Microsoft: Kartellbehörden sollen Geschäftspraktiken von App Stores untersuchen

Microsofts Präsident und Chief Legal Officer Brad Smith meint, es sei an der Zeit, dass die Kartellbehörden in den USA und Europa über Taktiken diskutieren, mit denen App-Stores diejenigen ausnutzen, die ihre Software vertreiben wollen. Dabei wird Smith vermutlich nicht den Store von Microsoft meinen, sondern (auch) den von Apple – obwohl er den Hersteller des iPhones in seinen Äußerungen nicht nannte. Die europäischen Kartellbehörden leiteten am Dienstag eine Untersuchung gegen Apple ein. Sie sagten, Entwickler könnten ungerechtfertigterweise gezwungen werden, dem Unternehmen einen Teil der Einnahmen aus dem App Store zur Verfügung zu stellen.

Einige App-Stores schaffen eine weitaus höhere Barriere für fairen Wettbewerb und Zugang als Microsofts Windows, als es vor 20 Jahren wegen Kartellrechtsverletzungen für schuldig befunden wurde, sagte Smith am Donnerstag bei einer Veranstaltung von Politico. „Sie stellen Anforderungen, die zunehmend besagen, dass es nur einen Weg gibt, auf unsere Plattform zu gelangen, und zwar durch das Tor, das wir selbst geschaffen haben“, sagte Smith. „In einigen Fällen verursachen App-Store-Betreiber einen sehr hohen Preis für Entwickler – diese müssen bis zu 30 % Ihrer Einnahmen an den Gatekeeper (also quasi Apple im Store) geben“.

Apple reagierte laut dem Medium Bloomberg auf die Nachricht von der EU-Untersuchung am Dienstag mit den Worten: „Es ist enttäuschend, dass die Europäische Kommission grundlose Beschwerden von einer Handvoll Unternehmen vorbringt, die einfach alles kostenlos haben möchten und nicht nach den gleichen Regeln spielen wollen wie alle anderen“.

Wie es wohl in einer Welt ausgesehen hätte, in der Microsoft erfolgreich einen mobilen Store auf der eigenen Plattform angeboten hätte?

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

caschy

Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei LinkedIn, Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

Neueste Beiträge

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.

16 Kommentare

  1. bis zu 30 % war und ist in meinen Augen schon von Anfang an Wegelagerei gewesen, das die Europäische Politik aber 10 Jahre braucht das zu erkennen und z.B. noch immer nicht die Digitalen Umsätze die in Europa getätigt werden nicht versteuert ist mehr als peinlich und ein Armutszeugnis

  2. So unrecht hat er nicht. Bei Android kann man zumindest noch Apps aus anderen Quellen zulassen, aber Apple blockiert dies völlig. Der Vorteil der Sicherheit hat halt auch einen faden Beigeschmack wie man ehrlich zugeben sollte.

    • Richard Rosner says:

      Nicht vollständig, macht es nur äußerst unpraktikabel. Apps die man selbst signiert hat, dürfen maximal 7 Tage aktiv bleiben. Entsprechend liefert zB auch unc0ver einen Dienst mit, der das mit regelmäßigen Kontakt zum Mac automatisch aktualisiert

  3. „„Es ist enttäuschend, dass die Europäische Kommission grundlose Beschwerden von einer Handvoll Unternehmen vorbringt, die einfach alles kostenlos haben möchten und nicht nach den gleichen Regeln spielen wollen wie alle anderen“.“

    Das stimmt dich gar nicht…. es soll nicht kostenlos sein …. und die Regeln sollen überall gleich sein:

    * Der Käufer ZAHLT für sein Smartphone ….

    * und es gibt die allgemein gültige REGEL, daß jeder dann mit seinem bezahltrn Gerät machen kann, was er will… z.B. Software aus beliebigen App Stores installieren … oder sogar manuell aus einer Datei.

    (und der Gerätehersteller darf sowas nicht durch techn. Sperren verhindern)

    Dann wären alle glücklich: Apple Fans könnten die Vorteile eines Apple Apo Stores mit großer Auswahl und großer Sicherheit nutzen….

    … andere Anwender könnten ihre Freiheit, alles mögliche installieren zu können, ausleben.

    Drittanbieter können frei entscheiden, wie und wo sie ihre Apps anbieten.

    sie sind dann keine Schmarotzer, die Apples AppStore Infrastruktur für umme benutzen wollen…

    und sie sind auch keine Schmarotzer, weil sie nur deshalb Geld verdienen können, weil Apple das grossartige iPhone erschaffen hat… denn sonst wären ja die Tausende von Unternehmen, die Programme für Windows anbieten, auch Schmarotzer …. weil sie damit Geld verdienen, ohne Microsoft für das großartige Windows zu bezahlen.

    oder die reifenhersteller wären Schmarotzer, weil sie mit ihrem Reifen Geld verdienen können, nur weil die autohersteller mit viel finanziellem Aufwand diese großartigen Autos erfunden und hergestellt haben…

    oder die Hersteller von videorecorder… das waren auch Schmarotzer. die nutzten da voll aus, dass die Fernsehsender dieses großartige Fernsehprogramm ausstrahlen… ohne welches solches sie nie im Leben so viele videorecorder hätten verkaufen können…

  4. Ich finde Apple mit „Sicherheit“ Geschwafel echt nervig. Apple will überall noch mit verdienen. Ob es nun der Appstore ist oder eben Apples Zwang zu Applepay, weil se ja in grandioserweise auf ihrer NFC-Schnitstelle hocken.

    Freiheit steht bei Apple jedenfalls nicht im Duden.

    • Hat alles auch seine Vorteile, wenn ich mir Apple Pay oder Google Pay angucke. Diese Dienste bieten immerhin auch eine vernünftige Unterstützung für z. B. Smartwatches.
      Die selbstgebastelten Lösungen einiger Banken für Android bieten dies in der Regel nicht.

      Persönlich empfinde ich es zusätzlich als durchaus angenehm für alle Banken ein identisches Interface vorzufinden und mich nicht mit jeder einzelnen Bank-App rumärgern zu müssen. Diese sind meiner Erfahrung nach häufig doch recht umständlich zu bedienen.

      Ob das Ganze nun zu tatsächlich mehr Sicherheit führt, kann ich selbst nicht bewerten. Mag durchaus sein, dass dies nur das vordergründige Argument ist. Aber wie oben beschrieben hat dies auch durchaus andere Vorteile.

      • Richard Rosner says:

        Diese rechtfertigen aber diese Gängelung nicht. Wenn die Nutzer der Meinung sind, dass Apple/Google Pay besser ist, sollen sie das an ihre Banken herantragen. Das gibt Apple aber noch lange nicht das Recht, Alternativen, die eben auch besser sein können, von vornherein auszuschließen. Außerdem ist Apple Pay nur ein Beispiel. Tile ist ja such schon nicht begeistert, dass sie jetzt den kürzeren ziehen sollen, weil Apple jetzt etwas ähnliches bringen will. Und da hat man mit dem App Store und generellem Zugriff auf NFC noch gar nicht angefangen

        • Welche Gängelung? https://developer.apple.com/documentation/corenfc

          Um NFC geht’s nicht, sondern um das Secure Element. Das steckt in er Secure Enclave. Wenn man da drauf will und fleissig an Zahlungen verdienen will, muss man sich an einen Tisch setzen.

          Und Tile hat einfach nur ein bisschen Angst vor der Konkurrenz. Apple hat in den letzten iOS-Versionen die Privatsphäre angehoben. Jetzt müssen Apps nachfragen, ob sie dauerhaft im Hintergrund den Standort benutzen dürfen. Wenn man das macht dann funktionieren die Dinger von Tile wie gewohnt. Was soll daran so schlimm sein? Viel mehr als heisse Luft ist also nicht gewesen.

          Außerdem vergisst der nette Herr von Microsoft, dass sie nicht nur wegen der Platform (Windows) ein Verfahren an der Backe hatten, sondern weil sie Dritten (den OEMs) diktierten, welche Software sie vorinstallieren. Und wenn man das nicht gemacht hat, dann wurde mit dem Entzug der Windows-Lizenz gedroht.

          • Richard Rosner says:

            Wo ist es keine Gängelung wenn Apple sich unausweichlich macht? Bist du unter Android, Windows, Linux oder macOS einzig und alleine auf einen einzigen Store angewiesen? Wirst du unter Android gezwungen, Google Pay zu nutzen? Beide Male nein.
            Und natürlich sind alle Regeln nur für „Sicherheit und Privatsphäre“ ausgelegt, Apples Totschlagargument damit es auch ja niemand wagt aufzumucken. Wie kann man nur die Sicherheit der Nutzer aufs Spiel setzen, nur um Konkurrenz zu ermöglichen? Das geht ja gar nicht… Das ganze einfach so zu entwickeln, dass beide Seiten sich nicht ausschließen müssen wäre ja Arbeit und man hätte nicht mehr die absolute Kontrolle

            • Also mehr als drum herumreden kannst du nicht? Hast du Argumente? Ich ja. Ich brauch schon zwei Hände, um abzuzählen, wie oft die Kids im näheren Umkreis sich irgendwelchen Müll aus unsicheren Quellen heruntergeladen haben, weil’s angeblich kostenlos irgendwelches In-App-Zeug für Clash of Clans, Fortnite, Minecraft, usw bringt. Aber mehr als Kosten für die Eltern ist am Ende nicht bei rumgekommen.
              Und was war mit der Geschichte mit GPay und Paypal neulich? Das hat Paypal geschlampt. Aber ohne Google wäre das garnicht erst möglich. Die eine Hand wäscht die andere.

              Jeder kann sich Apps aus allen möglichen Quellen installieren. Die muss man selbst signieren. Das ist ein effektiver Weg, um Malware fernzuhalten. Manche alternative App Stores automatisieren das Ganze: https://builds.io oder https://altstore.io

  5. Ich hoffe, dass es irgendwann ein offenes System gibt. Dass es Apps nur noch als PWA gibt oder ähnlichem. Ich finde es übel, wenn ich für Dienste bezahle und wenn ich doch die Plattform wechsel alles weg ist… So ging es mir vom Wechsel von Windows Mobile auf Android. Ich möchte mich aber nicht auf eine Plattform binden wollen. Daher würde ich noch viel weiter gehen und die Apps auf keinen App-Store mehr beschränken wollen. 🙂

    Dass die Storebetreiber etwas anderes möchten und auch Microsoft anders denken würde, wenn sie die Macht hätten, ist auch klar.

  6. Ich will Apple hier nicht in Schutz nehmen, aber dass ausgerechnet Microsoft die Frechheit besitzt, die Kartellbehörde um Hilfe zu bitten, ist schon ganz schön verrückt.

    • Richard Rosner says:

      Sie sind damit nicht die einzigen. Mein letzter Stand war dass die Behörden mindestens in den USA ohnehin schon dran sind.
      Aber klar, was MS an kindischen Kleinkriegen führt über geführt hat, sind sie die letzten, die sich beschweren sollten

  7. Gab es bei Windows Phone alternative Appstores? Oder die Möglichkeit Apps ohne Store zu vertreiben? Mich stört der Appstore Zwang bei Apple ja schon von Anfang an aber das gerade Microsoft sich beschwert überrascht mich doch etwas.

    • Also zumindest kann man bei Windows Phone Apps einfach aus einer .xap-Datei installieren, genau wie apks bei Android. Ohne irgendwelche Zertifikate, die nur 7 Tage halten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bevor du deinen Kommentar abschickst:
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.

Du willst nichts verpassen?
Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren. Alternativ könnt ihr euch via E-Mail über alle neuen Beiträge hier im Blog informieren lassen. Einfach eure E-Mail-Adresse hier eingeben, dann bekommt ihr 1x täglich morgens eine Zusammenstellung. Mit dem Absenden willigst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.