iFixit-CEO erhebt Vorwürfe gegen Apple, Microsoft und Samsung

Der Geschäftsführer von iFixit, bekannt für ihre ausführlichen Smartphone-Teardowns, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Hersteller Apple, Microsoft und Samsung. Seiner Ansicht nach halten die drei Unternehmen die Zulieferketten fest im Griff und würden ihre Produkte gezielt so gestalten, dass sie durch die Nutzer möglichst schwer zu reparieren seien.

Als Beispiel nennt der CEO, Kyle Wiens, den deutschen Akkuhersteller Varta. Letzterer liefere etwa die Akkus für einige Produkte von Samsung wie die Galaxy Buds. Man habe an Varta deswegen in der Vergangenheit Anfragen gerichtet, um Ersatzteile zu kaufen und die Galaxy Buds für Kunden zu reparieren. Varta durfte allerdings keine Akkus an iFixit liefern, weil Samsung explizit im Vertrag festhalten ließ, dass dies unterbleibe. Laut Wiens würden derartige Fälle such mittlerweile häufen.

Insbesondere Apple liebe diese Taktik: Der Hersteller verwende in der Regel leicht modifizierte Varianten von Standard-Bauteilen, welche der jeweilige Zulieferer dann ebenfalls nicht an externe Werkstätten liefern dürfe. Das Bauteil weiche dann gerade so ausreichend ab, dass man die Standard-Komponente nicht als Ersatzteil verwenden könne. Laut Wiens habe Apple sogar bei einem Recycling-Unternehmen in Kalifornien neuwertige Bauteile vernichten lassen, nachdem die Frist für den Support von sieben Jahren verstrichen war. Man zog die Entsorgung der Ersatzteile einem Verkauf an Werkstätten vor, so der iFixit-Chef.

Wiens glaubt, dass es sinnvoll wäre, in den USA ein Label einzuführen, das für Kunden transparent angibt, wie gut ein Produkt zu reparieren sei. Derartige Kennzeichnungen gibt es beispielsweise in Frankreich und Australien. Sollten die Hersteller dann feststellen, dass dies die Kaufentscheidungen der Kunden beeinflusst, würden sie sich mehr Mühe geben. In den USA gibt es da gerade Diskussionen um eine Einführung derartiger Kennzeichnungen. Aber auch in Europa wird ein Recht auf Reparatur ja diskutiert, wenn auch bisher mit wenigen konkreten Ergebnissen.

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22 Kommentare

  1. Es muss ein Recht auf Reparatur oder allgemein gültige Standards für bestimmte Komponenten geben, so dass es bei den entsprechenden Komponenten keine Herstellerspezfika gibt. Hatte die Menschheit bei bspw. Batterien und Leuchtmitteln in der guten alten Zeit schon einmal geschaft.
    Alles andere bringt doch nichts.

    • Sehe ich auch so und ich hoffe dass da nun etwas Bewegung rein kommt. Die Biden Regierung geht scheint etwas unternehmen zu wollen und in der EU steht ja auch noch etwas aus. Selbst wenn man nur dafür sorgen würde dass IC Hersteller an alle verkaufen dürfen und die Knebelverträge der großen OEMs ungültig sind wäre schon viel getan – zumindest in Kombination mit einer Verhinderung von Serialisierung von Komponenten.

    • Standardisieren von Bauteilen ist nicht so gut, da sollen die Hersteller machen können was sie wollen, wenn es denn bei der Weiterentwicklung der Produkte etwas bringt. Allerdings sollten die Hersteller verpflichtet werden, die Bauteile als Ersatzteile zu fairen Preisen zu verkaufen!

      • Wirkliche Standardbauteile, wie z.B. Akkus könnten schon normiert werden.
        Dort würde es vielleicht sogar durch den Zubehörhandel zu Innovationen kommen.

      • Zumindest bei Dingen wie USB Buchsen würde ich es mir wünschen. Ich glaube ein gutes Beispiel ist Micro USB – eigentlich immer das identische Pin Layout aber dennoch gibt es 100+ verschiedene Buchsen. Man benötigt horizontal, vertikal, gummiert und nicht gummiert und evtl besonders kompakte sowie verstärkte die auch noch verschraubt sind (wobei ich mir wünschen würde dass es nur die verschraubten gäbe), aber mehr ja nun nicht wirklich. Da sollte sich mit maximal 20 Stück eigentlich so gut wie jeder Bedarf abdecken lassen (zumindest im Bereich der Heimelektronik).

  2. Naja ich kann tatsächlich den Sinn solcher Verträge nachvollziehen. Unabhängig von der Reparaierbarkeit ist es im Interesse keines Unternehmens, dass irgendjemand anderes einfach so diese Produkte ankauft und dann selber verhökert, wie es iFixit ja vorhatte.

    Und wenn die Reparierbarkeit bei iPhones doch angeblich nahezu unmöglich ist, wieso bekommen sie bei iFixit dann dauerhaft die mit Abstand höchsten Werte aller Smartphones abseits von FairPhone etc.?
    Während viele Smartphones, vor allem die von Samsung nicht selten nur 0-2 Punkte kriegen, sind es bei den iPhones immer 6-7.

    • Hier werden einige Punkte vermischt:

      Bei ihm, und ebenso im übrigen bei den derzeitigen Right to Repair Bewegungen (die seit kurzen auch von der neuen US Regierung etwas gestützt wird) geht es um den freien Zugriff auf Ersatzteile / Bauteile und Software, bzw den Verzicht darauf Teile via Seriennummer aneinander zu koppeln.

      Zu deinem ersten Absatz:
      Es geht um Bauteile und darum dass diese frei Verfügbar sein sollten. Wenn Hersteller wie Apple oder andere simple ICs (zum Beispiel die Charging Controller diverser iPhones) vom Markt fernhalten und den Herstellern dieser ICs vorschreiben diese nicht an andere verkaufen zu dürfen behindert dies massiv die Möglichkeit der Reparatur und geht zu Lasten der Umwelt. Die Hersteller dieser Chips würden die garantiert auch gern an andere Verkaufen, nur nutzen Firmen wie Apple & Co ihre Macht aus und unterbinden dies mit ihren Knebelverträgen.

      Zum zweiten Absatz:
      Diese Ratings beurteilen nicht wie gut die Verfügbarkeit von Ersatzteilen ist, oder ob manche via Seriennummer so gekoppelt sind dass sie sich gar nicht tauschen lassen. Bei denen wird nur bewertet wie leicht es sich öffnen lässt, ob sich das Displayglas separat vom Display austauschen lässt und derlei Dinge.

  3. Wieso soll ich mir als Firma vorschreiben lassen welche Bauteile zu verbauen sind, nur damit mir andere wie iFixit mein Geschäft mit Reparaturen weg nehmen? Der Verbraucher hat es selbst in der Hand, zwingt einen niemand bei Apple & Co zu kaufen.
    Und iFixit könnte ja selber Ersatzteile bei einem Hersteller in Auftrag geben…

    • „Der Verbraucher hat es selbst in der Hand“

      Nein, haben sie nicht. Und Typen wie du merken scheinbar nicht, wieso das eine gute Sache ist.
      Ließt du dir bei jeder kleinsten Bestellung die AGB’s eines Händlers durch? Nein, denn dank Regulierungen ist dies gar nicht nötig.

      • Was hat dies mit AGB zu tun?
        Und du hast keine Ahnung von Elektronikentwicklung, für Neuentwicklungen sind oft auch spezielle Bauteile nötig, da gibt es nicht unbedingt etwas von der Stange

        • Und du hast anscheinend den Artikel nicht verstanden. Niemand fordert die ausschließliche Verwendung von Standardbauteilen, sondern den freien Verkauf der entsprechenden Teile.
          Es heißt allerdings, dass die Teile durchaus auch nur minimal angeändert werden, so dass eben keine Standardteile verwendet werden können und das hat vermutlich oft keinen Designgrund, sondern nur den, dass eben keine Standardteile für die Reparatur verwendet werden können.
          Zudem wird kritisiert, dass diese Spezialteile nach dem Ende des Supportzeitrahmens lieber verschrottet werden, als sie zu verkaufen.

    • „Und iFixit könnte ja selber Ersatzteile bei einem Hersteller in Auftrag geben…“
      Du kannst davon ausgehen, dass sie dann ziemlich schnell Klagen von Apple, Samsung usw. am Hals hätten. Sofern sie überhaupt einen Hersteller finden, der das Risiko eingehen will.

    • Der freie Markt regelt alles!!! 1!!!

    • 1) Die Hersteller reparieren so gut wie gar nichts mehr, die tauschen nur aus. Insofern nehmen die unabhängigen Reparatur Werkstätten ihnen nichts weg, sondern sorgen erst dafür dass überhaupt erst einmal nachhaltig mit defekter Hardware umgegangen wird.

      2) Die Hersteller der Chips dürfen „dank“ der Knebelverträge der großen Firmen diese Chips nicht an andere Verkaufen. Genau darum geht es bei diesem Problem. Das ist so als würde Audi sagen wir verkaufen keine Ersatzteile, Reifen und ähnliches mehr an andere Werkstätten oder den freien Handel.

  4. Bei der Autoindustrie klappt es doch auch – klar, die Ersatzteile sind sehr teuer, aber frei auf dem Markt verfügbar (in dem Sinne, dass jeder in eine Vertragswerkstatt gehen kann und dort beliebige Teile kaufen). So müsste es bei Elektronik auch sein. Gleiches gilt für Spezialwerkzeuge, auch die müssen die Autohersteller auch freien Werkstätten zugänglich machen.

    • So ist es. In den USA gab es damals auch eine große Right To Repair Bewegung für die Autoindustrie und diese ist nun ein gutes Beispiel und Vorbild dafür wie es auch in anderen technologischen Bereichen laufen sollte.

  5. Oliver Henkel says:

    @Sammy: Vertragswerkstätten sind eben nicht „Freie Werkstätten“, daher ist ein Beleg dafür, dass es in der Autoindustrie genau so wie bei Samsung, Apple & Co. ist. Die Parallelen sind sehr vielfältig. In beiden Industrien müssen oft ganze Baugruppen getauscht werden, obwohl nur ein kleines Teil davon defekt ist. Die Maschinen zur Herstellung der Karosserie sind lizensiert und erst nach vielen Jahren werden diese dann an Dritte weiterverkauft. Da die Nutzungsdauer von Fahrzeugen aber deutlich höher ist als bei Smartphones, lohnt sich das da nicht.
    Die Kfz-Industrie ist sogar noch schlimmer: Während die Smartphones immer stabiler werden (z.B. Härte des Glases), hat die Autoindustrie die Stoßstangen abgeschafft und damit schon bei kleinsten Kontakten erhebliche Reparaturen nötig gemacht.

    • Stoßstangen werden gar nicht mehr repariert, sondern gleich ausgetauscht. Zumindest, wenn Sensoren verbaut sind, was ja in den meisten neueren Autos der Fall sein dürfte.
      Frag mal den armen Führerscheinneuling, der zwar noch gebremst hat und versuchte, auszuweichen, aber trotzdem meine Stoßstange minimal gestreift hat. Dank der Sensoren waren das gleich Kosten von anderthalb Tausend Euro oder sogar mehr. Bei meinem Auto davor hätte man kurz drübergewischt und alles wäre gut gewesen.

    • Die Stoßstangen sind noch vorhanden, nur eben nicht so sichtbar. In den USA ist sogar vorgeschrieben, dass bei Unfällen mit geringer Geschwindigkeit keine Schäden entstehen dürfen. Nur weil der Lack einen Kratzer hat, ist das Bauteil nicht defekt.

      • Oliver Henkel says:

        Nein, die alten Stoßstangen sind durch Kunststoff-„Stoßfänger“ ersetzt. Und in der EU ist da nichts Vergleichbares vorgeschrieben. Diese Stoßfänger sind erheblich empfindlicher, weil die Befestigung schnell reßt und dann muss das Teil komplett getauscht werden.

        • Also da muss ich mich glatt räuspern während ich hier etliche Neuanläufe diverser „Stoßstangen“ betreue. Ihr redet hier von einer Stoßstangen VERKLEIDUNG und nicht vom eigentlichem Aufprallschutz (umgangsspr. Stoßstange). Dieser ist immer noch aus Stahl – heutzutage sogar deutlich hochwertiger als früher -. Nur haben sich Designgetriebene Menschen dazu entschieden diese nicht mehr mit einfachen schwarzem Kunststoff zu verkleiden sondern mit schön lakiertem Kunststoff.

  6. Mal ein konkretes Beispiel:
    https://www.chargerlab.com/teardown-report-belkin-mfm-certified-two-in-one-wireless-20w-charger/

    Der Lade-IC ist custom und weicht von der Hersteller-Version ab, weil das Produkt das so fordert. Viel Glück bei der Standardisierung solcher Bauteile. Das Ganze ist ein feuchter Traum von Trotteln oder Geschäftsleuten wie dem CEO dieser komischen Firma, die überteuerte Schraubenzieher verkauft.

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