Max Mosley gegen Google: automatische Zensur für Sexbilder

Kenner des Motorsports kennen sicherlich Max Mosley – den früheren Boss des Automobilverbandes FIA. Der war vor über 5 Jahren mal gefilmt worden, als er es mal richtig hat krachen lassen – Sexparty mit mehreren Prostituierten und Co. Dumm nur, dass sowohl Bild- als auch Fotomaterial in das Internet gelangten, kleiner Tipp: Google Bildersuche. Bereits vor einem Jahr ist Mosley deswegen mit seinen Anwälten vor Gericht gezogen – hier ganz um die Ecke, in Hamburg.

Google Office

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Aktuell läuft der Prozess gegen Google noch, interessant ist aber, was Mosley und seine Anwälte fordern. Die Forderung scheint Google so zu schockieren, dass man gleich darüber berichtet hat. Mosley verlangt, dass Internetunternehmen Filtersoftware installieren, um bestimmte Inhalte automatisch aufzuspüren und zu löschen. Konkret verlangt Max Mosley, dass Google einen Filter einsetzt, um den Google Index zu durchsuchen und automatisiert Seiten, die Bilder enthalten, aus den Suchergebnissen zu entfernen – ohne dass jemand, ganz zu schweigen von einem Richter, diese jemals gesehen oder den Kontext, in dem die Bilder erscheinen, bewertet hätte.

Logo: Filtermechanismen und ungeprüfte Löschungen dürften nicht nur Google sauer aufstoßen, sondern auch jedem, der ein freies Internet liebt – zumindest solange man selber nicht mal in die Verlegenheit kommt, ein paar Bilchen von sich finden zu müssen.

Konkret teilte Google mit, dass man bereits hunderte Seiten nach Beanstandung durch Max Mosley aus den Suchresultaten entfernt hat und bereit ist, weitere von ihm identifizierte Seiten ebenfalls zu entfernen. Sollte Mosley vor dem Gericht in Hamburg nicht Recht bekommen, so will er vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen. Das Urteil wird für den 10. Januar 2014 erwartet.

Meine Meinung: ein sehr schwieriges und sensibel anzupackendes Thema. Wir alle wollen ein freies und unzensiertes Internet. Aber wir begrüßen es auch, wenn Google mit Behörden zusammenarbeitet um zum Beispiel Bilder löscht, die im Zusammenhang mit Gewalt oder Kinderpornographie zusammenhängen.

Seit 2008 nutzt man Hash-Technologien, um bekannte Bilder zu markieren, sodass das Aufspüren von Kopien dieser Bilder im Internet möglich wird. Jedes Bild erhält eine eindeutige ID, einen digitalen Fingerabdruck und wandert in eine Datenbank.

Hier ist der schmale Grat betreten – wo fängt man an automatisiert zu löschen, wo hört man auf? Keine Frage, die jetzigen Löschungen von Gewalt gegen Kinder und Co unterstütze ich aus vollstem Herzen – doch darf nicht jeder Mensch Löschungen von Bildern fordern, die ihn in diesen Situationen zeigen? Sicher, man darf nicht Arschbacken mit Kuchen backen vergleichen, in meinem Beispiel handelt es sich um eine Gruppe Menschen, die sich nicht wehren kann, in zweiten Falle um eine Person des öffentlichen Interesses. Schwierig, schwierig…….falls ihr noch nicht mental im Wochenende seid: ich freue mich über eure Bewertung des Themas!

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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13 Kommentare

  1. Max Mosley ist ein Schwachkopf

  2. Es ist schwierig, dass ein automatisches System alles regeln soll. Da ist die Gefahr der „false positives“ zu groß.
    Der gute Mann sollte einfach mal aufpassen wann und wo er bei solchen Parties sein „Föttchen“ in irgendwelche Kameras hält. Da Google jetzt vor Gericht zu zerren ist schwierig. Warum nicht auch Bing oder Yahoo. Die haben doch ähnliche Mechanismen.

  3. Wenn er sich bei so etwas erwischen lässt sollte er auch dazu stehen…
    Ich meine es war ja keine gay party

  4. Zensur im Internet ist Schwachsinn und gefährlich. Wer bestimmt denn, was zensiert wird? Eine Firma wie google? Die Regierung? Irgendwelche realitätsfernen Gerichte? Womöglich der mit dem meisten Geld? Nein, Zensur ist der falsche Weg, wie schon damals die Zensursula-Diskussion gezeigt hat. Und falls wirklich strafrechtlich relevante Bilder wie z.B. Kinderpornos auf einem Server auftauchen, gibt es die Möglichkeit den Server durch länderübergreifende Zusammenarbeit von Behörden und Providern zu schließen. Das klappt viel besser als man gemeinhin glaubt.
    Fakten zum Mitreden gesucht?
    http://cre.fm/cre124-kampf-gegen-zensursula

  5. Ich verstehe immer nicht, warum die Leute gegen Google vorgehen? Normal müssten die jeden einzelnen Seiteninhaber vorgehen, oder zumindest gegen alle Suchmaschinen…

    Nur das wäre ja zu aufwendig

  6. „Wenn er sich bei so etwas erwischen lässt sollte er auch dazu stehen…
    Ich meine es war ja keine gay party“

    Kopfschütteln in zweierlei Hinsicht.

    Ich kann Mosleys Anliegen nachvollziehen und befürworte es. Ich mein, worüber reden wir hier Leute?
    Er ist immer noch ein Mensch mit einem Recht auf Privatsphäre und Würde. Ihr wollt solche Bilder oder Videos von Euch oder euren Liebsten sicher auch nicht für immer im Netz sehen müssen.
    Selbst wenn es sich um harmlose Urlaubsbilder handeln sollte, die jemand unrechtmäßig ins Netz gestellt hat, sollte man immer das Recht dazu haben, solches Material löschen zu lassen. Das hat für mich auch nichts mit Zensur zu tun, schließlich besteht hier kein berechtigtes öffentlichen Interesse.
    Wenn, wie im Fall der Mannheimer, Prostituierte vom Geld der Anleger bezahlt wurden, dann ja, aber selbst dann sind Bilder ja wohl nicht nötig, oder?

    Seht Ihr wirklich euer Recht auf Informationsfreiheit in Gefahr oder nur die Befriedigung euer perversen Gier nach Klatsch und Sextapes?

  7. Google, Bing etc. pp. listen – oft an erster Stelle – verlogene und obszöne Hetzseiten gegen mich. Als Autor dieses Ekelkrams erscheint dann normalerweise – ich! Zugegeben, wer mich wirklich für den Autor hält, hat wohl ein weitaus größeres Problem.
    Dennoch: Weder gegen Google noch gegen sonst einen Link-Lieferanten bin ich vorgegangen. Wenn, dann kämen nur die wirklichen Autoren selbst und ggf. auch die Hoster dieser Webseiten in Frage. Die meisten davon fallen aber gar nicht unter deutsches Recht.
    Und Vorsicht: Nicht jeder hat Aussicht auf Löschung unliebsamer Publikationen. Aus einem juristischen Standardwerk (Tröndle/Fischer) zum berüchtigten „Beleidigungsparagraphen“ StGB §185:
    „Die Mehrzahl der Anzeigeerstatter wird ohne größeres Federlesen auf den Privatklageweg verwiesen und erleidet dort nach Zahlung von Sicherheitsleistungen (§379 StPO), Gebührenvorschuss (§379a), Kostenvorschuss für das Sühneverfahren (§380) und des zur Erhebung einer formgerechten Klage in der Regel verforderlichen Rechtsanwaltshonorars regelmäßig Schiffbruch (§383 II), in hartnäckigen Fällen eine Sonderbehandlung zur Abwehr des Querulantentums… Für das Legalitätsprinzip und das gesetzliche Normalverfahren bleibt ein kleiner Kern von Taten übrig, unter deren Opfer Amtsträger und öffentlich wirkende Personen überrepräsentiert sind.“

  8. Genau deshalb brauchen wir ein internationales Recht. Globalisierungsängste hin oder her.

    Ich bin mal im Internet auf Pornos gestoßen in denen ein Österreicher auf der Zugfahrt (es wurden immer die selben Stationen durchgesagt) sich dabei filmte wie er vor augenscheinlich Minderjährigen (Schulkinder mit Rucksack) sich selbst befriedigt. Nach deutschem und auch österreichischen Gesetz fällt das unter Missbrauch von Minderjährigen. Macht man sowas vor Erwachsenen gilt es als sexuelle Belästigung.

    Ich hab darauf die deutschen und öst. Meldestellen darüber umgehend informiert. Was passiert ist könnt ihr euch denken. Die deutsche Behörde: „Der Seitenbetreiber liegt in den Niederlanden und die öst. Kollegen sind dafür zuständig…“ Die öst. Stelle, 2 Wochen später: “ Können sie uns nochmal den Link zu den Dateien zusenden…“

    Solche Videos gibt es zu hunderten, ganz „legal“ auf einschlägigen Sexseiten. Solang es keine globale Zusammenarbeit gibt und die „Piraten“ unter uns, die immer um ihre Freiheit bangen, aber eigentlich nur weiter kostenlos Kinofilme saugen wollen, sich lautstark gegen alles äußern was sie im geringsten Maße einschränken könnte, wird sich daran auch nichts ändern.

  9. Oh Gott, Hamburg?
    Na da hat er sich ja das richtige Kaspergericht ausgesucht…

  10. Wenn ich Google wäre, würde ich den Sachverhalt umdrehen: Eigentlich müsste er ja an Google einen Betrag zahlen, weil Google für ihn die Seiten aufspürt, die die Bilder unrechtmäßig veröffentlichen und es ihm somit erleichtert diese Seiteninhaber zu verklagen.

  11. Ich glaube aber, wir kommen an den Punkt an dem viele merken, das dieses Neuland nichts vergisst. Wenn die Bild oder Express über so eine Party berichten, landet das im Index der Suchmaschinen. Die Zeitungen landen im Müll, die Fotos, Videos oder Texte dazu bleiben auf den Servern und werden irgendwie hin repliziert. Ob da ein automatisches System die Lösung ist? Und wie einige schon schrieben. Wer füttert den Index für die zu löschenden Daten. Das kann auch ganz schon nach hinten los gehen. Das Alles sollte auf jedenfalls nicht in einem stillen Kämmerlein entschieden werden.

  12. Er ist ein Mann des öffentlichen Interesses, entsprechend auch gesellschaftlich gestellt und sicher auch entlohnt. Wenn er dann in der Öffentlichkeit derart die Sau rauslassen muss, sein Pech, dann muss er auch dazu stehen. Er kann ja auch niemanden, der es live mitbekommen hat oder dabei war verbieten, sich daran zu erinnern oder es zu kommunizieren.

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