Googles „Senior Vice President of Android“ wettert gegen iMessage

Eine Veröffentlichung im Wall Street Journal (Paywall) hat kontroverse Diskussionen ausgelöst. Teilweise werden die Argumente in dem Beitrag regelmäßig wie die sprichwörtliche Sau durch das Dorf getrieben, sodass es eigentlich keine Erwähnung wert wäre. Konkret geht’s um Aussagen, dass Android-Nutzer in Gruppenchats von iMessage-Nutzern „gemobbt“ werden. Und ja, vermutlich ist es so, denn es gibt ja auch generell Idioten auf der Welt.

Nicht-iMessage-Nutzer sind an den grünen Chat-Bubbles durch die iPhone-Nutzer erkennbar und sollen wohl die Arschkarte haben. Ferner gibt’s da natürlich auch Inkompatibilitäten, wenn Android-Nutzer in iMessage-Chats sind und Gruppengespräche per FaceTime anliegen.

In Zeiten von x Messengern kann man meines Erachtens nicht mehr mit faulen Teenagern argumentieren, die nicht in der Lage sind, für Dinge eine gemeinsame Plattform zu finden – zumal da vermutlich Snapchat und TikTok höher im Kurs sind.

Als Anmerkung: Die Nachrichten-App wird für iMessage und S/MMS verwendet. Die „grüne Bubble“ hat es in der Nachrichten-App schon immer gegeben. Die „blauen Bubbles“ wurden eingeführt, um zwischen iMessages und S/MMS zu unterscheiden,

Der Druck, Teil der blauen Textgruppe zu sein, sei das Ergebnis von Entscheidungen, die die Apple-Führungskräfte vor Jahren getroffen haben und die iMessage ohne viel Aufhebens zu einem der weltweit am häufigsten genutzten sozialen Netzwerke gemacht und dazu beigetragen haben, die Vorherrschaft des iPhones bei jungen Smartphone-Nutzern in den USA zu zementieren, so der Bericht der WSJ.

Sprich: Biste der Grüne, biste der Lappen, der eben Pech hat. Quasi Fortnite-Player im Standard-Skin. Klar, Apple ist kein Heiland, sondern ein Unternehmen. Unternehmen wollen Kunden halten und Geld machen. Das ist kein Geheimnis – schon gar nicht beim Thema iMessage.

Jedenfalls reagierte auch Googles Senior Vice President für Android, Chrome, Chrome OS und Google Fotos, Hiroshi Lockheimer, auf den Beitrag des WSJ, indem er einen Retweet absetzte, der später noch vom offiziellen Account des Android-Projektes weiter verbreitet wurde.

Die iMessage-Bindung von Apple ist eine dokumentierte Strategie. Der Einsatz von Gruppenzwang und Mobbing als Mittel zum Verkauf von Produkten ist unaufrichtig für ein Unternehmen, das Menschlichkeit und Gerechtigkeit als Kernbestandteil seines Marketings betrachtet. Es gibt heute die Standards, um dies zu beheben.

Man hätte ja argumentieren können, dass viele Menschen dazu eine Meinung haben. Ja, Google gibt sich nach außen offen (wobei man da mal YouTuber fragen sollte, was die von Googles Algorithmen halten) und schafft oft Lösungen, die plattformübergreifend laufen. Das große Geschäft ist ja die Werbung.

Letzten Endes sprechen da aber auch Menschen, die in gefühlten 100 Jahren ebenso viele Messengerdienste versucht haben zu etablieren. Dinge, die funktionierten, wurden von Google abgesägt, den großen Müll hat man beim Kunden abgeladen. Noch heute hat man x Dienste über seine Produkte verteilt, die man nicht verzahnt nutzen kann. Es wäre fast zu einfach davon zu sprechen, dass man das eigene Unvermögen als Schuld bei anderen sucht. Diese Meinung habe ich übrigens nicht Teil der blauen Bubble, sondern als Mensch, der viele Google-Dienste mag und nutzt – der einfach möchte, dass man da was Ordentliches zaubert. Ehrlich: Bevor ich Googles Chat-Krempel nutzen würde, würde ich eher zu Telegram, Threema, Signal oder WhatsApp greifen.

Letzten Endes möchte ich aber auch in keiner Welt leben, in der es ein Statussymbol ist, ob eine Chat-Blase grün oder blau ist. Aber wir wissen sicherlich alle, dass es Menschen gibt, die vielleicht so denken. Aber mit denen muss man zum Glück nicht chatten. Ich jedenfalls nicht.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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49 Kommentare

  1. 1,2 Milliarden Geräte können bereits RCS, aber bisher wird es nur zu rund einem Drittel genutzt. Die Provider und Google sollten mal langsam anfangen, den Dienst prominenter zu machen. 😉

  2. Jap das finde ich auch dumm, Apple sollte entweder RCS integrieren oder das iMessage Protokoll freigeben für die Integration. Dann würde man endlich von diesen ganzen schrott Messengern weg können . Fände das echt super und für uns User wäre das genial . Aber nun ja Apple benutzt halt iMessage auch um Leute zu binden, somit wird das nicht passieren .

  3. Das Problem ist wirklich sehr US-spezifisch und dürfte hier kaum jemanden interessieren. Ich habe alle gängigen Messenger installiert und nutze vorwiegend WhatsApp. iMessage ist nett aber reicht eben nicht für alle und wird selbst von iPhone Usern oft sehr inkonsistent verwendet. Zumindest unter meinen Freunden. Ich will einfach so leicht mit anderen in Beziehung mit anderen gehen können, wie möglich und so sehr saugt ein weiterer Messenger nun auch wieder nicht am Akku. Wofür haben ich denn 1 TB Speicher?

    Apple wird so einen USP ganz sicher nicht freiwillig aufgeben und das ist nur all zu verständlich. So etwas kann man nur gesetzlich regeln. Google hat in den meisten Ländern den höheren Marktanteil und hätte längst mit einem gut integrierten Messenger nach dem iMessage Vorbild die Führung auf dem Markt übernehmen können. Sie verkacken es halt konstant.

  4. Anekdote:
    Mitte Dezember wurde meinem Neffen ein iPhone gekauft. Er ist 12. Grund: Seine „Freunde“ haben alle
    iPhones und kommunizieren über iMessage. Er ist damit ohne iMessage von der Kommunikation abgehängt.
    Reales Problem; auch hierzulande.

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