Caschys Blog

Mac mini ausprobiert: Quadratisch, praktisch, gut?

Für diesen Testbericht habe ich einmal mein Arbeitsumfeld umgebaut. Normalerweise ist es so, dass ich die meiste Zeit des Tages am Schreibtisch sitze, vor mir ein iMac (Retina, Ultimo 2014) und sonst eher gar nichts, da ich sowohl den Blick auf Kabel nicht leiden kann und ich generell Unordnung auf dem Schreibtisch nicht ab kann. Im Rahmen meines Testberichts zum LG 5K UltraWide Monitor 34WK95U kam ich dann zum Entschluss, dass ich dann ja auch mal einen Blick auf den neuen Mac mini werfen kann.

Letzten Endes ist es so, dass ich in der Vergangenheit schon immer darauf herumdachte, ein größeres Display einzusetzen, was mit einem Mac mini funktioniert, für mich aber nicht mit dem iMac – ein zweites Display auf dem Schreibtisch kam für mich nie infrage. Rein leistungstechnisch ist es so, dass der iMac immer noch ausreicht, er ist nun über vier Jahre alt und er würde sicher noch länger für mich halten. War eine sehr gute Investition.

Der Mac mini ist also anders. Rechner im Kleinformat ohne Monitor und mit einem wesentlichen Mehr an Leistung ausgestattet als mein iMac. Videos umwandeln und so? Macht natürlich auch der iMac, allerdings langsamer durch RAM und Prozessor – und auch der langsamere Fusion Drive ist so eine Sache.

Der neue Mac mini ist meiner Ansicht nach nicht mehr vergleichbar mit seinem Vorgänger. Nicht nur der Mac mini hat sich verändert, auch die Welt der Nutzer da draußen. Desktop-Rechner halten viel länger als früher, vielen reicht Smartphone, Tablet oder Notebook. Der Mac mini ist also eher auf der Suche nach anderen Zielgruppen. Aluminium-Gehäuse und auf Wunsch jede Menge Leistung. Je nach Anspruch und Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger bekommt man das gute Stück in verschiedenen Konfigurationen.

Günstig im Vergleich zu Windows-Computern und NUCs ist der Mac mini auf keinen Fall, für 899 Euro bekommt man lediglich den Core i3 (vier Kerne) mit 8 GB RAM und 128 GB SSD. Das ist minimale Ausstattung für viel Geld. Interessant wird es da für viele sicher erst mit Core i5, mehr RAM und Speicher – da ist man schnell bei über 2.000 Euro. Ohne Display. Ohne Maus und Tastatur. Der Mac mini ist nicht mehr der günstige Einsteiger-Kasten, der Mac mini ist ein halber Mac mini Pro. Man spricht hier eben nicht mehr genannten Klientel an, die keinen Desktop mehr benötigen, sondern eben die anderen. Doch sicherlich hätte sich die Zielgruppe auch über andere Preise gefreut. Beruflich ist das immer eine Sache, da kann man Rechner auf drei Jahre absetzen, privat sieht das anders aus.

Apple verbaut im Mac mini 2018 nur noch SSDs, Lösungen wie Fusion Drive im iMac gibt es nicht mehr. Wie immer gilt: Man muss sich vorher schon gut überlegen, in welche Richtung man möchte. Schlummern die normalen Daten auf einer extern angeschlossenen Platten, der Mac mini 2018 soll nur Anwendungsdaten und Programme enthalten? Dann reicht vielleicht eine kleinere SSD und externer Speicherplatz, TB3 dürfte da flott genug sein. Ansonsten gilt: Der Prozessor ist fest verlötet und somit nicht tauschbar, allerdings kann man den RAM aufrüsten, entsprechende Anleitungen findet man im Netz.

In Sachen der Anschlüsse ist alles dabei, was man im normalen und fortgeschrittenen Alltag so braucht, 4x USB-C mit Thunderbolt und DisplayPort (angebunden an PCIe-Gen3, angeschlossene Geräte werden auch geladen), 1x HDMI 2.0, 2x USB 3.1 Typ A, Bluetooth 5.0 und für Audio-Out gibt es einen klassischen Klinkenanschluss mit 3,5 mm – wobei der Mac mini auch interne Lautsprecher hat. Der Mac mini hat schnelles WLAN an Bord, kann aber auch per Kabel ins Netzwerk gebracht werden. RJ45, wie üblich – 1 Gigabit in der Standardausführung, gegen Aufpreis von 120 Euro kann man den 10-Gigabit-Anschluss erwerben. Das Netzteil befindet sich ebenfalls intern und hat eine maximale Leistungsaufnahme von 150 Watt. Das klingt viel, verbraucht der Mac mini doch wesentlich weniger. Hier darf man aber eben nicht vergessen, dass die Geräte geladen oder mit Strom versorgt werden können, die angeschlossen werden

Nachdem ich den Mac mini 2018 eingerichtete hatte, ging es ans Arbeiten. Der Schalter zur Inbetriebnahme ist auf der Rückseite, eine kleine LED vorne gibt Info über den Status. Im Normalbetrieb, bei der für mich üblichen Web-Arbeit, war vom Mac Mini nichts zu hören. Lediglich beim Arbeiten und zeitgleichem Umwandeln von Videos war der Mac mini vernehmbar – wie auch beim Benchmark mit Cinebench. Dort machte sich der Core i7 gut im Bereich CPU, OpenGL war durch die GPU eher nicht so die Stärke (Vergleich Radeo Pro 560X aus dem MacBook Pro: 103,43 fps bei OpenGL). Andere Mac minis konnte ich nicht gegentesten, da ich eine Konfiguration zur Auswahl hatte.

Apple setzt beim Mac mini auf die Prozessor-GPU Intel UHD Graphics 630 , damit lassen sich bis zu drei 4K-Monitore ansteuern – oder man setzt auf einen 4K- und einen 5K-Monitor. Zocken kann man damit auch, man sollte allerdings nicht die höchsten Frameraten erwarten, dafür ist der Mac mini einfach nicht ausgelegt. Professionelle Arbeiter oder Menschen, die sich dafür halten und das nötige Kleingeld haben, können selbstverständlich eine externe Grafikeinheit anbinden. Das (oder ein entsprechendes MacBook Pro) dürfte eh eine Option sein, falls jemand noch mehr Leistung bei Dingen wie der Videobearbeitung benötigt, denn auch dort spielt die verwendete Grafiklösung eine große Rolle.

Apple setzt auch beim neuen Mac mini auf den T2-Chip, der sich mittlerweile zu Apples Geheimwaffe mausert. Er sorgt für einen sicheren Boot-Vorgang, ent- und verschlüsselt Daten on the fly und ist auch Controller für die SSD. Jener SSD konnte ich folgende Übertragungsraten (getestet mit dem Core i7, 32 GB RAM und 1 TB SSD) entlocken. Das bewegt sich Bereich des MacBook Pro 2018 (4-TB-Version getestet).

Ansonsten muss man schauen, was man macht und vor allem: mit welchen Codecs und welchem Programm. Das galt schon beim neuen MacBook Pro. Als Vergleich übrigens: 80 Minuten MKV zu MPV mittels Handbrake schaffte der MacMini ein paar Sekunden schneller als das MacBook Pro 2018, trotz i7 zu i9. Letzten Endes sind dies die wichtigen Geschichten, wenn es wirklich auf die letzte Minute ankommt. Wenn es euch fast egal ist, ob eine Umrechnung 10 Minuten länger braucht oder nicht, dann kann euch ein flotter Mac mini egal sein. Professionelle Nutzer, die aber vorwiegend große Datenmengen umrechnen, werden die Geschwindigkeit benötigen und wertschätzen, denn auch kleine Zeitspannen addieren sich bekanntlich.

Die große Frage am Ende ist: Wer braucht den Mac mini noch? Da kann man Apple teilweise sogar verstehen, dass sich die Aktualisierung hinzog. Durch neue Möglichkeiten kann man sich einfach ein großes Display schnappen und ein potentes MacBook Pro anschließen. Dann hat man alles in einem flotten Rechner, mit Wunsch auch auf dem großen Bildschirm. Und das wäre wahrscheinlich auch die günstigste Lösung. Der Mac mini hat zwar sehr viel Leistung und ist in meinen Augen ein wirklich potenter und gut anzuwendender Computer, der allerdings in diesen preislichen Regionen eine spitze Zielgruppe hat. Hier muss man dann schauen. Benötigt man den super schnellen LAN-Anschluss, der vielleicht in den Build- und Renderfarmen seine Vorteile ausspielt? Falls nicht, so lassen sich hier einige Euro sparen.

Und auch beim Arbeitsspeicher muss man nicht alles bei Apple konfigurieren, wesentlich günstiger ist das Aufrüsten mit extern gekauftem Arbeitsspeicher. Lediglich bei der CPU und dem Speicher muss man vorausschauend kaufen. Der kleine Core i3 hat vier Kerne und nutzt keinen Turbo Boost – so greift man besser mindestens zum i5. Und beim fest verbauten Speicher ist es so, dass man diesen eben mindestens so kaufen sollte, dass sich die Programme und Anwendungsdateien großzügig speichern lassen, alles andere kann man ja notfalls auf einen schnellen externen Speicher auslagern.

Der Mac mini bei Apple.

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