Google Standortverlauf: Neue Formulierung nach Kritik

Google kam Anfang der Woche in die Medien. Die Universitäten Yale und Princeton bestätigten Recherchen der Nachrichtenagentur Associated Press, dass Google wohl doch noch Standorte seiner Nutzer bestimmt und speichert, selbst wenn diese sich dagegen entschieden haben.

Bei einem Deaktivieren des Standortverlaufs werden zwar keine Positionsmarker mehr in eure Timeline gesetzt, dennoch kann es sein, dass weiterhin der Standort gespeichert wird. Allerdings sollte man eben auch bedenken, dass einige Dienste nicht mehr wie gewünscht funktionieren, wenn der Standort in keiner Form mehr festgestellt werden kann.

Google selber hat sich die Kritik zu Herzen genommen. Das Unternehmen hat erst vor einiger Zeit für mehr Transparenz in den Konto-Einstellungen gesorgt, versieht nun nach und nach auch die entsprechenden Hilfeseiten mit neuen Formulierungen – wobei zu hoffen bleibt, dass Nutzer dort auch wirklich nachschauen – denn ein Schalter im Google-Konto ist offensichtlich nicht genug Erklärung – oder Google muss zusätzlich nacharbeiten.

Ich habe mal geschaut, was Google in Deutschland gemacht hat, hier ist der neue Passus noch nicht angekommen. Auf den englischen Hilfeseiten las es sich bislang wie folgt:

You can turn off Location History at any time. With Location History off, the places you go are no longer stored. When you turn off Location History for your Google Account, it’s off for all devices associated with that Google Account.

Auf Deutsch:

Sie können die Standorthistorie jederzeit deaktivieren. Wenn die Ortshistorie ausgeschaltet ist, werden die Orte, die Sie besuchen, nicht mehr gespeichert. Wenn Sie den Standortverlauf für Ihr Google-Konto deaktivieren, ist er für alle mit diesem Google-Konto verbundenen Geräte deaktiviert.

In der neuen Variante der Google-Hilfeseite kann man wie folgt lesen:

You can turn off Location History at the account level at any time. This setting does not affect other location services on your device, like Google Location Services and Find My Device. Some location data may be saved as part of your activity on other services, like Search and Maps. When you turn off Location History for your Google Account, it’s off for all devices associated with that Google Account.

Oder auf Deutsch:

Sie können die Standorthistorie auf Kontoebene jederzeit deaktivieren. Diese Einstellung hat keine Auswirkungen auf andere Ortungsdienste auf Ihrem Gerät, wie Google Location Services und Find My Device. Einige Standortdaten können als Teil Ihrer Aktivität auf anderen Diensten, wie Suche und Karten, gespeichert werden. Wenn Sie den Standortverlauf für Ihr Google-Konto deaktivieren, ist er für alle mit diesem Google-Konto verbundenen Geräte deaktiviert.

Die deutsche Seite lässt derzeit noch verlauten:

Sie können den Standortverlauf jederzeit deaktivieren. Wenn Sie den Standortverlauf deaktivieren, werden die von Ihnen besuchten Orte nicht mehr gespeichert. Wenn Sie ihn für Ihr Google-Konto deaktivieren, wird er auf allen Geräten deaktiviert, die diesem Google-Konto zugeordnet sind.

Google ändert derzeit also nicht die Praxis, sondern lediglich die Beschreibung der Technologie. Jonathan Mayer, ein Princeton-Informatiker sagte, die Formulierungsänderung sei ein Schritt in die richtige Richtung. Aber es behebe nicht die zugrunde liegende Verwirrung, die Google durch die Speicherung von Standortinformationen in mehrfacher Hinsicht geschaffen hat.

Falls ihr mal in euren Standortverlauf bei Google schauen oder deaktivieren wollt: Dieser befindet sich auf dieser Seite. Vielleicht sollte Google es klarer machen. Einfach hart den Saft für Dienste abdrehen, wenn diese nicht wie gewünscht funktionieren werden, wenn man den Standortverlauf abschaltet.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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13 Kommentare

  1. Guten Morgen Caschy,

    im zweiten Satz hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, ist ja aber auch noch echt früh 😉 . Ich wünsche dir und deiner family ein schönes Wochenende 🙂 .

  2. Grundsätzlich gilt zu allem, was irgendwie Teil der AGB ist, gemäß deutschem Recht:

    § 305c BGB
    Überraschende und mehrdeutige Klauseln
    (1) Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die nach den Umständen, insbesondere nach dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrags, so ungewöhnlich sind, dass der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen braucht, werden nicht Vertragsbestandteil.
    (2) Zweifel bei der Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen gehen zu Lasten des Verwenders.

    Überraschende oder unverständliche Formulierungen mögen im US Recht eine beliebte Möglichkeit sein Dinge zu verstecken, hierzulande führt das im Zweifelsfall aber schlicht zur Unwirksamkeit einer solchen Passage, in Folge gibt’s auch keine Einwilligung des Kunden und es drohen hohe Bußgelder nach der DSGVO.

    Freilich gilt aber erstmal wo kein Kläger da kein Richter.

  3. Deswegen ist die Location auch immer dann aus, wenn ich sie nicht brauche – und das kommt nicht sehr häufig vor. Dann heulen zwar immer Apps rum, dass sie Location brauchen, aber es geht meist auch ohne^^
    Ich hab bei Google auch schon längst den anderen Verlauf beendet, wie Caschy das im letzten Artikel beschrieben hatte…

  4. Ich hab den Verlauf eine ganze Zeit lang eingeschaltet.
    Einfach aus dem Grund, dass ich es höchst interessant finde, ab und an mal reinzuschnuppern, wo ich mich denn vor einem halben Jahr so rumgetrieben habe. Der Verlauf funktioniert erschreckend genau, sodass ich beim Einkaufsbummel sogar erkennen kann, auf welcher Straßenseite ich mich bewegt habe.
    Ich habe ihn irgendwann abgeschaltet, da es doch ein wenig gruselig war. Aber da Google den Standort ohnehin abfragt und durch das Deaktivieren der Funktion praktisch nur vor mir versteckt, werde ich ihn aus Neugierde und Interesse an meinen alten Routen wieder aktivieren.

    Wer Android nutzt, hat ohnehin keinen Grund sich über Googles Schnüffelei aufzuregen.

    • Hat nichts mit Android zu tun, ist bei Apple genau so. Die verpacken es nur als Feature. Finde daher Google ehrlicher.

      • Bei Apple lässt es sich wirklich deaktivieren. Bei mir ist Standortverlauf, Standortabfrage für Produktverbesserung/ Location Based Ads, Siri + Siri Empfehlungen, iCloud, Safari Sync deaktiviert. So landet nichts bei Apple außer obligatorische iMessage-Meta-Daten, Musik-Präferenzen etc.. Backups mach ich lokal.
        Hinsichtlich des kleineren Übels ist ein Google-fernes System immer zu präferieren, so natürlich ein Android ohne Google Services.
        Was Apple angeht, so machen die ihr Geld mit Hardware und Diensten (Apple Music, AppStore). Bis auf verurteilungswürdiges Sponsorship im AppStore haben die anders als Werbefirma Alphabet Werbung nicht nötig. Zudem verkauft Apple nicht Kundendaten und setzt selbst intern Methoden wie differential privacy ein, was sie bei Machine Learning Verfahren sogar aufhält.

  5. Da frage ich mich, was bei Apps passiert, die den Standort faken. Da wird besrimmt zweigleisig gefahren. Abfragende Apps kriegen den gefakten, Google den realen Standort.

  6. Das Ganze ist keine Frage der Formulierung. Es ist Nudging. Beispielsweise ist Google Maps plötzlich nicht mehr in der Lage, sich Suchbegriffe zu merken, wenn ich den „Standortverlauf“ abschalte. Es kann mir keiner erzählen, dass die Macher der Suchfunktion in Google Maps nicht zwischen Suchverlauf und Bewegungsprofil unterscheiden können.

  7. Wer Google nutzt sollte eigentlich Wissen, dass allerhand Daten immer getracked und an Google übermittelt werden. Egal wie man was konfiguriert hat. Verstehe das Problem nicht.

  8. Die können schreiben (umformulieren) was sie wollen. Ich glaube kein Wort. Die Leben von unseren Daten. Würden sie darauf verzichten wäre der Laden bald dicht. Alles Augenwischerei. Was bleibt ist, für sich persönlich nur das Minimum zu nutzen. Soweit halt jeder für sich meint gehen zu wollen. Mehr kann man da wohl nicht tun. Im Zweifel alles abschalten u. nicht mehr nutzen, was dann aber für Tech-Freaks wohl auch kein Spaß wäre.

  9. Wir erzählen „smarten“ Homesystemen,

    *dass sie unser Klopapier, Waschmittel oder Tampons nachbestellen sollen;
    * Welche Musik sie abspielen sollen wenn wir unter der Dusche stehen;
    *Wann wir welche Termine haben….
    …. Und natürlich geben wir die Erlaubnis, dass Alexa & Co. uns im Alltag belauschen dürfen, um noch besser auf uns eingestellt zu sein.

    Und da regt sich echt noch jemand darüber auf, dass Google, Apple & Co. unsere Location trackt? Bzw. in einem Passus seiner AGB falsch vormuliert? Lustig.

  10. Problem is: Wenn man den Verlauf deaktiviert dann klappt weder google home noch der assistant mehr; Frechheit; aber was soll mach machen außer es zu boy­kot­tie­ren? 🙁

  11. War für mich eigentlich schon immer klar. Der Standortverlauf hat ja nichts mit dem Rest zu tun….
    Ich verstehe die ganze Aufregung darüber jetzt nicht

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