Kreatives Handwerk: Unterschätze nie die Macht der Farbkorrektur

In Hollywood gibt es allerlei kreative Menschen, die an einem Film arbeiten: Vom Regisseur über die Schauspieler bis hin zu den Kameraleuten. Oft unterschätzt wird aber der Kolorist. Jener ist für die Farbbearbeitung und Farbkorrektur zuständig. Quasi auf der letzten Meile bearbeitet man hier also Filme und Serien – und rettet manchmal auch den Kameraleuten ein wenig den Hintern.

So habe ich EFILM in Hollywood besucht, zugehörig zur Deluxe Entertainment Services Group. Hier wurde beispielsweise die farbliche Abstimmung für Filme wie „Minions“, „Spider-Man: Homecoming“ oder „James Bond: Skyfall“ vollzogen. Mich hat etwa überrascht, wie stark Koloristen teilweise in das Material eingreifen dürfen und durchaus auch kreative Entscheidungen treffen. Es wird also eben keineswegs, wie mancher sich das vielleicht vorstellt, einmal an den Farben gedreht – und fertig ist die Chose. Da ist durchaus mehr notwendig.

Als Beispiel zeigten uns das Team von EFILM um den Deutschen Joachim Zell, Vizepräsident für Technologie bei EFILM und beispielsweise Supervising Color Technician für „Blade Runner 2049“, einen Trailer zum Horror-Film „Hell Fest“ aus dem Jahr 2018. Hier wünschte sich das Marketingteam etwa, dass das Gesicht bzw. vielmehr die Maske des Killers im Trailer nicht zu früh zu sehen sein sollte. Aufgrund des Schnitts sah man den Antagonisten aber bereits zu früh erkennbar gen Kamera schreiten.

Per Farbkorrektur speziell auf dem Ausschnitt des Gesichts dunkelte man jenen Bereich aber minimal ab, so dass das Ergebnis immer noch natürlich wirkt, die Maske aber im Dunklen verbleibt. In anderen Abschnitten veränderte man etwa Tag zu Nacht – so ist etwa eine der ersten Aufnahmen, in welcher die Kamera über einen Vergnügungspark schwenkt, eigentlich ein Stock-Clip bei Tageslicht.

Manchmal setzt man die Koloristen sogar ein, statt visuelle Effekte in Auftrag zu geben, wie uns das Team erklärt hat. Das kann der Fall sein, wenn es gilt beispielsweise einen bestimmten Charakter in einem Film für spezifische Szenen in einer speziellen Farbe erscheinen zu lassen. Nicht immer muss da mit Effekten gearbeitet werden, auch eine Farbkorrektur, die dann eben nicht die gesamte Aufnahme erfasst, sondern gezielt für einen Schauspieler greift, kann ausreichen. Allerdings ist das aufgrund des haargenauen Ausschneidens, Markierens und Trackens des Darstellers eine zeitaufwändige Aufgabe und nur von Fall zu Fall wirklich sinnvoll.

Laut Joachim Zell sei der Kolorist dabei leider ein kreativer Techniker, der oft wenig gewürdigt werde – einen Oscar für Koloristen gibt es etwa gar nicht. Dabei können die Farbspezialisten Kameramännern „oft den Hintern retten“, wie es Zell charmant-direkt auf den Punkt bringt. Denn die Farbbearbeitung habe einen immensen Einfluss auf das visuelle Endergebnis. Im Idealfall sei deswegen auch der Kameramann / Director of Photography während jenes Prozesses anwesend, damit man alles mit jenem abstimmen könne. Es gebe aber auch des Öfteren Fälle, in denen jenes nicht möglich sei. Dann sei der Kolorist eben auch oft gefordert eigenmächtig kreative Entscheidungen zu treffen.

Manchmal müssen die Farbtechniker auch eingreifen, wenn am Set etwas schief gelaufen ist: Beispielsweise kann es sein, dass in einem Raum gefilmt wurde, die Wandfarben aber im Nachhinein aus welchem Grund auch immer dem Kamerateam, dem Regisseur oder auch dem Produzenten sauer aufst0ßen. Dann muss man bei EFILM ran und per Farbbearbeitung herumspielen. Je nachdem, wie schwierig das Keyen ist, kann das ebenfalls viel Zeit in Anspruch nehmen – so wird dann aber eben aus einer grünen Wand meinetwegen eine blaue.

Dabei arbeiten an umfangreichen Projekten oft mehrere Koloristen, da der Zeitdruck hier in Hollywood hoch ist – denn die Farbbearbeitung steht in der Regel ganz am Ende. Deswegen kann man bei der IMDB beispielsweise eben nachlesen, dass mein Ansprechpartner, Joachim Zell, bei einigen Filmen als Supervising Color Technician aufgeführt wird. Er hat also mit anderen Koloristen an Projekten wie „Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste “ gearbeitet.

Letzten Endes eine spannende Sache – ich selbst  habe mit Magix Vegas und kostenlosen Plugins bereits selbst Farbbearbeitungen durchgeführt, aber natürlich keineswegs vergleichbar mit dem Rahmen, der bei EFILM in Hollywood gegeben ist. Gerade deswegen fand ich spannend, dass der Kolorist eben oftmals mehr als ein reiner Handwerker ist, sondern teilweise auch kreativ ins Produkt eingreift. Im Grunde handelt es sich hier also um einen Beruf, der vielleicht auch nach außen hin mehr Würdigung verdient hätte.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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11 Kommentare

  1. Vielen Dank für den sehr guten, informativen Artikel! Ich finde solche Einblicke immer höchst interessant.

  2. Niemand aus der Branche würde Kolorist schreiben, sondern Colorist. Jeden tut das wedee irgendein Kollege, den ich kenne, noch ich selbst. Und ja, per Duden gibt es auch den Koloristen, aber ist aber absolut nicht gängig.
    Auch ist Color grading mehr als nur mit Magix Deluxe Plugins rumzuspielen. Wer interesse daran hat, sollte sich einmal die kostenlose Version von DaVinci Resolve anschauen. Und vorallem sich vorher tief in die Materie einlesen, denn ansonsten verschlimmbessert man einfach nur die Sachen.
    Man sollte auch noch erwähnen, dass an größeren Set auch immer ein DIT dabei ist, der als Bindeglied zwischen dem Kameradepartment und der Postpro steht und unter anderem Onset pregrading betreibt.

  3. „Niemand aus der Branche würde Kolorist schreiben, sondern Colorist. Jeden tut das wedee irgendein Kollege, den ich kenne, noch ich selbst. Und ja, per Duden gibt es auch den Koloristen, aber ist aber absolut nicht gängig.“

    Glashaus. Steine. Werfen. Ungünstig.

  4. @Daniel: Klugscheisser

    • Ja, schon, aber irgendwie finde ich auch, dass „Kolorist“ komisch aussieht, ganz egal, ob das so korrekt ist oder auch nicht.

      • Das liegt vielleicht auch daran, dass wir an allen Ecken und Enden englische Begriffe gewohnt sind. Kommt dann mal ein deutsches Wort, dass dem englischen bzw. amerikanisch-englischen sehr ähnelt (Kolorist/Colorist), meinen wir, unsere Form sieht irgendwie falsch aus. Generell scheinen die meisten Deutschen ohnehin nicht gerade stolz auf ihre Sprache zu sein, bei der riesigen Zahl an Angliszismen und schrägen Wortschöpfungen, z.B. „gegoogelt“, „getrackt“ und kürzlich „gephotoshopt“(!), die man so findet und die gedankenlos hinklatscht und übernommen werden. Da finde ich beispielsweise die Haltung der Isländer lobenswert: dort werden selbst für IT-Begriffe, bei denen man englischsprachige Ausdrücke ja gewohnt ist, eigene neue Wörter in der Muttersprache gebildet (z.B. für Internet oder Chat).

        Wobei der Brite noch bemängeln dürfte: Es heißt nicht Colorist, sonder Colourist. 😀

      • Das liegt vielleicht auch daran, dass wir an allen Ecken und Enden englische Begriffe gewohnt sind. Kommt dann mal ein deutsches Wort, dass dem englischen bzw. amerikanisch-englischen sehr ähnelt (Kolorist/Colorist), meinen wir, unsere Form sieht irgendwie falsch aus. Generell scheinen die meisten Deutschen ohnehin nicht gerade stolz auf ihre Sprache zu sein, bei der riesigen Zahl an Angliszismen und schrägen Wortschöpfungen, z.B. „gegoogelt“, „getrackt“ und kürzlich „gephotoshopt“(!), die man so findet und die gedankenlos hingeklatscht und übernommen werden. Da finde ich beispielsweise die Haltung der Isländer lobenswert: dort werden selbst für IT-Begriffe, bei denen man englischsprachige Ausdrücke ja gewohnt ist, eigene neue Wörter in der Muttersprache gebildet (z.B. für Internet oder Chat). Da merkt man, wenn es einer Gesellschaft eines Landes, die sich auch über die Sprache als solche identifiziert, wichtig ist, diese zu pflegen.

        Wobei der Brite noch bemängeln dürfte: Es heißt nicht Colorist, sondern Colourist. 😀

  5. @André Westphal

    Wie kam es zu dem Kontakt und dann letzten Endes zu diesem Artikel? Gefällt mir sehr gut ausser der Reihe! 🙂

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