Es gab eine Zeit, das ist gar nicht allzu lange her, in der war nahezu unvorstellbar, dass Streaming-Anbieter auch selbst Inhalte produzieren könnten. Jene sollten qualitativ auch noch mit traditionellen Fernsehserien oder sogar Kinofilmen konkurrieren? Da winkte manch einer lachend ab. Mittlerweile haben sowohl Amazon als auch Netflix bewiesen, dass ihre Eigenproduktionen wirklich etwas zu bieten haben und sich hinter den Produktionen großer US-Sender wie Showtime, Starz oder HBO nicht zu verstecken brauchen. Zeit für einen persönlichen Blick auf die Top 5 der Netflix Originals.
Dazu sei gesagt: Mittlerweile bietet Netflix eine solche Flut von Eigenproduktionen, dass es mir wirklich schwer gefallen ist meine fünf Favoriten herauszupicken. Beispielsweise finde ich auch „Glow“ grandios. Auch „Flaked“ mit Will Arnett hat mir super gefallen. „House of Cards“ wäre ebenfalls fast in meine Liste gewandert – Staffel 1 und 2 hätten das problemlos geschafft – später hat die Serie meiner Ansicht nach allerdings stark abgebaut.
Ansonsten gilt freilich: Immer gerne her in den Kommentaren mit euren eigenen Favoriten! Denn meine Top 5 sind natürlich höchst subjektiv. Caschy etwa würde mich sicherlich gerne dafür steinigen, dass ich „Stranger Things“ gar nicht in diese Riege geschoben habe. So besitze ich sogar aufgrund der saucoolen VHS-Aufmachung beide Staffeln auf Ultra HD Blu-ray, bin aber nie über die ersten beiden Folgen hinaus gekommen. Hat mich einfach nicht gepackt.
Und so ist das eben: Ist Geschmackssache. Deswegen bin ich gespannt, ob ihr meinen Top 5 Netflix Originals zustimmt, völlig andere Serien in diese Liste hieven würdet oder vielleicht sogar einen neuen Tipp für mich habt.
5. Eine Reihe betrüblicher Ereignisse
Diese Serie mit Neil Patrick Harris erinnert mich visuell sehr an eine meiner Lieblingsserien: „Pushing Daisies“! Kein Wunder, denn bei beiden Formaten hat Regisseur Barry Sonnenfeld seine Finger mit im Spiel gehabt und teilweise auch Regie geführt. Mir gefällt die Serie um die Baudelaire-Kinder und den verschlagenen Graf Olaf, der hinter ihrem Vermögen her ist, in der schrägen Machart sehr gut. Mit drei Staffeln ist die Serie bereits rund abgeschlossen, so dass ihr hier von Anfang bis Ende bereits durchsuchten könnt, wenn ihr Lust habt.
Tolle Eigenproduktion von Netflix, die auch Fans der Filme von Tim Burton gefallen dürfte. Und Neil Patrick Harris geht meiner Meinung nach einfach immer.
4. The Umbrella Academy
Auch „The Umbrella Academy“ erinnert mich direkt an eine meiner Lieblingsserien, nämlich „Heroes“. Ok, ok die späteren Staffeln taugten wenig, aber speziell die erste Runde liebe ich bis heute. Auch in „The Umbrella Academy“, basierend auf einer Comicvorlage vom My Chemical Romance Sänger Gerard Way, geht es um ein enigmatisches, apokalyptisches Szenario, das eine ungleiche Heldentruppe zu verhindern sucht. Dabei vermischen sich auch verschiedene Zeitebenen und Dimensionen – hat manchmal auch etwas von der britischen Serie „Utopia“.
Staffel 1 krankte zwar ein wenig an einem recht langsamen Erzähltempo, hat mir seiner Mischung aus düsterer Comic-Atmosphäre und exzellentem Cast aber bei Laune gehalten. Ich hoffe sehr auf eine zweite Staffel, denn Runde 1 endet mit einem Cliffhanger. Falls ihr etwa auch „Watchmen“ mögt, ebenfalls ein Graphic Novel bzw. Film mit einem zynischen Blickwinkel auf Superhelden, dann könnte euch „The Umbrella Academy“ bestimmt ebenfalls Spaß machen.
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3. Castlevania
Gute Videospiele-Verfilmungen gibt es wie Sand am Meer… Ja, bei diesem Satz muss ich selbst beinahe lauthals lachen, denn bis heute kriegt es Hollywood im Grunde nicht hin auch nur einen brauchbaren Film zu liefern. Egal, ob man da an „Assassin’s Creed“, „Tomb Raider“ oder „Max Payne“ denkt – die Spiele erzählen da durchweg spannender Geschichten als die Filme. Traurig, wenn das krawallige „Mortal Kombat“ aus dem Jahr 1995 noch heute eine der besseren Verfilmungen bleibt.
Doch nicht alles ist verloren, denn lässt man seinen Blick auf Serien schweifen, dann naht Erlösung: „Castlevania“ bedient sich vor allem bei den beiden Klassikern „Castlevania III: Dracula’s Curse“ (NES) und „Castlevania: Symphony of the Night“ (PlayStation). Staffel 1 habe ich bereits geliebt, die zweite Runde setzt aber sogar nochmal eins drauf. Dabei begeht die Serie nämlich nicht den Fehler nur auf knallharte Action zu setzen, sondern führt die Charaktere langsam ein und gibt besonders dem Obervampir Dracula eine glaubhafte Motivation und vor allem in Staffel 2 erstaunlich viel Profil.
Und wenn dann bei der sauber animierten Action sogar mal der Klassiker „Bloody Tears“ die blutigen Kämpfe untermalen darf, dann schlägt jedes Fanherz höher. Ich freue mich jedenfalls schon auf Staffel 3 und bin sehr froh, dass „Castlevania“ mittlerweile zeigt, dass nicht jede Verfilmung einer Videospielereihe unerträglich enden muss. Von diesem Format würde ich mir mehr wünschen!
2. Arrested Development
Ich gehöre wohl zu der eher überschaubaren Fangemeinde von „Arrested Development“ in Deutschland. In den USA lief die Comedy-Serie zunächst für drei Staffeln auf dem TV-Sender Fox, ist ab Staffel 4 aber exklusiv bei Netflix beheimatet. Man geht hier einen anderen Weg als viele Sitcoms, da die Serie einem kontinuierlichen Handlungsbogen folgt und größtenteils auf in sich abgeschlossene Folgen verzichtet. Noch im März wird die zweite Hälfte zu Staffel 5 erscheinen, auf die ich mich schon unheimlich freue.
Im Zentrum steht die dysfunktionale Bluth-Familie, die mit unter anderem Michael Cera, Jason Bateman und Will Arnett grandios besetzt ist. Es treten auch immer wieder bekannte Gaststars wie Isla Fisher oder Regisseur Ron Howard als er selbst auf. Letzterer fungiert im Originalton auch als Erzähler der Serie. Wer auf schrägen Humor mit schrulligen aber liebenswerten Charakteren steht, der sollte bei „Arrested Development“ unbedingt mal reinschauen.
1. Bojack Horseman
Nochmal Will Arnett: Der Schauspieler mit der rauen Stimme leiht in „Bojack Horseman“ dem titelgebenden Charakter sein unverkennbares Organ. Anfangs musste ich mich sehr an den minimalistischen Zeichenstil der Serie gewöhnen, der eigentlich gar nicht meinem persönlichen Sinn für Ästhetik entspricht. Dazu kommt, dass die ersten Folgen der Animationsserie sich ein wenig zu sehr in ihrer bizarren Welt ergehen, aber zunächst wenig gehaltvoll wirken. Das ändern sich aber rasant, so dass „Bojack Horseman“ für mich zugleich eine der witzigsten aber auch traurigsten Serien ist, die aktuell produziert werden.
Bojack Horseman ist ein abgehalfter TV-Star, der sich durchs Leben säuft, die Welt und sich selbst hasst. Doch immer wieder versucht er sich zu ändern, das Richtige zu tun – um an sich selbst und seiner Umwelt zu scheitern. Dabei scheut die Serie nicht vor sehr ernsthaften Themen wie Selbstmord, Depressionen, Fehlgeburten und anderen gesellschaftlich relevanten Aspekten zurück, die erstaunlich vielschichtig dargestellt werden. Das gilt auch für die zwischenmenschlichen Beziehungen.
Dass neben Will Arnett auch hochkarätige Schauspieler bzw. Schauspielerinnen wie Aaron Paul („Breaking Bad“) und Alison Brie („Glow“) zum Cast zählen, zeigt, dass man diese Produktion von Anfang an ernst genommen hat. Die letzten Staffeln habe ich stets direkt nach Erscheinen bei Netflix durchgeschaut. Hoffentlich gibt es bald wieder Nachschub.
