OkCupid: Dating-Netzwerk ist nun auf Deutsch verfügbar und führt Gender-Herz ein

OkCupid ist ein beliebtes Dating-Netzwerk, das wie Tinder zur Match Group gehört. Als erstes EU-Land erhält Deutschland nun eine angepasste Version der App – nämlich in Landessprache. Dabei hat man sich auch gleich einen Kniff einfallen lassen, der je nach Einstellung zu diesem kontroversen Thema entweder bei euch für Augenrollen oder Kopfnicken sorgen wird: das Gender-Herz. OkCupid fügt quasi statt eines Binnen-Is oder Gendersternchens in passende Worte ein Herz ein.

Gleichzeitig will man da in deutschen Städten auch eine entsprechende Werbekampagne starten, die für das Gender-Herz werben soll. Falls ihr euch darunter irgendwie nichts vorstellen könnt, zeigt folgender Screenshot, was gemeint ist.

Sieht für mich recht schrecklich aus, weil der Textfluss unterbrochen wird und man als Erstes an einen Formatierungsfehler denkt. Das Herz weckt eben auch bestimmte Assoziationen und irritierte mich persönlich selbst beim Lesen des kurzen Satzes auf dem Screenshot. Hoffentlich macht diese Idee also aus meiner Sicht keine Schule, denn dann werden Texte deutlich anstrengender zu lesen auf derlei Plattformen.

Die Absicht dahinter ist natürlich positiv, denn OkCupid werde laut eigenen Aussagen nun die erste Dating-App mit einer genderneutralen Sprache und wolle sich für Gleichberechtigung und Diversität einsetzen. Die Ausführung bewerte ich wie gesagt wesentlich kritischer. OkCupid begründet den Schritt jedenfalls damit, dass Sprache sehr mächtig sei und man sich für genderneutrale Sprache entschieden habe, um möglichst viele Menschen einzuschließen. Da es auf der Plattform um Liebe und Zuneigung gehe, habe man sich gegen etwa einen Genderstern und für das Herz entschieden.

Parallel entwickelte man noch seine Dating-Fragen für Deutschland weiter und integriert nun einig Fragen, die speziell auf deutsche Kultur abzielen. In meiner Single-Zeit habe ich OkCupid durchaus unregelmäßig genutzt und fand die Plattform tatsächlich in Ordnung. Wie sieht es denn bei euch aus: Was haltet ihr allgemein von OkCupid und im Speziellen von den Neuerungen?

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21 Kommentare

  1. Team Augenrollen

  2. Guter Grundgedanke und sicherlich lobenswert, aber es ist schon schwerer zu lesen. Vielleicht weil man es nicht gewohnt ist.

  3. Der gute alte Schrägstrich hätte es getan OODER am Anfang schon mal fragen ob man männlich, weiblich oder Apache Angriffshubschrauber ist und ob man Mann, Frau, Hangar oder alles sucht. … ne streicht das. dann würde man vielleicht jemand anderem auf die Füße treten, Tankfahrzeuge, Elfen, Seekühe.

    • +1 So:inn#en nervig#§$innen dieser#§%innen ganze#§%innen Schwachsinn#$%innen.

      Ich fühle mich zudem als astrale Lebensform, die sich nicht einer körperlichen Existenz zugehörig fühlt, fühle ich mich total diskriminiert.

  4. Oh Gott, noch so eine Verstümmelung der deutschen (Schrift-)Sprache…
    Ich finde die ganze Debatte um das Gendern in der Sprache extrem zweifelhaft. Sprache ist dynamisch und passt sich selbst den Gegebenheiten an, ohne dass sie von oben herab diktiert wird. Dass das nicht wirklich funktioniert haben auch schon frühere Experimente gezeigt, bekanntestes Beispiel dafür dürfte das 3. Reich sein, das alle Begriffe die aus einer Fremdsprache stammten mit einer „deutschen“ Version ersetzen wollte. Ich will damit in keiner Weise politisch oder ideologisch Parallelen ziehen, es geht mir nur darum zu zeigen, dass eine krampfhafte Änderung der Sprache nicht sinnvoll ist. Unsere Sprache hat sich seit Jahrtausenden entwickelt und wird sich auch weiterhin stehts weiterentwickeln, aber eben in ihrer eigenen Geschwindigkeit und harmonisch mit den Bedürfnissen der Nutzer.

    Das ganze Thema ist für mich sowieso ein Sturm im Wasserglas, eine Minderheit schwingt sich hier zu Moralaposteln auf, aus Langeweile oder weil man sich Lösungen für Probleme ausdenkt, die 99,9% der Bevölkerung gar nicht betreffen bzw. die sich davon nicht betroffen fühlen. In meinem Umfeld sind zumindest Frauen wie Männer gleichermaßen irritiert bis genervt von der Gender-Debatte. Es gibt wahrlich wichtigere Probleme um die wir uns kümmern sollten, auch bei der Gleichstellung von Mann und Frau, als wie man möglichst jede Person anspricht und ob die Sprache nicht zu maskulin ist…

    • OKCupid kann aber die „wichtigeren“ Probleme ganz sicher nicht lösen; deren kleine Baustelle im Gesamtkontext ist, welche Bezeichnung sie auf ihrer Website wählen. Ich finde die gefundene Lösung zwar originell, aber zu sehr den Lesefluss störend und daher nicht optimal. Aber letztendlich müssen es ja die Nutzer gut finden und falls nicht, sich ggf. beschweren. 🙂

    • Ähm das mit dem 3. Reich überleg dir noch mal woher du die Info hast, ich behaupte dem war nicht so… wenn du Belege bringst zieh ich meine Behauptung zurück. Nicht für alles muss diese Zeit herhalten.

      • Ich hab eben nochmal nachgesehen, weil ich das tatsächlich früher so im Geschichtsunterricht gelernt habe (ist aber auch schon wieder 20+ Jahre her). Die Schule geht da natürlich nicht so in die Tiefe.

        Ich bezog mich damit auf den „Allgemeinen Deutschen Sprachverein“, der tatsächlich in den ersten Jahren des 3. Reiches viel Zulauf hatte und auch vom Regime gebilligt und zum Teil stark gefördert wurde, bis er (weil er Hitlers Gebrauch von eingedeutschten Wörtern kritisierte) die Gunst des Staates verlor. Der Nationalismus hat solche Vorstöße aber deutlich begünstigt (nicht nur in Deutschland).

        Aber das war ja nicht der erste Versuch in diese Richtung, sogenannte „Sprachpuristen“ gab es immer wieder und auch andere Bewegungen, die eine „Weltsprache“ (u.a. Esperanto) etablieren wollten oder andere sprachliche Experimente die nicht angenommen wurden.

        Danke, dass du mich darauf hingewiesen hast, so konnte ich mein Wissen auf den aktuellen Stand bringen.

    • Das von oben verordnet nicht funktioniert gehe ich eigentlich mit, wenn gleich Mensch wohl konstanieren muss, dass die Rechtschreibreform in breiten Teilen der Gesellschaft angekommen ist und diese auch „von oben“ verordnet wurde. ABER: Gendergerechte Sprache ist Stand heute gar nicht von oben verordnet worden! Teile der Bevölkerung, einige Medien und noch viel mehr privatwirtschaftliche Unternehmen haben sich von sich aus entschlossen gendergerechte Sprache zu verwenden und es greift um sich – um nicht zu sagen, „es funktioniert“.

      Von ein paar Anpassungschwierigkeiten beim Lesen, die wohl jeder anfangs hat und ein paar unverbesserlichen alten, weißen Männern abgesehen, ist mit Hinblick auf die Studienlage aus dem Kosmos der Genderstudies die Faktenlage doch stark auf Seiten der neuen Schreibweise. Sie bietet Inklussion und mindert physische und verbale Gewalt gegenüber Minoritäten und vor allem dem weiblichen Geschlecht. Daran können immer weitere Teile der Gesellschaft nichts Schlechtes finden – und wie gesagt die Anpassungschwierigkeiten sind vorrübergehend. Da breche ich mir keinen Zacken aus der Krone mal ein paar Monate etwas irritierter als sonst zu lesen.

  5. Wäre es nicht einfacher, man könnte im Profil die gewünschte Schreibweise einstellen können, je nachdem wen oder was man sucht?

    • Wirklich einfacher wäre es, man würde beim generischen Maskulinum bleiben, aber die Dinge einfach zu halten, ist ja heute nicht mehr angesagt.

      • Warum sollte auf der Website „Partner“ stehen, wenn ich eine „Partnerin“ suchen würde? Es ist schließlich IT und keine Steintafel, da kann ich schon ein wenig Intelligenz erwarten.

        • Wenn Du Intelligenz erwartest, solltest Du auch selbst intelligent genug sein, dem Kontext zu entnehmen, was jeweils gemeint ist. Diese (vermeintliche) Intelligenz auf Seiten der Anbieter sorgt (auch) nur dafür, dass auch immer geringere Ansprüche an die Intelligenz der Nutzer gestellt werden.
          Diskriminierung beim generischen Maskulinum erkennt nur, wer das auch unbedingt erkennen will.

  6. Gendern muss strafbar werden.

  7. Bürger:innenmeister:innenkandidat:innenwahl

  8. Der Herzen stören mich beim Lesen ehrlich gesagt weniger als Satzzeichen mitten im Wort

    • Sparbrötchen says:

      Das stört mich auch weniger.
      Was wahrscheinlich daran liegt, dass die Augen beim Lesen sobald man das Herz erreicht ein Wortende erkennen und automatisch zur nächsten Lücke, dem nächsten Wortanfang, springen.

      Werden ’normale‘ Satzzeichen mißbraucht, wird das Wort von den Augen bis zum Ende gelesen, da es leider üblich ist, dass Leute Satzzeichen zwischen zwei Worte setzen, ohne dem Satzzeichen auch ein Leerzeichen folgen zu lassen.

      Die dort eingesparten Leerzeichen nutzen sie dann zum Plenken, um am Satzende den Blutdruck beim Lesenden nochmal steigen zu lassen !

      Und zumindest aus Fließtexten lassen sich die Herzen auch gut rausparsen, um mit einer angepaßten Version von ‚Binnen-I be gone‘ wieder lesbaren Text zu erhalten.

  9. für im browser:

    https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/binnen-i-be-gone/

    Dieses Add-on ermöglicht es, die meisten eingestreuten Binnen-Is auf besuchten Webseiten herauszufiltern um so eine bessere Lesbarkeit zu erreichen.

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