Google erklärt E-Mail-Scans, die zur Verhaftung eines Sexualtäters führten

Gestern machte die Meldung die Runde, dass Google nach der Entdeckung von kinderpornographischem Material in der Mailbox eines Nutzers einen Hinweis an das National Center for Missing and Exploited Children gesendet hat, das wiederum Anzeige erstattete und zur Verhaftung des Mannes führte. Da nicht nur positive Stimmen dazu laut wurden, sondern es auch viele kritisch sehen, dass Google in den Postfächern spioniert (was wiederum laut AGB möglich ist) und aktiv gegen solche Dinge vorgeht.

Google Office

Google fühlte sich genötigt, eine Erklärung abzugeben. Ein Google-Sprecher schickte eine Erklär-Mail an die AFP. In dieser wird noch einmal klargestellt, dass Google sich lediglich um Inhalte, die sexuellen Missbrauch an Kindern beinhalten, kümmert. Andere Inhalte, auch wenn sie sich um Verbrechen drehen, sind von den Scans nicht betroffen. Bei Bildern wird ein digitaler Fingerabdruck erstellt, der es ermöglicht, diese Bilder zu entfernen, da gleiche Bilder sofort erkannt werden.

„Sadly, all Internet companies have to deal with child sexual abuse.

It’s why Google actively removes illegal imagery from our services — including search and Gmail — and immediately reports abuse to the NCMEC.

Each child sexual abuse image is given a unique digital fingerprint which enables our systems to identify those pictures, including in Gmail.

It is important to remember that we only use this technology to identify child sexual abuse imagery — not other email content that could be associated with criminal activity (for example using email to plot a burglary).”

E-Mails werden also nur nach kinderpornographischem Material durchsucht, da wird wohl keiner was dagegen haben. Zumindest so lange dies so bleibt und nicht plötzlich doch auch andere Inhalte gefährlich werden könnten. Die Technik würde es wohl erlauben, ziemlich unkompliziert auch andere Inhalte zu finden, insofern ist das schon ein zweischneidiges Schwert. Ich finde es generell gut, wie Google hier vorgeht, sehe aber auch durchaus die Gefahren, die sich daraus ergeben könnten.

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*Mitglied der Redaktion 2013 bis 2019* Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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37 Kommentare

  1. Alle die jetzt dagegen wettern, dass Google automatisiert alle Mail-Accounts durchsucht:
    Wo ist jetzt das Problem? Google macht vorher in den AGBs klar deutlich, dass sie das tun. Weiß mittlerweile auch jeder halbwegs informierte Mensch. Sicherlich will das nicht jeder – aber es hindert euch auch niemand daran, den Mailanbieter zu wechseln. Gibt genug Auswahl im Netz.

    Kinderpornografie und Missbrauch gehört zu den schlimmsten Dingen die es so gibt. Das Google hier mit seinen Möglichkeiten gegen vorgeht finde ich gut.

    @saujung
    Ich bezweifle, dass das so abläuft. Sicherlich wird die betroffene Person von Polizei/Staatsanwaltschaft dann überprüft. Aber auch die sind zumindest nicht ganz dumm und werden feststellen, dass eben in diesem Fall nur der Sender der Mail der „Böse“ ist.

  2. Email-Scan Beobachter says:

    Was ich so von Kripo Beamten und deren Kollegen gehört habe liesen sich so auch gar keine Großverbrecher überführen. Da gehts durchaus um Millionenbeträge, Drogenhandel und Mafia. Sind zwar nicht die geistige Topelite, aber schlau genug um Emails, Telefon und Datenaustausch per Internet konsequent zu vermeiden. Selbst wenn jemand sein Ohr direkt an den DSL Router hält hätte er in 100 Jahren keinen Beweis. Das weis Google wohl auch und verzichtet auf die Kosten – keine Erfolge kann man auch nicht medial verwerten.

    Bei Kleinverbrechern wie diesem Pädofilen (nein nicht Kinderschänder) mag das funktionieren.

  3. Lieber Sascha, da hast du wohl ein bisschen zu kurz gedacht. So etwas ist nicht gut und es hilft auch so ziemlich genau gar nichts.

  4. Ich finde es auch gut, dass bei Google das gemacht wird…. wenn es seitens der Strafverfolgungsbehörden einen begründeten Verdacht gegen eine Person gibt und dort mit einem entsprechenden Durchsuchungsbeschluss, wie er auch bei der Wohnungsdurchsuchung üblich ist, von der Polizei wahrgenommen wird und nicht vom Unternehmen, deren Server es betrifft. Die haben da gefälligst die Flossen von zu halten, Punkt. Das wäre genauso intelligent, als würde mich die Geizhals Bank Gießen anschreiben: „Guten Tag, Herr Bommelunder, wir haben eben ihren letzten Gehaltscheck gescannt, sie haben nicht zufällig was mit Geldwäsche zu tun, oder??? *GNARF!!!*“

    Klar, jeder Sexualstraftäter, den sie von der Piste holen, ist einer weniger, und ich bin auch sehr dafür, dass möglichst viele von diesen Sch****haufen hochgenommen werden, aber das grenzt an Generalverdacht und Selbstjustiz. Aber gut, bei Google hat mich das auch nicht wirklich gewundert, die merken eh nicht mehr, wenn sie deutlich übers Ziel hinausschießen…

  5. @makanu
    Ich gebe zu, mein „Fallbeispiel“ ist ein wenig hypothetisch. Und natürlich gibt es auf der Seite der Strafverfolger auch sehr umsichtige Menschen, die bei meinem konstruierten Fall einmal laut gelacht hätten, und die Akte geschlossen hätten.

    Mir ging es darum aufzuzeigen, dass diese Art der privaten verdachtsunabhängigen Durchsuchung (Scan) des Postfachs Gefahren birgt, die es ohne nicht gäbe.

    Noch einmal: An dieser Stelle hat nicht die Polizei den Richter gefragt, ob sie Zugriff auf den Mail-Verkehr von Herrn X bekommen, weil sie den Verdacht haben, dass dieser Kinderpornografie verteilt, aus Gründen:
    a) …
    b) …
    c) …
    Es hat kein Richter verfügt, dass die Strafverfolgung Zugriff auf den Mailverkehr bekommt, um Beweise zu sichern. Der Anbieter hat irgend einen Verein angerufen, und die die Polizei, weil sie die Mails gelesen haben, was sie sich in den AGBs absichern lassen haben.

    Das etwas derartiges in Rechtsstaaten möglich ist, ist ein sehr bedenklicher Umstand.

    Aber so lange es Staaten wie die Türkei gibt, auf die man mit dem Finger zeigen kann, wo Mutti besonders scharf formuliert ihr Unverständnis über Einschnitte in Pressefreiheit und Meinungsäußerung kund tun kann, wird es schwierig, in diesem Land Verständnis bei der breiten Bevölkerung zu erreichen, oder wenigstens Interesse.

  6. Finde es klasse! Jeder Spasst der sich daran aufhängt das damit seine Privatsphäre verletzt wird, kann nicht von 1—3 zählen, ganz einfach.
    Privat ist man immer nur unter 4 Augen… und da kann man sich noch nicht sicher sein, dass Aussagen, nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden…
    Versucht mal jemanden des Kindesmissbrauch/Misshandlung zu bezichtigen..sehr, sehr schweres Unterfangen.
    Warum laufen denn soviele von den Kandidaten freien Fußes durch die Weltgeschichte? Weil es zu 99% nicht zu beweisen ist.
    Ihr könnt mich beschimpfen oder sonst was denken… Aber das, finde ich eine Super Sache! Danke Google

  7. Warum wird denn hier nun wieder auf Google rumgehackt? Es ist gängige Praxis bei diversen Anbietern aus US und auch Deutschland (Telekom, 1&1,…) den Kinderpornografie Filter mit der Datenbank der bekannten Foto IDs durchlaufen zu lassen. Ist doch nichts neues. Dafür gibt es die Datenbank ja. Außerdem ist das ein automatisiertes Verfahren (was es aber nur marginal besser macht, stimmt).

  8. Erschreckend wieviele „Ich habe nix zu verbergen“ Leute hier anzutreffen sind, obwohl sich hier eigentlich nur technisch kompetenteres Personal versammelt.
    Heute sind es die bösen Kinderpornokonsumenten, morgen dann aber vielleicht schon jmd. der sich negativ über eine Regierung äußert. Bin ich der einzige der „1984“ gelesen hat?!?

  9. @Schokkohu
    1. befürchte ich, dass auch unter den technisch versierten Menschen zu viele blinde herumlaufen.
    2. tummeln sich hier inzwischen auch andere Menschen. 🙂 Caschy gibt doch die Verbreitung der Browser auf diesem Blog gelegentlich bekannt, und der IE hat immer mehr als 0%. 🙂

    @Michael
    Ich hacke nicht auf Google rum, ich hacke auf dem Umstand herum, dass Google das machen darf und kann. Kein anderer Anbieter, der das macht, ist in dieser Beziehung besser.

    @Björn
    Nimm dir einen Jugendgruppenleiter, sage vor dem Jugendamt aus, dass deine Tochter angefasst wurde, und sieh mal zu, was passiert. So schwierig ist das nicht, sondern gefährlich. Aber darum geht es hier nicht.
    Ich finde es gut, dass du verstanden hast, dass es keine Privatsphäre gibt, es ist nur schade, dass es so ist, und dass so viele Menschen genau das nicht als bedenklich einstufen.

  10. Vorab: Es ist super, dass so eine kriminelle Gestalt gefasst wurde. Keine Frage.

    Das Schlimme daran ist, dass die Tendenz momentan immer mehr dazu übergeht, grundsätzlich alle unter Generalverdacht zu stellen. Gegen welche Datenbank wird denn dann morgen verglichen? „Politisch nicht erwünschte Aussagen“? Oder die Datenbank der „Andersdenker“?

    Beinahe amüsant wie aktuell dieses Zitat von einem der Gründungsväter der USA, Benjamin Franklin, derzeit doch ist: „Jene, die Freiheit aufgeben, um eine vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.“ Recht hat er.

  11. Vergleicht ihr hier Google mit einer staatlichen Institution?

    Sehr seltsame Anschauungen werden hier verbreitet.

  12. Dann haben ja einige Glück, welche Bombenbausätze per Email tauschen. ;)))

  13. Die Deutsche Post öffnet und liest zukünftig auch alle Briefe bzw Postkarten. Das machen die nur, weil sie den Unternehmen, für die sie Werbung verteilt, dann besser sagen können, welche Werbung sich mehr lohnt. Dagegen kann ja niemand was haben. Machen die ja nur, um etwas mehr Geld zu verdienen.

    Ach halt… Da gibt’s ja das Briefgeheimnis. Warum gilt das nicht auch für Emails? Oder sollen wir das lieber aufheben? Wer schreibt heute noch Briefe?

  14. @icancompute
    Nein, darüber würden sich noch ein paar Menschen empören. Die Postbeamten öffnen alle Briefe und lesen Postkarten, damit sie Kinderpornos aus dem Weg ziehen. Vielleicht hat der Absender ja sogar seinen Absender drauf geschrieben, dann können die Postebeamten gleich einen Verein anrufen. Sonst schicken Sie halt nur die Strafverfolgung auf des Empfängers Hals.

    Gut, gibt kaum mehr Beamte bei der Post, von daher könnten sie gleich die Texte analysieren und die Infos verkaufen. Gibt genug Abnehmer für dafür.

    Das Gute ist, dass die das Porto erhöhen dürfen, weil sie für die Arbeit, die Briefe auf Kinderpornografie zu untersuchen, mehr Kosten haben, und die werden sie umlegen, auf die Kunden.

    In diesem Land kann ich mir sogar vorstellen, dass sie die Post das nicht aus freien Stücken machen würde, sondern durch die Umsetzung einer EU-Richtlinie zum Schutze der Kinder dazu verdonnert wird.

    Aber dagegen kann ja nun wirklich niemand etwas haben!

    Je mehr ich darüber nachdenken, desto wehrloser fühle ich mich und desto trauriger wird das.

  15. Ich sehe meine Privatsphäre nicht verletzt, wenn Google automatisiert nach bestimmten Hashwerten (die Fingerabdrücke) in meinen Mailanhängen scannt. Niemand kann oder will sich alle Dateien anschauen, die mit Google versendet werden um diese dann zu klassifizieren.
    In Deutschland gibt es übrigens ganz ähnliche Systeme, die auch erfolgreich an Unternehmen verkauft werden. –> http://www.perkeo.net/

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