Mozilla Chef macht sich unbeliebt, OkCupid warnt Nutzer vor Firefox

Brendan Eich wurde letzte Woche zum neuen Vorstandsvorsitzenden bei Mozilla ernannt. Klingt erst einmal unspannend, interessant ist jedoch die Einstellung des Herrn. Dieser spendete bereits 2008 für ein Verbot gleichgeschlechtlicher Ehe. Kurz nach seiner Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden haben 3 Mitglieder den Aufsichtsrat verlassen, die Gründe dafür sollen allerdings nicht bei Brendan Eich liegen. Mitarbeiter von Mozilla machten ihrem Ärger über Twitter Luft, Eich reagierte mit einem Blogpost, der natürlich hervorhebt, dass bei Mozilla alle Menschen gleich behandelt würden. Jemanden, der zu seinen Prinzipien steht, das ist genau das, was sich jedes Unternehmen wünscht.

OKCUPID

Wir haben also einen vermutlich homophoben Mozilla-Chef, Chef eines Unternehmens, das so oft von einer Gleichstellung aller träumt und wir haben Mozilla-Mitarbeiter und mittlerweile auch Webseiten, die Eich als CEO für nicht tragbar halten. Die Dating-Webseite OkCupid warnt Firefox-Nutzer sogar mit einer Willkommensbotschaft, die Nutzer dazu aufruft, auf einen anderen Browser auszuweichen. Grund hierfür ist Eichs Einstellung zu gleichgeschlechtlichen Paaren.

Die Geschichte ist sicher noch nicht gegessen. Wenn Eich noch ein paar Wellen schlägt, könnte das Ganze auch einen tatsächlichen Schaden für Firefox bringen. Keiner empört sich so schnell, wie die „Netzgemeinde“, allerdings ist dort auch meist die Luft ganz schnell wieder raus. Unschön ist es trotzdem, sowohl Eichs Einstellung, als auch die öffentliche Reaktion darauf. Aber manchmal hilft eben nur laut. Würdet Ihr den Browser wechseln, weil der neue Chef eine andere Einstellung habt als Ihr?

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Sascha Ostermaier

*Mitglied der Redaktion 2013 bis 2019* Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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65 Kommentare

  1. Was für ein Unsinn, sich darüber so aufzuregen.

  2. Sebastian says:

    Zuerst hielt ich es für einen Aprilscherz, aber wirkt durchaus ernst zu nehmen.
    Natürlich ist die Einstellung des Herrn Eich unschön – andererseits ist bei einem Browser für mich dann doch die technische Seite das Entscheidende und nicht persönliche Meinungen des CEO.
    Für mich ist der Firefox momentan die Erste Wahl. Vorher nutzte ich Chrome, aber Chrome bekommt derzeit seine Darstellung auf High-DPI-Displays einfach nicht hin und ist (auch mit aktivierter High-DPI-Funktion) auf meinem Thinkpad Yoga nicht wirklich nutzbar.
    Ich nutze den Browser der mir das beste Surf-Erlebnis bietet – CEOs kommen und gehen.

  3. Firefox existiert noch? Das überrascht mir viel mehr als der ganze Tumult um den neuen CEO.

  4. Tja, Meinungsfreiheit gilt nur solange, wie man die Meinung der political correctness hat.
    Warum muß eigentlich jemand der gegen Homoehe ist direkt homophob sein? Ich bin auch gegen die Homoehe und daß ich nicht homophob bin, können meine homosexuellen Freunde bestätigen. Auch muß eine Einstellung gegen Homoehe nicht gegen die Gleichstellung sein. Eine Ehe hängt für mich mit Reproduktion zusammen. Dies ist nunmal nicht möglich. Weiter bin ich auch der Meinung, daß bei Adoption auch mal an die Rechte des Kindes gedacht werden soll. Wie oft merkt man, daß bei alleinerziehenden dem Kind der jeweils anders geschlechtliche Elternteil fehlt? Wir gehen immer mehr in die Richtung, daß Gleichberechtigung (wichtig und soll umgesetzt werden) mit Gleichmacherei verwechselt wird.

  5. @Bernd, möchtest Du einfach nur ein bisschen rum flamen oder sollen wir Deinen Kommentar irgendwie ernst nehmen??? *facepalm*

  6. Also mit Verlaub, aber das ist doch abartig. Der Herr Eich hat ein Recht auf seine Meinung und ein Recht auf die freie Äußerung eben dieser. Und nur weil jemand für ein Verbot gleichgeschlechtlicher Ehe spendet, ist er auch noch lange nicht homophob. Da gibt es das Argument des heiligen Sakramentes, zum Beispiel. Für mich persönlich spielt das keine Rolle, aber man muss ja die Meinung anderer akzeptieren können.

    Auf solch einer Basis jemanden als homophob abzustempeln ist schlicht weg falsch und populistisch, Caschy.

  7. Was ist denn an der öffentlichen Reaktion unschön?

    Boykott ist das einzige Mittel, dass wir als Nutzer haben. Sei es nun Mozilla (klar muss solch eine Organisation für jeden halbwegs offenen Menschen damit zunehmend kritisch beäugt werden. Firefox nicht mehr zu nutzen ist dämlich – aber hoffentlich werden die Spenden massiv zurückgehen) oder Borussia Dortmund, welches nach wie vor absolut nichts relevantes gegen den rechtsextremen Block in ihrer Security tut (siehe bspw. diverse WDR Dokumentationen der letzten zwei Jahre). Bei beiden gibt es nur Lippenbekenntnisse.

  8. Es gibt noch ne offizielle Erklärung von Mozilla dazu:
    https://blog.mozilla.org/blog/2014/03/29/mozilla-supports-lgbt-equality/

  9. Moment! „Wir haben also einen vermutlich homophoben Mozilla-Chef“ – Gegen die gleichgeschlechtliche Ehe zu sein und Homophobie sind immer noch zwei paar Stiefel. Ersteres ist bekannt, für zweiteres will ich einen Beleg sehen, wenn das so formuliert wird. Es ist schon schlimm genug, was da momentan diskutiert wird, da kann man dann auf weitere Interpretationen gut verzichten. Homophobie ist ein extrem starkes Wort und sagt mehr aus als das, was wir wissen.

    Passend zum Thema Interpretation: Jemand hat in die Welt gesetzt, dass drei Aufsichtsratsmitglieder zurückgetreten wären und alle schreiben es nach. Ein Name davon ist John Lilly. Dumm nur, dass er bereits eine Woche zurückgetreten ist bevor Eich zum CEO ernannt worden ist.

    In jedem Fall finde ich die derzeitige Aufregung ziemlich künstlich. Die Spende war 2008 und lange bekannt, das ist absolut keine neue Information. Als CTO hatte er zudem bereits vorher eine der höchsten Ränge innerhalb Mozillas, ja als Gründer von Mozilla ist er sogar seit über 15 Jahren in führender Position bei Mozilla. Wenn ich mich also über Eichs Stellung aufregen möchte, dann wäre das doch bitteschön vor spätestens zwei Jahren angebracht gewesen, als das Thema bereits in den Medien war. Jetzt wird etwas wiedergekaut, was längst diskutiert worden ist.

    Nur damit wir uns richtig verstehen: Unterstütze ich Eichs Spende von vor sechs Jahren? Nein, definitiv nicht. Halte ich Eich für den richtigen CEO? Auf jeden Fall. Gab es innerhalb Mozillas jemals Probleme aufgrund seiner persönlichen Einstellung? Zu keinem Zeitpunkt, das bestätigen alle Mozilla-Mitarbeiter, welche sich zu dem Thema geäußert haben, auch diejenigen, welche um seinen Rücktritt als CEO bitten.

    Man darf bitte auch eines nicht vergessen: Niemand kennt seine Beweggründe für seine Einstellung. So etwas kann viel mit Erziehung zu tun haben, mit dem Umfeld, in dem man aufwächst, ja das kann sogar religiös motiviert sein. Wollen wir mal nicht vergessen, dass auch die christliche Bibel recht eindeutige Passagen diesbezüglich hat. Was ich auf einer anderen Seite gelesen habe und worüber man mal nachdenken sollte: Wir sind hier heute auch alle der Meinung (da bin ich mir sicher), dass Sklaverei etwas Schlechtes ist. Nun, aber wer kann mit absoluter Sicherheit garantieren, dass er genau so denken würde, wenn er in eine andere Zeit in eine Sklavenhalter-Familie geboren wäre? Auch ein Eich wurde in seinem Leben durch gewisse Dinge beeinflusst. Ich will damit sagen: Eich denkt nicht zwangsläufig so, weil er ein schlechter Mensch sei, es kann durchaus „schlüssige“ Gründe dafür geben, auch wenn es nach unseren Vorstellungen eine falsche Einstellung ist. Entscheidend für seine Rolle als CEO und ein Fakt ist, dass er in seiner Rolle für Mozilla nie etwas getan hat, was homosexuelle Menschen in irgendeiner Weise benachteiligt. Und was Prop 8 betrifft, ja das hätte Menschen benachteiligt, aber das Spiel ist aus, das hat er verloren.

    Womit ich ein Problem habe ist wenn Menschen nun aber ohne Hintergrundwissen einen auf Moralaposten tun und dann selbst Meinungen diktieren wollen. Eich ist gegen die gleichgeschlechtliche Ehe vor sechs Jahren gewesen, das wissen wir. Okay, die meisten von uns wahrscheinlich nicht. Das ist kein Grund für Hetzereien. Es gibt so viele kontroverse Themen und ich bin mir sicher, dass ausnahmslos jeder irgendwelche Einstellungen hat, für die andere kein Verständnis aufbringen können. Wollen wir über Abtreibungen reden, über Kriege zur „Sicherung der Demokratie“? Ich bin mir sicher, da haben manche auch sehr genaue Vorstellungen über Richtig und Falsch.

  10. Ich bin für die Homo-Ehe.
    Muss ich deshalb alle schlecht finden die dagegen sind?
    Und deren Produkte boykottieren?
    Daneben!

  11. „Boykott ist das einzige Mittel, dass wir als Nutzer haben. Sei es nun Mozilla (klar muss solch eine Organisation für jeden halbwegs offenen Menschen damit zunehmend kritisch beäugt werden. Firefox nicht mehr zu nutzen ist dämlich – aber hoffentlich werden die Spenden massiv zurückgehen)“

    Ich kann nur hoffen, dass du das nicht ernst meinst. Wer würde davon denn profitieren? Der Firefox-Nutzer? Nein. Das Web? Definitiv nicht, das braucht Mozilla. Aber Google würde davon profitieren. Unterstützen wir noch mehr Google:

    http://pando.com/2014/01/23/the-techtopus-how-silicon-valleys-most-celebrated-ceos-conspired-to-drive-down-100000-tech-engineers-wages/

    (geht auch um andere Namen, aber nicht Mozilla. Das betrifft aber wirklich die Firma und nicht das, was eine einzelne Person mit seinem Privatvermögen anstellt)

  12. @Soeren Waehrend ich es generell wuenschenswert finde, dass jemand hier etwas vernuenftiger argumentiert, gibt es dennoch zwei Punkte, die meines Erachtens problematisch sind:

    -der Zeitpunkt der Aufregung: als CTO stehst Du bei weitem nicht so im Rampenlicht sondern bist, effektiv, weiterhin nur ein Befehlsempfaenger. Als CEO bist Du nicht nur der Mensch der Entscheidungen trifft, sondern auch der, der in der Oeffentlichkeit steht. Von daher ist ein heutiger Aufschrei weder verkehrt noch „kuenstlich“.

    – noch viel wichtiger: natuerlich ist die vehemente Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe eine homophobe Einstellung. Man verwehrt zwei homosexuellen Menschen das Recht darauf, sozial anerkannt einen Bund fuers Leben einzugehen. Dies ist, fuer aufgeklaerte Menschen, schlicht diskriminierend. Diskriminierung gegen Homosexuelle = aktive Homophobie. Unabhaengig davon, ob das einen persoenlichen oder religioesen Hintergrund hat.

    Daher, wie schon oben geschrieben, ist es durchaus legitim, ein Unternehmen, welches sich bewusst fuer solch eine Repraesentationsfigur entscheidet, zu meiden. Das heisst nicht, dass wir nun sein Leben zur Hoelle machen sollen (um im religioesen Bild zu bleiben), da es ausreichend andere Menschen gibt, die noch viel asozialer sind. Allerdings hat Eich es versaeumt, sich von seiner damaligen Spende zu distanzieren sondern schickt die PR Abteilung vor. Das ist nicht nur aus strategischer Sicht ausserordentlich dumm, sondern zeigt auch deutlich, dass er seine Grundauffassung nicht geaendert hat. Daher sollte man sich als (theoretisch) selbstbestimmender und weltoffener Mensch halt ueberlegen, ob man Mozilla weiterhin unterstuetzen moechte.

    • „als CTO stehst Du bei weitem nicht so im Rampenlicht sondern bist, effektiv, weiterhin nur ein Befehlsempfaenger. Als CEO bist Du nicht nur der Mensch der Entscheidungen trifft, sondern auch der, der in der Oeffentlichkeit steht. Von daher ist ein heutiger Aufschrei weder verkehrt noch “kuenstlich”.“

      Eich ist aber definitiv kein Befehlsempfänger, er ist einer der führenden Köpfe von Mozilla, nicht erst seit der Ernennung zum CEO. Eich stand schon vorher sehr in der Öffentlichkeit. Eich ist ja auch kein x-beliebiger CEO, er ist der Gründer von Mozilla, er ist der Erfinder von JavaScript, er ist eine der wichtigsten Personen des Webs.

      „natuerlich ist die vehemente Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe eine homophobe Einstellung. Man verwehrt zwei homosexuellen Menschen das Recht darauf, sozial anerkannt einen Bund fuers Leben einzugehen. Dies ist, fuer aufgeklaerte Menschen, schlicht diskriminierend. Diskriminierung gegen Homosexuelle = aktive Homophobie. Unabhaengig davon, ob das einen persoenlichen oder religioesen Hintergrund hat“

      Das ist eine Sichtweise. Aber es gibt noch eine andere. Wer bestimmt nun, was die *korrekte* Sichtweise ist? Ich bin nicht der Meinung, dass man das uneingeschränkt so pauschalisieren kann. Man kann gegen die homosexuelle Ehe sein ohne homosexuelle Menschen gleich zu hassen. Ich bin weder gegen das eine noch gegen das andere, aber für mich ist das auch nicht schwierig, ich wurde tolerant erzogen, ich gehöre keiner Religion an, die etwas Schlechtes darin sieht, meine beste Freundin ist homosexuell, insofern ist Toleranz da überhaupt kein Problem für mich. Mein Punkt ist: Wir sollten nur über das reden, was wir wissen. Und von Eich wissen wir nur, dass er vor einigen Jahren für Prop 8 gespendet hat. Wir wissen nicht, ob mehr dahinter steckt, wir kennen auch seine Gründe dafür nicht.

      „Allerdings hat Eich es versaeumt, sich von seiner damaligen Spende zu distanzieren sondern schickt die PR Abteilung vor. Das ist nicht nur aus strategischer Sicht ausserordentlich dumm, sondern zeigt auch deutlich, dass er seine Grundauffassung nicht geaendert hat.“

      Was für eine PR-Abteilung? Dass Mozilla ein Statement veröffentlicht hat, dass Mitchell Baker ein Statement veröffentlicht hat, dass 20 wenn nicht mehr weitere Mozilla-Mitarbeiter dazu etwas geschrieben haben, da ist ganz sicher nicht von Eich angeordnet worden, das merkt man den Artikeln nämlich deutlich an, dass es persönliche Meinungen sind. Und das hier kommt von Eich, für mich klingt das entschuldigend:

      „I know some will be skeptical about this, and that words alone will not change anything. I can only ask for your support to have the time to “show, not tell”; and in the meantime express my sorrow at having caused pain.“

      „Daher sollte man sich als (theoretisch) selbstbestimmender und weltoffener Mensch halt ueberlegen, ob man Mozilla weiterhin unterstuetzen moechte.“

      Erscheint mir eine übertriebene Maßnahme, weil Mozilla dafür ziemlich wenig kann. Und was die Posten des CEO betrifft, nenne mir eine bessere Wahl für diesen Posten.

    • @Michael: „Soeren: Die Gesellschaft wuerde profitieren. Ist das nicht genug?“

      Äh, nein? Inwiefern würde die Gesellschaft davon profitieren, wenn Menschen keinen Firefox mehr benutze beziehungsweise Mozilla weniger Spenden erhält um seine Mission zu erreichen. Ich behaupte, „die Gesellschaft“ tangiert das nicht im Geringsten.

  13. Soeren: Die Gesellschaft wuerde profitieren. Ist das nicht genug?

  14. OK, dann sollten die Homosexuellen die gegen den Herrn Eich bashen, auch ohne Javascript im Internet surfen. Viel spass im Internet!

  15. „Ich bin auch gegen die Homoehe und daß ich nicht homophob bin, können meine homosexuellen Freunde bestätigen.“

    Der Klassiker. In Internetkommentarspalten lässt es sich nur so schlecht ausmachen, ob jemand wirklich noch so abgedroschene Phrasen von sich gibt oder ob das fehlplatzierte Ironie ist.

    „Moment! “Wir haben also einen vermutlich homophoben Mozilla-Chef” – Gegen die gleichgeschlechtliche Ehe zu sein und Homophobie sind immer noch zwei paar Stiefel. Ersteres ist bekannt, für zweiteres will ich einen Beleg sehen, wenn das so formuliert wird.“

    Was für einen ‚Beleg‘ möchtest du denn da sehen? Eine Doppel-Blind-Studie in einem peer-review Magazin zum Thema? Homophobia Quaterly…? Was soll denn das sonst sein, außer Homophobie? Anders herum wird ein Schuh draus: Die Argumente jener, die einem bestimmten Teil der Gesellschaft Rechte verwehrt, die man selbst in Anspruch nehmen kann, sollten belegt werden (btw. einem Land, daß zw. Staat und Kirche trennt, kann das heilige Sakrament wohl kaum ein Argument sein, das bezöge sich höchstens auf kirchliche Trauung).

    Deine Aussage wäre allein sinnvoll, wenn du auf die Position anspielen würdest, die Ablehnung der Homoehe erfolge aus der Erwägung, daß die bürgerliche Ehe sowieso ein schales Glücksversprechen ist und keine Emanzipation für Homosexuelle. Das ist m.E. aber eher eine Position von Homosexuellen selbst, von außen wäre das schon arg anmaßend, en passant jemanden die Erkämpfung von Rechten ausreden zu wollen, die man selbst genießt.

    ————
    Dass das natürlich von Homophobie motiviert ist, merkt man auch sehr schön am irrationalen Selbtwiderspruch in er Argumentation. Sascha hat das ja schon erwähnt: Eine Gesellschaft, die sich aufgrund der Durchsetzung von Freiheit und gleichberechtigter Teilhabe an der Gesellschaft erst gegründet hat – Mozilla nämlich – wählt einen CEO, der gegen Gleichberechtigung ist. Kommentarspalten-Philosophen, die sonst nicht müde werden, gegen „die da oben“, „den Staat und seine Datenkrake“ usw. zu argumentieren, kommen auf einmal ganz schnell wieder aufs Kinderkriegen für den Staat/die Gesellschaft, individuelle/familiäre Reproduktion als Grundlage der kollektiven. Dass einem der Widerspruch gar nicht mehr auffällt, spricht ja schon Bände.

  16. PerfectBlue says:

    Sollen sie aus homophob eben schwulen feindlich machen und es passt. Mir sind die Beweggründe warum er schwulen die Ehe vorenthalten will auch ziemlich egal wichtig ist nur WIE er Handelt (spenden dagegen ist eine Handlung) und nicht warum.

    Wenn einem das Thema egal ist muss man ja nicht boykottieren aber es ist auf jeden Fall eine valide Option ihm zu zeigen was man von seiner Einstellung hält.

    Über diesen Quatsch von Fraggle wegen „Eine Ehe hängt für mich mit Reproduktion zusammen“ kann man eigentlich nur lachen wenn es nicht so ernst wäre. Damit hätten Millionen Ehepaare kein Recht verheiratet zu sein weil sie aus verschiedensten Gründen keine Kinder bekommen können/wollen….

  17. mseelmann says:

    Um zur eigentlich Frage zurückzukommen :

    Nein!

    Und ganz ehrlich, verurteile ich deshalb z.B. CDU Symphatisanten, nur weil einige Personen dieser Partei auch Probleme mit NON-Heteros haben.
    Nein.

    Leben und leben lassen.

  18. @ Fraggle: Meinungsfreiheit bedeutet dass der Staat jeden seine Meinung äußern lässt (was er ja auch tut), nicht dass man jeden Dummfug unkommentiert stehen lassen muss. Denn genauso wie Eich das Recht hat seine Meinung zu sagen haben die User das Recht ihm mitzuteilen dass sie seine Aussagen ablehnen.
    Finde es sehr sonderbar das gerade Homophobe beim kleinsten Gegenwind sofort „Meinungsfreiheit!“ rumschreien.

  19. Ich bin auch mit der Meinung von Brendan Eich alles andere als einverstanden. Wenn zwei Menschen gleichen Geschlechts sich lieben lernen und später auch noch heiraten wollen, dann sollen sie das machen und glücklich werden. Da hat jeder ein Recht drauf und letztlich sind auch Homosexuelle weder bessere noch schlechtere Menschen als jeder andere auch, insofern ist Homophobie grundsätzlich abzulehnen in einer liberalen und toleranten Gesellschaft, die wir ja so gerne sein wollen (passiert leider noch viel zu selten).

    Auf der anderen Seite sehe ich momentan nicht, warum ich Mozilla und damit Firefox und Thunderbird aufgeben sollte. Bei den Mailclients passiert momentan viel zu wenig und eine wirkliche Alternative zu Thunderbird (nebenbei eines meiner Lieblingsprogramme) gibt es auf Windows einfach nicht. Bei Firefox ist das nicht anders. Die anderen Gecko-Browser bieten mir beileibe nicht das, was Firefox mir bieten kann, und die Chromium-Browser, die sich erweiterungstechnisch aus dem CWS bedienen, werden ab Sommer bestenfalls noch stark kastrierte und damit kaum brauchbare Extensions liefern können. Sicher, ich stehe dem Internet Explorer auch offener gegenüber als viele andere und mit Opera stünde ein dritter moderner Browser bei mir bereit, jederzeit von Firefox zu übernehmen, aber grundsätzlich ist Firefox als Standardbrowser aus technischer Sicht für mich momentan alternativlos und wird daher auch bleiben. Andere quelloffene Browser wie QupZilla oder QtWeb sind einfach noch lange nicht soweit. Es geht hier um die Technik, nicht um einen einzelnen Menschen innerhalb eines großen Rades. Sollte der Druck auf Mozilla wegen Eich zu groß werden, wird der eh zurücktreten müssen, so läuft das in den oberen Etagen solcher Stiftungen und Unternehmen, insofern wird sich das Problem irgendwann von alleine lösen, da bin ich mir ziemlich sicher.

  20. @Sören Hentzschel:
    „Das ist eine Sichtweise. Aber es gibt noch eine andere. Wer bestimmt nun, was die *korrekte* Sichtweise ist? Ich bin nicht der Meinung, dass man das uneingeschränkt so pauschalisieren kann. Man kann gegen die homosexuelle Ehe sein ohne homosexuelle Menschen gleich zu hassen. “

    Warum erst ‚Belege‘ fordern, also ein Argument dafür, daß die eine Sichtweise ‚korrekt‘ ist – nennen wir es der Einfachheit halber: plausibler, denn hier „Korrektheit“ einzufordern, ist ein strawman argument – dann relativierst du das ganze zu „hat halt jeder so seine Sichtweise“. Da es nunmal verschiedene Sichtweisen gibt, kodifiziert man Normen in Gesetzen. Die werden natürlich auch verschieden ‚gesehen‘, deswegen müssen sie juristisch ausgelegt werden in Prozessen etc. Glücklicherweise haben diverse Gerichte in den USA das bereits getan und die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt… da hast du deine ‚korrekt Sichtweise‘.
    Noch eine Methode, die ‚korrekt‘ herauszufinden, wäre sich mal mit der Geschichte und Genese von Homophobie zu beschäftigen, anstatt wilde Spekulationen in Internet-Kommentarspalten damit abrunden zu wollen, bei Argumentationsnot den Relativierer zu spielen.
    In welchem Szenario kann man denn gegen homosexuelle Ehe sein, ohne homophob zu sein? Und dass „Hass“ zu nennen, ist auch ein strawman argument. Wie sprechen von Homophobie, eine irrationale Angst. Die schlägt natürlich erfahrungsgemäß oft in Hass um, gerade bei Homophobie. Aber das schon so zu schreiben, also schon zum Hass zu stilisieren, soll nur die Messlate hochlegen, jemanden nachzuweisen, er sei homophob. Dieser Methode nach ist niemand mehr homophob.
    Entgegen deiner dir selbst ggü. sehr wohlmeinenden Behauptung, du seist tolerant erzogen, argumentierst du ganz schön energisch für etwas, in dem du deiner Auffassung nach ja nur der ganz neutrale Beobachter aus dem Krähennest bist. Ja, ja…

    • @Abe:

      „Entgegen deiner dir selbst ggü. sehr wohlmeinenden Behauptung, du seist tolerant erzogen, argumentierst du ganz schön energisch für etwas, in dem du deiner Auffassung nach ja nur der ganz neutrale Beobachter aus dem Krähennest bist. Ja, ja…“

      Nach der Nummer brauchst du nicht zu erwarten, dass ich auf den Rest deines Kommentars überhaupt eingehe. Manchen steigt wohl die Temperatur zu Kopf.

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