Mobile.schule: Online-Tagung zu zeitgemäßer Bildung

Der digitale Wandel im Bildungssystem ist in aller Munde. Corona hat viele Jahre lang aufgestaute Probleme der deutschen Schulen, Hochschulen und anderer Bildungseinrichtungen sichtbar gemacht und offenbart. Seit März dieses Jahres hat sich medial allgegenwärtig eine LehrerInnen- Schelte breit gemacht. Unfassbare infrastrukturelle Zustände, Unsicherheiten dem digitalen Wandel gegenüber, politische Ignoranz und fehlende Kompetenzen im Bereich der Lehrenden haben dafür gesorgt, dass deutsche Schulen europaweit katastrophal abschneiden. Der politische Weg ist klar, Technik muss her.

Die Hansestadt Bremen kauft 90.000 iPads für alle Schülerinnen und Schüler, Lehrergeräte für 820.000 KollegInnen sind von Angela Merkel bereits angekündigt worden. Die Antragsverfahren zu den Digitalpakt Milliarden werden vereinfacht und beschleunigt. Perspektivisch gesehen, kommen in diesen Monaten viele Hunderttausend Tablets und Laptops, digitale Tafeln und andere Gadgets in die Klassenräume.

Dazu rüsten alle Schulen auf mit Schulservern, Lernmanagementsystemen, Kommunikationsplattformen, digitalen Klassenbüchern, etc. Das, was Jahre lang versäumt wurde, soll nun mit Gewalt nachgeholt werden. Technologie erobert die Schulen und stellt dabei vieles auf den Kopf. Damit uns dies aber nicht die Ohren fliegt, braucht es vor allem eines, eine Qualifizierung der unterrichtenden KollegInnen. Bedienkompetenzen, Themen Medienethik, Medienerziehung, Jugendschutz, Medienkompetenz, eine sich komplett verändernde Didaktik und nicht zuletzt ein neues Rollenverständnis sind nun Großbaustellen, die es in ein zum Teil marodes infrastrukturelles Umfeld zu implementieren gilt. Eine Mammutaufgabe, die ein komplettes Schulsystem gegen die Wand fahren kann, wenn hier nun nicht behutsam aber doch mit großen Schritten vorgegangen wird.

Andreas Hofmann, 2008 technikaffiner Junglehrer, hat sich an seiner Schule, der Waldschule Hatten bei Oldenburg, bereits all diesen Themen zugewandt und nach Rücksprache mit den Eltern eine 1:1-Versorgung seiner Schüler mit mobilen Endgeräten durchgesetzt. Das wurde über die Jahre ausgeweitet und seit vielen Jahren ist die Arbeit mit Laptop und Tablet hier flächendeckend Standard. Sein Wissen, seine Erfahrungen und vor allem seine Fehler wollte er schon sehr früh weitergeben und startete offene Fortbildungstage für andere Lehrer der Region, lud die Unternehmen ein, die Soft- und Hardware stellen, mit denen er arbeitete und baute ein Workshop-Programm für damals 30 neugierige Besucher. Die mobile.schule war geboren. Im Laufe der Jahre wuchs das Interesse und man musste aus technischen Gründen 2014 in die Uni Oldenburg ausweichen, in die man schnell 500 Menschen zog, die in einer Messeausstellung alle relevanten Technikplayer besuchen, aus 80 Workshops über zwei Tage wählen konnten und sich Themen wie „Erklärfilme erstellen“, „Podcasts im Unterricht“, „VR/AR“ oder „3D-Druck“ von anderen Lehrern zeigen und erklären lassen konnten und aktiv mitgestalten durften.

2020 waren die 1000 Tickets für die mobile.schule binnen 90 Min. vergriffen und Rammstein wäre stolz gewesen, einen solchen Run auf die Tickets zu erfahren… wohlgemerkt für eine Lehrerfortbildung! Nunmehr waren 160 Workshops geplant, 50 Ausstellerfirmen waren an Bord, die maßgeblich die Finanzierung sicherten und ein buntes Rahmenprogramm stand ebenso: gemeinsame Kohltouren, Rotating Dinners, etc. sind Bestandteil. Vernetzung über die Landesgrenzen hinaus, Vernetzung aller Beteiligten des Bildungssystems, Vernetzung regional und sogar in angrenzende Länder hinein wie die Schweiz, Türkei, Österreich.

Und dann kam Corona…. mobile.schule (#mololdigital) wurde eine Woche vor Start abgesagt und nichts ging mehr. Es dauerte 3-4 Wochen bis die Schockstarre sich löste und Hofmann, seit 2018 nun selbstständig, die Tagung kurzerhand ins Internet verlegte. Mit dem Hauptkooperationspartner Adobe wurde nunmehr 7 Mal bereits online getagt… ein infrastrukturelles Backbone einer großen Videokonferenzlösung sorgte für die nötige Performanz, die Twitter-Community für die Expertise und Hofmann führt diese Fäden zusammen und erreicht damit jedes Mal 600-1000 Menschen, vernetzt die Kollegen nun online und sorgt dafür, dass auch das Rahmenprogramm beibehalten wird: Es wird online Wein verkostet, zusammen gekocht und aktuell backen viele der TeilnehmerInnen der nächsten #molol am 02.12. um die Wette.

Vernetzung, Community-Gefühl, ein Pool von Lehrern aus der ganzen Bundesrepublik und viel Herzblut erreicht das, was nun so notwendig ist: ein WIR-Gefühl, Qualifizierung und Spaß am Lernen. Die Süddeutsche Zeitung schrieb „Hofmann macht Fortbildung wieder sexy“ und die mobile.schule wirft Schatten und nicht nur Hofmann erweitert und verbessert Online-Formate ständig, sondern überall sprießen neue Fortbildungsformate aus dem Boden.

In diesem Atemzug möchte ich auf ein sich gerade aufbauendes neues Angebot hinweisen, „mobile.schule für Einsteiger“, um die KollegInnen zu erreichen, die solche Tagungen ggf. überfordern (Infos dazu auf mobile.schule in Kürze) und ein weiteres Angebot, das auf zwei Personengruppen abzielt, die häufig leider vergessen werden, die SchülerInnen und Eltern (http://kompetent.digital). Der digitale Wandel muss umfassend gedacht werden und diese Angebote sollen dabei helfen. Es tut sich was…

Interessierte können am 2.12 also direkt hereinschauen. Ich habe euch hier einmal das Programm angehangen. Über die Startseite könnt ihr euch anmelden.

Kontaktaufnahme mit A. Hofmann oder der mobile.schule über:  www.hofmann-medienberatung.de, http://mobile.schule oder auf Twitter unter #mololdigital

Anmerkung des Autors: Der Betreiber der Workshops, Andreas Hofmann, ist mir persönlich bekannt. Die Online-Wokshops sind kostenlos und da ich weiß, dass hier Lehrende mitlesen, reiche ich so einen guten Tipp gerne weiter. Des Weiteren bin ich Vater, der möchte, dass sein Sohn auch in der Schule digital kompetente Menschen vorfindet.

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

caschy

Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

Neueste Beiträge

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.
Es werden alle Kommentare moderiert. Lies auch bitte unsere Kommentarregeln:

Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.

Du willst nichts verpassen?

Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren.