Lacher zum Wochenende: GLADII 1.1.3-Gutachten, Software, um RedTube-Zuschauer zu identifizieren

Der Lacher zum Wochenende. Das Gutachten zur Software GLADII 1.1.3 liegt im Internet zur Lesung bereit. GLADII 1.1.3 ist die Zauber-Software, die angeblich all die bösen Menschen getrackt hat, die Pornos bei RedTube geschaut haben und aufgrund angeblich geschützter Werke abgemahnt wurden. Das Gutachten wurde von einer seit 1970 tätigen Kanzlei durchgeführt, der Überprüfende ist zudem Physiker und Patentanwalt. Auf 12 Seiten mit wenig Text beschreibt man den Vorgang, der von den MMR Anwälten zugänglich gemacht wurde. Dieser soll zeigen, dass GLADII 1.1.3 dafür geeignet ist, verwertbare Daten zu liefern.

Bildschirmfoto 2014-01-17 um 14.26.10

Und so beschreibt man, dass die Software richtig getrackt hat, welche IP zu welcher Uhrzeit welche Seite besuchte. Toll! Zwei IPs, Rechner und drei Filme waren dafür notwendig. Was komisch ist: mit keiner einzelnen Silbe wird erwähnt, wie und wo ominöse Software GLADII 1.1.3 arbeiten soll. Wo bitte schön arbeitet dieses Tracking-Tool? Beim Pornohoster? Beim Zuschauer auf dem Rechner? Oder wurde mittels gefakter Werbung und Umleitung gearbeitet, sodass eine Tracking-Geschichte dazwischen möglich war? All dies beantwortet das Gutachten in keiner Weise und ich schlage mir hier dauerhaft mit den Händen vor die Stirn, dass aufgrund dieser Aussagen persönliche Daten von Menschen herausgegeben worden sind – schließlich hat das Gericht so ja entschieden. Unfassbar.  So etwas macht mich wütend und traurig zugleich.

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caschy

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66 Kommentare

  1. Treffend. Sowohl der Kommentar als auch das Bild. Inzwischen ist hoffentlich auch den Kölner Richtern peinlich, wie billig sie hier über den Tisch gezogen wurden, um Betrügern Abzocke zu ermöglichen.

    Ein weiteres Argument gegen die von der CDU / CSU so forcierte Vorratsdatenspeicherung.

  2. Ich verstehe nicht ganz, warum für den Test mehrere Stunden gebraucht wurden?

  3. Wenn das Tool auf beliebigen Seiten die Klicks und Verweildauer mitschneiden kann, muss es sich ja um einen Trojaner oder Ähnliches handeln, der sich auf dem Rechner des Besuchers eingenistet hat.

  4. Die Formulierungen unter 7.2ff suggerieren, dass die Software extern bereit gestellt ist und die verschiedenen Mediahoster auf diesem Wege überwacht werden. Sofern kein https verwendet wird, ist das technisch durchaus möglich.

    Höchst zweifelhaft finde ich allerdings die Formulierung unter 7.5 Absatz 4, der das „Verlassen“ einer Webseite beschreibt.

  5. Interessant dass im Gutachten auch immer (wahrscheinlich extra) download steht und nich dass es streaming ist 😉

  6. @phgie: Ein Gutachten dieser Art muss so etwas konkret offenlegen.

  7. Ich hab mir mal die Mühe gemacht dieses Analyse-Fax durchzulesen. Echt Knaller wie wort-gewandt da komplett abgelenkt wird. Natürlich sind das „Downloads“, keine Streams. Die Zeiten wurden sogar mit der physikalisch-technischen Bundesanstalt abgeglichen… boah ey.
    Nene, echt jetzt, wenn der Herr Frank Schorr die geballte Technik-Power unserer Rechtssprechung ist, dann haben wir auch nix besseres als die NSA auf dem Merkel-Phone verdient 😀
    Ich häng den Tech-Job an den Nagel und werde Jurist, krisensicherer Job mit massig € die da fliessen…

  8. Bei all den Diskussionen Vorratsdatenspeicherung, DNA, Fingerabdruck, biometrische Ausweise, etc. war ich immer der Auffassung,
    JA – sofern alle persönlichen Daten der Strafverfolgern nur anonymisiert zugänglich gemacht werden und Identitäten nur auf richterlichen Beschluss herausgegeben werden.
    Bei der so offensichtlich zur Schau getragener Inkompetenz deutscher Richter sehe ich das mittlerweile differenzierter…

  9. @phgie, der erste Absatz ist ja wohl totaler nonsense. Troll oder einfach keinen Schimmer ? Wenn die Software extern bereitgestellt wird heißt das noch lange nicht das die Mediahoster auf diesem Weg überwacht werden können, solange sie nicht aktiv mitspielen (und wieso sollten sie das ?). Nope, das Geschreibsel windet sich hervorragend um die wirklich ausschlaggebenden Fakten und versucht die Juristen einzulullen.

  10. @caschy Bist du dir sicher? Ich bin kein Jurist und kann das nicht beurteilen, wie detailliert das Gutachten sein muss. Ich stimme dir zu, dass das Gutachten nichts neues verrät, aber vielleicht ist dafür ein Prozess notwendig. Ein Anwalt kann das sicher besser beantworten, als wir beide. 😉

  11. @Markus Ich wünsche dir auch einen schönen Tag, danke sehr. HTTP-Verkehr fliegt unverschlüsselt durchs Netz, und da stehen genau die Infos aus dem Gutachten drin. Du bist doch Experte, das weißt du doch. 🙂

  12. @phgie: Wohl war. Aber schau mal. Ich sag: Jau, das und das geht, versichere ich eidesstattlich. Und Richter so: jau, hier hasse. WTF?

  13. Man könnte annehmen, dass GLADII nur ein Apache-Log in „userfriendly“ ist. Davon ausgehend muss der Medien-Hoster dem Betreiber von GLADII Zugriff auf das System gewähren.

  14. @caschy Keine Frage, das hinterlässt einen faden Beigeschmack..

  15. Leider ist dieses Gutachten m.E. ein Gutachten welches ausschliesslich bestätigen oder wiederlegen soll das GLADII funktioniert. Nicht mehr und auch nicht weniger. Ein Gutachten hält sich an die Fragestellung und versucht diese vollumfänglich zu beantworten. Das Gutachten stellt nicht die Frage „Wie funktioniert GLADII und werden durch die Nutzung die datenschutzrechtlichen Belange der Nutzer überstrapaziert oder Grundrechte verletzt“. So sollte die Frage ja eigentlich heissen wenn man mich fragt. Ich schreibe auch Gutachten in ähnlichen Fragestellungen und möchte jetzt nicht den Verfasser in Schutz nehmen, aber er hat ausschliesslich die Frage beantwortet die unter Punkt 2 mit Ziel der Überprüfung aufgelistet sind, also in Auftrag gegeben worden sind.
    Just my 2 cents…

  16. Wie ist das denn bei den drei genannten Filmen bzw. deren Anbieter? Liegen die Daten auf deren Servern oder sind das nur Portale und die Filme liegen z.B. auf meinem Server?

    Dann kann ich auch sagen, wann die Filme von welcher IP aufgerufen werden. Ganz ohne Trojaner. Ich überlege mir gerade nur, wie ich erkennen kann, wann ein Film pausiert wurde…

    Heiko

  17. Thomas Baumann says:

    Ich würde mal schätzen dass das über die Werbung geht. Da wird ja auch der Referrer, also die Quellseite gesendet. Lässt sich schnell auswerten. Oder diese Transparenter-Pixel-Tracking-Scheisse. Kostet zwar erst etwas, aber durch die Massen an Abmahnungen und den Idioten die sofort bezahlen lohnt es sich wohl.

  18. dgdsfgdsfg@sgpon.com says:

    Ist Herr Dr. Schorr Zeitreisender oder warum unterschreibt er ein Gutachten, das in der Vergangenheit (22. März 2013) datiert ist? Und dazu auch noch mit Tests die im Dezember 2013 durchgeführt wurden.

    Also Sorgfältigkeit ist was anderes.

  19. Wenn man bedenkt das diese Auswertung schon im Dezember 2012 gemacht wurde und im März 2013 verfasst wurde, wundert es mich ehrlich gesagt nicht das auf die jetzt erst seit kurzem gestiegenen Ansprüche an solch eine Auswertung gerade DIESES Programms nicht Bezug genommen wurde.

  20. @phgie die Aufenthaltszeit auf einer Website kann man aber nicht mittels Http Daten bestimmen…
    Dieser Anwalt der ja angeblich überqualifiziert für dieses Gutachten ist, ist meiner Meinung nach absolut unterqualifiziert… wer promoviert Physik um dann Jurist zu werden?! Und woher soll er das technische Wissen besitzen.

  21. dgdsfgdsfg@sgpon.com says:

    Ah OK. Wer lesen kann ist klar im Vorteil! 😉 Sorry! Hab nicht genau hingesehen!

  22. „Herr Dr. Schorr benutzt und programmiert einen Web-Server zum Herunterladen von Patentdokumenten.“ http://www.diehl-patent.de/de/dp-team/dr-frank-schorr.html

  23. @Frödi: Es macht imo sehr viel Sinn studierter Physiker zu sein wenn man als Patentantwalt IT-Unternehmen berät/vertritt. Jeder von uns weiß wie schwer es ist der eigenen Buchhaltung technische Dinge zu erklären 😉
    Von der Qualifizierung hätte ich aber was anderes erwartet.

  24. Was qualifiziert einen Physiker für solche Aufgaben?

  25. Passend dazu ein Artikel auf Spiegel Online, wie Peter für das Urheberrecht kämpft und Beweise sammelt:“Er ruft Google auf, tippt Band- und Albumnamen ein, und nach 0,22 Sekunden erscheint auf dem Bildschirm eine Liste mit Websites, auf denen das Album zum kostenlosen Download angeboten wird.“ […] „Dann macht sich Peter an die Ermittlung von Name oder IP-Adresse. Handelt es sich um eine Website, auf der illegal Dateien zum Download angeboten werden, sucht er im Impressum oder bei der Domain-Registrierungsstelle Denic nach dem Seitenbetreiber.“ (Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/urheberrecht-student-kaempft-gegen-illegale-downloads-a-834742.html)
    Einfach zum totlachen, mit welchen Methoden angeblich „Raubkopierer“ überführt werden sollen 😀

  26. Wow. Ganze 6 Tests hat man durchgeführt?

  27. @Frödi:
    Andersrum: „Was qualifiziert jemanden dazu Patentanwalt zu werden?“
    -> Wikipedia: „Voraussetzung für die Ausbildung zum Patentanwalt ist danach zunächst ein erfolgreicher Abschluss eines naturwissenschaftlichen (z. B. Chemie, Physik, Biologie) oder technischen Studiums (z. B. Elektrotechnik, Maschinenbau, Architektur, Metallurgie etc.) an einer wissenschaftlichen Hochschule“

    😉

  28. 🙂 🙂 🙂
    DAS IST KEIN „GUTACHTEN“!!!
    🙂 🙂 🙂

  29. @Lars: der Test benötigte mehrere Stunden, weil die Testperson die kompletten drei Mediendateien, ggf. mehrfach, konsumieren musste 😉
    Für eine brauchbares Gutachten hätte nicht nur die Funktionsweise der zu prüfenden Software untersucht werden müssen, sondern auch das geprüft wird, ob durch irgendwelche Umstände z.B. falsche Daten gespeichert werden. Z.B. die Clients mit falscher Zeit laufen lasse, verschiedene Provider benutzen, Proxys verwenden, IP-Adresse wechseln etc.

  30. Man bekommt den Eindruck, dass so ein Gutachten eh nicht notwendig ist. Sobald ein Anwalt eine Anfrage bei Gericht stellt, wird diese als legitim angesehen. Jeder verlässt sich da auf jeden. Dieser Richtervorbehalt ist doch nur eine Beruhigungspille, damit die Leute nicht merken, wie ausgeliefert wir diesem System sind. Ordentlich geprüft wird nur, wenn sich eine nicht unerhebliche Menge aufregt. Ansonsten ist das als Kollateralschaden zu sehen.
    Mich würde mal interessieren, ob dieses Gutachten dem Gericht vorlag, oder ob es extra angefordert werden muss bzw. musste.

  31. Also wenn ich als Richter basierend auf diesem Gutachten die Preisgabe von personenbezogenen Daten zulassen würde, dann würde ich mal schnell in den Vorruhestand verschwinden. Das ist ja grausam.

  32. Treffendes Bild und trefender Komentar. Das kann auf die gesamte Überwachung übertragen werden. Man kann nur noch traurig den Kopf schütteln, denn alle Verantwortlichen machen weiter wie bisher, keiner traut sich was. Bzw. kaum einer.

    @Jo:
    Sorry, aber Du bist keinen Deut besser. Lediglich Grüne, FDP und Linke waren gegen die Vorratsdatenspeicherung. Auch bei der SPD sind es nur individuelle Ausnahmen. Die gibt es auch bei der DCU/CSU. Über solches Scheuklappendenken kann man auch nur den Kopf schütteln.

  33. Als ich zum ersten mal „angesurft“ gelesen habe, war ich raus, sorry.

  34. Also hier handelt es sich nicht um ein Gutachten, sondern lediglich um eine gutachterliche Stellungnahme. „Im Gegensatz zu einem Gutachten kann sich eine gutachtliche Stellungnahme auf die Kernpunkte der Beurteilung konzentrieren und muss nicht Befund und Zustandekommen der Ergebnisse genau dokumentieren.“ (Quelle: Wikipedia) Schließlich wird hier nur ein ergebniszentrierter Test durchgeführt. Das ein Gericht sowas als Grundlage für die Herausgabe von personenbezogenen Daten akzeptiert ist in der Tat traurig, das Ganze ist auf dem Niveau einer Computerzeitschrift gehalten. Spätestens bei Punkt 7.5 Nr. 5 hätte den Richtern auffallen müssen, das hier etwas nicht stimmt und fragen müssen, was denn übliche Internet-Technologien sind. Was „verkehrsüblich“ sind, dass ist in der Rechtssprechung immer wieder groß diskutiert worden, aber „übliche Internet-Technologien“ das schluckt man. Triple Facepalm reicht da gar nicht mehr aus…

    • @xyz7777: Hmmh, da steht aber „Gutachten“ über dem Dokument? Abgesehen davon, im Gegensatz zu einer gutachterlichen Stellungnahme geht der Autor relativ detailliert auf seine Vorgehensweise ein. In einer gutachterlichen Stellungnahme müsste er nur zusammenfassend seine Stellungnahme begründen, ggf. mit Verweis auf ein Gutachten.

  35. @ phgie: HTTP-Pakete werden, wie du richtig schreibst, unverschlüsselt übermittelt, aber das erklärt noch nicht wie die Überwachungssoftware den Datenverkehr zwischen Nutzer und Server mitliest. Dazu müsste sie entweder Malware nutzen, die beim User ansetzt, oder als Man in the Middle mitlesen oder auf Serverseite Zugriff auf Informationen haben.

  36. @Gutachter,
    Selten so einen Schwachsinn von.. „Gutachter“ gelesen!
    <<<<<<<<<<<<<<<<.9 😉

  37. Ich würde es ja spontan Funktionstest (mit Doku) nennen. Ein Gutachten muss anders aussehen.
    Auch finde ich nicht, dass dadurch in irgendeiner Weise die Ziele erreicht wurden. Lediglich für einen speziellen Fall wurde gezeigt, dass die Software korrekt aufgezeichnet hat.
    Und die Selbstbeweihräucherung ist auch nur ein großer Witz!

  38. Herr Hauser says:

    @ Jo

    „Ein weiteres Argument gegen die von der CDU / CSU so forcierte Vorratsdatenspeicherung.“

    SPD hat man vergessen? Absicht, weil man Sozi ist?

  39. Ich habs auch mal gelesen… Wenn das so funktionieren soll wie beschrieben, MUSS die Software auf dem Client Rechner installiert sein (sprich Virus, Trojaner, nennt es wie ihr wollt)… Denn die wirkliche Verweildauer lässt sich sonst nicht bestimmen!!! Notfalls noch über ne Socket-Verbindung, was ja auch per Browser geht. Aber dazu müssten sie die Zielseiten verändern können, ggf per XSS? Beides wäre mE strafrechtl. relevant!

    Ebenso das mit den „Dateien“, die dort runtergeladen worden sein sollen… Streaming? Dateien…?

  40. Das richtig dein Argument, das Gericht hat Entschieden und jammert man wegen der NSA. In Deutschland ist es noch schlimmer. Aber keine Panik den Abmahnern fällt bald etwas neues eine um die Menschen anzuzockeln. Vielleicht die Automatische Lastschrift für alle die größer sind als 1,2 m. Die Größe ist auch Urherberlichrecht Geschütz, hat das Gericht in Schuby Entdchieden.
    Schönes WE

  41. Sorry, wegen der Autovervollständigung. Hab selbst darüber gelacht. ;-))))

  42. Gutachten? Echt? Ich packs nicht mehr. Man hätte auch ne leere Seite nehmen können und einfach „Funktioniert“ drauf schreiben sollen. Das spiegelt ungefähr das Niveau des „Gutachtens“ wieder. Mal ehrlich, da ist ja meine Mutter noch besser Datenforensik. Warum haben sie es nicht gleich den Pförtner machen lassen? Wenn die sich nicht in Grund und Boden schämen, weis ich auch nicht weiter … Ich komme noch immer nicht aus dem Lachen raus.

  43. Auch wenn ich mir nichts lieber wünschen würde, als das die Anwählte von U + C mal richtig einen auf den Deckel bekommen, sollte man doch einige Dinge differenziert betrachten:

    Man kann über alles mögliche Gutachten verfassen. Wichtig ist nur, dass man die Zielsetzung und den Umfang klar definiert und hier ging es darum zu begutachten, ob die aufgezeichneten Daten des Programms auch tatsächlich der Realität entsprechen. Für eine Entscheidungsgrundlage war dieses für das Gericht offensichtlich ausreichend.

    Es ging nicht darum festzustellen, wie genau dieses im einzelnen funktioniert und ob die Daten nicht eventuell sogar rechtswidrig ermittelt wurden. Letzteres zu hinterfragen ist aber auch nicht die Aufgabe des Gutachters, sondern des Richters. Dieser muss ggf. ein diesbezüglich erweitertes Gutachten anfordern, wenn er daran Zweifel hat. Da Richter aber zunächst einmal Juristen und keine IT-Sachverständigen sind, verlassen sie sich gern auf Gutachten und dieses war bezüglich der Fragestellung (sind die Daten inhaltlich korrekt?) in sich schlüssig. Die Problematik, dass dieses technisch eine echte Herausforderung darstellt, muss jemanden erst einmal bewusst sein.

    Ich halte es eher für bedenklich wie es technisch möglich ist, Daten in dieser (offensichtlichen) Qualität bezüglich des Online-Verhaltens einzelner IP-Adressen auf einigen (fremdem) Hostern überhaupt zu ermitteln und das bei einem Richter hier nicht die Alarmglocken bezüglich Datenschutz etc. angehen, ob da auch alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

  44. Gut das keiner auf meinen Troll comment eingegangen ist. Das ehrt euch. Wenn gleich zu wenig auf das Thema Datenschutz hier eingegangen worden ist. Das ist das eigentliche Thema.

  45. hammer! ich habe mir das „gutachten“ durchgelesen und komme zu dem schluss das dieser gutachter einen download auf seinem rechner gestartet hat und dieses durch eine software protokoliert hat. wo lief den diese software? auf seinem rechner? oder auf einem rechner im gleichen netzwerk? völliger blödsinn…

  46. @icke2000:
    Dann hast Du ein anderes Gutachten gelesen. Dort steht nämlich, dass die Daten von der Software erfasst wurden und nicht das der Gutachter diese mittels einer Software erfasst hat. Dieser hat lediglich die Funktionstüchtigkeit der Software (und nicht die Funktionsweise!) begutachtet, indem er das Ergebnis über ein ihm zur Verfügung gestelltes Webinterface mit seinen tatsächlichen Aktivitäten verglichen hat.
    Das die Daten offensichtlich korrekt aufgezeichnet und erfasst wurden (nur das hat er bestätigt) ist der eigentliche Hammer.

  47. Ich sehe das wie einige andere Kommentatoren hier auch. Das Gutachten an und für sich ist ok. Es beantwortet die eingehende Fragestellung. Und dennoch ist es im Gesamtkontext lächerlich. Und zwar weil einfach die falschen Fragen als Ausgangsbasis für das Gutachten gestellt worden sind.

  48. Das ist kein Gutachten, das ist allerhöchstens ein (schlechtes) Testprotokoll. Für ein Gutachten fehlen sehr viele, äußerst relevante Fragestellung – auch in dem Kontext dieser Fragestellung.

  49. man sollte die Gerichte auf Schadensersatz und fahrlässiger rufschaedigung ebenfalls verklagen…

  50. Na dann doch eher: Unterstützung einer kriminellen Vereinigung.

  51. Ich gebe Raffael voll recht. Bezogen auf den Gesamtkontext ist das Gutachten als Entscheidungsgrundlage für das Gericht, zumindest aus Sicht eines IT-Kundigen und im Nachhinein sowieso, absolut unzureichend. Es wurde schließlich auch von der herstellenden Firma in Auftrag gegeben und der Auftraggeber bestimmt nun einmal die Fragestellung und nicht der Sachverhalt, für das es letztlich verwendet wurde.
    Leider ist diese Vorgehensweise gängige Praxis, da Richter nun einmal keine Experten auf dem jeweiligen Fachgebiet sondern Juristen sind, die Entscheidungen treffen müssen und sich dabei auf Gutachten stützen (müssen). Zudem werden die Verfahren bewusst in einem rollenden System auf unterschiedlichste Kammern verteilt, so dass sich nur langsam Erfahrungswerte aufbauen. Versetzt man sich also in die Lage eines nicht so technikbewanderten Richters, so hat dieser eine Liste mit schwindlig langen Zahlenfolgen und ein Gutachten welches besagt, dass die Funktionstüchtigkeit der eingesetzten Software zur Ermittlung der Liste in Ordnung zu sein scheint vor der Nase und muss daraufhin eine Entscheidung fällen. Die Tatsache, dass momentan keine Vorratsdatenspeicherung existiert, ist in diesem Fall sogar hinderlich, da er dieses unter Zeitdruck machen muss. Der Fehler liegt also im System, da wir keine spezialisierten Gerichte haben, die den Sachverhalt in Gänze überhaupt erfassen und demzufolge auch die richtigen Dinge hinterfragen können. Das Gericht wird stattdessen vom Anwalt anhand wohlwollender Entscheidungen aus der Vergangenheit bestimmt und das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass es sich hierbei um das kompetenteste handelt, sondern im Zweifel auch um eines, was sich besonders blöd angestellt hat.

  52. Ich hab mal ne Frage. Ich höre immer wieder dass seit 2010 die Vorratsdatenspeicherung auf Eis liegt. Wie kann es dann aber sein dass in dieser Zeit überhaupt Abmahnungen verschickt werden. Wenn die Telekommunikationsanbieter doch keine Daten speichern, dann haben die Abmahnanwälte doch auch keine Möglichkeit nach dem Besitzer der IP zu fragen. Können sie aber, tun sie auch, und Provider rücken mit den Daten raus. Wozu brauchen wir jetzt nochmal eine Vorratsdatenspeicherung wenn die diese Sch… doch auch jetzt ohne machen? Heißt das im Umkehrschluss wenn die Vorratsdatenspeicherung komplett gekippt wird, sind wir immernoch nicht sicher vor Abmahnabzockkanzleien?

  53. @Hammelwade:
    Die Daten sind für eine gewisse Zeit (z.B. für Abrechnungszwecke) noch vorhanden, jedoch aktuell nicht verpflichtend für ein halbes Jahr. Daher müssen solche Beschlüsse ja im Eilverfahren gefasst werden, ohne das Zeit z.B. für ein Gegengutachten bleibt.
    Die Vorratsdatenspeicherung ist echt ein zweischneidiges Schwert. Klar könnte man damit theoretisch auch Abmahnungen erleichtern, wobei aber eindeutig geregelt ist, dass die Herausgabe nur bei schweren Straftaten erfolgen darf und wer erst einmal selbst Betroffener ist, indem ein Stalker beispielsweise Emails in seinen Namen versendet, Onlineanzeigen stellt oder die Identität mit einem Fake-Account in sozialen Netzwerken übernimmt, sieht die Sache naturgemäß mit ganz anderen Augen.

  54. „…Kanzlei wurde 1970 gegründet…“ – da ist vermutlich auch die Schreibmaschine her, mit der das Gutachten getippt wurde 😀

  55. Die CH- Zeitschrift „Beobachter“ hat darüber auch einen Artikel veröffentlicht.
    http://www.beobachter.ch/konsum/konsumfallen/artikel/the-archive-ag_das-raetsel-von-bassersdorf/

  56. Also wenn es wirklich stimmt, wie im Gutachten beschrieben, dass das Starten, Stoppen, Pausieren eines Videos und das Verlassen der Seite getrackt wird hört sich das stark nach JavaScript an. Also entweder gladii ist so etwas wie google analytics für Porno Seiten, oder es ist durch Malware auf die Rechner gekommen.

    Es ist schon ein starkes Stück dass nichtmal aufgezeigt wird, wie die Daten gesammelt wurden. Und sowas wird von den Gerichten durchgewunken…lächerlich. Hätte sich auch nur einer die Mühe gemacht die Webseite des Herstellers anzusurfen, wären ihm Zweifel an der Professionalität bzw. Glaubwürdigkeit des Herstellers aufgekommen

  57. Man sollte mal überprüfen wo dieser ominöse Gutachter seinen Doktor gemacht hat und was in seiner Doktorarbeit drinsteht!

    Ein Fall für VroniPlag ?

  58. Ist vielleicht dies die Doktorarbeit ?

    „Aufbau und Vorbereitung eines Experiments zur Messung der Lebensdauer des freien Neutrons mittels gespeicherter ultrakalter Neutronen“

  59. Hoffentlich wurde ein Rechner im Kanzleramt auch getrackt („angeblich“). Vielleicht wird es dann von Interesse. Das „Gutachten“ ist weniger als ein schlechter Witz und das sowas durchgeht zeigt doch, wie wenig Sorgfalt in solchen „Prüfungsprozessen“ enthalten ist. Natürlich ist eine Einzelprüfung bei einer Vielzahl von Anfragen an Gerichte etc. schwierig. Wenn es also einen Vertrauensvorschuss gibt, sollte die Strafe hoch ausfallen, wenn absichtlich damit gespielt wird.
    Da kriegt man die Wut und erschreckt zugleich, dass sowas nicht vorher abgeschmettert wurde.

  60. Ich sehe das auch so wie Pascal und Raffael. Das Gutachten geht im Rahmen der diesbezüglich durchgeführten Tests auf die im Gutachten beschriebene Aufgabenstellung ein und mehr nicht. Dass irgendwelche kriminellen Abmahner es dafür mißbrauchen, die Staatsanwaltschaft Köln zur Herausgabe von Postadressen zu überrumpeln, hat nichts mit dem Gutachter und seiner Arbeit zu tun. Die meisten anderen Kommentare hier sind meiner Meinung nach weit unter Bildzeitungsniveau! Offenbar wurde das Gutachten von diesen Leuten ähnlich oberflächlich gelesen und beurteilt wie scheinbar von der Staatsanwaltschaft Köln.

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