ExoLens mit Zeiss Weitwinkelobjektiv ausprobiert: Für mehr Bild auf iPhone-Fotos

artikel_exolensSmartphones haben heute brauchbare Kameras. Die Smartphone-Hersteller selbst scheuen sich auch nicht, ihre Neuerungen einmal mit DSLRs zu vergleichen, was natürlich in der Praxis quatsch ist. Natürlich kann man mit einem Smartphone tolle Fotos machen, ebenso wie man mit einer tollen Kamera bescheidene Fotos fabrizieren kann. Die Technik ist nur ein Teil des Ganzen. Um noch mehr aus den Smartphone-Kameras herauszuholen, gibt es diverses Zubehör, zum Beispiel verschiedene Linsen, die sich am Smartphone befestigen lassen, um spezielle Effekte zu erzielen. Olloclip dürfte in dieser Richtung recht bekannt sein, ExoLens ist ein weiterer Anbieter solcher Zusatzlinsen, unter anderem mit einem Weitwinkelobjektiv von Zeiss.

ExoLens fasst eine Reihe an Linsen zusammen, zum Test hatte ich bereits erwähntes Weitwinkelobjektiv. Nun bin ich nicht das, was man allgemein als Fotograf bezeichnet, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass ich dennoch tausende Bilder im Jahr mache. Ab und an halte ich meine Aufnahmen sogar für so gelungen, dass ich sie mit anderen teile, an dieser Stelle ist es mir aber auch egal, ob das Bild „gut“ ist oder nicht. Gefällt es mir, ist es für mich gut, das ist die Hauptsache.

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Insofern bin ich vielleicht auch nicht die richtige Zielgruppe für Gadgets wie ExoLens, alleine preislich richtet sich das Angebot an den professionelleren Einsatz. Stolze 250 Euro werden für Rahmen plus Objektiv fällig. Ich würde das – nach dem Test – nicht einmal als „zu teuer“ einstufen, aber man muss für sich erst einmal einen Nutzen dafür finden.

Für seine Investition erhält man nicht nur das Objektiv mit Schutzdeckel und abnehmbarer Gegenlichtblende, sondern auch eine entsprechende Halterung. Diese ist aus Aluminium gefertigt und kann am iPhone verweilen, auch wenn keine Linse genutzt wird. Bereits der Rahmen zeigt sich allerdings als recht sperrig. Es ist nicht so, dass man das iPhone mit ExoLens-Rahmen noch problemlos in die Hosentasche bekommt. Mit Linse sowieso nicht.

Dafür ist der Rahmen aber stabil und nicht nur für die Aufnahme der Linse verantwortlich. Er bietet auch einen integrierten Zubehörschuh (für Blitz, Audiozubehör, etc.) und kann auf ein herkömmliches 1/4″-20-Stativ geschraubt werden. Da das iPhone nur in den Rahmen geschoben wird, können Linsen und Zubehör auch am Rahmen verbleiben, auch wenn das iPhone anderweitig genutzt wird. iPhone einfach einschieben und schon steht das komplette Setup. Durchaus praktisch.

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Man läuft auch nicht Gefahr, dass man mit ExoLens sein iPhone beschädigt, der Rahmen wird durch eine relativ dicke Einlage aus Gummi vom iPhone getrennt. Obwohl das iPhone nur eingeschoben wird, hat man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, es könnte sich vom Zubehör trennen, wenn man dies nicht möchte. Das ist schon super gemacht.

Das ZEISS Mutar 0,6x Asph T* Weitwinkelobjektiv (entspricht 18 mm) selbst ist vergleichsweise groß und schwer, ist also ebenfalls nichts, was man einfach so dabei hat. Ich frage mich an dieser Stelle halt, ob es tatsächlich Fotografen gibt, die Zubehör wie ExoLens mitschleppen, in diesem Moment aber auf eine „richtige“ Kamera verzichten. Sicher, die Kombi aus ExoLens und Anschraubobjektiv ist immer noch viel kompakter als eine Kamera, aber eben auch nicht so kompakt, dass man sie stets mit sich führt.

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Die Leistung des Objektivs ist aber auch für mich als Laien (oder gerade deshalb?) beeindruckend. Durch das Weitwinkelobjektiv wird ein viel größerer Bildausschnitt mit dem iPhone aufgenommen, es gibt aber kaum auffällige Verzerrungen, wie man sie von Fisheye & Co. kennt. Fast gerade Linien bis zum Rand, meines Erachtens sogar weniger Verzerrung als mit normaler iPhone-Cam.

Am Sensor ändert aber auch das Objektiv nichts. In meinem Fall (iPhone 6 Plus) bleibt es bei 8 Megapixeln, nur dass diese eben mit mehr Bild gefüllt sind. Hier mal ein Beispiel, oben die Aufnahme mit Weitwinkelobjektiv, unten ohne, beide aus gleicher Aufnahmeposition, logischerweise ohne Zoom oder andere Veränderungen (die Originale der Bilder findet Ihr an dieser Stelle zusammen mit anderen, sie sind für den Beitrag verkleinert und komprimiert).

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Durch dieses Mehr an Bild im Bild entstehen natürlich ganz neue Möglichkeiten für Bilder, da sie ein weiteres Erfassen der Situation erlauben. Gefällt mir echt gut, würde ich mir von der normalen Cam so wünschen (beeindruckte mich schon beim LG G5), aber ich bin nicht bereit, dafür das Extra an Gewicht und Größe mitzuschleppen. Was aber auch an dem eingangs schon erwähnten „nicht Fotograf sein“ liegen kann.

Bilder sagen mehr als Worte, deshalb hier noch ein paar Beispielbilder, die mit dem Objektiv erstellt wurden. Im Google Drive-Ordner findet Ihr die gleichen Aufnahmen im Original, auch an dieser Stelle wurden sie verkleinert und komprimiert.

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Mein Fazit fällt sehr gemischt aus. Technisch ist ExoLens mit dem Zeiss Weitwinkelobjektiv top. Die Verarbeitung ist so, wie man sie zu diesem Preis erwarten würde, im Lieferumfang sind auch Schutzkappen für das Objektiv und ein Aufbewahrungsbeutel enthalten. Die Ergebnisse gefallen mir ebenfalls sehr gut, ich würde die Linse sogar dauerhaft nutzen, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre.

Für mein Nutzungsverhalten ist nicht allein der Preis das KO für das Objektiv, vielmehr ist es Gewicht und Sperrigkeit. Meine Kamera ist ein Smartphone. Immer dabei, immer bereit für Fotos. Dieses immer bereit für Fotos gibt man mit ExoLens aber ein Stück weit auf. Entweder muss man ein voll ausgestattetes Smartphone transportieren oder man fängt das Umbauen an, wenn man fotografieren möchte. Für geplante Trips ist das ok, wobei ich mich da dann wieder frage, ob man mit einer normalen Kamera nicht besser dran wäre.

Wer mit dem iPhone gute Weitwinkelaufnahmen anfertigen möchte, liegt mit der ExoLens-Zeiss-Kombination nicht falsch, das kann das iPhone ohne Hilfe nun einmal nicht. Ob einem das jedoch die geforderten 250 Euro wert ist, muss man selbst entscheiden. Für Laien und „aus der Hüfte“-Knipser ist das sicher übertrieben, wer damit aber ernsthaft arbeiten möchte, wird wohl schwer einen passenderen Aufsatz für das iPhone finden. Zu haben ist das Gadget im Apple Store.

Haben wir denn unter den Lesern, die auf professionellerer Schiene mit dem iPhone fotografieren? Wie beurteilt Ihr solche Angebote? Kann da auch eine Investition in dieser Höhe Sinn ergeben oder ist das so ein Gadget, das „nice to have“ ist, mehr aber auch nicht?

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Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

14 Kommentare

  1. Also dafür dass da überhaupt kein Mechanik drin steckt, finde ich den Preis schon hoch. Allerdings habe ich auch Filter(77mm) für 100 Euro für meine guten Objektive. Wenn man also bedenkt dass die Linsen eine hohe Qualität haben, die Auflage enorm gering ist und es auch entwickelt und hergestellt werden muss (Spritzformen, Anpassung der Produktionsstraße etc.), ist der Preis vermutlich sogar fair und der Gewinn der nach Abzug der Steuern und Händlermarge abfällt, sehr gering. Nur noch höher hätte man sicher schlecht gehen können.

    Die Ergebnisse finde ich gut und würden mir gefallen, dennoch wäre ich nicht bereit das fürs iPhone auszugeben. Für meine Kompakte Sony Rx100 für einen Weitwinkelforsatz in guter (wie oben) Qualität hingegen schon.

    Wenns um Fotos und Videos bei Tag geht, könnte ich mir das Objektiv durchaus für Journalisten und Blogger vorstellen – aber auch hier wohl nur eine kleine spezielle Zielgruppe und auch diese haben eher eine gute Kompakte dabei. Nur auch bei den Kompakten hat man halt nur selten ein UWW-Objektiv.

    Was mir noch in den Sinn kommt: auf Reisen im Auto um die Fahrt (tagsüber) aufzunehmen. Roadtrips etc. Für so einen speziellen Fall würde ich mir eher die Linse oben kaufen als z.B. eine Gopro.

    PS: @Sony-Mitleser, bitte bringt so eine UWW-Linse für Eure Kompakten!

  2. Naja, ich persönlich sehe den Preis von 250€ für ne „gut“ Linse und die Halterung als echt wenig an.
    (Gut in „“ weil ich noch keine Vergleichsbilder andere Adaptionslinsen gesehen hab)

    Ich sehe den Bedarf solcher Linsen eher in Personen welche sich gerne Fotografieren wollen, aber nicht gleich weit mehr als „nur“ 250€ ausgeben will.
    Das es kein „immerdrauf&dabei“ ist sollte klar sein. Auch hätte ich die Größe nicht als Kritikpunkt dargestellt da Physik sich nun mal nicht verändern lässt. Das Bild ist so gut weil das Objektiv so groß ist und das Objektiv ist so groß damit das Bild so gut wird.

    Für die ersten Schritte in der Fotografie kann es je nach Anforderung die Bedürfnisse stillen, aber ich bezweifle das dies im Professionellen irgendwo Anwendung findet (außer vllt Zeitung aber das braucht man in den wenigsten Fällen UWW)

  3. Mir wäre das „zuviel Geld“ für ein zu kleines/spezielles Einsatzgebiet. Wozu haben Apple-Tablet und Handy eine Panoramafunktion? Damit bekomme ich ohne zusätzliche Ausgabe auch einen großen Bildbereich als Foto…

  4. Leider kann man bei diesen kleinen Bildern die Bildqualität nicht wirklich beurteilen. Den Blickwinkel weiten können viele, auch sehr billige, Linsen, doch die allermeisten sind am Rand entsetzlich unscharf. Hier scheint es anders zu sein, doch ich kann es nur erahnen 😉 So oder so glaube ich, dass die Linse zu diesem Preis selbst unter Enthusiasten wenig Absatz finden wird.

  5. Ich sehe das ähnlich wie @Peter. Allerdings bringt die Panoramafunktion nur horizontal mehr Bereich und verzerrt auch stark. Für Landschaftsaufnahmen und Videos sicher brauchbar. Ob ich 250 Euro ausgeben würde weiss ich nicht. Ich habe aber schon Ähnliches für meine Kamera.

    @Alexander
    Ich habe für meine RX100 II einen Weitwinkel- und einen Makro-Aufsatz von Raynox, zusammen mit dem 49mm Filteradapter von Sony und einem Step-Up Ring auf 52mm.
    Bei Interesse sollte man sich etwas einlesen und Testbilder ansehen. Amazon-Bewertungen sind auch ganz brauchbar. Der Raynox 250 hat sehr geringe Schärfentiefe, der 150 hat mehr Spielraum. Den 250 sieht man in dem Video hier: https://www.youtube.com/watch?v=iYTi2jQVn94
    Ich habe ein ähnliches Setup, nur eben die Aufsätze mit Gewinde statt Magfilter. Der Weitwinkel-Aufsatz wäre für den Magneten sicher zu schwer.
    Das Gute am Filteradapter ist noch dass ein normaler Linsendeckel drauf kann.

  6. Sascha Ostermaier says:

    @olidie: unkomprimiert und unverkleinert sind sie bei Google Drive.

  7. @Sascha: Sorry, glatt überlesen. Danke!

  8. Sascha Ostermaier says:

    Sag dann gerne nochmal was dazu. Wie man vielleicht rausgelesen hat, bin ich in der Tat unschlüssig, was ich von dem Ding halten soll. Ich find die Qualität super, aber halt auch nur aus „Sonntagsknipsersicht“.

  9. Die Qualität der Linse scheint wirklich extram gut sein. Keinerlei Randunschärfen zu erkennen. Mir würde so ein Teil Spaß machen. Allerdings fehlen mir ein iphone und die Bereitschaft 250 Euro dafür hinzulegen.

  10. Interessanter Artikel, danke Sascha!

    Ich hatte vor Ewigkeiten mal einen Weitwinkelaufsatz für eine Canon-Kompaktkamera. Das war sehr praktisch, um mehr über verschieden Kamerawinkel zu lernen und ein bisschen rumzuexperimentieren und eben auch mal ganz andere Photos zu schießen.
    War aber auf Dauer nichts für mich, denn es war immer ein bisschen mühsam mit dem Extra-Kram rumzulaufen, wenn man eben eine „Kompakte“ hat – und ganz ehrlich, sah auch einfach scheiße aus. 😉

    Ich bin dann irgendwann auf Systemkameras umgestiegen. Für sehr kompakte Kameras würde ich heute schauen, eine Panasonic GM1 oder eine Sony NEX mit einem entsprechenden Weitwinkelobjektiv auszustatten. Die lassen sich, wenn sie als Staubfänger enden, auch wieder gut weiter verkaufen. Aber das kommt immer total auf den Einzelnen an.

    Im Vergleich dazu ist das Objektiv am Iphone halt einfach mal schmaler und kostengünstiger („man hat das Handy ja eh schon“). Wenn ich mir anschauen, wieviele Leute mit Ipad Photos machen, denke ich mir schon, dass es für Hobbyanwender, bei denen das Geld nicht so wichtig ist, definitiv ein paar Nischenanwendungen gibt. Vor allem dann, wenn jemand Spaß an Landschaftsphotos oder Architektur hat und sich eben ein bisschen kreativ austoben will, ist das bestimmt nicht das schlechteste.

  11. Ich finde das Angebot nicht so schlecht.
    Es ist maximal gleich kostspielig wie die Kombi Smartphone+ordentliche Digitalkamera (keine DSLR oder Vergleichbares), aber weniger sperrig.

    iPhone+Objektiv ist doch eine tolle Kombination für alle, die mehr Bildqualität als bei einem Smartphone wollen, aber es weniger sperrig und umständlich wollen als mit zwei getrennten Geräten. Zudem ja auch das Teilen in sozialen Netzwerken etc. über die vorhandenen Apps genau so schnell geht wie ohne Objektiv, von einer Digicam nicht zu schlagen.

    Das ist doch ideal für jeden, der sich ein Top-Smartphone und gute Bildquali leisten kann und will, aber keine DSLR bzw. den Zeitaufwand für das Erlernen des richtigen Umgangs damit scheut.

    Ich schätze, der Erfolg am Markt hängt massiv von der Präsentation ab. Wer kommt schon darauf, nach so etwas gezielt online zu suchen? Wer aber in ein Fachgeschäft oder auch nur zum Mediamarkt oder Telekom geht mit dem Ziel, sich ein Gerät der Kategorie iPhone/S7 zu erwerben, könnte so etwas mitnehmen. Genügend Menschen ist auch eine Hülle oder Powerbank über 50€ wert, für Qualität werden im Gadgetbereich durchaus hohe Preise bezahlt. Das P/L finde ich in diesem Beispiel gar nicht mal sooo grausam, wenn man sich anschaut, was hochwertige Fotografie schon auf Hobbyniveau kosten kann.

    Mancherorts (zB. in Tirol/Innsbruck häufig) vermarkten auch Photofachgeschäfte Smartphones. Die haben auch die entsprechende Beratungsfähigkeit, einem Kunden die Sinnhaftigkeit des Objektivs zu erklären. So könnte man es als Gadget für Gutbetuchte verkaufen. Es ist wohl kaum angedacht, damit gigantische Verkaufszahlen und Amazon No.1-Bestsellerstatus in irgendeiner Kategorie zu erhalten.

    @Peter: Das Bild wird größer, qualitativ aber nicht besser. Dieses Objektiv hat wohl beides zum Ziel. 😉

  12. @Sascha
    Ich finde die Bewertung recht simpel. Wenn du oft knippst, dir der grösseren Bildausschnitt gefällt (macht gerade bei Outdoor-Snapshots Sinn), und du mit dem Preis und der Kissenverzerrung in den Ecken leben kannst (die ist bei kleinen Smartphone-Objektiven eh schon recht hoch), dann ist das dein Gadget.

    Ich persönlich habe aus verschiedenen Gründen zu einer hochwertigen kompakten gegriffen. Grosse lichtstarke Linse, manuelle Kontrolle wenn man will, bessere Fotos insgesamt, mehr Spielraum für Ausdrucke, leichtere Handhabung, etc.

  13. Weitwinkel, Weitwinkel…
    Ich hätte lieber eine Smartphone-Linse (oder am besten einfach gleich eine dergestalt konstruierte Smartphone-Kamera), mit der nicht alles so schrecklich weit weg erscheint, sondern die genau in der Mitte zwischen Weitwinkel und Tele ist – so wie man die Szene halt selber sieht!

  14. @wurst
    Man hätte viles gerne, aber möglich ist halt nicht alles. Smartphones werden immer dünner, wie soll da die Kamera solchen Ansprüchen gerecht werden? Genau aus diesem Grund gibt es ja auch noch „richtige Kameras“ mit denen diese Probleme nicht auftreten!