Google Stadia: Ist das wirklich ernst gemeint?

Als Google seinen Game-Streaming-Dienst Stadia ankündigte, war ich erst einmal sehr skeptisch. Cloud-Gaming ist eine Idee mit großer Zukunft. Die Betonung liegt dann aber auch darauf: Zukunft. Vorgestellt im März 2019 vegetiert Google Stadia am Rand der Spieleindustrie vor sich hin. Klar, zwischendurch ist viel passiert, doch die anfänglichen Versprechen konnte Google nicht einhalten. Man versprach etwa eine massive Leistung, rasch wurde aber klar, dass 4K-Gaming beispielsweise in der Regel bei Stadia eine Mogelpackung bleibt. In der Industrie zweifeln nun auch andere daran, dass es Google mit Stadia wirklich ernst ist.

Der Manager, Analyst und Risikokapitalgeber, Matthew Ball, ließ in dieser Woche einen Tweet vom Stapel, der es gut auf den Punkt bringt. Anlass war die überraschende Übernahme von ZeniMax Media durch Microsoft. Die Redmonder haben sich damit die Rechte an eindrucksvollen Spielemarken wie „Fallout“, „The Elder Scrolls“ oder „Doom“ gesichert.

Tatsächlich eröffnet sich die Frage: Welche größeren Investitionen plant Google in seine Gaming-Ambitionen? Ja, man hat da ein Entwicklerstudio eröffnet, bis das aber wirklich Früchte trägt, wird es noch dauern. Google erklärte bereits, dass man Stadia Zeit geben werde, um sich zu entwickeln. Doch wenn „Zeit geben“ für Google nur herumsitzen und hoffen bedeutet, dann kann man jetzt schon davon ausgehen, dass es nur einfach etwas länger als üblich dauern wird, bis das nächste Bett auf dem Google-Friedhof frei wird.

Ball hat da aus meiner Sicht recht: Google verfügt genau wie Microsoft über das notwendige Kleingeld – benötigt aber noch dringender als die Redmonder starke Marken und erfahrene Entwickler. Vergleicht man aktuell den Xbox Game Pass Ultimate und Google Stadia, ist der Gewinner für mich kinderleicht auszumachen. Das gilt doppelt, wenn man auf die Zukunft blickt. Denn nach der Übernahme von ZeniMax Media ist klar, dass kommende „Fallout“- und „The Elder Scrolls“-Titel ab dem ersten Tag in den Game Pass wandern werden. Womit möchte Google das kontern? Mit einer 1800p-Version des nächsten „Doom“?

Microsoft, Sony und auch Nintendo sind alte Hasen, die wissen, dass man nicht nur gute Technik benötigt, sondern auch starke Spiele. Google Stadia hat Potenzial, das aber rund ein Jahr nach dem Launch weiterhin brach liegt, während die Konkurrenz Gas gibt. Microsoft geht dabei vielleicht den klügsten Weg und hält seinen Xbox-Konsolen und dessen Fans die Treue, führt die Gamer aber vorsichtig an das Cloud-Gaming über den Game Pass Ultimate heran – mit einer Flatrate und nicht einzelnen Spielepreisen, die höher liegen als bei typischen Konsolenspielen.

Konkurrenz belebt das Geschäft, daher wünsche ich Google Stadia durchaus den Erfolg. Es ist immer gut, wenn es neue Impulse für den Markt gibt. Aktuell habe aber auch ich die Frage: Meint ihr es wirklich mit Stadia ernst, Google?

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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87 Kommentare

  1. Toller Beitrag!
    Würde mir eine feste Gamingkolumne von Andre wünschen!

  2. Google scheint ein sehr verwirrter, kopfloser und inkonsistenter Verein zu sein. Vielleicht einfach zu groß und diversifiziert. Oder das Personal wechselt täglich.

  3. Ich kann voll und ganz verstehen, dass Stadia für viele eingefleischte Game (noch) nichts ist. Was mir absolut nicht in den Kopf geht, warum dieser Typus Mensch sich berufen fühlt so viele negative Artikel und Kommentare zu verfassen, wo das persönliche Empfinden über diesen Dienst zu einer absoluten Gewissheit deklariert wird.

    Stadia ist eine wunderbare Community für normale Menschen. Kaum nervige Kids – und falls doch, benehmen sie sich dort anders. In großer Zahl Leute die früher mal gezockt haben, aber wegen Familie oder andere Umstände davon abgekommen sind und jetzt ohne großen Aufwand wieder mal Games mit guter Grafik zocken können. Meist herrscht eine weit aus positivere Stimmung, als auf anderen Plattformen.
    Wenn man mal überlegt, wie viele Menschen in so einer Situation sind, dann ist die Zielgruppe weit größer als bei Konsolen und sowieso viel größer als beim PC.

    Vielleicht ist es den Leuten die solche Artikel und Kommentare verfassen ja auch irgendwie bewusst und sie haben Angst vor dem Erfolg einer solchen Plattform und sie versuchen sie deshalb madig zu schreiben. Anders kann ich es mir mittlerweile nicht mehr erklären.

    • Patrick Seitz says:

      Schöner Kommentar und kann ich nur unterschreiben. Die Community ist so extrem leidenschaftlich in allem was sie tut und absolut positiv gestimmt.

      In solchen kreisen kann man sich nur wohl fühlen. Am besten war das auch in read dead online zu sehen. Die Leute schreiben dass sie auf allen Plattformen ständig gegrüßt werden. Auf Stadia nicht und bevor der nächste Troll daher kommt. Ja auf einer vollen Map!

      Ich war noch nie so international vernetzt und habe so schnell so viele Freunde gefunden wie bei Stadia

  4. Nur wegen eines Risikokapitalgebers (dessen Motive nicht immer ganz klar sind) sich in einem Artikel auf solche Spekulationen einzulassen hätte eigentlich auch eine Erwähnung der eigens gegründeten Stadia Studios in Montréal und Playa Vista erfordert in denen man gerade im Augenblick an Exklusivtiteln arbeitet. Außerdem gibt’s schon längst timed Exclusives wie Baldur’s Gate 3. (PC-Gamer sind nicht wirklich der Zielmarkt weshalb die Exklusives auch für PC verfügbar sind wie bei Microsoft mittlerweile auch).

    Stadia hat von vorn herein andere Ziele als Luna oder Gamepass verfolgt indem man die Lizenz der Spiele an seine Kunden verkauft und nicht ein Abomodell à la Netflix zur Verfügung stellt.

  5. Controller zu teuer. Thema beendet.

    Ich hatte mir einfach mal den Preis für den Controller angeschaut, der quasi die Mindestvoraussetzung für Stadia ist, vom Preis angesehen und gesagt: neeeeee. Da ist ja ein Xbox Controller billiger. Ich fahre weiter mit meinem PC ab und zu Auto ^^

    • Aehm die Vorraussetzung um am Chromecast zu spielen vielleicht. Du kannst am Rechner ganz klassisch mit Tastatur und Maus spielen oder auf dem Telefon mit einem Fremd Controller (via) USB-C oder virtuellem Controller spielen. Ein XBOX Controller kostet btw etwa 60,-€ und ein Stadia Controller um die 63,-€ also Bitte!
      Vielleicht schaust du nochmal…

      • Patrick Seitz says:

        Er hat schon Recht. Der reguläre Preis liegt bei 70 Euro für nen Stadia controller unter 90% des Jahres gibt es den Playstation und Xbox Controller für um die 40€ zu kaufen

        Aber selbst dann kostet es immer noch mehrere hundert Euro weniger als Xbox Controller mit Konsole.

        Und ja man kann sämtliche Playstation und Xbox Controller am Computer und am Handy nutzen….

    • Patrick Seitz says:

      Nur Mal so der Xbox Controller hatte zu Release auch locker 1 Jahr lang so viel gekostet dass er jetzt so günstig ist liegt nur daran dass die Konsole schon jahrelang auf dem Markt ist.

      Ich hab die ersten 2 Jahre nach Release ständig die Preise verglichen….

      Zudem war erst kürzlich ein ich glaub 22% Sale in Google Play Store….

      Dass 70 Euro zu viel sind da gebe ich dir aber vollkommen Recht.

    • Wenn Du am PC mit einem Controller spielst, hast Du schon alles was Du brauchst – und Du sparst Dir in Zukunft die Grafikkarte.

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