Microsoft sieht die Zukunft in Unterwasser-Rechenzentren

Wir hatten das erste Mal 2016 über Project Natick berichtet: Gemeint ist damit ein Projekt von Microsoft, das sich darum dreht, Rechenzentren unter Wasser zu betreiben. Das habe viele Vorteile, etwa sei die Kühlung natürlich deutlich einfacher zu erreichen. Nach zwei Jahren Wasserbad wurde jetzt ein Zylinder mit dem Datacenter geborgen. Das Ergebnis spreche laut den Redmondern für die Fortführung des Experiments: Im Meer hätten die Komponenten achtmal zuverlässiger funktioniert als an Land.

Der Einsatz unter Wasser sei zudem nachhaltiger. Demnach könnten die Rechenzentren für die Stromversorgung direkt an Offshore-Windparks angeschlossen werden. Zumal die Hälfte der Weltbevölkerung laut Microsoft weniger als 200 Kilometer von den Küsten entfernt lebe und von solchen Rechenzentren im Nahbereich profitieren könnte. Laut Microsoft seien Unterwasser-Rechenzentren logistisch, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll. Man werde die Ergebnisse seines Experiments jetzt in die Nachhaltigkeitsstrategie für die Rechenzentren von Microsoft einfließen lassen. Mehr Informationen zum Projekt findet ihr im Übrigen auch hier bei Microsoft.

Zwölf Racks und 864 Server brachte Microsoft in seiner Röhre unter, die im Wasser versenkt wurde. Nun will man aber noch untersuchen, wie im Inneren die Gase, die mit der Zeit von den Kabeln und anderen Geräten freigesetzt werden, die Umgebung für die Computer beeinflusst haben könnten. Auch die Serverschränke schaut man sich genauer an. Die Stickstoffatmosphäre im Inneren war dabei offenbar viel weniger korrosiv als Sauerstoff. Außerdem wirkt sich das Fehlen von Menschen aus, die bei ihrer Arbeit die Komponenten durch Anstoßen beschädigen können.

In der lichtlosen Röhre müssen Server nur alle fünf Jahre ausgetauscht werden. Die wenigen, die vorher ausfallen, werden einfach vom Netz genommen. Microsoft wägt da also bereits viel ab, doch wie geht es nun konkret weiter? Microsoft habe laut eigenen Aussagen „Lust auf mehr“. Man überlege nun, wie man weitere Unterwasser-Rechenzentren errichten und miteinander vernetzen könnte. Spannende Sache, mal sehen, wie sich das Thema noch entwickelt.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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17 Kommentare

  1. Mit anderen Worten, Microsoft ist überflüssig 🙂

    Sorry, aber bei der Vorlage…

    • Hast du einen anderen Artikel gelesen, oder wie folgerst du aus diesem Artikel, dass die Rechenzentren zum Beispiel Windows und Office entwickeln?

      Generell ist das aber auf jeden Fall sehr interessant. Ich bin gespannt, ob man über die weiteren Erkenntnisse, die laut Artikel ja noch gewonnen werden sollen, auch noch was erfährt.

  2. Interessant. Könnte ein zukunftsfähiges Modell sein.
    Finde ich gut, dass Microsoft hier auch mal „out-of-the-box“ experimentiert.

  3. therealThomas says:

    Sehr interessante Sache!
    Da die allermeisten Server sowieso virtualisiert werden, macht es auch keinen Unterschied, wenn eine Hardware ausfällt, solange insgesamt in der VM-Farm noch genug Ressourcen vorhanden sind. Gerne mehr davon!

  4. Endlich auch im Winter warme Weltmeere! Was soll da schon schiefgehen?

    • klar! Und Atlantik und Pazifik ist demnächst das nächste Mittelmeer! Die Dinger glühen ja wie ein Atomreaktor…
      Nur dass jeder der ca. 1 000 000 Unterwasservulkane oder Hydrothermale Quellen (aka Schwarzer Raucher) bei einem Ausbruch mehr Energie ans Wasser in einer Stunde abgibt, als eine Serverröhre über die gesamte Lebenszeit. Hauptsache dummen Sarkasmus von sich geben.

  5. Und die defekten Geräte versenkt man dann auf dem Meeresgrund. Ach nee, da sind sind sie ja schon – wie praktisch.
    Im Ernst, ich hoffe, dass es für den produktiven Betrieb von Anfang an Regelungen gibt, wie mit defekten oder veralteten Komponenten verfahren wird.

  6. > Der Einsatz unter Wasser sei zudem nachhaltiger.

    Ob es nachhaltig ist die Meere aufzuheizen muss sich aber noch zeigen.

    • Das ging mir auch sofort durch den Kopf.
      Sicher, ein paar Server fallen nicht ins Gewicht, aber wenn es in Zukunft Masse wird …

      Meereswasser kühlt nicht so schnell ab wie Luft.

    • Ausnahmsweise sehe ich da kein Problem. Der Energieverbrauch ist an Land sogar noch deutlich höher weil die Abwärme meistens noch runtergekühlt wird. Gibt zwar viele Konzepte das mir Fernwärme zu verbinden, aber die meisten Rechenzentren laufen noch nach dem alten Motto, Rack Luftgekühlt, Klimaanlage zum runterkühlen und fertig. Außerdem können wir wahrscheinlich mehrere komplette Rechenzentren pro Woche im Meer versenken und würden in 100 Jahren keine nennenswerte Erhöhung der Wassertemperatur dadurch feststellen. Kann ja mal jemand ausrechnen, aber die Masse an Wasser im Weltmeer ist beachtlich (1332 Milliarden Kubikkilometer)

      • therealThomas says:

        Ich arbeite bei einem großen deutschen IT-Dienstleister und ins unserem Rechenzentrum verwenden wir aus ökologischen Gründe keine herkömmlichen Klimaanlagen. Obwohl bei uns natürlich auch einiges an Abwärme entsteht, ist diese Luft zu kalt für Fernwärme und wir dürfen nicht einspeisen.
        Wenn ich mich richtig erinnere, muss die Luft rund 110 Grad haben, das kommt bei keinem Rechenzentrum raus, das nicht brennt.

        • Kommt auf die Infrastruktur an – man kann sehr wohl die Abwärme an bspw. den Fernwärme-Rücklauf abgeben, der sich dabei vermutlich nur minimal erhöht. Die Standard-Rücklauf-Temperaturen bewegen sich in Deutschland im Bereich von 40-55 °C, da ist also durchaus Musik drin.
          In meiner „UnRAID-Kelleranlage“ gebe ich die meiste IT-Abwärme per WaKü an meinen 300L-Boiler im unteren Drittel ab, in dieser Schicht sind es zwischen ca. 12-26 °C – einen Effekt kann ich im Boiler nicht beurteilen, aber für die WaKü rentiert es sich deutlich. Der AMD Ryzen 9 3900x läuft bei max 45°C, die beiden NVIDIAs ebenfalls bei max 55°C – unter VOLLLAST.
          Nebeneffekt : das 19″-Chassis ist innen deutlich kühler geworden, und auch die Raumtemperatur (11m²) ist bei kühlen 18°C angekommen – zuvor waren es locker 22-23°C, wenn nicht sogar mehr.
          Effektiv bringt es bis heute nur bei kleinen Wirkungs-Kreisen wie Privathaushalten was, aber der Energiepreis kennt in der Regel nur den Weg nach oben – irgendwann rentiert es sich dann doch…

          PS: die dafür notwendige Wendel in den Boiler hat mir ein befreundeter Heizungsbauer eingebaut – für das Geld hätte ich vermutlich 2-3 komplette WaKü-Radiatoren-Sets bekommen, aber die sind garantiert nicht so langlebig wie der Boiler-Umbau…

  7. Eine auf den ersten Blick gute Idee, da man diese auch gleich an Windräder anschließen kann und wie im Text steht nah an den Endkunden ist. Hoffentlich überwiegen die Vorteile.

    P.S. noch eine neue News zu Microsoft. Microsoft hat Bethesda übernommen.

  8. Im ersten Moment hört es sich interessant an, jedoch wird das sicherlich nicht gut sein für unsere Meeresbewohner. Dann fragt man sich, muss sowas wirklich sein?

  9. Interessante Alternative für Terror in der Zukunft. Einfach mit dem selbstgebauten U-Boot so n Ding anbohren und Europa is offline. Ernsthaft: Jedes RZ ist gesichert wie Fort Know, wie soll das bei den Pötten funktionieren?

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