Life360: Der Tile-Käufer verkauft Ortungsdaten seiner Nutzer

Vor kurzem berichteten wir darüber, dass der Tracker-Anbieter Tile von dem Unternehmen Life360 übernommen wird, das schon länger eine App für Familiensicherheit anbietet und über die installierte Software auf den Smartphones von Eltern und Kinder in der Lage ist, diese auch zu orten. Damit kommt man natürlich an eine Menge Daten, die auch für andere Unternehmen von Interesse sind. Das hat anscheinend auch Life360 bemerkt und sich laut The Markup überlegt, dass man die Daten doch zu Geld machen könnte.

The Markup hat sich mit zwei ehemaligen Mitarbeitern der Firma und auch mit zwei ehemaligen Mitarbeitern der Datenhändler Cuebiq und X-Mode unterhalten. Demnach verkauft Life360 die Ortungsdaten der etwa 33 Millionen Nutzer weltweit an ungefähr ein Dutzend Datenhändler, die diese wiederum an weitere Drittfirmen weiterverkaufen. Der CEO von Life360 bestätigt auf Nachfrage nicht, wehrt die Vorwürfe aber auch nicht ab.

„Wir haben keine Möglichkeit, die Richtigkeit zu bestätigen oder zu dementieren“ … „Wir sehen Daten als einen wichtigen Teil unseres Geschäftsmodells, das es uns ermöglicht, die Kerndienste von Life360 für die Mehrheit unserer Nutzer kostenlos zu halten, einschließlich Funktionen, die die Fahrsicherheit verbessert und zahlreiche Leben gerettet haben.“

Die Mitarbeiter von Cuebiq und X-Mode sprechend davon, dass Life360 wohl die meisten und sehr präzise Daten bereitstellt. In den AGB klärt Life360 unter anderem darüber auf, an wen Daten gehen und an wen nicht. Einige Firmen werden jedoch nicht erwähnt. Daten von Jugendlichen und Kindern unter 13 werden angeblich nicht verkauft.

Datenpartner werden nur dann veröffentlicht, wenn die Partner um Transparenz bitten oder es „einen besonderen Grund dafür gibt“, sagte Hulls. Er bestätigte, dass X-Mode Daten von Life360 kauft und dass es einer von „ungefähr einem Dutzend Datenpartnern“ ist. Hulls fügte hinzu, dass das Unternehmen eine Gesetzgebung unterstützen würde, die eine öffentliche Bekanntgabe solcher Partner vorschreiben würde.

Das Ganze ist wieder ein Beispiel dafür, dass ein Blick in die AGB immer wichtig ist und dass man vor allem dann eine gewisse Grundskepsis an den Tag legen sollte, wenn etwas kostenlos angeboten wird. Speziell für Tile-Nutzer wird nun wichtig, inwiefern Life360 auch da die AGB im Rahmen der Übernahme anpassen wird.

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Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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35 Kommentare

  1. AGB hin oder her. Wenn ein Unternehmen unseriös ist, wird es alles zu Geld machen. Und das scheint hier der Fall zu sein. Hoffentlich war das eine kursichtige Entscheidung, der User hat es in der Hand.

  2. TierParkToni says:

    Ich finde es grundsätzlich grotesk, jemanden aus der Familie ohne Anlass zu tracken – und nein, die Anzahl an Kindesentführungen ist in DE überschaubar, und auch nicht jedes Kind haut einfach so ab.

    Selbst mein etwas dementer Vater mit 81 weiß, dass er im Falle eines Falles einfach unterwegs jemand um Hilfe fragen kann oder mit dem Handy mich anrufen kann – denn das hat er immer dabei. Orten tue ich Ihn deswegen immer noch nicht, denn ich will auf Vertrauensbasis auch gut schlafen können und nicht durch falsch suggerierte Sicherheit….

    Sich nachher darüber aufregen, dass die gesammelten Daten weiter gegeben werden ist ungefähr so grotesk wie als Erwachsener(?) noch an den Klapperstorch, den Osterhasen oder den Weihnachtsmann zu glauben – ehrlich jetzt ?

    Für mich gilt daher der Spruch des kleinen Nelson von den Simpsons „HA HA“….

    • Also grundsätzlich stimme ich dir zu, dass Vertrauen die beste Basis ist und Ortung nur trügerische Sicherheit bieten kann. Allerdings wird in Berlin als Beispiel quasi täglich jemand vermisst und auch ein geringer Teil der Personen taucht nicht wieder auf sondern wird irgendwann verwest in einem Waldstück gefunden. Und auch wenn es solche Fälle nicht verhindert ist eine schlüssige Rückverfolgung der vermissten Person auch viel wert und dabei helfen Ortungsdaten halt oftmals.

    • Der Zweck von Tile war nie die Ortung von Personen, sondern in der Regel z.B. Schlüsselanhänger. Der Schlüsselanhänger kann nämlich nicht unterwegs jemanden um Hilfe fragen, wenn er verloren geht.

    • Peter Brülls says:

      „Selbst mein etwas dementer Vater mit 81 weiß, dass er im Falle eines Falles einfach unterwegs jemand um Hilfe fragen kann oder mit dem Handy mich anrufen kann“

      Bis er es auf einmal nicht kann und irgendwo im Garten liegt.

      Die Vertrauensbasis ist übrigens nur gestört, wenn man es heimlich macht.

  3. Schade, dann muss ich demnächst wohl meine Tiles einmotten.

  4. Da Tile eher etwas für technisch interessierte User ist, halte ich das für den Anfang vom Ende.

    Herzlichen Glückwunsch

    • Und dann auch noch zu einer Zeit, in der mit den Airtags ein starker Konkurrent auf dem Markt aufgetaucht ist.

      • Ich vermute, gerade das ist der Anlass für Tile selbst – die Führung sieht wenig Chancen und will noch mal abmelken und es dann endgültig „jemandem“ überlassen.

  5. Man weiß aber nicht ob irgendwelche persönlichen Daten verkauft wurden, ob man die Daten zu bestimmten Nutzern zurück verfolgen kann. Wenn das so ist dann ist das natürlich schlecht. Die Firma die Tile gekauft hat muss ja irgendwie das Geld wieder reinholen. Die Trackingdaten sind mit Sicherheit sehr Wertvoll auch ohne Adressdaten oder Namen. Man kann damit bestimmt sehr genaue Karten erstellen. Jemandem zu tracken finde ich nicht so falsch. Was wäre wenn man hätte verschwunden Menschen tracken können?

  6. Meine 4 Tiles habe ich am BF durch 4 AirTags ersetzt. Jedoch vermisse ich schmerzlich ein AirTag im Kreditkartenformat.

    • Oliver Müller says:

      Vom Regen in die Traufe. Bei den Airtags fällt die selbe Art von Daten an.

    • Peter Brülls says:

      Kommt drauf drauf an wieviel Du mitnehmen willst. Ich hatte beim Kickstarter von https://www.snapbackwallet.com mitgemacht und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

      https://nimalist-store.com/products/nimalist-airtag-wallet-leather sieht auch ganz gut aus.

      • Das sieht auch nur auf der Seite von nimalist gut aus. Ich habe mir das Wallet bestellt, bin aber total von der Verarbeitungsqualität enttäuscht. Schiefe Nähte, zum Teil fransig am Rand, und das ganze Wallet sieht und fühlt sich einfach nur billig an.
        Das sieht im echten Leben leider nicht mal annähernd so aus, wie auf den Fotos. Mein negatives Feedback wurde leider nicht veröffentlicht.

        • Peter Brülls says:

          Oh, danke. Mein Slimback kann ich aus Erfahrung heraus empfehlen, aber das ist halt seehehr minimalistisch. Ich habe da nur 5 Karten und einen Schein drin. 5 auch nur, weil man derzeit so oft den Ausweis braucht.

  7. Zu erwarten das seine Daten NICHT zu Geld gemacht werden, ist heutzutage einfach unrealistisch…
    Wilkommen im 21ten Jahrhundert.

    • Oliver Müller says:

      Exakt. Wir verkacken das als Gesellschaft gerade grandios, indem ein Großteil sich darüber keine Gedanken macht, und freudig seine Daten mit großen Tech-Konzernen teilt. Da braucht es auch nicht wundern, dass immer mehr solcher Unternehmen auftauchen, und gierig nach unseren Daten greifen.

  8. Ist echt schade, aber dann bleibt nur noch ein AirTag als Alternative, wo die Daten nicht verkauft werden. Oder die Teile von Samsung? Aber dann hat man ein kleineres Netzwerk..

    • Oliver Müller says:

      Die Daten fallen an. Was damit in Zukunft passiert, kann man nur hoffen. Auch bei Tile wurden die Daten nicht von Anfang an verkauft.

      Insofern sind die Airtags eben gerade keine Alternative.

      • Ja, die Daten fallen an klar. Aber Apple hat eine lange Geschichte von verhältnismäßig gutem Datenschutz. Vieles ist auch da nicht toll, aber Apple ist vordergründig ein Hardwarehersteller mit integrierter Software. Die leben nicht von den Daten, sondern von der hardware und den dazugehörigen Abos. Und dann zahle ich lieber dafür als mit meinen Daten.

        • Die Daten fallen zwar an, sind aber verschlüsselt. Entschlüsseln kann die nur ein Nutzer/Eigentümer selbst (Schlüssel dafür befinden sich nur auf den Endgeräten).

          • Oliver Müller says:

            So wie Apple auch nicht den Master Key für alle iCloud Accounts hat, genau.

            • Du hast leider keine Ahnung. Informier dich besser.

              • Oliver Müller says:

                Würde ich gerne, ist aber mangels Quellcode der Apple Software nicht möglich. Auf die Behauptungen von Apple kann man hier genau NULL geben, die haben ihre Kunden oft genug angelogen.

                Insofern muss man auch hier leider wieder vom Worst Case ausgehen, eben weil es in anderen Fällen schon genau so ist, siehe Master Key für die iCloud Accounts.

        • Oliver Müller says:

          Erst „verhältnismäßig guter Datenschutz“, im nächsten Satz dann „Vieles ist auch da nicht toll“. Ja was denn nun?

    • Dann braucht man aber eben entweder ein Apple Gerät oder ein Samsung – habe ich beides leider nicht

  9. ThorTheMighty says:

    Und das ist genau der Grund, warum ich auf Smarthome (die meisten Produkte haben den Namen nichtmal verdient) komplett verzichte…den meisten Menschen ist auch egal was mit ihren Daten passiert…bis tatsächlich was mit ihren Daten passiert. Wie hat das nur alles vor Smarthome und „Smart“-Produkten funktioniert?!…. 😀

  10. Wer kauft sich sowas und vor allem warum? Ich würde nicht mal den Hund damit tracken!

  11. mat simmons says:

    Jedes, absolut jedes Handy… Aber ja Überraschung ein Zusatz gadget trackt auch.

    • Oliver Müller says:

      Jein. Das einzige Tracking, um das man i.d.R. nicht herum kommt, ist das des Mobilfunkanbieters, zumindest wenn man damit telefonieren können will. Und der Mobilfunkanbieter ist in unserem Fall an deutsche Gesetze gebunden.

      Sämtliches anderes Tracking, sei es vom Hersteller des Telefons, oder irgendwelcher Tools oder Apps, kann man vermeiden, indem man die entsprechenden Produkte, Tools oder Apps einfach nicht nutzt.

      Das Argument, ist schon nicht so schlimm, weil ja auch andere tracken, ist daher komplett daneben.

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