Google setzt sich für Huawei ein – wegen nationaler Sicherheit


China gegen Amerika, das heißt aktuell vor allem: USA gegen Huawei. Huawei ist bekanntlich auf einer Blacklist gelandet, die es amerikanischen Unternehmen untersagt, Geschäfte mit Huawei zu machen. Die USA führen da immer wieder die nationale Sicherheit an, der böse Chinese könnte mit seinen Geräten ja spionieren. Das Ganze betrifft auch Huaweis Zusammenarbeit mit Google bezüglich Android.

Google war schnell dabei, die Zusammenarbeit einzustellen, allerdings erhielt Huawei einen 90-Tage-Aufschub, um bestehende Geräte auch weiter mit Updates versorgen zu können. Huawei ist sich aber bewusst, dass dies kein Dauerzustand sein muss und bastelt an einem eigenen Betriebssystem für Smartphones und ist auch in Sachen Hardware relativ autonom aufgestellt.

Nun berichtet die Financial Times, dass sich Google sehr für Huawei einsetzt. Spannend ist hier die Argumentation, denn laut Google wäre ein Hybrid-Android, was Huaweis ArkOS darstellen soll, noch gefährlicher für die Sicherheit der Nutzer. Es sei wahrscheinlich, dass eine solche Version mehr Bugs enthalte als „das Original,“ Huawei-Nutzer so zu potentiellen Angriffsopfern werden können.

Eine Person, die mit den Gesprächen vertraut ist, drückt das so aus:

“Google has been arguing that by stopping it from dealing with Huawei, the US risks creating two kinds of Android operating system: the genuine version and a hybrid one. The hybrid one is likely to have more bugs in it than the Google one, and so could put Huawei phones more at risk of being hacked, not least by China.”

Das klingt eigentlich nach einem relativ schlauen Plan. Einfach den Grund für das Handelsverbot als Gegenargument für Handelsverbot nutzen. Ob dieser Plan aufgehen wird, wird sich zeigen. Da aber auch andere Firmen wie Qualcomm um ihre Geschäfte mit Huawei fürchten, dürfte der Druck auf die USA nicht nur aus China, sondern auch aus dem eigenen Land steigen. Wie sagt man so schön: Es bleibt spannend.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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10 Kommentare

  1. Trump schießt die USA mit seinem Wirtschaftskrieg immer mehr ins Abseits. Und der Versuch, weiterhin international eine US-Schnüffelinfrastruktur durchzuboxen, geht immer weniger auf. Die Länder machen sich dann halt von den USA unabhängiger.

    Aktuelles Beispiel Russland: Die setzten jetzt beim Netzausbau auf Huawei, weil das garantiert ohne eingebaute US-Wanzen kommt. Und das russische Militär stellt alles auf eine speziell gehärtete Version des freien Betriebssystems Linux um. Die sind doch nicht blöd.

  2. Nachgesagter weise könnte Huawei spionieren.
    Nachgewiesener weise haben die USA immer spioniert.

  3. Sebastian says:

    Auch Google als profitgetriebener Konzern macht nichts aus Uneigennützigkeit. Für mich sieht das danach aus, als ob sie Angst hätten, dass Huawei sich mit ihrem Android-Abklatsch sogar durchsetzen könnten. Wenn’s (zumindest in Europa und Asien) jemand schafft, ein neues System durchzusetzen, dann Huawei.

  4. Da fürchtet jemand Konkurrenz am Betriebssystemmarkt.

  5. phrasemongerism says:

    Die haben Angst, dass ihnen die Felle davon schwimmen, sonst nix. Ist auch nur ein umsatzorientiertes Unternehmen und nicht die Heilsarmee.

  6. Könnte wohl schon sein, dass man an Googles Stelle die Marktanteile von Huawei auch gerne weiter nutzen wollen würde. Jedes Android Gerät mit Google Framework füllt Googles Datenbestände.
    Und vielleicht erhofft man sich damit bei den Chinesen in der Gunst zu steigen, um auf deren Markt evtl. auch andere Produkte platzieren zu dürfen, wo es Google möglicherweise aktuell noch nicht gestattet wird. Ein bisschen Lieb Kind machen, für gute Stimmung sorgen.

    Aber warum auch nicht? Warum sollten Unternehmen lukrative Geschäftsbeziehungen einstellen wollen, wenn das für sie nur nachteilig ist?

  7. Darum hat ein Google-Vize (Milo Medin) auch an diesem Paper des US-Verteidigungsministerium mitgeschrieben:

    https://media.defense.gov/2019/Apr/03/2002109302/-1/-1/0/DIB_5G_STUDY_04.03.19.PDF

    Das ging wohl leicht nach hinten los. Wenn man den Bericht einmal durchliest dann versteht man auch die Vorgänge.

  8. Das zeigt wieder mal wie geil die Ami auf Daten aus sind,anderen das zu unterstellen was sie schon seit dem Anfang des Smartphones tun, spionieren und Daten klauen.Eigentlich sollte man Apple boikotieren,keine smartis mehr aus Armyland

  9. Undertaker says:

    Ich empfehlen jedem einmal die Lektüre von Karheinz Deschner „Der Moloch“. Ein Buch aus den 90ern welches die Interessen und die skrupellose Vorgehensweise der USA sehr gut darlegt und historische Entwicklungen aufzeigt.
    Inzwischen nur noch gebraucht erhältlich (warum wohl) oder via Google als PDF.
    Der wahre Grund für Googles Unterstützung ist m.M.n. eher, dass Google die realistische Gefahr sieht, dass ein chinesisches Android ihre Geschäftsgrundlage erheblich gefärden könnte.
    Die Chinesen haben in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie (wenn man sie auch noch dazu zwingt) aus ursprünglichen Kopien oder Lizenzen dann erfolgreiche Eigenkreationen entwickeln und sehr gut vermarkten können.
    Wenn Huawei ein chinesisches Android entwickelt und andere chinesische Firmen mitziehen (bspw. Xiaomi), dann wird sich gerade im preiswerten Segment das Blatt sehr schnell wenden.
    Trump hat sich und Great America also mal wieder selbst ins Knie geschossen. Aber was will man von einem Vollpfosten, der die Brexiteers gut findet auch anderes erwarten. Erschreckend nur, dass die Amis ihn vermutlich sogar noch wiederwählen werden.

  10. Wolfgang D. says:

    Google macht nur das, was unsere Unternehmer ebenfalls seit Jahrzehnten tun. Wissen und Technologie ins Ausland verhökern, im Tausch gegen Gewinne. Und dann jammern, dass die Arbeitsplätze nicht mehr „zuhause“, sondern in China liegen. Halt doof, wenn „das Ausland“ anfängt, eigenständig ohne den früheren Auftraggeber weiterzumachen.

    @icancompute aka Peter „erhofft man sich damit bei den Chinesen in der Gunst zu steigen“

    Eher blamiert Google sich endgültig, als Lecker vor dem Herrn. Die Beschränkungen im Heimatland China für die Google Dienste (und unkontrollierte ausländische Unternehmen) werden so oder so bleiben. Offen oder heimlich. Selbst wenn Google die erfassten Daten weltweit dem chinesischen Heimat Ministerium per zwangsweise vorinstalliertem WeChat frei Haus liefern würde.

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