Google Pay: Google möchte nächstes Jahr passende Girokonten anbieten


Die großen Tech-Firmen versuchen immer wieder, für sich neue Geschäftsfelder zu erschließen. Zum Beispiel bei Finanzdienstleistungen. Apple Pay und Google Pay sind da zwei Kandidaten, die quasi jeden erreichen können und den klassischen Banken durchaus ein Dorn im Auge sind, fürchten sie doch, die Kontrolle zu verlieren. Vielleicht auch nicht ganz grundlos, schaut man sich beispielsweise an, was Facebook mit Libra vorhat. Anders als bei Apple Pay, das in den USA auch mit einer Apple-eigenen Kreditkarte verfügbar ist, die von Goldman Sachs ausgegeben wird, wäre bei Libra keine Bank dahinter. Erst am Dienstag startete Facebook unabhängig davon Facebook Pay. Und Google? Google möchte nächstes Jahr ebenfalls mit eigenen Konten daherkommen.

Dazu hat sich Google Partner geschnappt, Citigroup und eine kleine Genossenschaftsbank der Stanford Universität. Über diese möchte Google Girokonten anbieten. Details dazu sind rar, die Besorgnis bei den Regulatoren auch in diesem Fall schon groß. Details zu den Bemühungen möchte Google in den nächsten Monaten nennen. Die beiden beteiligten Banken sehen das weniger kritisch, sie sehen in der Kooperation eine Chance für eine bessere Sichtbarkeit auf dem Markt. Und die Banken sehen auch die Punkte Privatsphäre und Transparenz als jene, die man beachten muss.

Da ist Google ja auf bestem Weg, zumindest in der Theorie wird seit einiger Zeit Wert auf Privatsphäre gelegt. Praktisch weiß aber vor allem Google quasi alles über den Nutzer. Das muss nicht mit Privatsphäre kollidieren, da kommt es immer drauf an, wie ein Unternehmen mit den gewonnenen Daten umgeht. Die zähe Bankenbranche sieht sich aber durch Mitspieler wie Google, Apple und Facebook gefährdet.

Aus Deutschland kann man sich das Ganze wohl in Ruhe anschauen, hierzulande geht das ja alles noch viel langsamer und Google wird hierzulande wohl auch so schnell keine eigenen Konten anbieten. Aber es wird spannend zu beobachten sein, wie sich der Finanzmarkt, vor allem im Bereich von Girokonten und deren Nutzung verändert – die junge Generation, die digital aufgewachsen ist, wird sich auf Dauer nicht mit den festgefahrenen Bankenstrukturen zufriedengeben.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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18 Kommentare

  1. Zitat: „Da ist Google ja auf bestem Weg, zumindest in der Theorie wird seit einiger Zeit Wert auf Privatsphäre gelegt. Praktisch weiß aber vor allem Google quasi alles über den Nutzer. Das muss nicht mit Privatsphäre kollidieren, da kommt es immer drauf an, wie ein Unternehmen mit den gewonnenen Daten umgeht.“

    Das wäre wohl das Hauptproblem, mangelnde Transparenz. Und zusammen mit anderen Daten eine enorme Datenmacht (siehe auch Sammlung von Krankenakten in den USA). Sowas kommt (zurecht) in Deutschland kaum an, weder beim Verbraucher noch auch gesetzlich seitens des Staates…. Gottseidank muss man sagen.

  2. Der Grund für den Erfolg der Fintechs, angefangen mit PayPal, ist in den USA immer sehr speziell gewesen.

    Das extrem antiquierte und zusätzlich teure System der „checking accounts“ der klassischen US Banken ist bis heute im Kern primitiv geblieben. Dazu ist es sogar erst seit einigen Jahren möglich ohne weiteres über Grenzen der US Bundesstaaten hinaus sowas wie Überweisungen zu tätigen. Vor PayPal hatte man dazu Dienste wie Western Union, um die seltsamen Strukturen der eigentlichen Banken zu umgehen.

    Sowas wie unser standardisiertes, billiges Girosystem mit Überweisungen und von allen Banken getragene Girocard gibt’s bis heute nicht. Das war auch der Grund für den Erfolg von Visa und MasterCard und anderen in den USA, nebenbei gesagt.

    Wäre unser Kartellrecht nicht so streng wäre Paydirekt ein unschlagbarer Zahlungsdienst im Netz. Aber so wie man könnte darf man nicht und damit bereitet man den amerikanischen Anbietern das gemachte Bett.

    Man muss also unterscheiden zwischen amerikanischen Eigenheiten und neuen digitalen Diensten. Wirklich neu ist nicht einmal Google Play. Es ist eine NFC Zahlkarte, aber ohne das Fallback von Magnetstreifen und Chip. Google könnte natürlich alles verknüpfen. Kalender, E-Mails bei Drive gespeicherte Dokumente und ein richtiges Girokonto. Und damit sicherlich ganz neue Dienste anbieten und im Alltag helfen. Aber wer will sich einer Firma so komplett ausliefern?

  3. Klaus Kleber says:

    Die sollen lieber mal die Probleme mit Paypal in den Griff bekommen.

  4. Ob Google unbedingt wissen muss was für ein Gehalt das bei mir aufs Konto geht? Ich denke nein. Die gehen mir so schon auf den Sack mit ihrer Werbung. Kaum hat man eine Seite angesurft bekommt man die passende Werbung in der Google Diensten präsentiert.

    • Stimmt! Absolute Frechheit! Wie kann man auch nur für die Bereitstellung von Suchergebnissen und deren Einordnung/Sortierung einfach so eine Gegenleistung verlangen?!?
      Sie arbeiten ja schließlich auch ohne Ghealt. Oder?

      • @FritzWe „arbeiten ja schließlich auch ohne Ghealt. Oder?“

        Google macht als Suchmaschine mit den kostenpflichtig erstellten Inhalten von Dritten sein Geld, indem es meine Suchgewohnheiten als Datensammlung an die Google Advertisement Unternehmung verkauft. Reicht das nicht, oder hat da nur jemand keinen Plan?

    • @Legomio „bekommt man die passende Werbung in der Google Diensten präsentiert.“
      Wenn die wirklich passend wäre.
      Tatsächlich bekomme ich laufend uralte oder schon vor einer Woche abgehakte Sachen immer wieder vorgelegt. Also nur nervigen unbrauchbaren Müll, häufig noch schlicht das falsche Produkt (meinetwegen Cover für Iphone 8, aber ich suchte mal nach dem Zubehör für das 8 Plus).
      Auf einigen Seiten schalte ich den Blocker nämlich bewusst ab, bereue das allerdings nach kürzester Zeit.

    • Dafür sind die Google Dienste kostenlos.
      Wer sich an der Werbung stört -> Werbeblocker und schon ist Ruhe.

  5. Also wenn ich mir anschaue, dass die für den Mastercard-Deal Millionen bezahlt haben… Dann werden die wohl kaum beim eigenen Konto auf einmal die Daten für total langweillig halten. Ist immerhin perfekt für die Kombination online-Werbung/offline-Kaufverhalten, entweder

    um für letzteres auch Geld zu kriegen wenn die Online-Werbung fruchtet oder
    um online-Alternative aufzuzeigen.
    Von Kontostand-abhängigen Preisen mal nicht zu reden.

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-uebermittelt-Mastercard-Transaktionsdaten-an-seine-Online-Werbekunden-4153015.html

    Aus obigem Artikel:
    „Google habe mit der Vereinbarung sein Werbegeschäft gegen Konkurrenten wie Amazon stärken wollen und dafür mehrere Mllionen Dollar bezahlt. Werbekunden seien zunehmend daran interessiert, nicht nur die Verbindung von Online-Werbung zu Klicks auf Webseiten und Online-Shopping zu erkunden, sondern auch zum Offline-Kaufverhalten.“

  6. zum Surfen/Suchen gibt es doch zB startpage, anonymisiert die Suche. Ecosia kann man da auch nennen.

    und man muss ja nicht bei Google ein Mailkonto + Kalender haben, es gibt auch hier Alternativen ohne Werbung, zB posteo…aber ohweeh, die kosten ja was!! das geht ja gar nicht in DE dank „Geiz ist geil“.

    in EU und besonders in DE wird es noch lange dauern, bis die klassischen Banken weg sind und die Leute per Google Konto alles machen (können). nicht zu vergessen, das die Gesellschaft ordentlich altert. Ältere und alte Menschen zum Umstieg auf Internetbanking zu bewegen, ist sehr schwer.

    • Da sollte man sich nicht täuschen, ich kenne zumindest bei denen, die derzeit zwischen 60 und 70 sind kaum einen, der nicht mit Smartphones umgehen kann und kein Online-Banking macht (zumal ja die Senioren selbst bei der Sparkasse keine andere Möglichkeit mehr haben, zumindest im ländlichen Bereich).

      Bei denen über 70 die ich kenne nutzen auch alle Smartphone und Tablet, wobei es da tatsächlich noch viele gibt, die das nicht mehr lernen wollen (könnten es aber).

      Die Generation, die mit Internet und dergleichen wirklich überhaupt nichts anfangen konnte ist bereits tot oder kurz davor.

      Der Grund warum Deutschland bei Wireless Pay so hintendranhängt ist nicht der Kunde, sondern allein der schnarchnasige Handel, der im Jahr 2019 oft nicht einmal EC/Maestro/Vpay anbietet (oder erst ab X Euro). Die Fillialisten tun das und da wird immer mehr mit Karte gezahlt, aber versuch das mal beim Bäcker, Haushaltswarenladen oder im Kiosk/Würstchenbude/Döner.

      • „…aber versuch das mal beim Bäcker, Haushaltswarenladen oder im Kiosk/Würstchenbude/Döner.“
        Das hat aber in erster Linie „steuerliche“ Gründe, besonders in den von Dir zitierten Geschäftsbereichen.

        Wenn in Schland endlich manipulationssichere Fiskalkassen eingeführt werden würden, dürfte die Akzeptanz von Kartenzahlungen ansteigen, weil es dann ja keinen Grund mehr gäbe Bargeld anzunehmen.

      • Heinz Hermann says:

        Hi Lars, ich gehöre zur ersten Nachkriegsgeneration. Wir wurden defacto in die Zeit hineingeboren, in der Computer das Berufsleben effektiver machten. Heute, in der Rente, mit Demenz sind die Smartphone kleine (grosse) Helfer. Sie geben ein Stück Selbständigkeit und Freiheit zurück. Klar hängt es an dem einen oder anderen Punkt, Hilfe gibt es. Ich liebe die einfache Art der FinTechBank mit Google Pay. Die Limits, dass ich nicht zuviel ausgebe, den Kalender mit Erinnerung wie mein Tag zu sein hat etc. , Notizen.
        Klar, Werbung, aber was soll das. Kein Interesse. Ansonsten Safty First. 20 stellige Passwörter im Tresor, Malwarescanner, Island Sandbox, VPN , Zweitaccount etc. Alle zwei Jahre ein neues Telefon. Die heutige Jugend zockt, dreht Filme und was noch alles. Die Welt ist nun Mal so und wir sollten es annehmen, dass wir den Komfort in Europa und USa etc. haben.

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