Caschys Blog

Nvidia Shield TV: Erster Blick

Nach zahlreichen Leaks sind sie nun offiziell: Nvidia Shield TV und Nvidia Shield TV Pro. Wobei: Kann man von Leaks sprechen, wenn Nvidia die Kisten schon viele Tage vor der offiziellen Vorstellung im Handel anliefert, der diese wiederum in den Verkauf stellt? Sieht eher nach fast gewollter Schusseligkeit aus. Aber darum soll es hier nicht gehen, sondern um meine ersten Eindrücke zum Nvidia Shield TV, der noch als Stick tituliert wird.

Technische Daten Nvidia Shield TV

  • SoC: Nvidia Tegra X1+
  • RAM: 2 GByte
  • Speicherplatz: 8 GByte
  • Betriebssystem Android TV 9.0 Pie
  • Maximale Auflösung: 2160p (4K)
  • Schnittstellen: Gigabit Ethernet, Wi-Fi 802.11 ac, Bluetooth 5.0 + LE, HDMI 2.01b, microSD
  • Unterstützte Formate: AAC, AAC-LC, AC3, AAC+, H.264, H.265, HE-AAC, PCM, FLAC, MP3, MP4, MPEG-4, Ogg Vorbis, WMA, WMA Pro, GIF, JPEG, PNG, BMP, TIFF, WAV
  • Weitere Merkmale: Unterstützt HDR10, Dolby Vision, Dolby Atmos, Google Assistant, works with Alexa
  • Lieferumfang: Nvidia Shield TV, Remote, Stromkabel
  • Preis: 159,99 Euro

Nvidia hatte beim Split in zwei Geräte wohl auch zwei Kunden-Gattungen im Kopf: einmal die medienbegeisterten Gadget-Geeks, die mit ihrer Shield-Konsole eben mehr machen als der gewöhnliche Konsument – und dann die anderen, die nur konsumieren wollen, aber hochqualitativ, mit Luft nach oben. Das soll die Nvidia Shield TV abdecken.

Nun könnte man sagen, dass ich eher zur Kategorie der Gadget-Geeks gehöre und sicherlich eher Verwendung für die Shield Pro gehabt hätte, aber ich habe mittlerweile so viele Zuspieler und Möglichkeiten ausprobiert, dass ich manchmal eben nur reines Streaming brauche. Von daher kann ich schon gut vergleichen, da hier parallel mehrere Player im Haushalt zum Einsatz kommen.

Nun muss man mal schauen, was man selber will. Es kommt ja nicht immer nur auf den Media-Stick an, den man anschließt, sondern das Material, welches ankommt – und das TV- / Audio-Equipment. Vielen reicht da halt der günstige Fire TV Stick, der schlappe 40 Euro kostet – und der mit 4K liegt dann eben bei 60 Euro. In Angeboten sind beide Versionen regelmäßig noch deutlich günstiger erhältlich. Haben beide Alexa und bieten eigentlich recht easy Zugang zu allem. Sicherlich eine Erfolgsgeschichte.

Auf der anderen Seite gibt es noch den Apple TV, der natürlich teurer, aber auch einen Ticken leistungsstärker ist. Für mich besser geeignet als Spielekonsole als der Fire TV Stick, die meisten Apps sind besser umgesetzt. Smart Home beim Apple TV? Klaro, selbst als Zentrale, wenn man denn im HomeKit-Universum daheim ist.

Nvidia Shield TV setzt auf Android TV und bringt auch einen Google Assistant mit. Dieser lässt sich per Klick auf die neue Fernbedienung hervorzaubern und er macht genau das, was ihr auch vom Smartphone oder etwaig vorhandener Google-Hardware kennt. Ihr habt Zugriff auf Antworten, euren Kalender und ja, natürlich euer Smart Home. Des Weiteren könnt ihr den Google Assistant nutzen, um auf der Nvidia Shield TV Befehle auszuführen. Alternativ eben, falls ihr nicht quatschen wollt: die Fernbedienung oder auch die dedizierte Nvidia-Shield-App. Die zeigt euch auch schnell anklickbar eure installierten Apps.

Angeschlossen ist die Nvidia Shield TV ratzfatz, einmal mit dem Strom verbunden, muss nur noch das HDMI-Kabel eures TV daran glauben. Wer will, der kann auch Gigabit-LAN statt WLAN nutzen. Während der Einrichtung kommt es darauf an: Wer das gleiche Google-Konto auf dem Smartphone nutzt, der kann dieses drahtlos an die Nvidia Shield TV übergeben, dann wird alles automatisch übernommen. Dann kann man noch Standard-Apps auswählen, Zattoo, ZDF, ARD und weitere – fertig. Dann wird man schon von der Android-TV-Oberfläche angestrahlt. Wie bekannt: mit Vorschlägen aus fast allen angebundenen Quellen. Kann man glücklicherweise anpassen, ich brauche nämlich keine YouTube-Vorschläge.

Was die Kiste alles darstellen kann (Spoiler: fast alles), haben wir schon in der Vorstellung gehabt, alles, was mir zum Testen möglich war, wurde auch korrekt dargestellt. Die Oberfläche ist schnell, Apps werden flott gestartet und bei der reinen Medienwiedergabe fand ich nun nichts auffällig.

Die große Frage: Was taugt das AI Upscaling? Erst einmal als reine Begrifflichkeit vereinfacht erklärt: Die Funktion soll nicht so gutes Ausgangsmaterial besser auf eurem TV darstellen. Quasi hochrechnen. Vor zwanzig Jahren hätten wir bei Scannern von Interpolation gesprochen. Heute ist das ja alles ein bisschen weiter. Ich erwarte bei so etwas nie Wunder, aber ich habe es dennoch mal auf verschiedenen Zuspielern auf einem 4K-TV geschaut, um zu sehen, was aus 720p gemacht wird. Sehe ich einen Unterschied?

Zuerst einmal muss ich dazu sagen, dass viele TV-Geräte schon eine Art Verbesserung anbieten, damit Content in 1080p oder 720p auf 4K-Geräten gut aussieht. Und da gehen schon die Meinungen auseinander. Braucht man Upscaler und dynamische Anpassungen von Farben und Kontrasten? Ich sage euch, wie ich das handhabe: Ich habe an meinem TV jeglichen Schabernack ausgemacht. Gebt mir ein vernünftiges Panel ohne Smart-Gelumpe – ich wäre glücklich. Ich habe mal testweise Content in 720p auf 4K dargestellt und den AI-Upscaler von Nvidia seine Arbeit machen lassen. Da gibt es verschiedene Stufen und ihr müsst halt schauen, was für euch passt. Es gibt auch einen Demo-Modus, der zeigt euch genau die Unterschiede der Upscaling-Modi im Splitscreen.

Braucht man nicht drüber streiten: Man kann Unterschiede sehen und jene gehen eben über übliches Nachschärfen hinaus. Gut gelungen, aber ich habe das Gefühl, dass ich das für jeden Film oder jede Serie, die ich upscalen will, anpassen muss, sprich: Ich muss schauen, ob ich dies die Automatik regeln lasse, oder von Hand eine der drei Stufen auswähle. Auf der anderen Seite, das sollte klar sein: Aus schlechter Qualität macht man auch mit AI keine richtig gute.

Der erste Eindruck nach ein paar Stunden Streaming mit dem Nvidia Shield TV ist durchaus ein guter. Freunde von Dolby Vision (Netflix und Prime Video) (HDR10 wird weiterhin unterstützt und wird mit HDR-Inhalten verwendet, die Dolby Vision nicht unterstützen) bekommen etwas Neues in die Hand gedrückt und der neue Chip könnte wieder für Jahre flotter Leistung stehen. Das große Problem von Nvidia könnte der Vorgänger sein, der halt immer noch sehr vieles richtig macht – und dies seit Jahren.

Kann mein TV eh nicht alles wiedergeben, was Nvidia Shield TV leisten kann? Brauche ich den erhöhten Dynamik-Umfang vielleicht auch gar nicht? Dann wird auch sicher weiter der Vorgänger reichen, vielleicht sogar eine der bereits genannten Alternativen – wobei der Fire TV Stick 4K auch Dolby Vision unterstützt. Will ich aber möglichst viel – und dies im Bereich Streaming, dann wird man auch mit der Nvidia Shield TV nichts verkehrt machen. Außerdem punktet Nvidias Lösungen ja auch mit konkreten Mehrwerten abseits von Streaming von Video und Audio – das Gaming darf man sicher nicht vergessen. HDR10+, WiFi 6 oder HDMI 2.1 wäre aber schön gewesen.

Wie schaut es denn bei euch aus? Was sagen die Streaming-Interessierten unter euch? Eine interessante Lösung – oder reicht euch da eine Alternative?

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