Es ist kein Geheimnis, dass immer mehr Kreative in Hollywood von der TV-Industrie genervt sind. So ist oftmals die ab Werk angeschaltete Zwischenbildberechnung der Stein des Anstoßes. Im September etwa riefen die Regisseure Christopher Nolan („The Dark Knight“) und Paul Thomas Anderson („Magnolia“) dazu auf TV-Käufer besser über die Einstellungen aufzuklären und sie leichter deaktivierbar zu machen. Nun stimmt spannenderweise auch der Streaming-Anbieter Netflix mit ein und geht sogar einen Schritt weiter.
Auch Tom Cruise rief übrigens vor einigen Wochen dazu auf den Film „Mission: Impossible – Fallout“ doch bitte daheim ohne Zwischenbildberechnung zu konsumieren. Netflix schlägt nun angesichts der kürzlich erfolgten Veröffentlichung des Films „Roma“ ähnliche Töne an. Da dürfte allerdings wohl auch der renommierte Regisseur Alfonso Cuarón („Gravity“) ein Wörtchen mitzureden gehabt haben. So bittet Netflix auf einer eigens eingerichteten Infoseite nicht nur darum die Zwischenbildberechnung, sondern auch andere Bildverschlimmbesserer abzuschalten.
Witzigerweise ist das eine Meinung, die sich seit über zehn Jahren vertrete: Filme gucke ich mir persönlich mit möglichst neutralen Bildeinstellungen an, um so nahe wie möglich an die intendierte Ästhetik zu kommen. Denn wenn im Extrem alle Blockbuster aussehen wie kunterbunte Animationsfilme oder Seifenopfern, dann geht viel von der Erfahrung verloren. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie er sich im stillen Kämmerlein seinen Fernseher konfiguriert. Aber das Problem ist eben auch, dass viele Laien gar nichts davon ahnen, was ab Werk an Software-Eingriffen erfolgt.
Genau da setzt nun Netflix mit Aufklärung an. Der Streaming-Anbieter hat sich nämlich zur Hilfestellung sogar die Mühe gemacht für einzelne TV-Hersteller die Settings aufzulisten, welche der Zuschauer besser ausknipsen sollte. Als wichtigste Basiseinstellungen empfiehlt Netflix eben die Zwischenbildberechnung auszuschalten, eine neutrale Farbtemperatur zu wählen (nicht „Kalt“ oder „Warm“) und HDR zu aktivieren, insofern verfügbar.
Zudem rät Netflix die Schärfe möglichst auf einen Wert von „0“ zu bugsieren. Auch das ist sinnvoll: HD- oder gar UHD-Streams sind scharf genug und eine Nachschärfung durch die TV-Software kann zu Nebeneffekten wie Doppelkonturen führen oder bei der Erhöhung der Schärfe bestimmter Objekte andere vernachlässigen. Es können also paradoxerweise durch die Nachschärfung sogar Details verloren gehen.
Unten seht ihr noch einmal die weiteren Einstellungen, die Netflix für den Film „Roma“ bei den einzelnen TV-Herstellern empfiehlt. Im Grunde könnte man jene Empfehlungen aber ganz allgemein auf Kinofilme münzen – auch egal ob bei Amazon Prime Video, Netflix oder über Ultra HD Blu-rays.
Samsung:
- Dynamic Contrast: Off
- Black Tone: Off
- Flesh Tone: 0
- Gamma: 0
- Motion Lighting: Off
- Digital Clean View: Off
- Smart LED: Off
LG:
- Super Resolution: Off
- Dynamic Color: Off
- Clear White: Off
- Motion Eye Care: Off
- TruMotion: Off
- Real Cinema: Off
Sony:
- Noise Reduction: Off
- MPEG Noise Reduction: Off
- Dot Noise Reduction: Off
- Reality Creation: Off
- Smooth Creation: Off
- Motionflow: Off
- CineMotion: Off
- Black Corrector: Off
- Auto Light Limiter: Off
- Clear White: Off
- Live Color: Off
- Detail Enhancer: Off
- Edge Enhancer: Off
- SBM: Off
Vizio:
- Black Detail: Off
- Active LED Zones: Off
- Clear Action: Off
- Gamma: 2.2
