Nexus OTA-Updates: So flasht Ihr sie mit ADB

Android Nexus 6P UpdateIch bin auch jemand von der Sorte, den man im Freundes- und Bekanntenkreis als „updategeil“ bezeichnet. Ob das dem blinden Vertrauen in neue Software geschuldet ist oder eher ein Tick, immer ein aktuelles System haben zu müssen, habe ich bis heute nicht ergründet. Im Zuge der OTA-Verteilung der Updates von Nexus-Geräten wartet man natürlich hin und wieder ein paar Tage länger, bis das Update auf dem eigenen Smartphone landet. Wer sich das sparen möchte, kann über die Android Debug Bridge, kurz ADB, das Ganze entsprechend beschleunigen – wie das geht, wollen wir dem ein oder anderen Interessierten hier kurz darstellen.

Grundvoraussetzung ist natürlich die Option, ADB über Eure Eingabeaufforderung (Windows) respektive das Terminal (macOS) bedienen zu können. Dafür muss natürlich nicht zwingend das gesamte Android Studio auf dem jeweiligen Rechner installiert werden, es reichen die bekannten Varianten von ADB und Fastboot, die es zum Teil im Netz gibt: Für Windows sind – wie so oft – die XDA Developer-Foren eine prima Anlaufstelle, für macOS habe ich mit der Lösung auf Stack Overflow (speziell die manuelle Variante 2) sehr gute Erfahrungen gemacht.

Habt Ihr die Installation hinter Euch gebracht und die Eingabe von „adb“ oder „fastboot“ hat zumindest etwas herausgeworfen, was nach einem Programm aussieht, dem noch der ein oder andere Parameter fehlt, sind Eure Hausaufgaben an dieser Stelle erledigt und Ihr könnt Euch das offizielle OTA-Update für Euer Nexus Gerät direkt bei Google abholen. Der Vorteil beim OTA-Update liegt auf der Hand: Eure Daten mit allem Drum und Dran bleiben erhalten, beim Flashen eines Factory Images hieße es dann: Neueinrichtung des Smartphones. Eben das wollen wir jetzt nicht, dafür aber (unter anderem) den aktuellsten Sicherheits-Patch für unser Nexus-Gerät. Im Beispiel hier habe ich mein Nexus 5X vom Juni- auf den Juli-Stand aktualisiert.

Der nächste Schritt ist nun, die Entwickleroptionen Eures Smartphones zu aktivieren, sofern das noch nicht vorab geschehen ist: Tippt einfach mehrmals (ich meine, bei meinem Nexus 5X sieben Mal gezählt zu haben) auf die Build-Nummer in der „Über das Telefon“-Rubrik der Einstellungen. Irgendwann wird Android Euch beglückwünschen, nun ein Entwickler zu sein und Ihr könnt eine Ebene darüber zu dem Punkt „Entwickleroptionen“ navigieren. Hier aktiviert Ihr nun einfach das USB-Debugging per Schalter:

05_ADB_Entwickleroptionen

Ist Euer Nexus dann bereits via USB angeschlossen, sollte es anschließend die Vertrauensfrage stellen: Der Fingerabdruck des RSA-Schlüssels Eures Computers wird angezeigt und Ihr habt die Option, das USB-Debugging zuzulassen, auf Wunsch auch jedes Mal von dem entsprechenden Computer aus. Letzte Checkbox macht Sinn, wenn Ihr eh häufiger via ADB von eben diesem Rechner auf eben dieses Smartphone zugreifen wollt.

06_ADB_Debugging_zulassen

Sind diese Schritte geschehen, so gilt es nun zu prüfen, ob die Verbindung zwischen beiden Einheiten sauber funktioniert. In der Eingabeaufforderung beziehungsweise dem Terminal tippen wir also „adb devices“ ein und sollten ein verbundenes Nexus-Smartphone präsentiert bekommen:

01_ADB_devices

Hier kann es beim Nexus 6P übrigens aktuell zu Problemen kommen, wo das Smartphone entweder trotz aller korrekten Vorarbeiten nicht erkannt wird oder aber einfach nichts in Recovery bootet: Diverse Foren sind voll von dem Problem und auch Caschy hat hier leidvolle Erfahrungen gemacht und kann ein Lied von diesem seltsamen Effekt singen, wie wir in unserem internen Blogchat festgestellt haben 😉 !

Nichtsdestotrotz ist der nächste Schritt – sofern für Euch dann möglich – ein Neustart in das Recovery-Modul über den Befehl „adb reboot recovery“:

02_ADB_reboot_recovery

Das macht das Nexus dann auch brav und sollte Euch kurze Zeit später den auf dem Rücken liegenden Androiden präsentieren. Durch die Tastenkombination „Power“-Knopf und „Hoch“ auf der Lautstärkewippe gelangt Ihr nun in ein Menü, wo Ihr „Apply Update From ADB“ anwählt.

Nun solltet Ihr Euer OTA-Update bereits heruntergeladen haben und das über den Befehl „adb sideload “ auf das Gerät schieben können. Geübte Custom ROM-Flasher dürften den „sideload“-Befehl bereits kennen und auch bei der ein oder anderen Aktion in Verbindung mit Amazons Fire TV oder Nvidias Shield TV hat dieser Befehl schon immer ein tolles Werkzeug dargestellt.

03_ADB_sideload

Sofern die Verbindung nach wie vor steht, solltet Ihr nun eine Prozentanzeige sehen, die den Fortschritt entsprechend verdeutlicht. Irgendwann ist der Upload fertig und das Ergebnis sollte ungefähr wie folgt aussehen:

04_ADB_sideload_fertig

Wählt nun am Nexus die Option „Reboot System Now“ aus. Eben das geschieht jetzt: Das Smartphone startet neu, aktualisiert noch ein wenig und die obligatorische Überprüfung zeigt: Die aktuelle Build-Version mit dem Sicherheitspatch vom 05. Juli 2016 ist installiert.

07_ADB_sideload_fertig

Wie bereits oben erwähnt, ist das nun für die Ungeduldigen wie mich die Option, sein Nexus-Smartphone schon mit dem neuesten Update zu befeuern, bevor es via OTA-Update sowieso auf das Gerät gelangt. Ob das immer Sinn macht und man nicht vielleicht einfach mal abwarten sollte, ist ein anderes Thema – so sähe aber auf jeden Fall der separate technische Weg aus 😉 !

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Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant.

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14 Kommentare

  1. Muss man nicht vorher noch Fingerabdruck und PIN ausschalten? Sonst kommt man doch nicht mehr an sein Telefon nach dem neu installieren?

  2. Nein, wie kommst du darauf? Das ist der selbe OTA-Update-Prozess, nur eben manuell.

  3. Mach ich seit Jahren nicht mehr. Nicht, weil ich es nicht könnte oder die Zeit fehlt, sondern weil es mir in 2016 einfach zu umständlich ist. Alles, was nicht OTA ankommt, hat Pech. Übrigens auch bei Nicht-Nexus-Geräten. Wenn ein Hersteller nicht zeitnah und per OTA liefert, wird er rigoros beim nächsten Hardwarekauf gemieden. So kaufte ich mir z.B. das Nachfolgegerät meines LG G2 nicht mehr bei LG, sondern wechselte (u.a. auch deswegen) zum iPhone.

  4. @fabi – Wie der Patrick das schon sagte: Es ist ja keine Neuinstallation, sondern ein offline vorgezogenes Update Deines Smartphones – wenn es OTA ankommt, brauchst Du ja auch nur einen Neustart und weiter geht’s.

  5. Geht das auch bei NichtNexus-Geräten? Ich warte nämlich immer noch auf den Juni-Sicherheitspatch für mein Note 4. Das hatte ich damals noch bekommen, nach einer Zurücksetzung meines Smartphones kann ich allerdings nicht mehr vom Mai-Sicherheitspatch updaten. Samsung hat mein Smartphone wohl einfach abgehakt. Wäre toll wenn ihr wüsstet ob das geht!

  6. Oder bequem mit flashfire

  7. @Frage grundsätzlich nur, wenn du einen entwperrten Bootolader hast. Samsung kennt nichtmal Fastboot. OTAs kannst du nur über den Updatemechanismus des Geräts herunterladen und installieren, ansonsten nur das komplette System über SmartSwitch oder ODIN.

    @darky aber auch nur bei gerooteten geräten

  8. das hatte ich auch einmal. es verschwand aber spurlos als nach den meisten updates das meiste schlechter und langsamer wurde. nachdem sich ein system, welches auch immer, etabliert hat merkt man dass ab diesem zeitpunkt die meisten updates nur noch dem unternehmen dienen und nicht mehr dem kunden.

  9. @Richard Rosner vielen Dank für deine Antwort. Kannst du mir bitte noch eine Frage beantworten?
    Um einen Bootloader zu entsperren, muss ich dafür mein Gerät rooten? Das will ich lieber nicht tun, denn das installierte Samsung Knox soll angeblich root-Versuche zählen können. Und außerdem verliere ich meine Garantieansprüche.
    Gibt es also ein Tool bei dem ich ohne Root die neusten (bereitgestellten) Updates erzwingen kann? Ich hoffte die Vorgehensweise im Artikel wäre eine Lösung dafür?

  10. Danke für die Anleitung. Eventuell, werd ichs mal gebrauchen können. Für mich ist aber das flashen mit FlashFire von Chainfire auf meinem 5x angenehmer, da ich so weder einen Computer brauche noch SuperSU und Xposed wieder manuell flashen muss.

  11. Factory Images kann man übrigens auch ohne wipe flashen, indem man die flash-all.bat bearbeitet und das „-w“ in der letzten Zeile entfernt. Mache ich schon seit Jahren so.

  12. @Frage es gibt kaum Geräte, bei denen man den Bootloader entwperren kann. Bei Samsung sind es nur ein paar Geräte des US-Providers Verizon.
    Updates erzwingen ist nicht möglich. Ich bekomme zwar OTAs angezeigt, aber wenn man versucht es zu installieren scheitert es jedes mal. Sieht man sich die zip an, bekommt man nur die meldung, sie sei beschädigt.
    In diesen Fällen gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: man verbindet sein Gerät via USB mit SmartSwitch und hofft, dass es einem das Update zur verfügung stellt (es wird aber immer das gesamte System heruntergeladen und geflasht, also wenigstens 2 GB!) oder man besorgt sich die Datei von Seiten wie Sammobile und flasht sie mit ODIN (hier gilt das gleiche wie für SmartSwitch) über den Download Mode.

  13. @stefan: Kannst du mir hierzu eine Frage beantworten: Wenn ich mit Chainfire flashe, läuft das dann ohne Probleme ab, wenn ich auf Root & Xposed bin? Einfach das OTA runterladen und loslegen oder was muss ich beachten um beide Programme nicht mehr zu updaten?

    Und, ich hab seit April kein Security Patch mehr gehabt, wenn ich jetzt Juli update, sind dann die vorherigen auch drin oder muss ich nun alle nach patchen?

  14. @Psy Ich handhabe das immer so: Full Factory Image von Google herunterladen. Flashfire öffnen, Im Menu „Flash Firmware Package“, dann das eben runtergeladene Package auswählen. Es wird dann gescannt und dort nehm ich einfach „Data“ und „Recovery“ raus um erstens mein TWRP und zweitens meine Daten nicht zu verlieren. Im Anschluss wähle ich über das Menu noch „Flash ZIP or OTA“ und wähle dort die aktuellste Xposed-Version. Wenn alles bereit ist, einfach mit „Flash“ starten und Flashfire flasht das Update und Xposed. Ausserdem wird SuperSU noch automatisch aktualisiert. (Wenn kein Xposed ausgewählt wird, wird automatisch ein „systemless Root“ durchgeführt.)
    Konnte ich dir deine Frage beantworten oder ist noch was unklar?

    (Eine bebilderte Anleitung gibts bei wonderhowto. Einfach nach „Update Your Nexus Without Losing Root (No Computer Needed)“ googlen, bingen oder yahooen. 😀

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