Irreführende Bewertungen: Über die Hälfte der geprüften Seiten verstößt gegen EU-Recht

Die Europäische Kommission und die nationalen Verbraucherschutzbehörden haben Webseiten unter die Lupe genommen. Dies geschah in der gesamten EU – so wurden 223 wichtige Webseiten durch Behörden von 26 Mitgliedstaaten, Island und Norwegen auf irreführende Kundenbewertungen hin überprüft. Fast zwei Drittel der analysierten Online-Shops, Marktplätze, Buchungswebsites, Suchmaschinen und Preisvergleichsdienste ließen Zweifel an der Zuverlässigkeit der Bewertungen aufkommen, so die Kommission.

Aus den Ergebnissen der Untersuchung:

104 der 223 untersuchten Webseiten informieren die Verbraucher nicht darüber, wie Bewertungen gesammelt und verarbeitet werden. Nur 84 Webseiten machen diese Informationen auf der Bewertungsseite selbst zugänglich, während die übrigen diese Informationen in „Kleindruckten“, z. B. in ihren Geschäftsbedingungen, erwähnen.

118 Webseiten enthielten keine Informationen darüber, wie gefälschte Bewertungen verhindert werden. In diesen Fällen haben die Kunden keine Möglichkeit zu überprüfen, ob Bewertungen von Verbrauchern verfasst wurden, die das Produkt oder die Dienstleistung tatsächlich genutzt haben.

Auf 176 Webseiten wird nicht erwähnt, dass Anreize für Bewertungen (z. B. finanzieller Art) aufgrund interner Regelungen verboten sind oder wie andernfalls sichergestellt wird, dass Bewertungen entsprechend gekennzeichnet werden.

Am Ende steht die Bewertung, dass mindestens 55 % der überprüften Websites möglicherweise gegen die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken verstoßen. Zweifel sind bei weiteren 18 % aufgekommen. Die nationalen Behörden werden sich laut Aussage der EU-Kommission mit den betreffenden Händlern in Verbindung setzen, damit diese ihre Websites korrigieren, und erforderlichenfalls nationale Durchsetzungsmaßnahmen einleiten.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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8 Kommentare

  1. Man kann alles übertreiben. Jeder sollte wissen, dass Bewertungen gefälscht und gekauft werden können. Massiv übertrieben ist z.B. der Cookie Anklick Wahn, auch der EU zu verdanken. Völlig sinnlos. Die meisten würden auch einen Kaufvertrag für einen Kühlschrank mittlerweile mit ok bestätigen, so ist die sinnlose Klickerei ausgeartet. Was soll so ein Unsinn ?

    • Was ist denn das für eine Ansicht?
      Wenn deine erste Behauptung stimmen würde, würden die gefälschten oder gekauften Bewertungen doch nicht so verfangen. Das heißt, es würde sie auch nicht geben, weil sie dann ja nichts bringen würden.

      Desweiteren hat der „Cookie Anklick Wahn“ ja wohl wenig mit dem Thema zu tun und ist ja dann wohl eher der Tatsache geschuldet, dass User darüber aufgeklärt werden müssen, was für Daten denn überhaupt erhoben werden. Würde nicht jede noch so poplige Seite dutzende Tracker integrieren und haufenweise Daten sammeln, müsste man auch nicht ständig solche Banner, Fenster und Hinweise wegklicken. Aber man kann natürlich auch so tun, als wäre es in Ordnung, dass die Daten gesammelt werden, während das offensive Aufklären darüber „völlig sinnlos“ ist.

    • Ich bin inzwischen dazu übergegangen, Webseiten, wo ich mich durch endlose Cookie-Listen wühlen muss, nicht mehr zu besuchen…….
      Den Vogel dabei hat bisher heise.de mit 183! Partnern abgeschossen, und fast alle setzen Cookies. Und am Ende gibt es dann nur die Wahl zwischen Abo oder alles zu akzeptieren.
      Dem sollte man mal n Riegel vorschieben.
      Aber von Suchmaschinen Geld kassieren, dass man Besucher bekommt……

    • Grundsätzlich finde ich es gut das das mal kritisch hinterfragt wird. Es hat mittlerweile Auswüchse angenommen die es mir verleiden in bestimmten Shops einzukaufen. Bei Amazon habe ich den Eindruck das von der Bewertung bis über „Amazon choice“ und die ständigen Anzeigen zwischen den Suchergebnissen alles gefaket ist…. Manchmal sogar die Ware…. Da hab ich einfach keine Lust drauf.
      Was die cookies angeht bin ich auch genervt und hoffe das es mal eine Lösung im Browser gibt, wo man einmalig Vorgaben macht und den Rest der Browser selbst erledigt. Ich denke das wird auch noch so kommen. Zum Schutz würde ich eh die Erweiterung privacy badger empfehlen.

  2. Hier der Link zur deutschsprachigen Untersuchung: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_22_394

    Persönlich nervt mich ja mittlerweile mehr, dass man sich bei der Suche nach „Produkt“ und „Test“ erst einmal durch seitenweise Fake-Tests wühlen muss. Denn die meisten „Tests“ sind nichts weiter als Affiliate-Seiten, mit denen teilweise sogar seriöse Anbieter zusätzlich Kasse machen wollen. Meist fällt das auf, weil sich in den Top 10 immer die selben Amazon Top-Seller befinden.

    Beispiel? Die Suche nach „Bügeleisen Test“ ergibt lauter Amazon-Affiliate-Seite mit fake Tests auf den Domains von Stern, Welt und Co.

    Das ist für mich nerviger, denn mit fake Rezensionen kann ich mittlerweile ganz gut umgehen.

    • Die Situation wurde sich auch selbst geschaffen. Stiftung Warentest sollte halt frei verfügbar sein. Das wird ausgenutzt. Ich überlegte auch schon so eine Vergleichsseite zu machen, sehr einfache Einnahme aber kann ich leider moralisch nicht vertreten. Ich finde es dann aber auch noch schlimmer wie genannte Seiten sowas betreiben und die Nutzer belügen. Wie auch der TechStage Schandfleck bei Heise. Wenn Klicks halt wichtiger als Qualität ist.

  3. Schlecht ist so etwas nicht. Man sollte halt auch um Ecken schauen können. Ich denke, ich bin in der Lage eine Fake-Bewertung zu erkennen und gerade bei Amazon ist das sogar sehr leicht. Das geht ja sogar online und wer sich selbst etwas Mühe gibt, der schaut sich einfach andere Bewertungen der bewertenden Person an und da sollte sich doch jeder wundern, wenn diese Person innerhalb von 6 Monaten 5x das selbe Produkt in verschiedenen Ausführungen verschiedener Händler gekauft hat und diese immer mit 5⭐ bewertet. Z.B. und überspitzt, 5 Bügeleisen in 6 Monaten wäre recht sonderbar.
    Aber ich bin nicht alle und für andere ist es einfach eine gute Sache.
    Bin so oder so der Meinung, dass Onlinehändler dazu gezwungen werden sollten mehr Informationen bereit zu stellen.
    Es wird darüber diskutiert, dass Updates für mehrere Jahre geliefert werden sollen und das als Pflicht. Finde ich nicht. Das reguliert sich von selbst wenn Händler Geräte nur online anbieten dürfen wenn deutlich auf Updates und deren Verteilungsturnus hingewiesen wird und das würde auch alle Hersteller zwingen diese Daten zu liefern, da sie ansonsten ja nicht mehr gehandelt werden dürfen.
    Grundsätzlich denke ich, jeder potentielle Käufer sollte das Recht haben möglichst mit allen Informationen versorgt zu werden und ich darf nicht danach gehen ob es mich nerven könnte, da ich diese Information bereits kenne, ich bin halt nicht alle.
    Das könnte man natürlich auf alle Bereiche übertragen, jetzt nicht nur Smartphones und deren Updates, auch auf Werbung.
    Auch da sollte bei Verträgen nicht groß stehen, z.B. nur 9,99€ und dann klein gedruckt darunter, ab den 13 Monat 29,99€.
    Das hat da auch in groß zu stehen, sowie alle anderen Kosten die anfallen.
    Wie gesagt, ich lese und ich achte darauf, aber ich bin nicht alle und ich glaube wirklich, dass mehr Informationen am Ende mehr bewirken können als irgendwelche gesetzlichen Vorgaben von irgendwelchen Politikern die doch nicht zu Ende gedacht sind.
    Deshalb finde ich dieses prüfen an sich gut, die Frage ist nur, wird da auch was passieren? Daran glaube ich nicht wirklich.

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