Google soll in Frankreich Nutzungsgebühren an Presseverlage abdrücken

In Deutschland gibt es bereits seit einigen Jahren ein höchst umstrittenes Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Federführend standen große Verlage dahinter, etwa Axel Springer SE. Allerdings wurde die deutsche Regelung später für ungültig erklärt. Stattdessen folgte aber später eine europäische Regelung, die in eine ganz ähnliche Kerbe schlägt. In Frankreich hat das nun für Google ernsthafte Konsequenzen: Denn ob das Unternehmen will oder nicht, es soll an die Verlage zahlen.

Argumentiert hatten Politik und Verlage ursprünglich damit, dass das EU-Leistungsschutzrecht den Urhebern dienen würde. Klingt natürlich auch schön, wenn man erklärt, dass Journalisten und Autoren davon etwas hätten. In der Praxis ist das aber Unfug und es handelt sich in erster Linie um eine Chance für die marode Branche der Verlage, sich die Taschen ohne Arbeit vollzumachen. So möchte man Geld dafür sehen, dass Suchmaschinen und etwa Google News in den Ergebnissen Ausschnitte aus Artikeln zeigen.

Google hatte darauf eine klare Antwort: Wenn man zahlen soll, dann zeigt man eben nichts. Das führte dazu, dass die Verlage Google ihr Material dann doch wieder kostenlos angeboten haben, denn rausfliegen will bei Google eben niemand. Das sei laut der französischen Kartellbehörde aber so nicht in Ordnung. In Frankreich gilt die Urheberrechtsnovelle der EU bereits seit dem 24. Oktober 2019.

Weil Google aber den Markt dominiere, könnte sich das Unternehmen nicht einfach aus der Affäre ziehen, indem es nichts zahlen wolle und Unternehmen, die auf Zahlungen bestehen, ausnehme. Es müssten Nutzungsgebühren ausgehandelt werden, weil Google eine marktbeherrschende Stellung innehabe. Drei Monate hätten Google und die Verlage nun dafür Zeit. Google müsse dann rückwirkend ab Inkrafttreten der EU-Novelle blechen.

Neben Google sollen übrigens auch beispielsweise YouTube und Facebook zur Kasse gebeten werden – aber Google ist eben der prominenteste Fall. Die deutschen Verlage unterstützen dabei natürlich schon mit gierigem Blick das Vorgehen der französischen Kartellbehörden bzw. der Verlage in Frankreich. Die Entscheidung der französischen Kartellbehörde ist allerdings vorläufig, mal sehen wie sich die ganze Sache also noch entwickelt.

Google hat mitgeteilt, dass man sich an die Gesetzeslage halten werde und auch der Kartellbehörde Folge leiste. Letztere erklärt, dass die Verlage 26 bis 90 % an Traffic verlieren würden, sollten sie nicht bei Google mit ihren Artikeln auftauchen. Daher hätten sie keine andere Möglichkeit, als Google Ausschnitte zu überlassen – ob mit oder ohne Bezahlung. Google hält 90 % der Marktanteile im Bereich der Suchmaschinen in Frankreich. Deswegen dürfe hier kein Missbrauch dieser Stellung stattfinden. Google profitiere aktiv vom durch die Verlage bereitgestellten Material, das bessere Suchergebnisse ermögliche.

Man darf gespannt sein, was da in Deutschland noch so vonstattengehen wird. Auch bei uns muss das EU-Recht ja umgesetzt werden. Bei uns sollen wohl maximal 8 Wörter ohne Nutzungsgebühren durch Google verwendbar sein.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden.

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23 Kommentare

  1. Dirk der allerechte says:

    Sehr schöner Artikel dem ist nichts hinzuzufügen! Das was ich hier sagen würde wäre wohl für eine Sperrung berechtigt……..
    Ich an Google Stelle würde zähneknirschend bezahlen aber trotzdem die Artikel irgendwo versenken, das halten die Blätter nicht lange durch dann erledigt sich das mit der Zahlung von selbst

    • Paul Kovalenko says:

      Ich an Google stelle würde nicht zahlen, da Google eine Plattform bietet wo die Leser diese Artikel lesen. Das wäre so wenn man vom Zeitungsausträger verlangt Gelt zu zahlen statt zu bekommen. Die Autoren können ja zu bing gehen, es macht keinen Sinn sich mit Google an zulegen. Die Autoren sind von Google abhängig und nicht andersherum und da hilft kein Gesetz.

      • es macht selbstverständlich Sinn, sich mit Google anzulegen. Nur halt eben in Bereichen, in denen es vernünftig ist.

        Eine Art Altenrente von Tech Konzernen für europäische Medienhäuser, damit die ihre strukturellen Reformen noch ein paar Jahre aufschieben können, ist keiner dieser vernünftigen Bereiche. 😀

  2. „Lügen fürs Leistungsschutzrecht“ suchen .. Stefan Niggemeier hat viel dazu geschrieben. Das Thema ist auch ausführlich diskutiert worden, außer Fassungslosigkeit belibt da bei mir nichts. Eine absolute Katastrophe, beim Springerverlag knallen auch bald die Korken. Wegelagerei vom Feinsten, widerlich.

  3. Frankreich: Wenn ihr Artikel listen wollt müsst ihr dafür zahlen!!
    Google: ok, dann listen wir halt die Artikel nicht
    Frankreich: Ihr müsst die Artikel aber listen
    Google: ???

  4. einfach wie in Spanien machen… News abschalten

  5. Genau, Google News in Frankreich abschalten und sehen, wer den längeren Atem hat. Dann war’s das mit der „marktbeherrschenden Stellung“ bei der News-Suche und die Kartellbehörde kann sich eine andere Melkkuh suchen.

  6. Unfassbare Schweinerei in meinen Augen zu was Google aufgrund guter Lobby Arbeit der Verlage in Frankreich genötigt werden soll. Das hat mit Rechtsstaatlichkeit und fairen Gesetzen nicht mehr viel zu tun.

  7. Google ist der Typ, der in den Zeitungsladen geht, die Tageszeitung durchstöbert, und dann ohne was zu kaufen wieder rausgeht.

    • Ne, Google ist der Zeitungsladen. Der Googler ist der Typ der ohne was zu kaufen wieder rausgeht.
      Was man Google vorwerfen kann, dass es Google die Googler einfach so durchblättern lässt ohne zu kaufen.

      Aber die Lösung wurde im Artikel ja genannt. Einfach nur die ersten 8 Wörter anzeigen.
      Meldungen wie „Google ist der Typ, der in den Zeitungsladen …“ sind ja dann auch Bild-Niveau und verleitet dann wahrscheinlich mehr Googler auch was zu kaufen.

      Und wer in der Listung mehr als 8 Wörter haben will, muss es halt mit dem „Pressevertrieb“ aushandeln.
      Ich in der analogen Welt auch so. Wenige Pressevertriebe, die die Kondtionen entscheiden lassen, was sie ins Regal packen. Und wenn man mit der Branche mal in Kontakt war, weiß man auch, dass der Pressevertrieb ganz frech 90% des Kaufpreises einstrecht und die Verlage fast nur von der Werbung leben.

      • Google wäre der Zeitungsladen, wenn für die Zeitung unterm Strich etwas übrig bliebe. Der Googler ist der Passant, der sich draussen vor dem Zeitungsladen von Google die Schlagzeilen und Textauszüge geben lässt.

        Es macht wenig Sinn, das mit dem klassischen Vertriebsmodell zu vergleichen.

        • Ich finde, dass der Vergleich gut passt. Im Zeitungsladen kannst du auch mal blättern oder die die Titelblätter ansehen.

          Wenn du die ganze Zeitung möchtest, musst du sie kaufen. Was wäre heute eine Paywall. Oder du liest die Gratis-Zeitung mit Werbung.

          Nur bekommt der Zeitungsladen sogar noch Geld von den Verlagen für den Verkauf (und die Werbung). Google bekommt das auf indirektem Weg, durch seine Anzeigen.

          Letztendlich, aus Sicht der Gesellschaft, wäre es extrem schade, wenn die guten journalistischen Inhalte nicht mehr gefunden werden würden. Aber, wie oben auch schon geschrieben, gibt es ja auch die Möglichkeiten, dass man andere Wege (Suchmaschinen, Feedreader) nutzt und vielleicht doch ein digitales Abo abschließt.

          • > aus Sicht der Gesellschaft, wäre es extrem schade, wenn die guten journalistischen Inhalte nicht mehr gefunden werden würden

            ich habe ganz ehrlich keine Ahnung, ob das Satire ist. Content haben wir doch wie Sand am Meer, diverser denn je, oder?

            Das Problem der Verlage ist, dass ihr content nichts mehr wert ist. (…gerade weil wir so unglaublich viel davon haben!)

            Es ist also nicht schade, dass diesen content niemand liest. Demokratietheoretisch könnte man sagen, der Diskurs leide ohne finanzielle Anreize zu investigativem Journalismus. Politik unter Verantwortung halten, und so weiter.

            In der Praxis trifft dieser Gedanke aber auf die Inhalte der europäischen Medienhäuser nur außerordentlich selten zu. Das meiste ist als Inhalt gerade so gut genug, um ein bisschen Werbung dazwischen zu Schustern. Wenn alle nur Reuter/AP bites reformulieren und den Spin der Staatssender übernehmen hilft das der Demokratie einen Scheiß. 😀

      • „Was man Google vorwerfen kann, dass es Google die Googler einfach so durchblättern lässt ohne zu kaufen.“
        Eine Zeitschrift zu kaufen, ohne vorher durchgeblättert (und geprüft zu haben OB sie denn kaufenswürdig ist) finde ich keine Option.

  8. Was für ein Bullshit. Ich bin kein Google Fan, mittlerweile hängen die mir wie Apple im Hals, dennoch ungerecht. Google entscheidet nicht darüber was der Franzose, Deutsche & Co für ein Browser benutzen. Das tun die Verbrauchen selbst und sind glaub mittlerweile nicht mal auf Apple Geräten an einem fixen gebunden (oder doch noch?). Als verbrauchen ich ich es auch in der Hand was ich kaufen, Werbung hin oder her. Oder kann ich von den Runfunk/Tv & Presse verlangen das sie ein Teil meiner Konsumgüter bezahlen weil ich dort wie Werbung zu den Produkten gesehen habe?
    Peinliche das ganze, als Google würde ich Frankreich einfach den Stecker ziehen für 6 Monate und schön abwarten. Die ersten werden in kürze Pleite gehen und dann sieht man was man davon hat. Wiso soll Google für etwas zahlen was kostenlose Werbung für die Verlage ist, ehe sollten die Verlage Google dafür bezahlen das sie sich dort überhaupt blicken lassen dürfen. Schließlich machen die Verlage kohle wenn Kundschaft vorbeischaut, sei es durch Werbung oder Abos oder sonst wie. Google liefert die Links frei haus, wem das nicht passt soll sich bei Google sperren lassen und dann verlinkt Google eben nicht mehr zu diesen nimmersatten Halsabscheinder wie Axel-Springen & Co. Was suchen die überhaupt Online wenn sie sich immer noch als Printmedien ansehen, sollens weiter drucken und sich aus dem Netz fern halten. Oder selbst was auf die Beine stellen, aber nix tun und weiter abkassieren wollen sie schon.
    Von schlechter Recherche, Schreibweise usw will ich mal gar nicht reden, das diese auch x-Seiten mit gleichem Artikel zumüllen kommt noch hinzu. Sie haben sich den Mist selbst eingebrockt das so viele weg sind. Sie haben die Wende der Zeit verpasst und nun Betteln und häucheln nach Almosen…

  9. Die Spinnen die Gallier google ist es doch egal ob in den Suchergebnissen „Presseerzeugnisse“ oder Private Blogs auftauchen den Verlagen ist es doch wichtig in der Google Suche aufzutauchen.

  10. Google könnte ja gegen die entscheidung der kartellbehörde klagen. ist eine Auslegung des Rechts die ist anfechtbar. mal sehen was dann der EuGH sagt zur zwangsabgabe von Google. Wenn ich 90 Prozent aller litfaßsäulen in einer Stadt innehabe hat dennoch niemand ein Recht darauf daß ich seine plakate klebe und dafür noch bezahle. umgekehrt wird ein Schuh draus.

  11. Jeve Stobs says:

    Anstatt zu googeln kann man auch qwanten 🙂

    • Google in Sachen Suche und News-discovery zu umgehen ist trivial. die Leute machen es nur nicht, weil es sie nicht stört.

      Dieser ganze „marktbeherrschend“ Kram ist nur, um ihnen Geld aus den Rippen zu leiern.

  12. Es ist ein vollkommen valider Punkt, dass Google eine marktbeherrschende Stellung innehat und deswegen niemanden diskriminieren darf. Und natürlich darf Google seine Marktmacht nicht missbrauchen um Verlage zu einem Deal zu zwingen. Dagegen kann keiner was sagen.

    Was natürlich nicht geht ist Google dazu zu zwingen, die Presse drin zu lassen. All or nothing. Wenn einer sein „Leistungsschutzrecht“ durchsetzen möchte, dann darf Google die Zusammenarbeit mit allen beenden. So wird keiner diskriminiert. Google darf nach wie vor selbst entscheiden, wie gut sie ihre Suchmaschine gestalten.

  13. > Letztere erklärt, dass die Verlage 26 bis 90 % an Traffic verlieren würden, sollten sie nicht bei Google mit ihren Artikeln auftauchen. Daher hätten sie keine andere Möglichkeit, als Google Ausschnitte zu überlassen – ob mit oder ohne Bezahlung.

    Also kurz: die Verlage werden bereits bezahlt, und zwar in Reichweite und zu ihnen geleiteter Leserschaft. es ist auch jetzt schon für sie von ökonomischen Vorteil, dass Google zu ihnen linkt. ..und: obendrauf hätten sie gerne auch noch von Google, dass sie ihnen die Gehälter bezahlen.

    Wenn’s nicht anders geht wird Google ihnen wohl die gierigen Münder mit Geld aus der Werbesparte vollstopfen und sie dazu tanzen lassen.

    Diese Maßnahmen erhöhen doch bloß die finanzielle Abhängigkeit der freien Presse von Google.

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