LG: Pressekonferenz auf der CES 2018 mit unfreiwilligen Highlights

LG hat heute seine Pressekonferenz auf der CES 2018 in Las Vegas abgehalten: Das meiste habt ihr allerdings schon bei uns im Blog gelesen. So hielt sich LG ähnlich wie Samsung mit präzisen Produktankündigungen zurück. Stattdessen betonte man seinen Fokus auf künstlicher Intelligenz bei Smart TVs, Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen und Kühlschränken aber auch dem Rest des Smart Homes.

Laut LG seien unter anderem die Prinzipien der Weiterentwicklung und der Alltäglichkeit bedeutsam für die nächste Evolutionsstufe von KI: Das Ziel sei, dass die Produkte sich beim Kunden entwickeln, in dem sie sich an dessen Nutzungsgewohnheiten anpassen. In diesem Bezug will LG auch seine Zusammenarbeit mit Google weiter stärken. Der Google Assistant soll ab Werk an den kommenden Smart TVs von LG zur Verfügung stehen – mal sehen ob auch in Deutschland. ThinQ lautet hier LGs Motto, zu dem ihr im oben verlinkten Beitrag mehr erfahrt.

Außerdem zeigte LG mit Tone ein drahtloses Headset, das ihr theoretisch als Steuerung fürs Smart Home verwenden könnt. Denn für den Google Assistant ist hier ein dedizierter Button an Bord. Auch die Haushaltsgeräte von LG bauen hier ihre Stärken aus: Die Südkoreaner streben Vernetzungen an. Etwa soll die Waschmaschine im Smart Home dem Trockner sozusagen mitteilen, dass da bald eine Fuhre naht und um was für Wäsche es sich handelt. Dann kann der Trockner wiederum bereits seine Einstellungen anpassen.

In der Küche will LG mit seinen Kühlschränken mit 29-Zoll-Displays mit 1080p punkten. An den Touchscreens könnt ihr Rezepte abrufen, den Kühlschrankinhalt über Kameras bestaunen oder mit der Hilfe der Roboter-Assistentin Cloi über Spracheingaben das Kochen erleichtern.

Letztere streikte allerdings auf der Bühne. Cloi weigerte sich David VanderWaal, Vizepräsident für das Marketing bei LG Electronics USA, seine Fragen zu beantworten bzw. auf Kommandos zu reagieren. Klar, das kann auf der Bühne mal passieren, zeigt aber auch, dass vielleicht manchmal ein traditionelles Kochbuch auch heute noch die verlässlichere Alternative ist.

Interessant, aber für Datenschützer ein Grund zum Aufhorchen: LG sprach davon, dass die Geräte des Unternehmens einen „proactive service“ nutzen. Damit ist gemeint, dass die smarten Haushaltsgeräte an die Servicezentren des Unternehmens ständig Daten übermitteln. Dadurch soll es möglich sein, potentielle Defekte noch vor dem Auftreten zu erkennen und im Sinne des Kunden proaktiv zu agieren.

Hört sich auf den ersten Blick toll an, sehe ich aber kritisch. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn der Servicetechniker dann aufgrund der ausgewerteten Daten eventuell eine Reparatur ablehnt, weil der Kunde mit dem Gerät potentiell nicht pfleglich genug umgegangen ist. Muss man aber sehen, wie das Prinzip in der Praxis umgesetzt wird.

Was die TVs betrifft geizte LG mit Details, hob aber hervor, dass der Google Assistant auch mit Google Fotos, dem Übersetzer und etwa Google Maps arbeiten kann. Zudem unterstützen auch die kommenden OLED-TV des Herstellers HDR 10, Dolby Vision und Advanced HDR by Technicolor. Neu ist wiederum für die LCD der Einsatz von Full Array Local Dimming – hier zieht man im Grunde mit Samsung gleich, die letzteres ebenfalls für ihre neuen Fernseher bestätigt haben.

Auch zeigte LG wieder einige Clips zu seinen Robotern, die als intelligente Einkaufswagen mit Barcodescannern, Kellner, welche Speis und Trank sowie Zeitungen bringen oder auch Guides an Flughäfen dienen können. Letztes Jahr hatte man die Roboter ja angedeutet, nun sind sie bereits teilweise im Einsatz.

Einen dicken Rüffel aber auch ein Grinsen erntet LG von mir für die abstrusesten Marketing-Spots, die ich seit langem bestaunen konnte. Etwa bewarb der Hersteller seine KI-Features mit einer Darstellerin, deren Stimme so sonor und künstlich klang, dass selbst Siri sich dagegen wie die freundliche Nachbarin von nebenan anhört. Und die Clips zur künstlichen Intelligenz an Fernsehern wirkten wie ein Flashback in die 1950er-Jahre.

LG griff ganz unten in die Klischeekiste und zeigte aufgedrehte Teenie-Girls, die Schauspieler im Boyband-Look anschmachten, männliche Sportskanonen mit Schmalzlocken, die mal eben dem Spielstand mit Zahnpastagrinsen am TV abfragen und alte Omis und Opas, welche am Smart TV eruieren, ob sie denn draußen eine Strickjacke anziehen müssten. Puh, da hätte eine Parodie kaum etwas draufsetzen können.

Insgesamt war es dennoch eine interessante Pressekonferenz, auch wenn konkrete Produktankündigungen hier genau so fehlten wie bei Samsung. Ich bin auf den Messestand gespannt und freue mich auf die neuen OLED-TVs nun ganz besonders.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

17 Kommentare

  1. Die Waschmaschine signalisiert dem Trockner, daß Wäsche im Anflug ist? Oh wow… Und wozu soll das gut sein? Dem Trockner ist es egal. Der Waschmaschine ist es egal. Und mir auch.

  2. Yeah, den Kühlschrankinhalt über Kameras bestaunen – da ist es aber dunkel…

  3. @Horst, Wärmebildkamera! Ich habe eine, damit kann man prima die zuletzt nachgefüllten warmen Biere von den schon kalten unterscheiden. Ok, dafür wurde die Kamera nicht angeschafft, aber es geht :–). Das jetzt im Kühlschrank integriert, ein absoluter Luxustraum. Oder mit KI und Sprachausgabe „Alter, nimm das Bier von rechts unten, das ist kalt!“. Und wenn man mehr als x Bier am Abend entnommen hat, sagt der Kühlschrank der Kaffeemaschine, dass sie morgens gleich eine Aspirin mit reinbröseln soll…

  4. Was waren denn jetzt die „unfreiwilligen Highlights“? Hoffe in Zukunft wieder auf sachlichere, weniger Click-Bait mäßige Überschriften. Ist ja leider nicht das erste Mal.

  5. @clel
    +1

  6. „wenn der Servicetechniker dann aufgrund der ausgewerteten Daten eventuell eine Reparatur ablehnt, weil der Kunde mit dem Gerät potentiell nicht pfleglich genug umgegangen ist. “

    Oder anders ausgedrückt: es lässt sich bei der Garantieleistung nicht mehr bescheissen. Könnte vorteilhaft für Hersteller, Techniker und ehrliche Kunden sein.

  7. Wolfgang D. says:

    „alte Omis und Opas, welche am Smart TV eruieren, ob sie denn draußen eine Strickjacke anziehen müssten.“

    Abgesehen davon, dass es auch junge Omas und Opas gibt („Ist das deine ältere Schwester? Nein, das ist Mutti“), sieht man nur an den Haaren herangeschleifte Praxisbeispiele – also überflüssig bis dort hinaus. Der Gag ist doch, die wirklich interessanten Sachen scheitern immer an Sicherheitsbedenken oder dass der Hersteller mehr Geld scheffeln will oder irgendwelche Patente.

  8. Die Hersteller haben es immer noch nicht verstanden. Ich will keinen Smart TV. Ich will einen Dumb TV. Mein Samsung UHD kriegt nicht mal Internet. Nur der daran angeschlossene Fire TV.

  9. @Robert: Bist du die kaufkräftige „Hippe“ Zielgruppe für sowas? Denke nein…

  10. elknipso2 says:

    @Robert
    Damit zählst Du aber zu einer sehr, sehr kleinen und wirtschaftlich völlig irrelevanten Käufergruppe. Die allermeisten Nutzer, mich eingeschlossen, wollen sehr wohl Smart TVs da es einfach erheblich komfortabler ist alles in einem Gerät integriert zu haben.

    @kOOk
    Heißer Tipp: Einfach angewöhnen Getränke immer von links nach rechts nachzulegen. Dann muss man nie überlegen, und weiß genau das Bier ganz rechts ist definitiv das kälteste :).

  11. eknipso2 – hahaha, der war gut!!! Die allermeisten Nutzer haben gar keine Ahnung was ein SmartTV ist und kaufen’s nur weil vom TechNick im Satutn/ MM empfohlen!..

  12. @elknipso: Warum so kompliziert? Das einfachste ist immer noch die Bierrutsche. Oben warmes Bier rein unten kaltes raus. Ganz einfach und man muss sich nichts merken.
    https://www.produkt.at/typo3temp/GB/c7d8ccae0a.png

  13. Wolfgang D. says:

    @elknipso2
    Wie nennt man deine Diagnose? Berühmte letzte Worte eines Marketingmenschen vor Verlust des Arbeitsplatzes? Außerdem trinkt man Bier warm, damit das ordentlich wirkt. Oder warum sollte man das sonst trinken? Sag jetzt nicht, wegen des tollen Geschmacks.

  14. elknipso2 says:

    @max und Wolfgang
    Eure Kommentare zeigen mir wie weit entfernt ihr in eurer Technik Blase von den Wünschen des normalen Anwenders seid. Darüber macht eine Diskussion wenig Sinn, wenn ihr nicht mal die meh

  15. elknipso2 says:

    @max und Wolfgang
    Eure Kommentare zeigen mir wie weit entfernt ihr in eurer Technik Blase von den Wünschen des normalen Anwenders seid. Darüber macht eine Diskussion wenig Sinn, wenn ihr nicht mal die offensichtlichen und nicht von der Hand zu weisenden Vorteile von smarten TV Geräten für den normalen Anwender erkennt.

    PS: Ich bin nicht im Marketing Bereich unterwegs 🙂

  16. Wolfgang D. says:

    @elknipso2 „nicht im Marketing Bereich“
    S,CNR: Seit dem Vorschlag, dass 3D die nächste große Sache bei Fernsehern ist?

    Oder gibt es Zahlen, dass die Gerät aufgrund der Smart-Funktionen gekauft werden, und nicht weil sie gerade im Angebot sind? Die Internetanbindung interessiert doch nur, wenn ein kostenloser EPG dabei ist.

  17. Das mit Waschmaschine und Trockner finde ich super! Wenn ich daran denke wieviel Lebenszeit mir bisher verloren ging, weil der Trockner nicht schon vorab die Einstellungen…
    Hoffe das wird ausgebaut und irgendwann warnt mein Herd dann die smarte Toilette vor, dass da in 30min was Großes im Anmarsch ist und sie lieber mal die Einstellungen anpasst.

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