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Game Over: Am Ende sind wir alle Klickvieh

Gestern habe ich begonnen darüber zu bloggen, was mich aktuell an der Spieleindustrie nervt. In diesem zweiten Beitrag zu meinem persönlichen „Game Over“, einem kritischen Blick auf die aktuelle Triple-A-Spieleindustrie, werde ich dazu einige konkrete Beispiele ins Rennen schicken und zeigen, wie (zumindest einige) Entwickler und Publisher nicht nur mich, sondern auch euch, als reines Klickvieh betrachten.

Um es abermals zu betonen: Ich liebe Gaming weiterhin. Es gibt auch immer noch viele tolle Studios und tolle Spiele. Insgesamt bewegt sich die Industrie aktuell aber, zumindest im Segment der Blockbuster-Titel, auf einem toxischen Weg – meine Meinung. Ihr seht das anders? Hinterlasst gerne einen Kommentar, vielleicht kommen wir ja ins Gespräch!

Vorher schauen wir doch mal genauer hin, was für Phänomene es da aktuell noch so gibt, nicht nur bei PC- und Konsolenspielen, sondern auch im Bereich der Mobile Games. Denn dadurch sind Mikrotransaktionen ursprünglich ja mal populär geworden.

Mikrotransaktionen: Jeder sucht nach Moby Dick

Genau, denn in Free-to-Play-Titeln werden wir Mikrotransaktionen ohnehin nicht mehr los. Ich lasse seit Jahren die Finger von solchen Games, da sie mich schlichtweg langweilen. Sie machen mir einfach keinen Spaß, denn Gameplay ist oft nur rudimentär vorhanden und alle Titel fühlen sich im Grunde gleich an. Da ist wurscht, ob nun ein „Skin“ von einer bestimmten Marke über einen Endless Runner, ein Strategiespiel oder ein Card-Game gepappt wurde. Doch für Entwickler zähle ich auch nicht zur eigentlich interessanten Zielgruppe. Und auch die meisten von euch gehören wohl nicht dazu. Denn eigentlich legt man es auf die sogenannten Wale („Whales“) an.

Wusstet ihr etwa, dass ein (!) einzelner Gamer ca. 150.000 US-Dollar in das dröge Mobile Game „Transformers: Earth Wars“ gepumpt hat? Da soll noch einer sagen für Sammlereditionen könnte man viel Kohle ausgeben. Eine Ausnahme? In dieser extremen Höhe vielleicht, aber auch in „Runescape“ hat ein einzelner Spieler etwa 90.000 US-Dollar investiert. Und diese User sind es, die Entwickler vor allem mit Mikrotransaktionen anvisieren – nicht die Peanuts, die ihr und ich ausgeben könnten.

Tja, nun mag man einwenden: „Na ja, das wird ein reicher Sack gewesen sein, der sein Geld verballert – lass ihn doch, wenn er es hat.“ Das wissen wir aber nicht. Was, wenn sich da jemand hoch verschuldet hat – jemand mit psychischen Problemen, etwa ein Spielsüchtiger. Glaubt ihr, dass im Management der großen Publisher jemand wegen so einem Einzelschicksal eine schlaflose Nacht erleiden würde? Man strebt ganz im Gegenteil ja direkt danach solche pathologischen Verhaltensweisen zu fördern.

In Großbritannien hat sich das House of Commons bereits mit dem Thema befasst – einen sehr umfangreichen und lesenswerten Bericht dazu könnt ihr euch hier als PDF (84 Seiten) herunterladen. Dort verweist man auch auf die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Industrie, ich zitiere:

„At present, the games industry has not sufficiently accepted responsibility for either understanding or preventing this harm. Moreover, both policy-making and potential industry interventions are being hindered by a lack of robust evidence, which in part stems from companies’ unwillingness to share data about patterns of play.“

Jetzt stellt euch die Frage: Handelt so eine Branche, die das Beste im Sinn für ihre Kunden hat? Nein, leider ist eben nicht alles „Fun & Games“.

Wir nennen sie nicht Loot Boxen, sondern Surprise Mechanics

Eine besondere Krankheit vieler aktueller Games nennt sich Loot Box. Falls euch der Begriff neu ist: Gegen In-Game-Währung, in der Regel jene, die ihr gegen Echtgeld kaufen müsst, erhaltet ihr eine Art „Überraschungspaket“. Was drin ist, wisst ihr vor dem Kauf nicht. Aber natürlich hofft ihr das Beste, wenn ihr zuschlagt und diese Loot Box dann öffnet.

Meistens ist Ramsch drin, den ihr nicht benötigt. Aber es besteht eben die klitzekleine Chance in einem Spiel durch die Loot Box mit zufällig zusammengewürfelten Inhalten genau den Charakter, genau die Waffe oder genau den Skin zu erhalten, den ihr euch wünscht.

Booster wie in Magic: The Gathering sind eine der Inspirationsquellen für Loot Boxen

Die realistischen Chancen, heiß begehrte, seltene Objekte zu bekommen sind meistens vollkommen intransparent und liegen nicht einmal im einstelligen Prozentbereich. Das Prinzip hat man sich natürlich von anderen Bereichen abgeschaut – etwa Überraschungseiern oder Trading Card Games wie Magic: The Gathering.

Doch da gibt es gewaltige Unterschiede: Kaufe ich etwa einen physischen Booster für Magic: The Gathering, dann erhalte ich einen greifbaren Gegenwert. Und ich kann die enthaltenen Karten mit anderen frei tauschen. So oder so bleibt ihr Wert mir erhalten.

Doch was passiert, wenn ihr etwa gerne FIFA oder NBA 2K zockt? Im nächsten Jahr sind euere bisher in den Ultimate-Team- / MyTeam-Modi erspielten und erkauften Inhalte wertlos, wenn ihr auf den nächsten Aufguss umsteigt. Ihr fangt also, ungeachtet der bisherigen Investitionen, wieder bei Null an. Speziell in Sportspielen geben die Entwickler und Publisher dabei derart Gas mit solchen Mechaniken, dass man fast meinen könnte einen Casino-Simulator zu erstehen, statt ein Basketballspiel – seht und staunt etwa über den obigen Trailer.

In einigen Ländern sind Loot Boxen bereits verboten. In anderen Staaten prüft man die ganze Sache noch. Da sich die Industrie aber ungern in die Karten schauen lassen möchte, dauert alles sehr, sehr lange. Und auch wenn einige von euch vielleicht einwenden mögen: „Keiner zwingt dich etwas zu kaufen!“ – denkt mal neben Menschen mit pathologischem Verhalten an andere Anwender, die besonders empfänglich sind: kleine Kinder. Spiele wie „FIFA 20“ oder „NBA 2K20“ sind mit einer FSK-Freigabe „Ab 0 Jahren“ versehen.

Meine Meinung? Alle Titel, die Loot Boxen und Glücksspiel-Mechanismen enthalten, sollten ab 18 Jahren freigegeben sein. Egal wie sehr Kerry Hopkins, Vizepräsidentin bei EA für Legal & Government Affairs betont, dass man da ja nicht so gerne das Wort Loot Boxen höre, sondern von Surprise Mechanics spreche… Und Überraschungen mag doch schließlich jeder, oder?

Battle Passes sind die neuen Loot Boxen

Es ist da natürlich blanke Ironie, wenn Activision Blizzard nun mit einem PR-wirksamen Grinsen hervorhebt, dass „Call of Duty Modern Warfare“ nun komplett auf Loot Boxen verzichte... und stattdessen auf Battle Passes setzt. Das ist ein wenig so, als wenn euch die Bedienung in eurem Lieblings-Café verklickert, dass man nun nicht mehr Zigarettenreste vom Bordstein fische, um den Kaffee zu strecken, sondern stattdessen Blumenerde nehme. Das Problem an diesem „Entgegenkommen“: Beides hätte man von vornherein ja gar nicht erst einführen müssen.

Retro-Games: Früher gings auch ohne In-Game-Monetarisierungen

Im Wesentlichen wollen viele Entwickler und Publisher den Kontroversen um Loot Boxen nun eben durch neue Mechanismen ausweichen. Battle Passes, aber auch Season Passes und DLCs, bleiben da natürlich altbewährte Muster. Traurig ist dabei, dass sich viele jüngere Gamer vielleicht gar nicht mehr an die Zeiten erinnern, in denen man kosmetische Items in Spielen nicht für 99 Cent kaufen sollte, sondern sie einfach freispielen konnte – indem man Spaß am Game hatte, Herausforderungen bewältigte oder besondere Kniffe ausführte. Die frühen Titel der Reihe „Tony Hawk’s Skateboarding“ waren da Musterbeispiele.

Wer die Industrie in Schutz nehmen will, argumentiert oft: „Spiele zu entwickeln ist heute so teuer, gerade mit den gigantischen Spielwelten. Irgendwie müssen die Entwickler doch überleben!“ Aber: Niemand zwingt Ubisoft, EA Activision Blizzard und Co. ihre Spiele mit endlosen Welten zu entwickeln. Es ginge auch kleiner und fokussierter. Ironischerweise lautet ja eine häufige Kritik, dass Spiele wie „Assassin’s Creed Odyssey“ zu sorglos mit der Zeit des Spielers umgehen und die ausufernden Welten zum Selbstzweck verkommen, weil sie kaum interessanten Content bieten.

Außerdem schaffen es manche Entwickler durchaus: Kein anderes Studio ist da aktuell wohl so Konsumenten-freundlich wie die Polen von CD Projekt Red: Kleinere DLCs gibt es nach Release umsonst (!), Geld kassiert man nur für vollwertige Add-Ons der alten Schule. Und man liefert ein vollerwertiges prall gefülltes Spiel ohne Mikrotransaktionen ab – so geschehen mit „The Witcher 3: Wild Hunt“ und so auch geplant für „Cyberpunk 2077“.

Echtgeld und Falschgeld in Spielen

Dabei gibt es jedoch raffinierte „Tricks“, um euch dazu zu verleiten Geld in Spiele zu stecken. Sicherlich ist euch auch schon aufgefallen, dass nicht nur viele Mobile Games, sondern auch Vollpreis-Titel für PCs und Konsolen mittlerweile gleich mit mehreren In-Game-Währungen um sich schmeißen. Manchmal gibt es drei oder vier solcher Währungen, die teilweise auch noch miteinander verkettet sind. Besonders beliebt ist ein Schema: Es gibt eine In-Game-Währung, die ihr euch leicht erspielen könnt und eine zweite Premium-Währung, die ihr in erster Linie durch Echtgeld kaufen könnt.

Ein klassisches Beispiel dafür ist „Simpsons Tapped Out“ alias „Die Simpsons – Springfield“. Es gehört zu den Games, welche mir den Spaß an Mobile Games genommen haben – ein meiner Meinung nach absolut seelenloses Lizenzspiel der schlimmsten Sorte. Das Ironische daran: Ich habe unzählige Stunden in diesem Titel versenkt und bin anfangs voll auf die Masche eingestiegen.

Warum ist „Die Simpsons – Springfield“ nun so ein typisches Beispiel für manipulative Mikrotransaktionen? Nun denn, es gibt zwei Währungen im Spiel (fiktives) Geld und Donuts. Man folgt dabei dem klassischen Design-Muster derartiger Spiele. Es gibt somit eine „falsche“ Währung, welche ein Gefühl von Fortschritt erzeugen soll – das Geld. Es wird sehr freimütig an den Spieler ausgeschüttet, hat aber im Grunde keinen Wert. Irgendwann schwimmt ihr so oder so darin. Die eigentliche „echte“ Währung sind aber die Donuts. Jene könnt ihr gegen Echtgeld kaufen und nur in sehr, sehr eingeschränktem Maße erspielen.

Nur gegen Donuts bekommt ihr aber zeitlich limitierte Gegenstände oder gar manche Charaktere aus der Serie. Und als Simpsons-Fan ist man da natürlich verlockt genügend Donuts zu sammeln, um irgendwann zentrale Figuren und Orte aus dem Serien-Universum, wie Barney, freizuschalten.

Das Gameplay des Titels ist extrem rudimentär: Geschicklichkeit, Planung, Management – das alles braucht ihr nicht. Was ihr braucht, ist einfach nur Zeit – oder viel reales Geld. Ansonsten gilt es nur, regelmäßig auf Figuren und Gebäude zu klicken, um das großzügige (aber im Grunde wertlose) Geld einzusammeln und „Aufgaben“ zu erledigen – was aber nur aus simplem Herumgeklicke und Gewarte besteht.

Eingangs stürzte ich mich dabei auf das Spiel, denn das Design ist durchaus liebevoll gemacht. Doch je mehr ich „Die Simpsons – Springfield“ zockte, je mehr es in meine tägliche Routine eingeflossen war täglich erledigte Aufgaben abzuhaken und Einkommen abzugreifen, desto mehr erfasste mich die Sinnlosigkeit meines Tuns. Es gibt keine wahren Erfolgserlebnisse, keine tolle Story zu erleben, nur ein paar Alibi-Dialogschnipsel und nette Zeichentrick-Grafik.

Aber am Ende könnte im Grunde jeder Skin über dieser Art von Gameplay schweben – und es ist kein Wunder, dass es etliche ähnliche „Klickvieh“-Spiele gibt, über die einfach eine Lizenz gestülpt wurde. Denn das Ziel ist bei derlei Titeln eben nicht der Spielspaß – sondern die Monetarisierung, egal ob derjenige Freude daran hat, das Game zu zocken.

Nur Premium ist richtig: Die soziale Erwünschtheit

Es gibt natürlich noch viele weitere Kniffe, um euch Mikrotransaktionen und Premium-Inhalte möglichst unter die Nase zu reiben. Spannend ist da etwa ein Patent von Activision: Man möchte neuen Spielern aufzeigen, dass der „richtige“ Weg ein Spiel zu spielen so aussieht, dass man auch Kohle für Premium-Skins und Co. ausgibt. So sollen etwa neue Spieler gezielt über das Matchmaking mit Veteranen zusammengewürfelt werden, welche bereits Geld in Skins gepumpt haben. Man will quasi zeigen: „Guck mal was der erfolgreiche, andere Gamer da hat. Cool, oder?“

In „Fortnite“ ist das längst in die Community übergegangen – wer mit dem Default-Skin spielt, wird ausgelacht – solche Noobs sind uncool. Das ist eben das gleiche Phänomen, als ob ein Schüler mit den Aldi-Turnschuhen in die Klasse kommt und dann veralbert wird, weil nicht Adidas, Nike oder Puma auf seinen Tretern steht. Unternehmen freut das, aber die Frage ist: Kann man es gutheißen, wenn diese Art von Ausgrenzung und Spott gezielt gefördert wird bzw. durch psychologische Tricks Begehrlichkeiten geweckt werden, gerade bei Kids?

It’s just good business„, mag manch einer sagen, aber wo ist die Grenze? In einigen Spielen werden sogar Bots bewusst mit Premium-Items versehen, um sie dem Spieler so vor der Nase herumschaukeln zu lassen wie eine Karotte vor einem Esel. Und für genau so dumm hält man offenbar den Gamer bzw. möchte ihn gerne so haben.

Game Over: Alles am Ende?

Liest man nun diesen Artikel von mir (und auch den vorangegangenen), könnte man meinen ich wäre kurz davor mein Hobby aufzugeben – raus aus der Bude mit den Konsolen und fertig. So ist es aber nicht. Ich liebe Gaming weiterhin und es gibt fortlaufend Spiele, die sich eben nicht den hier beschriebenen Strategien hingeben. Allerdings ist es schade, dass sie immer mehr zur Ausnahme werden – zumindest unter den Triple-A-Titeln.

Nur wenige Entwickler halten da die Fahne hoch – z. B. die von mir sehr geschätzten CD Projekt Red. So gerne ich aufgrund meiner Liebe für „GTA“ und „Red Redemption“ da Rockstar Games auch erwähnen würde – aufgrund der Online-Modi von „Grand Theft Auto V“ und „Red Redemption 2“, welche Archetypen dafür sind, wie nach Strich und Faden monetarisiert wird, kann ich das nicht.

Mein Anliegen ist dabei einfach: Entscheidet mit eurem Geld, unterstützt Entwickler, die euch nicht für dumm verkaufen wollen. Und vielleicht war dem ein oder anderen ja auch gar nicht so bewusst, was für Strategien genutzt werden, um Spielern den nächsten Euro aus der Tasche zu fingern.

Ich handhabe das jedenfalls mittlerweile so: Statt 5 Euro für einen Skin in meinem Lieblings-Shooter im wahrsten Sinne des Wortes zu verballern, gebe ich meine Kohle jedenfalls lieber für ein Indie-Game aus… und ich warte auf „Cyberpunk 2077“. 😉

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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62 Kommentare

  1. @André kann die vollkommen zustimmen.
    Ich bin Jahrgang 70 und habe mit Pong begonnen. Frühe hat man Spiel gekauft und das hat funktioniert und war fertig. Später mir schnellerem Internet gab es dann endlich Updates um kleine Fehler zu beseitigen, aber die Spiele waren immer noch komplett und fertig.

    So wie es heute leider zur Normalität geworden ist, macht das einfach keinen Spaß mehr.

    Darum bin ich zum Retro-Gaming gewechselt, meine Konsole ist ein Raspberry Pi mit Recalbox/Retropi und eine Auswahl von Tausenden Spieletitel.

  2. Super Artikel, kann dem 100% zustimmen!

  3. Ja es gibt sie noch die ‚Guten‘ Spiele:
    The Witcher 3, Ori and the Blind Forest, RiME, Deponia Reihe, Alien Isolation, SteamWorld Dig 2, Unruly Heroes, Orphan, Subnautica, Black the Fall, Inside, Trine 4 u.v.a. die mir nicht mehr einfallen wollen.

    Alles andere mit p2w oder Abo’s lehne ich kategorisch ab und wird auch so an meinem 7 jährigen Sohn so weiter gereicht:“Junge, sich virtuelle Gegenstände zu kaufen die keinen wirklichen Nutzen bringen ist so viel Wert als wenn du dein Taschengeld in das Klo runter spülst“.
    Und was Apps angeht die durch Geldausgaben Gewinne versprechen gehören gesetzlich min. erst ab 16 erlaubt! Eine Obergrenze an Ausgaben per Konto sollte auch festgelegt werden.
    Laut einer gesetzlichen Regelung muss die Spielautomaten Auszahlungsquote per Gesetz generell bei mindestens 60 Prozent liegen. Wie sieht das bei virtuellen Glücksspielen aus e.g. Loot Boxen, etc?

    Medienkompetenz ist heutzutage das A & O bei der Erziehung.
    Geschrieben von einem altem Pong / IK+ / Atari 128 / Amiga 500 / 486er Veteran…

  4. Hallo Andre!

    Zum Thema Lootboxen & Magic hat Maurice von Gamestar ein gutes video Essay auf yotube gemacht mit Zitaten von Maro & Richard Garfield. Da merkt man wie sehr der Maurice Magic Nerd ist <3

  5. Großartiger Beitrag! Super geschrieben.

  6. Zuerst einmal Danke für diesen sehr guten Artikel. Bietet eine schöne Unterhaltungsgrundlage.

    Zum Thema Lootboxen und bezahlte kosmetische Items bin ich da ganz auf der selben Wellenlänge. Da könnte ich mit meinem Geld auch den Kamin anzünden und das wäre vermutlich sogar noch sinnvoller.

    Ich habe vor Jahren selbst auch unnötig viel Geld in Skins in Leage of Legends gesteckt und was habe ich nun davon? Nichts.
    Ich spiele das Spiel seit Jahren nicht mehr, weil alle meine Freunde, mit den ich das gespielt hatte, nicht mehr zocken und weil der Umgangston in dem Spiel zum Albtraum geworden ist. Zu einem besseren Spieler haben mich die ganzen Skins auch nicht gemacht.

    Aus Team Fortress 2 bin ich damals ausgestiegen kurz bevor es zum Free2Play Titel wurde und der ganze Item-Wahn in dem Spiel unerträglich wurde.

    Leider wird Spielspaß heute oft hinten angestellt. Da hat das Spiel eine wundervolle Verkleidung in Form von toller Grafik und unter der Haube stecken eine kurzweilige Geschichte und langweilige Spielmechaniken. Dazu dann noch ein imposanter Trailer und die Wortgruppe „Open World“ auf der Verpackung und schon ist das Paket rundum perfekt. Dann bezahle ich 60€ für ein Spiel, dass mir nach 2 Stunden keinen Spaß mehr macht, weil sich die Spielmechaniken einfach nicht intuitiv anfühlen.

    ABER in diesem ganzen Sumpf gibt es auch heute noch immer wieder ein paar Lichtblicke. Jemand erwähnte in seinem Kommentar z.B. „Ori and the Blind Forest“ und da kann ich bedenkenlos zustimmen. Das Spiel hat einen einzigartigen und wunderschönen Grafikstil, die Musik ist herzerwärmend und das Gameplay fühlt sich so unfassbar gut an. Für die besitzer des Originalspiels gab es die „Definitive Edition“, die ein Jahr später erschien, umsonst. Die Geschichte ist nicht unbedingt tiefgründig aber lässt doch hier und da mal das Auge feucht werden. In meinen Augen die 20€ mehr als nur gerechtfertigt.

    Zuletzt habe ich zusammen mit einem Kumpel Borderlands 3 gespielt und ich schon lange nicht mehr so viel Spaß mit einem SHooter gehabt. Und auch hier sind meine Pluspunkte verlgeichbar mit Ori. Das Spiel hat einen einzigartigen Grafikstil, einen umwerfend guten Soundtrack und vor allem ein extrem flüssiges und ansprechendes Gameplay. (Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig mir eine intuitive Steuerung in einem Spiel ist!)
    Wer eine gute Story sucht, ist hier jedoch fehl am Platz! Borderlands 3 glänzt vorrangig durch seinen Spielspaß.
    Und wenn die kommenden DLCs gut sind, dann habe ich auch nichts dagegen dafür zu bezahlen. Wenn sie mich nicht ansprechen, dann wird es halt nicht gekauft.

    Ich bin im Allgemeinen kein Tag1 Käufer. Ich schaue mir von Spielen, die mich interessieren, meistens zuerst ein Let’s-Play auf YouTube oder einen Stream auf Twitch an.
    Ich gucke mir jedoch selten Reviews von Spielen an, da diese oftmals zu segmentiert sind um das tatsächliche Gameplay in seiner Gesamtheit zu sehen.

    Mit großem Abstand meine meisten Spielstunden (locker über 5000) habe ich übrigens in Minecraft und das hat mich damals zu Alpha-Zeiten einmalig 10€ gekostet.
    Manchmal ist weniger doch einfach mehr.

  7. Da lob ich mir Games mit Monatsabo und sonst nix, alles was man noch kaufen kann ist dann rein Optik oder lustige Gadjets aber die kein Spieleinfluss haben. Oder Games mit 1 mal Kaufen, max noch Maps oder Ähnliches aber die keinen Besser machen als die anderen durch die Käufe.

    Bei Pay 2 Win Games = 99,99% der WebGames die Echtgeld in überhaupt irgend einer Art verlangen ist alles nur FAKE!!!
    Ich konnte mich einst mit einem ehemaligen bei den ehemals größten Online Gemaes Entwickler BIG (aus D, glaub längst an Chinesen verkauft) per TS detailiert unterhalten. Er sagte in jedem Spiel sucht man sich nach einigen Wochen die BESTEN Spieler und geht mit diesen eine Vereinbarung ein. Diese erhalten KEIN Geld ausbezahlt, dafür aber inGame Währung, Waffen, Upgrades USW. Nur wenige Leute, diese sollen aber gucken das sie immer die BESTEN sind (TOP 5/10) sonst gibt es weniger oder gar nix mehr. Dafür zahlen Hunderte andere Echtgeld an den Spielehersteller weil sie selbst NUR mit Echtgeldinvestition das selbe bekommen um auf TOP Rang zu kommen. Quasi ein Zwang den man sich gut bezahlen lässt, soviel zu Thema Sucht und Ausnutzen dieser. Manche Normalo Spieler zahlen Tausende pro Jahr und kommen in Finanzielle schwierigkeiten, Inkasso, Auto weg, Haus weg… durch solchen Mist. Verlieren den Sozialen Anschluss, vernachläßigen den Alltag, Freunde, Familie, Arbeit & Co und driften Teils ins Bodenlose.
    An sowas ist die Spielindustrie mit Schuld, sie ist eine der Suchtmachendsten Industrien vor allem wenn sie solch Hinterhältige Pay2Win Games machen. Diese gehören meiner Meinung nach Weltweit verboten. Abo Ja, diverse Big Contents ok und diverses einmalig zu kaufendes (darf aber nicht am laufenden Band sowas angeboten werden) das aber nicht Spielentscheidend ist. Alles andere egal wie es sich Schimpft gehört VERBOTEN.
    Am liebsten unfertige Spiele/Inhalte verbieten, schade das dies wohl nie machbar sein wird.

    Lustig ist auch das China neulich die Spielzeit, glaub für Kinder, auf 90 Minuten am Tag (oder so ähnlich) limitiert hat. Vielleicht kein schlechter Weg, vor allem um Schlechte Spiele abzuschaffen und Pay2Win Müll.
    Dafür währe die Zeit zu kostbar um ewig zu Farmen (sinnlos, immer wieder gleiche Bullshit da geht mir WoW wieder auf den Sack) statt sich auf das wesentliche zu konzentrieren.
    WoW und Ähnliche Spiele die Monatsabos haben sind total scheiße für Normalsterbliche die wenig Zeit haben aber etliche Stunden mit SINNLOSES Farmen verbringen müssen, wozu? Wer nur 2-3h am Tag spielen kann (Zeit oder Lust) der will doch nicht die Zeit mir SCHEISSE verplempern, er will etwas konsumieren. Einen Sinnvollen Inhalt und da will man ja vom Leben abschalten wo man Arbeiten geht. Da muss man das auch noch InGame? FU FU FU

  8. @Andre

    ich finde du kannst GTA und RDR als Single Player Game durchaus erwähnen.
    Da bekommst du für dein Geld mega gute single Player Stories mit massiv Spielzeit ohne irgendwas kaufen zu müssen oder gar zu können.

    Ansonsten zustimmung. Ich bin vor solchen Sachen allerdings gefeit und gebe da 0 Geld aus. Ich hab hunderte Stunden in GTA online im Grind verbracht und mir alles gekauft, was ich kaufen wollte ohne Echtgeld zu investieren. Aber viele nehmen da eben gerne die Abkürzung.

  9. Hervorragender Artikel. Ich kann dem nur zustimmen, auch wenn ich heutzutage nicht mehr viel zocke, sondern nur ab und an Mobile Games spiele. Aber da kann ich Deine Beobachtungen nur bestätigen.

  10. Fritz Mukula says:

    Ich habe bisher noch kein einziges Mal Geld für irgendwelche Spieleinhalte ausgegeben und habe es auch nicht vor. Mich interessieren schlicht keine Skins oder irgendwelche Items, die zusätzlich gekauft werden können. Wenn ein Vollpreis-Spiel allein durch Zusatzkäufe erst vollwertig wird, kaufe ich es erst gar nicht oder reklamiere es im Laden und verlange mein Geld zurück oder mindestens einen Warengutschein.

    Ich kaufe seit einigen Jahren grundsätzlich keine Spiele von Electronic Arts weil dieser Publisher für mich der Inbegriff des Micro-Payments ist.

    Wie man es richtig macht, zeigt aktuell Hideo Kojima mit Death Stranding. Für mich das Spiel des Jahres 2019, welches allein aufgrund der immensen Spielzeit jeden einzelnen Cent wert ist und ich bin mir ziemlich sicher, dass Cyberpunk 2077 das Spiel des Jahres 2020 sein wird.

  11. Schließe mich da voll und ganz deiner Meinung an. Es gab mal eine Zeit da mochte ich den f2p Gedanken da es ja auch spiele gab, wo man mit Zeit alles erreichen konnte und für Geld keinen Vorteil aber evtl. ein paar Kosmetika erwerben konnte. Finde ich so weit okay. Aber mittlerweile ist es eine echte Seuche geworden die auch vor AAA titeln großer Studios nicht mehr halt macht.
    Wegen meiner darf 95 % der Gaming Industrie einen langsamen und qualvollen Tod sterben. Es gibt leider nur noch weniger Publisher die mit kostenlosen DLC oder Add-ons ihre spiele lebendig halten. Schade um die gute alte Zeit aber was einem bleibt ist der Gedanke das man daran teilhaben konnte bevor alle sich infiziert haben.

    Sehr guter Artikel der mich mal dazu motiviert hat meinen Senf dazuzugeben.

    Weiter so!

  12. Die Artikel sind echt sehr schön geschrieben und sprechen auch mal ein echt unschönes Thema an, weiter so 😉 .

    Ich habe früher (als ich auch noch mehr Zeit hatte) auch viel gezockt, und ich dachte immer, nur mit AAA Titeln glücklich werden zu können, viel Story (naja, auch meist nicht wirklich, merkt man dann mit mehr Lebenserfahrung irgendwann), große Welten, usw .

    Die Wende kam dann bei mir, als die Spiele sich immer mehr gegenseitig im negativem Sinne anpassten und man merkte, dass man quasi immer das Gleiche gekauft hatte.

    Ein großer Punkt war aber, als ich dann in einem Gespräch, nach dem ich mich als PC-Spieler outete, als Antwort bekam, ob ich mich nicht schämen würde! Ich erwiderte daraufhin, warum ich mich schämen müsste, nur weil ich in Konsolen keinen Sinn sehe und lieber am PC spielen würde, und darauf kam nur, „Naja, die Menschen die an den Spielen arbeiten würden, müssten für ihre Arbeit auch bezahlt werden, und ich würde mich einen Dreck darum scheren und lieber die Spiele illegal runterladen.“

    Ich meinte daraufhin, da missverstehen wir uns, ich bezahle sehr wohl für die Spiele, ich habe mir noch nie ein Spiel illegal heruntergeladen und würde dies auch nie tun, eher würde ich ein Spiel dann nicht spielen, wenn es mir nicht gefällt. Die Person blieb dabei, ich als PC-Spieler sei der letzte Dreck und müsste mich schämen, wenn ich in den Spiegel schauen würde. Dies geschah wohl nach einer Aussage eines EA CEOs, der eben dieses auf ähnliche Weise gesagt hatte, was ich aber erst erfahren hatte.

    Da habe ich für mich entschieden, dass ich große Produktionen ab sofort meiden und eher den Kleinen eine Chance geben sollte. Titel von EA als auch Ubisoft kaufe ich schon gar nicht mehr, zumindest nicht als Vollpreis-Titel, wenn überhaupt irgendwann als „Best Price“-Datenträger für €6.99 oder auch mal im Sale bei Steam, was aber echt sehr selten vorkommt. Dann sind die Spiele auch ausgefeilt im Gegensatz für die Vollpreis-Käufer bei Start.

    Und ich habe gemerkt, ich kann auch überleben, wenn ich nicht jedem AAA-Titel hinter lechze, wie ein Hund einer dicken fetten Wurst. Titel wie Firewatch, die Ori Spiele, FAR: Lone Sails als auch Little Nightmare mögen vielleicht nicht „100+ Spielstunden beinhalten“, aber vom Erlebnis her sind sie oft wesentlich schöner und nachhaltiger als die meisten AAA-Titel, wo ich mich nach einer Woche Spielpause oft nicht mal erinnere, wo ich denn jetzt bin und was ich erlebt habe.

    Oft erinnere ich mich noch Monate später daran, wie schön und entspannend es war, zB Gris zu spielen oder auch so traurige oder nachdenklichere Titel wie Blackwood Crossing, Limbo, Hellbound, What Remains of Edith Finch oder A Plague Tale, welche ich beide noch selbst spielen muss, gekauft sind sie schon, aber die Zeit war noch nicht dafür da 🙂
    DIese Spiel bleiben noch lange in den Gedanken, auch weil sie meist sehr gut erzählen oder weil man das Erlebte erstmal verarbeiten muss, im positiven Sinne. Die meisten AAA-Titel kommen nicht mal ansatzweise dort hin.

    AAA-Titel wie die Witcher-Reihe habe ich aber sehr gerne gespielt, The Witcher 3 habe ich gar zweimal gekauft, einmal als es raus kam samt AddOns, als auch als „GotY“, nicht weil ich es musste, sondern weil ich es einfach wollte, dem Entwickler CD Project RED ein kleines Dankeschön für das Geleistete geben wollte und auch wegen der sehr fairen Preisgestaltung. Die AddOns haben zusammen glaube ich nochmals 30 € gekostet und wären es Einzelspiele zum Vollpreis gewesen, hätte sich wohl kaum jemand um den Umfang beschwert, für das Gebotene waren die Addons echt günstig! Das Spiel als auch die AddOns haben mir viele Stunde Spielspaß gegeben und sind auch nachhaltig hängen geblieben, auch, weil Entscheidungen durchaus große Folgen haben konnten, so dass ich „den doppelten Preis“ gerne bezahlt habe, das Spiel kam ja sogar ohne Kopierschutz, woran man sieht, wenn man gute Spiele Entwickelt, dass sie dann auch gekauft werden, manchmal sogar auch doppelt 🙂 .

    Cyberpunk 2077 ist das einzige AAA-Spiel, welches ich mir definitiv vorbestellen werde, weil ich weiß, dass der Entwickler seine Arbeit ernst nimmt und dabei ein sehr gutes bzw eher überragendes Spiel dabei rauskommen wird!

    So, war jetzt glaube ich erstmal genug inpiut ;-P

  13. Diese Diskussion muss von der Politik hierzulande auch ernst genommen werden. Leider sind unsere Politiker alle viel zu alt, um mit solchen Themen umgehen zu können.

    Wie bei so vielen Dingen fängt es auch immer harmlos an und wird dann bastardisiert. Das Battle Pass System von Fortnite war (zumindest anfangs) sehr fair. Man blecht einmalig einen Zehner und kann mit den während der Season erspielten Geschenken den Folgemonat quasi kostenlos weiterabonnieren. Für ein Free2Play-Spiel eigentlich ein guter Deal.
    Wär aber natürlich nur eine Frage der Zeit bis die anderen großen Publisher das Konzept verschlimmbessern.

    Das CCG Beispiel ist aber interessant: CD Projekt Red’s standalone Gwent ist eins meiner aktuellen Dauerbrenner. Free2Play aber fühlt sich nicht wie Abzocke an, trotz Lootboxen die Möglichkeit das zu erhalten was man möchte und fördert die Kreativität des Spielers heraus.

  14. Zum Thema Lootboxen sei gesagt, dass die Publisher damit alles andere als rechtlich auf der sicheren Seite agieren: Dass sich bisher kein Gericht damit befasst hat und es demnach keine Rechtsprechung zu dem Thema, heißt nicht, dass Lootboxen rechtlich gesehen kein Glücksspiel sind; es gibt einen großen Unterschied zwischen „Rechtsprechung sagt: nicht verboten“ und „keine Rechtsprechung existent“. Tatsächlich ist es unter Juristen, die sich damit befassen, sehr umstritten, man kann aber sehr wohl zu dem Ergebnis kommen, dass Lootboxen, zumindest sofern sie für Echtgeld erworben werden können, die Merkmale des Glücksspiels erfüllen. Dazu muss man nur einmal darüber nachdenken, wen die geltenden Glücksspiel- und zugehörigen Strafgesetze primär schützen sollen – die Spielveranstalter oder die Spieler? Ich tendiere eindeutig zu letzterem, einfach weil viele konkrete Normen ganz explizit die Verbraucher/Spieler schützen: Glücksspielteilnahme unter 18 ist verboten, im Spielcasino darf der Betreiber keinen Alkohol verkaufen, die Veranstalter müssen überall Warnhinweise geben, dass Glücksspiel süchtig machen kann, und soweit ich weiß, gibt es hier, oder auf jeden Fall in anderen Staaten (Beispiel US-Bundesstaaten) Obergrenzen, wie viel ein Casinobetreiber einen Spieler spielen lassen darf; und wie z.B. die Spielautomaten zu programmieren sind, um einigermaßen faire Gewinnchancen zu gewährleisten.

    Die Publisher behaupten immer, für „echtes“ Glücksspiel fehle es an der Möglichkeit für den Spieler, echtes Geld zu gewinnen. Die Beschaffenheit der Glücksspielgesetze zeigt aber klar, dass diese den Spieler vor unkontrollierten Verlusten schützen sollen, und nicht etwa vor zu hohen Gewinnen. Und dadurch, dass der Spieler sich die Lootboxen allzu oft mit echtem Geld kaufen muss, ist dieses Verlustmerkmal bereits erfüllt. In den übrigen Spielmechaniken – auch das ist erwiesen – stehen Lootboxen klassischem Glücksspiel, allen voran Slotmaschinen, in nichts nach. Studios wie 2K und Rockstar versuchen ja nicht einmal mehr, diese Tatsache zu verschleiern, wie man an GTA Online und NBA 2K20 sehen kann, wo diese Mechaniken sogar visuell wie Slotmaschinen dargestellt werden.

    Die Lootboxen von den geltenden Glücksspielgesetzen auszunehmen, ist daher vollkommen widersinnig. Es führt dazu, dass ein minderjähriger Jugendlicher nicht einmal ein Lotterielos für zwei Euro kaufen darf, mit dem er theoretisch die Chance hätte, Millionär zu werden, aber problemlos hunderte, tausende Euro in FIFA, Candy Crush, Coin Master & Co. ganz legal verzocken darf, ohne dass er jemals auch nur seinen Einsatz zurückgewinnen könnte. Betreiber von Spielcasinos, in denen man seine Jetons logischerweise auch wieder in echtes Geld umtauschen kann, müssen oben genannte strenge gesetzliche Auflagen einhalten, aber Publisher sind weder an Jugendschutz, noch an Vorgaben bezüglich Suchtprävention gebunden, und können die Gewinnchancen nach Lust und Laune manipulieren, nur weil sie sich damit rausreden, dass der Spieler bei ihnen nichts gewinnen könnte. Es kommt nicht von ungefähr, dass Investoren und auch die organisierte Kriminalität längst von klassischen Glücksspieleinrichtungen auf solche Spiele, gerade im Mobilbereich, umsatteln. Die Spiele funktionieren genauso wie das alte Glücksspiel, nur dass der Spieler jetzt immer Verluste hat und die Bank kein Risiko mehr trägt.

    Es kann also nur im Sinne des Gesetzgebers sein, Lootboxen, die irgendwie mit echtem Geld gekauft werden können (egal, hinter wie vielen Fantasiewährungen es der Entwickler auch versteckt haben möge), genauso als Glücksspiel einzustufen wie Spielcasinos und Lotterien auch. Das würde übrigens auch bedeuten, dass all diese Publisher seit Jahren Straftaten begehen, denn Glücksspiel ohne staatliche Lizenz, vor allem gewerbsmäßiges, ist nach § 284 StGB strafbar. Ich finde auch, dass die USK an der Stelle ihren Jugendschutzauftrag sträflich versäumt hat, denn Spiele, welche einen Straftatbestand erfüllen, dürfen nicht freigegeben werden, dabei reicht ein begründeter Verdacht aus, um die Freigabe zu verweigern, und der wäre bei genauem Hinsehen in fast allen Fällen mehr als gegeben gewesen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die USK Spielen schon wegen weit harmloserer Sachen die Freigabe verweigert hat – Stichwort Hakenkreuze, § 86a StGB und der Kunstbegriff bei Videospielen -, wirft das kein gutes Licht auf sie.

    Aber hier gilt wie so oft: Wo kein Kläger, da kein Richter. Es ist noch niemand auf die Idee gekommen, dieses Geschäftsmodell den Behörden zu melden; die Staatsanwaltschaften, die in der Sache eigentlich von Amts wegen ermitteln müssten, sind bereits überlastet und bis an die Grenze durchrationalisiert, sodass sie da nicht mehr von sich aus die Initiative ergreifen werden; und deswegen ist bisher nichts passiert. Zu blöd, der Staat lässt sich hier die Chance auf saftige Geldstrafen und einen großen Reputationsgewinn in der Bevölkerung entgehen.

  15. Der Artikel ist wirklich schön und greift einige fundamentale Probleme der Spieleindustrie auf. Wenn es wirklich nötig ist, Echtgeld in ein Spiel zu stecken, um eine Chance zu haben, dann ist das Mist.
    Was aber den Part zu Lootboxen und Skins angeht kann ich nicht zustimmen. Klar, es wäre schön, wenn sich Skins einfach so freischalten ließen (glaube das letzte Mal, dass ich das erlebt habe war ich deutlich jünger und spielte Lego Star Wars und The Force Unleashed), aber Skins sind eben nicht elementar für ein Spiel. Wenn man dafür Geld ausgeben möchte, dann soll man es tun und wenn nicht, dann eben nicht. Mit den Konsequenzen muss dann jeder selber leben und inwiefern Kinder Geld in ein Spiel stecken sollte doch bitte von den Eltern kontrolliert und nicht dem Entwickler angelastet werden.
    Ich gebe kein Geld für Lootboxen und Skins aus und der Rest ist mir egal.
    Ist es bei Fortnite wirklich so, dass gerade jüngere Spieler sich gegenseitig mobben, wenn einer den Default Skin benutzt? Das wäre ja doch dramatisch!

    Was die Roadmaps aus dem letzten Artikel angeht, so habe ich da auch eine andere Meinung. Mir gefällt das Prinzip „Games as a service“. Ein sehr gutes Beispiel ist Rainbow Six Siege. Das war zum Release schon ein fertiges und gutes Spiel und wird kostenlos kontinuierlich weiterentwickelt. Sicherlich kann man auch hier Geld investieren für neue Skins oder, um die neuen Operator schon eher spielen zu können, aber das ist nichts, was manchen Spielern einen signifikanten Vorteil verschafft, der anderen das Spielerlebnis ruiniert.
    Ähnlich ist es bei Battlefield V (ja, da kamen zum Release nur 2 Fraktionen, das ist man sonst nicht gewöhnt, aber für BFIV gab es doch insgesamt auch nur 3), welches zum Release auch schon mit vielen guten Maps aufwarten konnte und ohne die Erweiterungen gut funktionierte. Die Roadmap brachte dann keine sinnlosen Updates sondern eine ganze Reihe neuer Maps, den sehr spaßigen Firestorm Modus und mehr – alles ohne auch nur einen Cent zu zahlen. Es sei denn man möchte unbedingt sein Geld für Elite-Skins ausgeben.

  16. Und doch würde ich Rockstar irgendwie noch zu den ‚Guten‘ zählen wollen. Weil man deren Spiele getrennt betrachten muss. Es gibt immer einen Singleplayer und einen Multiplayerpart und die sind komplett eigenständig. Wenn ich also Red Dead Redemtion 2 kaufe, bekomme ich ein komplettes Spiel mit einem enormen Umfang und beeindruckender Production Value, ohne dass ich jemals auch nur einen Cent in das Spiel stecken muss. Ich kann weit über hundert Stunden Spielen ohne auch nur den Bedarf an einer einzigen Mikrotransaktion zu verspüren. Es ist im Umfang komplett und hat alles erdenkliche schon eingebaut. Ich meine schaut euch nur schon die absurde Menge an Hüten in RDR2 an, die hat der Käufer von Anfang an, ohne dafür noch zusätzlich zu zahlen.
    Anders sieht es im Online-Part aus, aber den muss man als Singleplayer ja auch nicht anfassen. Umgekehrt gibt es Spieler die Kaufen diese Titel nur wegen des Onlinemodus, müssen dann aber auch mit der Monetarisierung zurecht kommen. Von daher würde ich Rockstar nicht generell mit den im Artikel erwähnten Publisher vergleichen.

    • Will Spielen says:

      da muss ich dir recht geben – dieses zwanghafte vermischen von online und offline nervt total. bin gespannt die der TloU mp wird – wie Naughty Dog den versauen wird, mein ich 😉

  17. Will Spielen says:

    sehr guter artikel – erstmal ein DANKE dafuer.

    IMO ist Naughty Dog auch ein sehr gutes Beispiel fuer die entwicklung rund um Mikro-transaktionen: War z.B . der Uncharted 2 MP nur in bezug auf skins damit ausgstattet, gab es bei The last of Us schon waffen und booster zu kaufen, die auch nicht mehr erspielt werden konnten. Dageben sind die Masken im Uncharted 3 MP mit ihren geringen Anpassungen der Spielerstats vernachlaessigbar. aber da haben auch viele spieler skins gekauft. Dies gab/gibt es in The Last of Us ebenfalls (z.B. 30EUR fuer das Muetzen-Pack). In Uncharted 4 ging der Publischer noch weiter. Da wurde behauptet, man koennen alls booster und waffen frei spielen. Theoretisch kann man das auch, aber es dauert wirklich lange genug in-game Waehrung zu erspielen damit man sich alle Kisten kaufen kann. Selbstverstaendlich kommt immer erst der Muell aus den Kisten und wieviele items in den Kisten ist, wurder auch herunter gesetzt. Das Gameplay fuer den Survival-Modus (der einzige fuer den es trophies gibt) scheint sich auch mit den Updates zu veraendern. Ich habe den Eindruck, dass die spawn-rate der gegner geringer geworden ist. Damit wird es noch schwerer, die trophies zu bekommen.

    Mein Reaktion ist: Ich kaufe grundsaetzlich nichts extra. Wenn ich sowas spiele (wie z.B The last of us), dann will ich die gegner platt machen mit dem Standard-zeug. So ein Sieg fuehlt sich einfach noch besser an. Klar klappt das nicht so oft, aber mit skill kann man schon ne menge erreichen – und mit nem guten Team sowieso.
    Ah und: ich kaufe nichts mehr von Naughty Dog (tlou is eh total ueberwertet). Ist aber auch gut, das Ubisoft zu Breakpoint ne offene beta hatte. danach wusste ich schon, was ich auf jeden fall nicht kaufen werde. Es muss auch nicht immer alles neu sein, z.B. gibt es viele gebrauchte spiele fuer die PS3 fuer echt kleines geld. Sollen die publisher auf ihrem Rammsch doch sitzen bleiben. mein Geld bekommen die nicht

  18. André Westphal says:

    Ich möchte mich übrigens nochmal allgemein für die vielen Kommentare bedanken – sowohl die konstruktiv-kritischen als auch das Lob natürlich. Als ich die beiden Beiträge aus persönlichem Antrieb geschrieben habe, war ich recht unsicher, ob sich am Ende jemand für das Thema interessieren würde und bin sehr überrascht und natürlich auch echt glücklich über die Resonanz – das ist beim Bloggen natürlich der größte Lohn, wenn man ins Gespräch kommt und Rückmeldung erhält :-). Also danke dafür!

    • Will Spielen says:

      Ein Freund hat mich in bezug auf den Artikel auf eine Sache aufmerksam gemacht, die in der Diskusion immer untergeht: Wir selber. Du schreibst ueber dich, dass du Gamer _der erste Stunde_ bist und vielleicht hat das auch einen Einfluss. Denn du hast wie die meisten aus unserer Generation einfach schon sehr viel gesehen. Wir haben die Zeit erlebt, in denen der Videospiele-Markt noch nicht so komplett kommerzialisiert war. Wir haben schon so viele Spiele-Ideen erlebt, dass es auch schwer wird uns zu ueberraschen. Ich meine nicht, dass es keine guten Spiele mehr gibt, ganz und garnicht. Aber dennoch stellt sich evtl. nach so vielen Jahren eine gewisse Sattheit ein was Videospiele betrifft. Es wird immer schwerer uns zu ueberraschen. Und vielleicht kommt da auch nicht mehr viel neues, weil schon alles mehr oder weniger mal da war. Manchmal ist eine Technologie eben ausentwickelt, so wie das Automobil oder das Smartfon. VR sehe ich z.B. als versuch, das zu ueberwinden.
      Ich faendes es mal interessant zu erfahren, wie die Generation 12-25 das sieht, denn fuer sollten Loot-Boxen der Standard sein. Wie erleben die z.B. aeltere Spiele ohne solchen Kram? Vielleicht findest du ja passende Interview-Partner fuer so etwas 😉

  19. StrassenLaterne says:

    Super Beiträge Andre. Hat mich sehr gefreut das zu lesen und spricht mir aus der Seele <3

  20. Ich habe es immer noch nicht geschafft nach 20 Jahren Gobliins Vollversion durch zu spielen……….. (MS-DOS) Disketten Version…..

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