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O2 will Deutsche Telekom und Vodafone technisch ausstechen

Der Telefónica-Chef Jose Maria Alvarez-Pallete hat in einem Interview mit dem Handelsblatt über seine Zukunftspläne für O2 in Deutschland gesprochen. Dabei hat der Manager auch behauptet, dass das O2-Netz besser sei, als viele Kritiker annehmen würden. Zudem wolle O2 langfristig sowohl die Deutsche Telekom als auch Vodafone technisch überbieten. Laut Alvarez-Pallete habe O2 nämlich nicht nach dem Kauf von E-Plus so viele Basisstationen wie möglich geschlossen, sondern sein Netz stattdessen verdichtet. Man sei aber noch bei den Integrationsarbeiten. Sobald jene komplett abgeschlossen seien, werde O2 in Deutschland ein hervorragendes Netz bieten – speziell in Städten und Vorstädten.

Angesprochen darauf, dass O2 in Tests zur Netzqualität hinter die Deutsche Telekom und Vodafone zurückfalle, konterte der Telefónica-Chef, dass jenes vorwiegend an den Umbauarbeiten liege. 80 % jener Arbeiten seien aber mittlerweile abgeschlossen. So poltert der Manager recht großspurig: „Und da, wo wir fertig sind, haben wir das leistungsfähigste Netz in Deutschland. Bis Ende des Jahres wollen wir alle Arbeiten abschließen, dann werden alle sehen, wie potent das Netz ist.“ Dennoch gesteht Alvarez-Pallete ein, dass die Deutsche Telekom auf dem Land vorne sei. Die meisten Menschen würden aber in Städten und Vorstädten leben. Da spiele O2 vorne mit.

Auch mit Gerüchten Telefónica wolle das deutsche Geschäft abstoßen, räumt Alvarez-Pallete auf. Jenes sei nicht der Fall. Der Kritik, dass sowohl die Deutsche Telekom als auch Vodafone mehr in den Netzausbau in Deutschland investieren, weicht der Manager allerdings nur aus. O2 werde auch 2019 auf neue Mobilfunklizenzen für den 5G-Standard mitbieten. Außerdem kam man auch wieder auf den Sprachassistenten Aura zu sprechen, den O2 pushen möchte. Vorgestellt wurde Aura schon im Februar 2018. Ich habe aber den Eindruck, das Interesse der Kunden fällt bisher eher moderat aus. Trotzdem gilt künstliche Intelligenz auch bei Telefónica als „Next Big Thing“. Investieren möchte man in jenem Bereich also auf jeden Fall.

Wie wiederum die WirtschaftsWoche derzeit berichtet, spart O2 dagegen bei seinen Shops. Hier macht man gnadenlos etliche Läden dicht. So wurden zuletzt Filialen in München, Gladbeck, Duisburg, Limburg, Montabaur, Bergheim und Recklinghausen geschlossen. Die Entwicklung geht klar in Richtung des digitalen Vertriebs – aber nicht nur bei O2, auch bei der Deutschen Telekom und Vodafone. Sparen muss O2 allerdings, um sich besser zu platzieren: 2017 verlor man rund 1,1 Mio. Mobilfunkkunden in Deutschland.

Ehemalige Händler beschwerten sich wiederum, dass Telefónica O2 und E-Plus nicht vernünftig miteinander habe vernetzen können. Dadurch sei es im Vertrieb ständig zu Problemen gekommen. Etwa sei der Zugriff auf die Kundendatenbanken bereits ein Problem gewesen. Seit 2016 klagen die Händler über jene Querelen, getan habe sich aber trotz Versprechungen der O2-Manager nichts. Dadurch entgingen den Händlern Prämien, weil die Kunden etwa bei auslaufenden Verträgen online oder telefonisch neue Verträge abgeschlossen haben, statt in den Laden zu kommen. Ohne die genauen Vertragsdaten konnte man auch keine Verlängerungen von Mobilfunkverträgen vornehmen, was besonders wichtig für die Einnahmen gewesen wäre.

Händler, die ihre O2-Filialen aufgeben mussten, sollen kurz vor der Schließung Umsatzausfälle von über 50 % verbucht haben. Die Händler haben O2 hier teilweise sogar bewusste Manipulation vorgeworfen. Denn es sei auffällig, dass die internen Callcenter seltsamerweise nicht von Problemen mit Zugriffen auf die Datenbanken betroffen gewesen seien. Dadurch seien Vertragsverlängerungen bzw. das Werben neuer Kunden dort stets möglich gewesen.

Klar ist, dass die Glanzzeiten der Mobilfunk-Shops ein Ende gefunden haben. Die Zeit, als quasi an jeder Ecke ein derartiger Laden zu finden gewesen ist, sind also vorbei.

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