Kein Herz für Blogs

Ach Leute. Kaum ist man am Wochenende, da wird schon wieder eine Sau durch das kleine Bloggersdorf getrieben. Erinnert ihr euch an „Ein Herz für Blogs“, welches der Stylespion damals ausgerufen hat? Ne? Ich auch nicht. Blogger sagt: Hier, stellt doch mal eure Lieblingsblogs vor. Und das machen dann alle. Natürlich sagt man auch, dass es eine tolle Idee war und verlinkt den Initiator. Zurecht. Sagt man als Initiator natürlich nicht. Oder ich denke vielleicht zu schlecht über die gute Sache.

Folgender Screenshot zeigt, was ich damals zur ersten Aktion dachte. Folgendes: es gibt so etwas wie die Deutschen Blogcharts. Keine offizielle Veranstaltung. Von Hand gemacht. Und aus meinen Gesprächen mit gaaaaaaanz vielen Werbern und PRlern weiss ich, dass diese Deutschen Blogcharts gerne herangezogen werden um einflussreiche Blogger zu kontaktieren. Multiplikatoren in der Szene erreichen, diese aber trotzdem falsch ansprechen.

Und hier besteht schon der Irrsinn. Diese PRler glauben natürlich, Multiplikatoren in der Szene anzusprechen. Die Deutschen Blogcharts sagen nur aus, welche Blogs möglichst viele Links von anderen Blogs bekommen haben. Ob es sich dabei um meinen 1000-Wörter-Technik-Beitrag oder ein Katzenfoto  handelt, ist dabei scheißegal.

Man redet also nicht von Qualität, sondern von einer Art Inzucht-Backlink. Man bleibt unter sich. Blogger unter Bloggern. Dinge wie Feedleser und Zugriffe interessieren nicht. Nur Links. Wenn in der Blogger-Szene mehr Katzenblogger wären, die sich dauernd die Eier gegenseitig lecken, dann würden sie höher ranken, auch wenn der Content und die Zugriffszahlen des Hundebloggers besser wären.

Wer gut rankt, der wird unter Umständen vielleicht einen lukrativen Auftrag bekommen. Das ist nicht verkehrt, ich gönne jedem Blogger seine Einnahmen und auch gerne noch wesentlich mehr. Aber eines nervt mich liebe Mitblogger.:

Diese Ein Herz für Blog-Scheiße wird nur ausgerufen, wenn mal wieder ein halbes Jahr um ist. Nach einem halben Jahr verlieren die Backlinks nämlich ihre Gültigkeit. Also muss man alle halbe Jahr rumtrommeln, um wieder Links und etwas Ruhe zu haben. Ebene wegen jenen Deutschen Blogcharts. Leute, das ist totaler Bullshit. Ihr seid rund um die Uhr Blogger. Habt rund um die Uhr Mitblogger, Kollegen und wie ihr sie sonst noch nennt. Das ganze Jahr hat man ein Herz für Blogs. Nicht nur alle halbe Jahr. Das ist scheiße, scheiße und nochmals scheiße.

Warum ich das schreibe? Der Stylespion sah sich wohl auch den Vorwürfen wie den meinen (Screenshot) ausgesetzt, sodass er diese Herzenssache abgab. Der, der das annahm wollte jetzt auch was ganz tolles machen, wurde aber völlig überrascht, denn ein anderer Blogger hat sich ganz schrecklich böse die „Ein Herz für Blogs“-Dingens unter die Finger gerissen. Was kommt? Klar, Bitch-Fight. Man jammert und Deutsch-Bloggistan hat wieder einen Aufreger. Mein Kumpel Gilly hat das ordentlich auseinander klamüsert und bekommt dafür zurecht massig Backlinks. Auch mein Kumpel Casi hat ein paar Worte darüber verloren. Lest da weiter, wenn ihr wissen will, wer mit wem und und und. Denver Clan für Arme.

Festzustellen bleibt: es ist in Deutschland einfacher Leute für ein Gegeneinander zu finden, als für ein Miteinander.

Und was lerne ich daraus? Gar nichts. Ich rege mich nur ein wenig auf, da durch solche Dinger Blogs leicht lächerlich wirken könnten (wenn sie das schon eh nicht tun). Ich verlinke weiter wie bisher, ohne überhaupt einen Gedanken daran zu verschwenden, warum, wie und wen ich linke. Ich lese Hunderte Blogs. Große und kleine.

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass viele Blogger mit dem Einzug in Blogcharts oder anderen Krempel ihre Unschuld und Unbefangenheit gegenüber anderen Blogs verlieren. Wenn bloggen die ersten paar Euronen abwirft, wenn die Angst aufsteigt, dass man selber schlechten und abgeschrieben Content bietet und deshalb nicht auf die Quellen verlinkt.

Aus Angst, Leser zu verlieren. Alles Bullshit. Macht euch frei. Bloggt so wie am ersten Tag. Dann ist alles gut. Und wer sein Leben auf die Gunst von Werbung & PR ausrichtet, der hat vielleicht was falsch gemacht.

Entschuldigt bitte mein Geschreibe, musste einfach mal ungefiltert raus. Auch mein Blog ist einfach nur ein Blog mit einem Menschen dahinter.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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53 Kommentare

  1. Danke, danke und nochmals danke! 🙂 Da spricht mir mal jemand voll aus dem Herzen!!!!!!!! Würd ich tausendmal… ach was noch öfters unterschreiben 🙂

    LG
    Timo

  2. Ich habe diese Aktion nicht mitgemacht und habe die Idee dahinter auch nicht verstanden. Ich meine, es ging ja nicht um eine „gute Sache“, sondern irgendwie um ein Herz-Geschwafel. Aber davon haben sich wohl viele Blenden lassen – im Marketing sind solche Gefühlsduseleien nicht umsonst beliebt, sie sind (zu) einfach anwendbar und sie funktionieren.

    Wenn es denn überhaupt um eine gute Sache gegangen wäre, sagen wir, um Blutspenden, Knochenmarkspenden oder irgend was Non-Profit-mässiges (Mag ja Plump sein, aber das Einzige, was mir aus Deutschland einfällt: „Aktion Mensch“), dann hätte ich gern mit gemacht. Aber um des Bloggens willen: Nein. Bloggen ist für mich kein Selbstzweck und manche mögen – das gönne ich auch – damit Geld verdienen und von mir aus auch Millionär werden. Aber für mich ist Schreiben eine Leidenschaft, deswegen blogge ich. Und nicht der Backlinks wegen, sondern vielmehr, um gute Blogger wie Caschy kennen lernen zu können 🙂

  3. Sauber! Genau so ist es, aber auch die ganzen Gewinnspiele gehen mir ziemlich aufn Sack… Schreibe über lalaala um an dem Gewinnspiel teil zu nehmen.

    Alle wollen nur Backlinks haben und keiner rückt freiwillig welche raus, finde ich absolut bescheuert. Das ist doch nicht der Sinn des Internets.

  4. Muss sagen bin etwas überrascht : D ich hab mir die Mühe am Wochenende auch mal gemacht und einen Artikel dazu geschrieben, weil ich den Anlass eigentlich ganz gut fand, um bestimmten Leuten mal zu zeigen welche netten Blogger es noch gibt.

    Aber wer meinen Blog kennt, weiß, dass ich jede Woche versuche einen User meines Blogs, meistens andere Blogger vorzustellen.

    Was die Blogger Charts angeht, ich habe keine Ahnung ob ich drin bin, oder auf welchem Platz. Es ist mir aber eigentlich auch verdammt egal. Ich hab Spaß am Bloggen und klar mag es Schade sein, wenn ich größere Aufträge bekommen könnte. Aber meiner Auffassung nach, gibt es noch genug andere Wege um zu ein paar Euros zu bekommen. Ist also am Ende nicht wirklich dramatisch.

  5. Ich bin auch kein Fan dieser Aktionen und das was du schreibst kann ich eigentlich mit unterschreiben. Allerdings bin ich auch kein Fan davon alles schlecht zu machen. Ich weiß nicht, ob hinter dieser Aktion ursprünglich tatsächlich die Idee verborgen hat, dass man unbekanntere Blogs – in dem man darüber berichten lässt – auch anderen etwas bekannter macht. Sollte dies vielleicht so gewesen sein, finde ich die Grundidee gar nicht mal so schlecht. Aber das ist natürlich nur eine Mutmaßung….

  6. Holla..
    Worüber regt ihr euch auf? Über ganz dicke Inet Eier die schon fast so alt sind wie die Einführung von DSL.

    Früher nannte man den Schwachsinn Toplisten und dort trugrn sich 1000e Online Radios ein. Nur ein kleiner Teil der ach so tollen Idee hat überlebt und was für „Miteinander“ Ideen es doch gab…

    So und nun kommen die Blogger, genau die Bande unter denen sich die meisten Fachleute befinden und DAUs wie mir nun erzählen wollen dass sie eh die besten sind.

    Ich hab 2 Blogs die ich reglmäßig besuche und die regelmäßig von mir verlinkt werden und zwar aus einem Grund.
    Das was Casi & Caschy bloggen tun sie nach ihrem besten Wissen. Dazu stehen sie und genau darum verdienen sie meinen Besuch.

    Wer wirklich noch glaubt dass irgendeine Blogliste daran intressiert ist „deinen“ Blog zu puschen, der lässt sich auch ne halb gefüllte Colaflasche als „Super Angebot“ verkaufen.

    Warum ich das alles poste? Ich wollte endlich nen Eintrag bei Caschy vom RockMelt aus machen 😛

  7. Ach, DU bist der eine RockMelt-User 😀

  8. @caschy: ich wollte nicht unterstellen, dass du gastbeiträge von leuten einstellst, denen du nicht vertraust, etwa um gewinn zu machen.
    aber gerade jetzt wo auf jeder pr-fortbildung gesagt wird, dass man mit blogs leute beeinflussen kann und das zum guten ton gehört, finde ich, dass diese ganze blogginggeschichte ganz anders betrachtet werden muss.
    ich bin wirklich nicht im kern der szene, aber selbst ich bekomme mit, dass ganze pools an (auch und vielleicht sogar meistens „privaten“) blogs von textern hochgezogen werden, um in einem halben jahr dann eine produktkampagne zu supporten.
    du siehst: vertrauen fällt schwer, vor allem wenn man (wie beim internet nun mal üblich) nicht die person sieht/kennt, die die texte schreibt. bei dir ist das etwas anderes (denke ich wohlgemerkt), aber manch anderer blogger wird gern vorgeblich neutrale gastbeiträge einbinden.
    Edit: ich denke ihr wisst das vielleicht auch schon alles und seid euch dessen bewusst, sind ja auch nur meine gedanken.

  9. @makz: du hast Recht, diese Arschlochblogs gibt es leider massig. Und auch ebenso viele PRler, denen ich schon ihre Arbeit am Telefon erklären musste. Als Ungelernter und unstudierter in Sachen PR. Kommunikation fällt vielen scheinbar nicht einfach und beschissene Ideen gibt es genug.

    Hier wirst du das nicht finden. Gastbeiträge bekomme ich von Lesern, die meisten sind langjährige Kommentatoren. Und wenn einer sein WeTab, Galaxy Tab oder so hypt, weil er es liebt und zufrieden ist – why not. Mache ich beim iPad ja auch.

    Ein Mensch mit etwas Hirn lässt sich auch eher weniger beeinflussen, bei mir ist es sogar umgekehrt. Bei zu schwurbeligen Marketing-Speak kommen Produkte auf die Nicht-Kaufen-Liste.

    Ich könnte stundenlang über Marken und so mit dir sprechen, dazu ist das Kommentarfeld zu klein und die Meinungen und Möglichkeiten so vielfältig. Wichtig ist: kritisch bleiben, selber versuchen eine Meinung zu bilden.

  10. „Wenn in der Blogger-Szene mehr Katzenblogger wären, die sich dauernd die Eier gegenseitig lecken“

    Wieso sprichst du im Konjunktiv? Sind sie doch, tun sie doch.

  11. Ich stimme vollkommen zu, trotzdem hat mir das Herz für Blogs (als kleinen Blog) ziemlich geholfen und mir n Haufen neue Besucher/Reader usw eingebracht. Klar, der Initiator machts evtl aus Eigennutz, trotzdem bringts einigen Kleineren doch bissle was.
    Mir hats genutzt. Ich fands gut.
    Mir isses auch egal wer sich da oben in den Blog-Charts battled; bin ich eh nich drin.

  12. Ein professioneller Blogger scherrt sich wenig über andere Blogs. Speziell über Lästereien, Spam und Divenverhalten. Der profisionelle Blogger hat ein Ziel und zieht einfach sein Ding durch, konzentriert sich darauf seine eigenen Beiträge und Layouts zu verbessern und manchmal auch etwas Geld zu verdienen.
    Alles andere ist Kindergarten und Zeitverschwendung.

  13. Kann Deine Einschätzung oder „Aversion“ bzgl. der PRler nur unterschreiben. Hatte seinerzeit in Berlin im Marketing eines Mittelständlers Kontakt zu so einem externen PR-Schlacko (notgedrungen), der meinte mal über ein zu promotendes Produkt: „Als Krönung dann natürlich die Topblogger der Szene kontaktieren und vorab testen lassen, da fühlen sich diese Nerds immer gebauchpinselt“. So wird halt dann auch noch hinten rum über die Blogger abgelästert. Beste Entscheidung: PR-Mails gleich als Spam markieren.

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