mehr erwartet. Da stimmt das Gesamtpaket schlicht nicht. Das OnePlus 9 Pro gab es in Aktionen bereits günstiger – mit dem runderen Kamera-Setup. Wer Wert auf die Kamera legt, für den ist das 10T weniger was, ansonsten kann man – zumindest zu einem günstigeren Preis – zuschlagen.

Bedenken sollte man aber: Auch die Pixel-Geräte spielen oftmals günstiger mit und sind bei den Updates mehr als eine Armlänge voraus. Mit dem Alert-Slider verliert OnePlus, zumindest in diesem Smartphone, das letzte Alleinstellungsmerkmal. Früher war OxygenOS noch ein Grund zu OnePlus zu greifen, das entfällt nun. Einzig durch das Aufladen sticht man hervor und sucht seinesgleichen, aber auch hier schläft die Konkurrenz nicht.

Man sickert leider mehr und mehr in den Einheitsbrei ab. Für einige Euro weniger kann man da sicherlich über einige Dinge hinwegsehen, wenngleich auch das Kamera-Paket mit einem Nothing Phone (1) nicht mithalten kann – das bietet zwar die schlechtere Performance und ein weniger hochwertiges Display-Panel, aber drahtloses Aufladen und es kostet eine ganze Ecke weniger.

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Baujahr 1995. Technophiler Schwabe & Lehrer. Unterwegs vor allem im Bereich Smart Home und ständig auf der Suche nach neuen Gadgets & Technik-Trends aus Fernost. Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: felix@caschys.blog

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6 Kommentare

  1. 200€ zu teuer mehr fällt mir dazu nicht ein

  2. Jon Bon Rugie says:

    800 Euro für ein Gerät wie das OnePlus 10T 5g sind einfach zu viel.

    Nächste Woche kommt dann das OnePlus 10T Pro und übernächste Woche das OnePlus 10TE 6G Ultra auf dem Markt.

    Dazu das furchtbare Oppo Color OS und die miese Updatepolitik. Meist ist bei chinesischen Herstellern nach 12 bis 18 Monaten schluss. Selbst bei Huawei und ZTE erlebt.

    Mir kommt kein chinesischer Hersteller mehr nach Hause. Entweder im Android Bereich Samsung oder Google Pixel oder IPhone von Apple.

    • Es ist eben ein Unterschied, ob man westliche Technologie nachempfinden kann, oder ob man in der Lage ist, da mitzuhalten. Ich meine, klar lassen die westlichen Hersteller alle in China bauen. Aber es geht ja nicht darum, irgendwelche Chips zu verlöten, sondern ein System zu designen und die passende Software dafür zu programmieren. Das können sie im Silicon Valley nunmal ausgesprochen gut. Und darauf kommt es an.

      • MeinNametutnichtszurSache says:

        Huh…? Es gibt einen Unterschied zwischen nicht können und nicht wollen. Die Chinesen könnten sehr wohl, sie wollen nur nicht.

  3. OnePlus hat es immer noch nicht geschafft Android 12 auf das 7T zu bringen. Auch Sicherheitspatches kommen eher alle 3-4 Monate statt der versprochenen 2 monatigen Updates…
    Daher leider nie mehr OnePlus… Hardware ist gut. Software leider nicht mehr

  4. OP ist für mich schon lange tot. Halbjährlich neue Geräte, kein vernünftiger Support für vor Modelle. Ein Flagshipkiller ist es schon lange nicht mehr, vor allem preislich nicht.

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