Land der Skeptiker: Deutsche sind pessimistisch im Bezug auf Zukunftstrends

Dass die Deutschen eher skeptisch im Hinblick auf technische Entwicklungen sind, ist international bekannt. Oft dauert es vergleichsweise lange, bis Innovationen aus den USA oder auch Asien hierzulande Beachtung finden. Manchmal ist das zu befürworten, wenn man etwa an umstrittene Dinge wie den Klout Score denkt, der in den USA sogar bei Einstellungsgesprächen eine Rolle spielt. Aktuell sind die Deutschen aber besonders skeptisch zu technischen Entwicklungen, die als Trends der Zukunft gelten.

Künstliche Intelligenz und automatische Auswertungen durch Algorithmen etwa spielen für die Tech-Industrie eine immer größere Rolle. Genau an diesem Punkt sind die Deutschen tendenziell aber eher abgeneigt. Sie befürchten einen Kontrollverlust im Hinblick auf ihre Daten oder sogar ihr autonomes Handeln, wenn Computer immer mehr Entscheidungen übernehmen. „Ausgerechnet die Entwicklungen mit der größten Dynamik rufen die größte Skepsis hervor„, erklärt Dr. Hannes Fernow, Senior Research Manager bei der GIM (Gesellschaft für Innovative Marktforschung). „Dieser Befund ist für Politik und Wirtschaft in gewisser Weise alarmierend.

So müsse die Regierung etwa deutlicher machen, dass der Staat mit Daten verantwortungsvoll verfahre, damit nicht weiteres Vertrauen verloren gehe. Positiv sehen die Deutschen hingegen, dass gesellschaftliche Teilhabe und verantwortungsvoller Genuss an Bedeutung gewinnen. Bei der Befragung führte die GIM sowohl Experteninterviews als auch Gespräche mit durchschnittlichen Bürgern. Dabei zeigte sich, dass speziell die Bewertungen zur künstlichen Intelligenz zwischen den beiden Gruppen stark auseinander gingen.

Während die Experten sich mehr Vertrauen in digitale Assistenten und künstliche Intelligenz wünschten, zeigten die anderen Befragten eine hohe Skepsis. Fernow schlussfolgert: „Man kann dies durchaus im Lichte der breit diskutierten Entfremdung zwischen ‚Eliten‘ und ‚Normalbürgern‘ betrachten: Auf der einen Seite der Wunsch, das mögliche Neue auch zu machen, und auf der anderen Seite ein eher skeptisches Beharren. Ersteres wird gesellschaftlich nachhaltig nicht funktionieren, wenn man die Vorbehalte nicht adressiert.

Das Ergebnis ist, dass die Ängste und Befürchtungen der Bürger nicht einfach ignoriert werden sollten. Vielmehr bedarf es mehr Aufklärung zu etwa dem Nutzen und den Grenzen der künstlichen Intelligenz und der automatischen Auswertung von Daten. Allerdings braucht es natürlich auch klare Gesetze, welche sowohl Unternehmen als auch Bürgern Rückhalt geben. Und genau an diesem Punkt wird aktuell leider eher die Tendenz der Politik sichtbar die Grundrechte einzuschränken, was sicherlich auch zu der Skepsis der Deutschen beiträgt – siehe Vorratsdatenspeicherung.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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13 Kommentare

  1. Mehr Vertrauen in digitale Assistenten und künstliche Intelligenz? Ist doch auch wieder nur von Menschenhand generiert, kein Rechner denkt autonom und selbstständig ohne den Menschen, der es ihm so einprogrammiert hat.
    Digitale Assistenten sind sicherlich auch nur dazu da, dem Nutzer zu helfen, bestimmt nicht, um Umsätze für die Unternehmen zu generieren, die dahinter stecken… Dass ein autonomes Fahrzeug automatisch auch dem Hersteller zeigt, wo man herum fährt und dieser die Daten bestimmt auch nicht weiter vertreibt an Firmen, die viel Geld für Bewegungsprofile zahlen?
    Kann man fortsetzen wie man möchte, und ja, ich habe auch einen Google-Account und navigiere mit einer Apple-Lösung und kaufe bei Amazon, aber deswegen muss ich nicht immer gleich auf den nächsten Hypetrain aufspringen, wie es die Menschen in USA und Asien und einzelne Geek-Blasen auch hier bei uns tun, von denen man dann gleich als ewig Gestriger und Technologieverweigerer angestempelt wird, nur weil man nicht gleich mit Lobeshymnen auf die nächste „Tehnikerrungenschaft“ abfeiert.
    Meiner Meinung nach kann jeder, dem es hier zu rückständig ist in Punkto Vernetzung, Technik und Zukunftsentwicklung ja auch gerne dahin abwandern, wo es ihm passt, jeder Mensch ist da ja frei in seiner Entscheidung.

  2. Meinen herzlichen Dank an alle early adaptors die offen sind für neue Spielzeuge.

    Pessimistisch ist denke ich nicht der passende Ausdruck. Eher skeptisch, wie du es ja auch in der Einleitung darstellst.

    Ich selbst habe die ganze Entwicklung schon seit Anbegin sprich Fidonet Usenet mitgemacht, also in den Zeiten wo es noch kein Internet gab. Meine öffentlichen Profile mit realen Namensbezug sind nicht so viele (Xing, Linkedin und Google). Daher nehme ich an, einen nicht besonders positiven Klaut-Score zu haben – von dem ich bislang noch nichts wusste.

    Das wirklich bedrohliche ist ja nicht das Datensammeln an sich, sondern das was Unternehmen sich daraus herausfabulieren und meinen Personen danach beurteilen zu können. Das ist eine total kranke Entwicklung.

    Aus diesem Grund ist eine gesunde Skepsis durchaus angebracht.

  3. Das Ganze hat aber auch gründe.

    Nehmen wir mal E- Autos. Da wo Sie nicht wirklich voran kommen, stimmen die Bedingung zb Ladeinfrastruktur nicht. Das die Deutschen da zögern hat wenig mit den Deutschen zu tun. Sondern das Sie auch nicht ganz blöde sind. Warum wird es immer schlecht umgesetzt? Der Magnetzug fährt nicht hier, sondern in China usw.

    Oder nehmen wir Cloud usw. Da der Ausbau der Leitungen auch mächtig schleift auch kein Wunder irgendwie. DSL 50 wird hier als toll angesehen. Das nennt man Breitbandinitiative. Anderswo gibt es Gigbit Leitungen.

    Es gibt zig Beispiele.

    Bei Smarto Home würde ich auch aufpassen. Man kann auch die Klo Schüssel in den Sessel einbauen, dass man sich beim Scheißen nicht mehr erheben muss. Aber mal ehrlich meine Guido Westerwelle damals das mit spät römischer Dekadenz?

    Nicht jeder angebliche Fortschritt ist auch ein Fortschritt. Hey Goggle zeigt mir mal Bonobos da dachte ich mir echt. Da brauchst Du nur in den Spiegel sehen. Ist man wirklich überfordert das mit der Hand zu machen?

    Hey Alexa wisch mir den Arsch ab. Hey Siri hole mir einen runter.

  4. Goldhamster mit dicken Backen says:

    Wer zurückblickt in die 60er/70er Jahre (die Zeit der Mondlandunghen) sieht,
    dass dort die Menschen viel aufgeschlossener gegenüber allem Neuen waren.
    Da konnte es gar nicht modern und futuristisch genug sein.

    Das da viele Leute trotz einer damals durchaus noch gängigen 48Stunden-
    Arbeitswoche(und dieArbeitswelt war damals noch um einiges härter und schwerer
    als heute) noch abends in eine Abendschule gegangen sind…oder vielleicht
    erinnert sich der eine oder anderer noch an die TV-Sendung „Telekolleg“

    Kurz:
    Damals wollten sich die Leute noch weiterbilden und waren richtig gierig auf
    Fortschritt.

    Und Heute?…ein einziges Bildungstrauerspiel aus dem dann eben diese
    irrationale mittelalterliche „Skepsis vor allen neuen technischen Entwicklungen“
    erwächst.Denn aufhalten tun die Deutschen diese Entwicklungen nicht…sie werden
    nur davon abgehängt.

  5. Skepsis mit Pessismismus gleichzusetzen ist meinungsvorgebend und eun schlechter Ansatz. Leider verfallen viele der Gedanken, alles was neu ist, ist gut. Das ist genauso verkehrt wie alles alt ist besser als alles Neue.

  6. … Entfremdung zwischen ‚Eliten‘ und ‚Normalbürgern‘ …

    Musste lachen. Tech-Firma will von Marktforschungsinstitut wissen warum man ein Vertrauensproblem hat wenn es um die massive Vorhaltung und Auswertung von Nutzerdaten geht.

  7. Das perfekte Smart Home gibt dir auch vorn was du wann Essen musst und welche Fernsehsendung du schauen musst.Die künstliche Intelligenz nimmt einem jede Entscheidung ab. Bye Bye Hirn.

  8. „Ausgerechnet die Entwicklungen mit der größten Dynamik rufen die größte Skepsis hervor„ – ja, sollten etwa die Entwicklungen großes Zaudern hervorrufen, bei denen der Pfad sozusagen schon vorgezeichnet ist? Ein Teil der Angst vor Spinnen kommt etwa auch von ihren abrupten, aus unserer Sicht kaum vorherzusagenden Bewegungen.
    Und auch viele anerkannte Personen (u.a. S. Hawking) aus der Wissenschaft haben sich ja kritisch über die momente und absehbare Entwicklung autonomer Systeme geäußert.
    Ich sehe die Zurückhaltung in diesem Bereich daher durchaus positiv.

    Und wie soll die Bundesregierung denn das Vertrauen der Bevölkerung in Bezug auf Daten erlangen, wenn sie just erst die Quellen-TKÜ und ausgeweitete Onlinedurchsuchung in einem sehr zweifelhaften Verfahren durchgemogelt hat? Oder nie ernsthaft die Ausspähung durch befreundete Dienste angegangen ist?
    Die GroKo schrabbelt da einfach nur Scheiße zusammen und die Leute riechen es!

  9. Prognosen sind immer schwierig, besonders da sie die Zukunft betreffen

  10. Wolfgang D. says:

    „Dass die Deutschen eher skeptisch im Hinblick auf technische Entwicklungen sind“

    resultiert vielleicht aus der reichlichen Erfahrung, dass erste Visionen einer glorreichen Zukunft nur für jene eintreffen, die uns diesen Rotz angedreht haben und sich auf unsere Kosten bereichern.

    Automatisierung führte zu schlecht bezahlter Arbeit für viele statt der gepriesenen arbeitsarmen Zukunft und Wohlstand für alle, „Es wird nie eine Maut für PKW geben“ = Überwachung des gesamten Straßenverkehrs + PKW Maut, Internet verkommt zur von Werbeagenturen kontrollierten Verkaufsplattform, statt kostenloser Information für Jeden.

    Die Amis haben einfach ein sonniges Gemüt und probieren erst mal alles aus, ohne Rücksicht auf andere. Beispiel Radium-Ziffernblätter, wo die Arbeiterinnen reihenweise nach einer Zeit starben und das Unternehmen jegliche Unterstützung verweigerte. In DE gibt es seit Bismarck wenigstens eine gewisse Fürsorgepflicht, soweit die Unternehmer das nicht selber mal begriffen haben.

  11. Es gibt bis heute keine halbwegs funktionstüchtige KI, die auch nur das Intelligenzniveau einer realen Maus erreicht (geschweige denn das eines Hundes oder gar eines Schimpansen).
    Aber selbst wenn das der Fall wäre: würde ich einer Maus meine persönlichen Daten anvertrauen oder sie mir Ratschläge erteilen lassen? Dürfte sie Entscheidungen für mich treffen?

    Eines der ersten Dinge, die ich z.B. in MS-Word immer abschalte, sind die diversen Autokorrektur-Mechanismen. Es kommt einfach zu häufig vor, dass die Autokorrektur glaubt, ich wolle eine Aufzählung schreiben oder irgend etwas müsste Groß geschrieben werden. Die automatischen Korrekturen der Autokorrektur zu korrigieren kostet mich einfach mehr Zeit als mir diese einspart, also verzichte ich darauf.

    Ich hege kein blindes Vertrauen in jede Form des technologischen Fortschritts und muss der Wirtschaft auch nicht alle meine Daten zur Verfügung stellen (eben so wenig dem Staat). Denn das mit diesen Daten vertrauensvoll umgegangen wird und sie sicher verwahrt werden kann man getrost vergessen, die werden entweder für eigene Zwecke missbraucht oder meistbietend verkauft (oder beides).

    Und sicher sind meine Daten auch nicht, wie man an den diversen Datenskandalen, Hacks, schlampigem Umgang mit Passwörtern, nicht geschützten Datenbanken, usw. immer wieder feststellen kann.

  12. @Graininger:
    Keine Maus, kein Hund und kein Schimpanse kann modernen Systemen zur Datenanalyse das Wasser reichen. Dafür sind Algos und KI durchaus sinnvoll. Auch wenn das sehr spezielle Anwendungsfälle sind. Aber genau dafür werden sie entwickelt – es sind Werkzeuge.
    Und für die derzeit bevorzugten Systeme ist ein Anlernen unabdinglich. Ich will nicht behaupten, dass Autokorrekturen auf dem notwendigen Niveau wären. Aber auch da hilft Anlernen der Verbesserung. Einer KI kann man soetwas wie Intelligenz nicht einprogrammieren, die muss sie erlernen. Wir können ihr dafür nur die richtigen Mechanismen bereitstellen. Wenn wir das wirklich wollen.

    Momentan scheint das Feld Leuten überlassen, von denen ich nicht unbedingt eine „echte KI“, geschweige denn gar eine autonome haben möchte. Einfach schon weil die dahinter liegenden Denkschemata nicht dem entsprechen, was ich mir als „Eltern“ für eine KI wünsche. Aber _die_ Entscheidung ist wohl schon gefallen …

  13. Wundert mich in einem Technik Blog auf einige Leute zu treffen, die aktuelle Entwicklungen in der KI lachhaft finden.

    @hannes, graininger
    KI bedeutet heute hauptsächlich auf Basis von Beispielen zu lernen, um dann für neue Situationen eigenständige Entscheidungen zu treffen. Wenn du das nicht „intelligent“ bezeichnen willst, dann mach dir zumindest klar, dass der Mensch nichts anderes tut. Davon abgesehen muss ich schon echt grübeln welche einzelne Tätigkeit ein Computer heute noch nicht besser kann als der Mensch.

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