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Google Stadia: Laut ersten Tests aktuell noch eine Beta

Google Stadia ist da… nun ja, so halb. Viele der Funktionen, die Google breit grinsend für seinen Game-Streaming-Dienst versprochen hatte, fehlen nämlich zum Launch. Google selbst hat zwar angekündigt dem Dienst Zeit zu geben, um sich zu entwickeln, offen ist aber, ob auch die Nutzer das Gleiche tun werden. Mittlerweile sind die ersten Tests da und es kristallisiert sich durchaus ein Konsens heraus: Ja, Google Stadia hat viel Potential. Doch im aktuellen Status Quo ist der Dienst im Grunde noch eine Beta, die zu früh als finales Produkt beworben wird.

So haben die Kollegen von The Verge bereits einen Test am Start – recht nüchterne 5/10 Punkten vergeben sie. Ihnen gefällt der nahtlose Wechsel vom PC zum Smartphone und die im Vergleich zu früheren Rivalen durchaus verbesserte Bildqualität der Streams. Allerdings sehe 4K leider nicht wie 4K aus und 1080p erinnere teilweise eher an 720p, was man im Browser Chrome deutlich bemerke. Auch das Fehlen vieler Features wird moniert.

Außerdem fragte man bei Entwicklern nach, da einige Spiele ungeachtet der Stream-Qualität schlechter aussagen, als an Spielekonsolen. Bungie räumte somit etwa ein, dass „Destiny 2“ nativ mit mittleren Details in 1080p berechnet und nur zu 4K hochskaliert werde – eine ziemliche Enttäuschung. Deswegen sei aktuell die Version an der Xbox One X technisch deutlich überlegen – von einem Gaming-PC ganz zu schweigen.

Als Kontrast dient vielleicht das Review von Tech Radar, die immerhin 4/5 Sternen vergeben. Dort lobt man die stabilen Verbindungen und freut sich abermals über den flotten Wechsel zwischen dem Game-Streaming an PC und mobilen Endgeräten. Weniger angetan ist man von der eingeschränkten und veralteten Spieleauswahl sowie dem Fehlen der versprochenen Features zum Launch. Gleichzeitig empfiehlt man eine schnelle Internetverbindung mit 100 Mbps oder mehr, um wirklich das Beste aus Stadia herauszuholen.

Ganz anders äußert sich das Wirschaftsmagazin Forbes und bescheinigt Google mit Stadia sowohl technisch als auch im aktuellen Konzept ein Desaster. So kritisiert man das Spiele-Angebot harsch. Aktuell kämpfe man gegen die Technik von Stadia an, statt von ihr zu profitieren. Auch Stottern und Input Lag empfindet man im Test von Forbes derzeit als nicht tragbar. In harten aber klaren Worten bezeichnet der Forbes-Test Google Stadia derzeit als „Katastrophe„. Es wäre besser gewesen Stadia noch ein Jahr Entwicklungszeit zu geben.

The Guardian zeigt sich da positiver, dort vergibt man 3/5 Sternen für das Cloud-Gaming. Einerseits habe Google das schier Unmögliche erreicht und biete mit Stadia eine wertvolle und nahezu gleichwertige Alternative zum lokalen Zocken. Andererseits sei überdeutlich, dass der Launch zu früh erfolgt sei, denn im Bezug auf die Features sei Stadia derzeit noch ein nicht eingelöstes Versprechen. Auch sei die Zielgruppe von Google Stadia unklar: So spare Stadia im Vergleich mit einer Spielekonsole aktuell nicht wirklich Geld, sondern sei mittelfristig sogar teurer. Denn durch die Abogebühren und die höheren Spielekosten zahle man am Ende womöglich mehr, als für eine PS4 oder Xbox One S mit entsprechend günstigen Titeln. Trotzdem habe Google mit Stadia, hoffentlich auf lange Sicht, eine Konkurrenz für Microsoft, Nintendo und Sony geschaffen.

Wired lässt sich für Google Stadia zu einer 6/10 hinreißen. Man lobt das langfristige Potential des Dienstes und auch beim Controller habe Google alles richtig gemacht. Lag sei aber dennoch derzeit noch ein großes Problem, speziell in den rasanteren Action-Spielen. Außerdem könne man sich eben nicht darauf verlassen, dass Google dem Dienst Stadia wirklich treu bleibe, da bekannt sei, wie rasch das Unternehmen aus eigener Sicht fehlgeschlagene Produkte wieder aufgebe.

Schaut man explizit bei Gaming-Websites, dann will z. B. IGN will noch keine finale Wertung vergeben, würde aber für den Status Quo wohl ebenfalls eine 6/10 zücken, erklärt man. Man empfindet Stadia dort als den bisher besten Game-Streaming-Dienst am Markt. Trotzdem fehlen noch zu viele Features und auch die hohen Spielepreise begrüßt man nicht gerade. Gamespot urteilt da relativ ähnlich und sagt, dass die Zukunft immer noch die Zukunft sei – man meint damit, dass Stadia eben noch kein fertiges Produkt darstelle, sondern ganz offensichtlich noch stark entwickelt werde.

Meine Meinung? Die Tests sind genau das, was ich im Vorfeld erwartet habe und ja auch in meinen Beiträgen zu Stadia bisher stets durchschimmern ließ. Ich denke, dass Game-Streaming grundsätzlich eine Zukunft hat, aber noch lange brauchen wird, um die Gaming-Community wirklich zu erobern und alle Lager zu fesseln. Das wird auch in den nächsten Monaten Stadias Problem sein: Wer Titel wie „Red Dead Redemption 2“ zocken will, hat das doch ohnehin schon an Konsole oder PC erledigt. Und für Gelegenheitsspieler sind solche Games ohnehin nicht relevant. Stadia hat daher nur eine recht spezielle Zielgruppe: Nutzer, die Core-Games zocken wollen, aber keine Konsole / keinen PC kaufen wollen.

Und selbst jene müssen eben bei Stadia aktuell gut blechen: „Rage 2“ für 59,99 Euro ist alles andere als ein Schnapper – zumal das Spiel etwa im Xbox Game Pass enthalten ist. Auch andere Preise, z. B. „Red Dead Redemption 2“ für 59,99 Euro oder „Assassin’s Creed Odyssey“ für 69,99 Euro bzw. als zeitlich begrenzter Stadia Pro Deal für 35 Euro reißen nicht vom Hocker. Das gilt doppelt, da man die Titel ja nicht weiterverkaufen kann – was beim Erwerb von z. B. der PS4-Version für aktuell etwa 35 Euro natürlich der Fall ist. Aber warten wir mal ab – nutzt ihr Google Stadia oder plant einzusteigen?

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