Geodatendienstekodex erleichtert Widersprüche gegen Street View-Fotos

Der gute Deutsche (der dich beim Einparken beobachtet) darf innovativen und neuen Diensten nun noch einfacher einen Knüppel zwischen die Beine werfen. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich Google Street View und Dienste, wie sie Microsoft und Nokia bereitstellen, sehr mag.

Als Google Street View hierzulande an den Start ging, gab es Medienrummel, viele falsche Informationen und den Kleingärtner von nebenan, der bei Street View sein Haus verpixeln ließ, aber in Immobilienportalen und Co sein Haus in voller Pracht präsentiert.

Sicherlich, man darf das Ganze nicht pauschalisieren, auf den Nerv ging es mir persönlich mit der Blurmany-Debatte schon – für mich ist der Blick auf ein Haus von der Straße aus eine Art Allgemeingut. Microsoft hatte sogar so viele Anträge auf Verpixelung bekommen, dass man Bing StreetSide hierzulande einfach stoppte. Mittlerweile gibt es nun auch den Dienst Geodatendienstekodex.de,mit dem der geneigte Benutzer überprüfen kann, wo denn sein Häuschen zu sehen ist.

Des Weiteren gibt es dort jede Menge Informationen, wie man sein Haus unkenntlich machen kann, inklusive Vorlage. Der Dienst ist nicht von irgendwelchen StreetView-Gegnern initiiert worden, sondern Microsoft, Google, Nokia , Telekom und Panolife gehören zu den Vereinsmitgliedern, bislang findet sich dort aber lediglich Google unter den Diensten, bei denen ihr euer Häuschen überprüfen könnt.

Mit der Realisierung der Seite lösen Mitglieder aus der IT-Branche eine Zusage an die Politik ein. Nach einer Debatte um Geodatendienste wie Google Street View und Bing Streetdside hatten die Unternehmen unter dem Dach des BITKOM zugesichert, entsprechende Regelungen auf freiwilliger Ebene zu schaffen.

Ja, der Dienst und die Möglichkeit, Unternehmen auf die Finger zu schauen und / oder zu klopfen ist gut und richtig – in Sachen Street View aber für mich Pille Palle.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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26 Kommentare

  1. Ich finde es erstaunlich, dass selbst in einem Technik-Blog so viele Leute ein Problem damit haben. Genau aus den genannten Gründen (dauerhafte Speicherung potentiell peinlicher Situationen) werden ja Gesichter bei Google Street View verpixelt. Damit ausgeschlossen ist, was eh extrem unwahrscheinlich ist, dass man nämlich mal jemanden erkennt. Übrigens auch in den USA, falls sich das einer der Datenschützer in Deutschland auf die Fahnen schreiben möchte.

    Hab mich noch nie bei Street View gesehen, aber in der Zeitung war ich schon mehrmals (teilweise auch zufällig). Und? Verklage ich jemanden. Nein. Warum nicht? Weil die Zeitung die Fotos ja in aller Öffentlichkeit gemacht hat. Man überlege sich mal, die ganzen Zeitungen und Fernsehsender müssten JEDEN EINZELNEN Menschen um Erlaubnis fragen, ob sie gefilmt werden wollen. Im Interview auf der Straße im Hintergrund. Die Spaziergänger bei den Wetterimpressionen im Park. Es ist undenkbar.

    OK. Das Argument des Reinsehens ins Wohnzimmers von der Straße aus kann ich nachvollziehen. Aber DAS kann ja auch der Nachbar und der Passant ebenso. Notfalls von der anderen Straßenseite. Da macht nämlich auch der leichte Höhenunterschied nichts mehr aus.

    Das gleiche gilt auch für die WLAN-Daten. Klar. Wenn ich meinen Router offen stehen habe, dann ist das wie ein offenes Badfenster. Dann kann JEDER gucken, was sich so tut. Nicht nur Google.

    Privatsphäre muss man sich auch schaffen. Das erledigt ja niemand für einen. Wenn ich die Tür aufstehen lassen, gucken die Leute in den Flur. Wenn ich mein WLAN ungesichert offen lasse, dann kommen die Wardriving Kids und saugen sich ein paar Pornos auf meine Kosten.

    Und ein echtes Beispiel für einen Datenleak seitens Google, bei dem persönliche Daten (emails, Bilder, biographische Daten, etc.) zum Nachteile des Nutzers rausgekommen sind, habe ich immer noch nicht gehört von den Kritikern.

  2. Ich finde es auch scheiße dass Streetview in D so geachtet wird. Ganze Häuser verpixeln ist doch auch dämlich. Jeder LKW/Reisebus/Sprinterinsasse sitzt auf „Augenhöhe“ der Streetviewkameras. Wenn die Leute nicht nicht wollen dass sie in peinlichen Posen im Internet sind, sollte 1. vorab mehr Aufklärung betrieben werden. Postwurfsendung zum Beispiel mit der Info wann mit dem Auto zu rechnen ist. Und 2. sollte man beantragen können die virtuelle Gardine zuzuziehen, nämlich zusätzlich zu Personen und Kennzeichen auch noch Fenster verpixeln lassen.
    Streetviewkameras schleichen im Gegensatz zum Spanner auch nicht ums Haus herum, fidebum. Des weiteren kann man Facebook und Google nicht in einen Kasten werfen. Google stellt tatsächlich Dienste bereit die kostenlos (gegen Herausgabe persönlicher Informationen) sind, zu denen es aber Konkurrenz gibt. Dir passt verknüpfte, personalisierte Datenerhebung in Gmail nicht? Benutz einen anderen Dienst. Dir gefällt nicht dass Google weiß wo du hingehst? Guck nicht auf Maps, sondern nimm den Globus. Google, im Gegensatz zu Facebook, hört auf den User/Nichtuser. Natürlich verschieben sich die Grenzen dynamisch. Aber dass tun sie in jedem Bereich, zu jeder Zeit. Nicht nur im Internet.
    Die HEIMLICHE Aufnahme von Wlan-Daten kann ich auch nicht gut heißen. Aber es gibt Wege das zu verhindern, genau wie bei Streetview. Trotzdem hat es einen Nutzen für die Allgemeinheit, genau wie Streetview. Das sind sozusagen die Orientierungspunkte einer modernen, digitalen Gesellschaft.

  3. @ Felix

    Und ich find’s erstaunlich, dass man sogar in einem Technik-Blog so penetrant versucht wird „kein Problem“ daraus zu machen. Technik-affin heißt nämlich nicht nur sich für Technik zu interessieren. Schon gar nicht heißt es uneingeschränkt pro Technologien wie SV eingestellt zu sein. Es heißt vor allem auch eine klare Meinung zu solchen Technologien zu haben. Und die habe ich.

    Die Vergleiche mit den Passanten führen uns hier nicht weiter. Die sehen nämlich nicht nur mich, sondern auch ich sehe sie. Das macht schon einen großen Unterschied aus. Fotos von mir habe ich auch ungern im Internet. Wenn es allerdings irgendwelche gibt… macht das die Sache SV besser? Was ist denn das für eine selten dämliche Argumentation? Weil jemand ein Foto von mir macht und es mir nicht auffällt, muss ich Google doch nicht erlauben das gleiche zu tun?

  4. Nur so hypthetisch…Was wäre, wenn man sich über ein soziales Netzwerk der Wahl oder einer bestimmten Seite so organisieren würde, dass man wahllos Häuser verpixeln lässt um nur zu Zeigen wie „undemokratisch“ das verpixeln abläuft? Nach zwei bis drei Wochen, hätten wir tausende Straßenzüge mit verschwommenen Gebäuden. Wenn man es nicht intakt haben kann, wieso nicht gleich für alle kaputt machen?!

    • Deutschland und seine vielen kleinen Datenschutzbeauftragten 😉 schon ein lustiges Ländle. Und passt bloß alle schön auf, daß Ihr nicht mit EC-Karte zahlt

  5. Jeder kann Häuser von der Straße anschauen. Klar. Wenn er spazieren geht kann er sich in einer Viertel Stunde Straßenweise Häusefassaden anschauen. Plant er einen Einbruch, kann er sich anschauen, bei welchen Häusern Gärten schlecht einsehbar sind etc. Ist aber erheblicher Aufwand und beinhaltet das Risiko, in eine Polizeikontrolle zu geraten die, wenn sie ihm auch außer spazierne nichts vorwerfen kann, doch eventuell Daten aufnehmen könnte — was auch schon abschreckend wirkt.

    Mit Streetview könnte man hingegen risikofrei und effizient eine Städte-übergreifende Vorselektion interessanter Objekte/Gegenden durchführen. Es ist egal, ob der Einblick in die Straßen auch ohne Streetview möglich wäre. Der wesentliche Unterschied ist die Effizienzsteigerung.

    Als Extrembeispiel: Krankenakten. Keiner wird sich für meine Krankenakte genug interessieren um in ein Büro einzubrechen und eine Kopie anzufertigen — einen zentralen Server zu hacken und Hundertausende/Millionen von Krankenakten auszuwerten ist hingegen ein lohnendes Geschäft.

    Der Effekt ist bei Streetview denke ich nicht ganz so extrem wie bei Krankenakten. Die Problematik besteht aber genauso.

    Andererseits war ich bei meinem Auslandsaufenthalt sehr froh, mir den Straßenverlauf vom geplanten Wohnort zum Institut und die Wohngegend auf Streetview ansehen zu können. Allgemein, schwieriges Thema. Streetview hat offensichtliche Vorteile (gerade für Geschäfte), aber die Sicherheitsbedenken halte ich deswegen nicht minder für gerechtfertigt.

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