Jabra: Interview über die Zukunft von True Wireless

Der dänische Hersteller GN bzw. dessen Marke Jabra ist mir so richtig bewusst ehrlich gesagt das erste Mal aufgefallen, als ich tatsächlich die Elite Sports getestet habe. Seitdem hat die Marke bei mir durchaus einen gewissen Bonus, denn ich nutze die Elite Sports bzw. die Nachfolger mit längerer Akkulaufzeit jede Woche fürs Joggen. Trotz Dauereinsatz und langer Strecken, dreimal die Woche 10 km, haben mich die Earbuds nie enttäuscht. Deswegen habe ich diese Woche dann auch die Chance genutzt, um am Jabra Media Summit 2018 im Hauptsitz des Herstellers, in Ballerup, teilzunehmen. Im Rahmen des Programms hatte ich auch die Gelegenheit etwas mit dem Senior-Vizepräsidenten fürs Marketing, Calum MacDougall, über Jabras Zukunftspläne zu plaudern.

Während Jabra im Rahmen des Media Summit unter anderem neue Engage-Modelle für Geschäftskunden vorgestellt hat, habe ich mich auf den Bereich für Privatkunden fokussiert. Da ist freilich die Elite-Serie an Bluetooth-Kopfhörern das Steckenpferd. Meiner Ansicht nach ist True Wireless, also Earbuds die komplett ohne Verbindungskabel operieren, hier die Zukunft. Auch Jabra scheint dies so zu sehen. Dafür spricht auch ein Detail, dass mir Calum MacDougall, ein sehr bodenständig wirkender Brite mit trockenem Humor, steckte: So wurden die Jabra Elite Sports anfangs gar nicht so sehr speziell von Fitness-Enthusiasten gekauft, sondern von Early Adoptern, welche sich für die True-Wireless-Technik begeistert haben.

Gewundert hat mich das nicht: Als die erste Generation der Jabra Elite Sports 2016 erschien, gab es kaum Konkurrenz im Bereich True Wireless. Und auch jetzt bringt die Serie noch einige Mehrwerte mit. Dazu zählt etwa der Pulsmesser, welchen nur wenige andere Hersteller mitnehmen – zum Beispiel Samsung bei den ersten Gear IconX. Für die zweite Generation strichen die Südkoreaner jedoch den Sensor. Die (ebenfalls guten) Jaybird Run hingegen bieten ein derartiges Feature  ebenfalls nicht – kosten aber natürlich auch weniger, weswegen sie von Jabra etwa mehr als Konkurrenz für die neueren Elite 65t empfunden werden. Hier soll ja bald die Active-Version folgen, auf die ich persönlich sehr gespannt bin. Denn auch wenn mich der Klang der Jabra Elite 65t sehr begeistert hat, konnten sich mich leider beim Laufen aufgrund des in meinem Falle zu lockeren Sitzes nicht überzeugen.

Doch zurück zum Gespräch mit MacDougall: Ich fragte Jabras Marketing-Manager, ob denn mittlerweile eine neue Generation der Elite Sports geplant sei. Denn schließlich sind auch die Elite 65t Active kein direkter Nachfolger. Dessen ist sich auch MacDougall bewusst. Laut ihm seien die Elite Sports für diejenigen gedacht, welche wie ich längere Strecken laufen und beim Sport eine Lösung suchen, die absolut bombenfest sitzt. Hier sind dann die Earwings das ausschlaggebende Kriterium, auf das Jabra geachtet habe. Kann ich so bestätigen, denn jene sind es auch meines Erachtens, welche den großen Unterschied zu den Elite 65t ausmachen. Auch wenn MacDougall nichts zu zukünftigen Produkten sagen durfte, deutete er an, dass die Elite Sports immer noch ein tolles Produkt seien, das sich zudem äußerst gut verkaufe.

Ich hakte nach: Also kommt 2018 keine neue Generation der Jabra Elite Sports mehr? Antwort MacDougall: „So könnte man meine Aussage eventuell interpretieren…“ Was kommt, sind eben die Jabra Elite 65t Active. Hier konfrontierte ich den Jabra-Manager dann auch mit meinen Problemen mit den Elite 65t, also dem meiner Ansicht nach zu losem Sitz beim Joggen. MacDougall gibt dabei zu Protokoll, dass der Fokus der regulären 65t eben auch nicht auf dem Sport liege, sondern auf der Musik- und Sprachqualität sowie dem Tragekomfort beim „All Day Usage“. Allerdings stellt der Brite in Aussicht, dass die Elite 65t Active beim Sport besser sitzen sollten, da sie durch eine spezielle Beschichtung nicht nur gegen Schweiß resistent seien, sondern auch mehr Halt im Ohr haben sollten. Da bin ich persönlich wirklich gespannt und werde hoffentlich bald für euch berichten können.

Auch habe ich nachgefragt, wie Jabra Deutschland als Markt bewertet bzw. sich dort positioniert sieht. Für den Hersteller ist Deutschland dabei laut MacDougall natürlich ein wichtiger Markt. Auch die Elite Sports würden gut angenommen bei uns. In diesem Zusammenhang interessierte mich natürlich auch, wie nun die Jabra Elite 65t, als Zwischenschritt, in den Verkaufszahlen im Vergleich dastehen. Zahlen wollte der Jabra-Mitarbeiter hier nicht nennen, betonte aber, dass man mit der Adoption „sehr zufrieden“ sei. Er ergänzte zudem, dass Jabra speziell in Asien aktuell viele Erfolge verbuchen könne. Besonders China und Indien nannte er als Beispiele.

Ein wenig Kritik muss in einem Interview auch sein und so bemängelte ich persönlich die Fragmentierung bei Jabras Apps: Für die Elite Sports benötige ich ja schon zwei Apps – den Jabra Service und die App für Jabra Sports. Die Elite 65t wiederum nutzen als Begleiter die App Jabra Sound+. Letztere ist deutlich moderner und aufgeräumter, auch wenn mich persönlich der etwas hausbackene aber pragmatische Look der Anwendung für die Jabra Elite Sports nicht stört. Trotzdem könnte Jabra hier im Sinne der Kunden einheitlicher vorgehen. Das gesteht auch MacDougall dann mit einem Nicken ein. Deswegen hat die App Jabra Sound+ auch diese Woche erst ein großes Update auf die Version 2.0.5 erhalten. Sie unterstützt nun an den Elite 65t auch Tracking von Aktivitäten.

Trotzdem wäre es sinnvoll, wenn Jabra sich langfristig am Ende auf eine einzige App für alle Elite-Kopfhörer beschränken würde. Das sieht auch MacDougall ein, kann hier aber noch keine konkreten Pläne für eine Vereinheitlichung nennen. Klar sei, dass der Fokus der Entwickler aktuell auf der App Jabra Sound+ liege und nicht auf der App für die Elite Sports. Das sieht man natürlich auch, wenn man die Oberflächen vergleicht. Trotzdem hoffe ich persönlich, dass Jabra die Elite Sports langfristig weiterentwickelt – selbst wenn MacDougall mich nochmal erinnert, dass hier „keine Eile“ bestehe, weil die Earbuds sich dafür offenbar noch zu gut verkaufen und die Qualität seiner Ansicht nach immer noch gegeben sei.

Spannenderweise sieht Jabra übrigens weniger Hersteller wie Jaybird oder Samsung, sondern eher Apple mit den Airpods als den Maßstab an, an dem man sich messen müsse. Apple sei aktuell in den USA mit den AirPods der wichtigste Hersteller im Bereich True Wireless – und dort wolle Jabra angreifen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit dem dänischen Hersteller weitergeht – der nächste Schritt sind eben die besagten Jabra Elite 65t Active, welche ja dann vielleicht die Zwischenstufe zwischen den regulären Elite 65t und den Elite Sports sind, die sich einige Anwender aktuell noch wünschen.

Zuletzt bekräftigt Calum MacDougall nochmals, dass True Wireless aus Jabras Sicht die Zukunft im Bereich der Bluetooth-Kopfhörer sei und die Annahme durch die Kunden jene Prognose auch bestätige. Jabra werde sein Portfolio also in jenem Bereich sicherlich noch ausbauen und langfristig auch weitere Preisklassen bedienen. Vor allem Sprachsteuerungen wie den Google Assistant, Amazon Alexa und Apple Siri – alle per Knopfdruck an den Elite 65t aktivierbar – sieht man als Triebfeder für die Adoption. Vorteile gegenüber der Konkurrenz schreibt sich Jabra übrigens auch zu, weil man bei der Mutterfirma GN ja auch Hörgeräte entwickle und vertreibe. Das technische Know-How aus jenem Bereich sei Jabra enorm zugute gekommen.

Der Besuch in Dänemark war jedenfalls sehr interessant und hat den Hersteller für mich eine Ecke greifbarer gemacht. Dass es im Markt für True Wireless immer mehr Player und immer mehr Bewegung gibt, ist nicht zu leugnen. Jabra wird sicherlich ein großes Interesse haben sich dort langfristig an vorderster Front zu positionieren. Ob jener Plan aufgeht, das entscheidet am Ende ihr mit eurem Geldbeutel.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

10 Kommentare

  1. Sind die Jabra eigentlich alles nur In-Ear?

  2. Wir nutzen ab der Arbeit auch Jabra headsets. Die sind einfach super!!!
    Für den Sport habe ich mir jetzt die günstigen Jabra move zugelegt. Bisher klappt ganz gut. 🙂
    Die in ear sind leider nichts für mich

  3. Frederik Thomas says:

    Toller Artikel. Nachdem mich die Bragis der 1. Generation (furchtbare Bluetooth-Aussetzer und überfrachtet) und Gear Iconx 2018 (Kopfhörer machen bei schweißtreibenden Sport dicht) so sehr enttäuscht haben, gehört Jabra der nächste Versuch. Was mich irritiert: Haben die Gear Iconx wirklich einen Pulsmesser? Ich dachte den hätte Samsung im Vergleich zur vorangegangenen Version weggelassen. Samsung selbst nennt auch keinen solchen Sensor, und ich dächte, ich hätte ein solche Funktion bemerkt. Ich persönlich würde ja immer gerne auf einen Pulsmesser zu Gunsten der Akkuleistung verzichten. Den Puls messe ich mit der Sportuhr, oder, wenn es wichtig ist, mit einem Pulsgurt. Pulsmessung im Ohr ist doch eher gut fürs Marketing.

    • André Westphal says:

      Also die Pulsmessung ist nach meinen Vergleichen mit einer Moto 360 tatsächlich recht gut. Jabra hat das übrigens in Dänemark auch nochmal aufgeschlüsselt, zumindest erklärten sie, dass das Ohr wohl aus medizinischer Sicht tatsächlich ein recht guter Ort sei, um den Herzschlag zu messen. Leider habe ich die Begründung nicht mehr im Kopf.

      Zumindest nutze ich den Pulsmesser nun seit über einem Jahr und finde die Daten immer recht spannend.

      • Winfired Stein says:

        Hallo Andre´,

        leider bist du auf den ersten Teil der Frage von Frederik nicht eingegangen. Die neue Version der Gear IconX 2018 haben keinen Pulsmesser mehr. Dafür hält der Akku nun länger. Aber das Grundproblem ist leider geblieben. Wenn man die IconX in der Box läßt entladen sie sich, so dass man meistens nur einen halbvollen Akku hat. Damit ist die Laufzeit meistens eben doch nicht so toll.

        • André Westphal says:

          Das muss ich mal korrigieren,sorry! Hatte ich verdrängt. Zum Release der Dinger gab es da irgendwie allerlei Verwirrung – aber stimmt, der ist weg! Ich meine Samsung hatte in der dt. PM ursprünglich noch einen Pulsmesser genannt, deswegen stand es bei vielen Quellen damals verkehrt – nicht nur bei uns. Ändere ich, ganz vielen Dank für den Hinweis :-).

  4. Die Earwings bei Jabra empfinde ich als mittlere Katastrophe. Die bei BOSE sind viel flexibler und halten bombenfest, die von Jabra sind mir zu steif und drücken. Auch ist der die Noise Cancellation Funktion von Jabra eher mau.
    Für das Büro finde ich meine Evolve 75e trotzdem gut und fände True Wireless interessant, glaube aber das man dann nicht soviele Funktionen unterbringen könnte. Die Akkulaufzeit ist ja jetzt schon nicht übermäßig lang.

    • André Westphal says:

      Ich glaube da hängt extrem viel von der individuellen Form des Ohrs ab. Die Jabra-Leute sagten selbst, dass es bei den Elite Sports teils Kritik an den Wings gab – und sie deswegen bei den Elite 65t einen anderen Weg gegangen sind. Bei mir ist es genau umgekehrt: Die größten Wings sitzen perfekt und drücken null. Dafür sitzen die 65t bei mir z. B. zu locker.

  5. Also ich hatte die Elite 65t, der Klang war nicht schlecht und sie gefielen mir eigentlich gut.

    Aber das extrem laute Grundrauschen (stark in leisen Musikpassagen zu hören), ist ein no-go und war für mich der Rücksendgrund.

    Habe jetzt die B&O Beoplay E8 und von Klang, Sitz und Verarbeitung gibt es nichts besseres (habe alle aktuellen True Wireless Kopfhörer getestet). Klar sind auch doppelt so teuer wie die Jabra Elite 65t, aber das ist es Wert.

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