Eve Cam: HomeKit-Kamera ohne nennenswerte Schwächen ausprobiert

Wenn man sich heutzutage mit Apples Smart-Home-Lösung HomeKit vertraut macht und sich am Markt nach Herstellern umsieht, dann wird man zwangsläufig über Eve Systems – ehemals elgato – stolpern. Das deutsche Unternehmen ist direkt nach dem Start von HomeKit auf den Zug aufgesprungen und hat seitdem sein Portfolio stetig um Gadgets aus dem Universum erweitert. Ein neu hinzugekommenes Produkt ist die Eve Cam, die genau wie die Logitech Circle View und alle anderen Produkte von Eve nur mit HomeKit funktioniert.

Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Ein Vorteil ist, dass dasZeug von Eve mit ein paar Bluetooth-Ausnahmen wirklich gut funktioniert und die Gadgets einmal eingerichtet nie wieder angefasst werden müssen. Der Nachteil ist halt, dass man keine All-in-One-Plattform aufmachen und den Sprachassistenten auch mal wechseln kann. Man schließt sich ein, im – wie so oft spöttisch genannten – goldenen Käfig von Apple. Ich habe wirklich viel probiert, würde HomeKit aber aktuell immer noch gegenüber Alexa und dem Google Smart Home bevorzugen. Aber das ist persönlicher Geschmack. Aber zurück zur Eve Cam.

Es handelt sich hierbei um die erste Kamera aus dem Hause Eve. Öffnet ihr die Box, findet ihr neben der Kamera ein langes Mikro-USB-Kabel, Befestigungsmaterial zum Anbringen an der Wand und einen Netzstecker. Das war es und mehr braucht man auch nicht. Eigentlich schade, dass Eve hier nicht auf USB-C setzt, Mikro-USB wird wohl noch ein paar Jahre im Einsatz sein.

Die Kamera selbst sieht nun nicht besonders aufregend aus. Es handelt sich um eine Konstruktion, die komplett aus Kunststoff gefertigt wurde. Der große, kreisrunde Körper enthält das Kamera-Modul, ein Mikrofon, eine Status-Leuchte und LED für den Nachtsicht-Modus, der Objekte in einer Entfernung von bis zu 5 Metern sichtbar macht. Das Modul selbst nimmt in Full HD auf und hat ein Blickfeld von insgesamt 150 Grad.

Der Rücken ist gelocht, denn dahinter verbirgt sich der Lautsprecher, der für die verbaute Gegensprechanlage genutzt wird. Das Ganze steht quasi auf einem schmalen Bein, das in einem Gelenk mündet. Somit könnt ihr die Kamera am Fuß um 360 Grad x 180 Grad einstellen. Der Fuß ist unten gummiert und magnetisch, was ich persönlich ziemlich cool finde. So kann man die Kamera auch ohne Befestigungsplatte beispielsweise an Heizungsrohre kleben und dort nutzen. Der Magnet ist ziemlich stark, man muss schon ordentlich ziehen, um die Kamera lösen zu können.

Die Kamera kommuniziert über WLAN mit der HomeKit-Basis, die wie üblich ein Apple TV, ein iPad oder ein HomePod sein kann. Positiv hervorzuheben ist, dass sowohl 2,4 als auch 5 GHz 802.11a/b/g/n unterstützt wird und man nicht nur im 2,4 GHz-Netz unterwegs ist, wie ein paar Konkurrenten.

In Summe ist die Verarbeitung sehr gut, ich konnte keine Mängel feststellen. Ehrlich gesagt, ist eine Halterung wie die der Circle View aus Metall zwar nett, muss meiner Meinung nach aber bei einer Kamera, die man eh nicht mittig in den Raum stellt, nicht sein.

Kommen wir zur Einrichtung, die wie immer bei HomeKit-Zubehör demselben Prozess folgt. Home-App öffnen, Gerät hinzufügen, Code scannen, kurz warten, dem Raum zuordnen, fertig! Nichts dazu und Ruck Zuck erledigt. Keine WLAN-Daten eingeben, nirgendwo ein separates Konto anlegen, bei dem man sich wieder Gedanken machen muss, was mit den Daten passiert. Hier gibt man nur Apple den Vertrauensvorschuss, keinem Zwischenhändler.

In der Home-App selbst könnt ihr nun festlegen, wann ihr eine Mitteilung erhalten wollt, nur bei Statusänderungen, wenn die Kamera offline geht oder auch, wenn die Kamera ein Tier, eine Person oder eine Bewegung entdeckt.

Außerdem habt ihr die volle Kontrolle darüber, wie sich die Kamera verhalten soll. Möchtet ihr das Streamen und Aufnehmen erlauben, nur Streamen, alles aus oder soll die Kamera nur funktionieren, wenn eine Aktivität erkannt wird. Diese Optionen könnt ihr separat für eure Anwesenheit oder Abwesenheit in eurem Zuhause einstellen.

iOS 14 bietet euch später noch die Möglichkeit, eine Gesichtserkennung einzustellen, die erkannte Gesichter mit eurer Foto-Mediathek vergleicht und somit Personen zuordnet. Auch Aktivitätszonen werden ab September konfigurierbar sein. Ihr zeichnet einfach den Erkennungsbereich in das Kamera-Bild ein und die Kamera wird sich zukünftig voll und ganz nur noch auf den markierten Bereich konzentrieren.

Zu guter Letzt könnt ihr die Nachtsichtbeleuchtung an- oder ausschalten und habt auch die Kontrolle über das Statuslicht der Kamera. Dieses ist aus, wenn weder gestreamt noch aufgenommen wird, leuchtet blau, wenn Streaming möglich aber inaktiv ist und rot, wenn gestreamt und/oder aufgenommen wird. Da die Eve Kamera HomeKit Secure Video unterstützt, ist ein iCloud-Speicherplan notwendig, wenn ihr die Aufnahme und Bewegungserkennung nutzen wollt. Für eine Kamera bezahlt ihr monatlich 2,99 Euro, für fünf 9,99 Euro, bekommt aber on top 200 GB oder 2 TB iCloud-Speicher, den ihr mit eurer Familie teilt. Alle Aufnahmen, welche die Kamera macht, werden nicht gegen euer Speicher-Budget gerechnet.

Ist die Kamera eingestellt, könnt ihr den Video-Feed erreichen, indem ihr einfach auf die Vorschau-Schaltfläche tippt. Hier könnt ihr die verschiedenen Kameras durchschalten, könnt die Timeline nach Ereignissen durchsuchen oder per Kalenderansicht die letzten Tage durchsuchen. Die Kamera hat einen Bewegungssensor, der nicht nur zur Aktivierung des Videos genutzt werden kann. Ihr könnt diesen in der Home-App auch nutzen, um Automationen zu triggern.

iOS 14 wird euch innerhalb der Kamera-Einstellungen beispielsweise direkt welche vorschlagen „Schalte das Licht im Wohnzimmer ein, wenn eine Bewegung erkannt wird“ wäre da denkbar. Solltet ihr eine Sirene im Haus haben, könnte die Kamera den „Einbrecher“ aufnehmen und gleichzeitig die Sirene starten, Schlösser verriegeln etc. Da habt ihr so Spielraum, wenn ihr HomeKit-Accessoires im Haus habt.

Die Video-Qualität der Kamera empfand ich als ziemlich gut. Selbst bei Gegenlicht holt die Kamera noch sehr viel raus. Sollte mal etwas weniger Licht sein, ist die Eve Camera in der Lage, das Bild dennoch mit einer ordentlichen Helligkeit, wenig Bewegungsartefakten und genügend Details darzustellen. Klar hat man dann bei schnellen Bewegungen Schlieren auf dem Display, es gibt jedoch kaum stark verpixelte Regionen. Die Gegensprechanlage ist in Ordnung. Das Mikro nimmt den Ton aus dem Raum gut auf, zu dem Lautsprecher ist jedoch nicht viel zu sagen. Das gesprochene Wort wird schon stark verzerrt, nicht so, dass man gar nichts verstünde, aber klar ist der Ton nicht.

So viel zur Eve Camera in der Home-App. Wer Eve Systems kennt, der weiß, dass es auch eine App des Unternehmens gibt, die von einer damals grausigen HomeKit-Übersicht zu einer wirklich guten Steuerzentrale für das Smart Home herangewachsen ist.

Dort könnt ihr beispielsweise eine Ansicht „Kamera“ öffnen, die alle Kamera-Streams in einen Screen bringt und ihr somit übersichtlich seht, was gerade wo passiert. Tippt ihr auf die Kamera, könnt ihr den Live-Feed betrachten, die Gegensprechanlage nutzen und auch einstellen wie empfindlich das Mikro und wie laut der Lautsprecher eingestellt sein soll.

Öffnet ihr die Kamera separat, wird euch neben dem Stream noch der Bewegungssensor mit der Historie angezeigt, die ihr im Protokoll nochmal näher inspizieren könnt. In den Einstellungen könnt ihr das Firmware-Update vornehmen oder die Eve Cam anders benennen. Dem Nutzer bleibt jedoch die Wahl, ob er die Eve-App nutzen will. Lediglich beim Firmware-Update kommt man nicht um die App herum, ein separater Account ist aber nicht erforderlich. In der Eve-App könnt ihr auch Automationen anlegen.

Zusammenfassend bin ich wirklich zufrieden mit der Eve Cam, sie funktioniert eben. Einzig der Preis ist HomeKit-typisch nicht ganz günstig. 149,95 Euro möchte Eve Systems dafür haben. Diesen Preis-Trend sprengt eufy jedoch, denn die neu vorgestellte eufy Indoor Cam 2k reicht für viele sicher aus, bietet neben HomeKit noch andere Möglichkeiten an, kostet aber nur 40 Euro. Bei der gibt es aber Nachbesserungsbedarf bei der Software, was sich mit der Zeit aber legen kann.

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Oliver Posselt

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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5 Kommentare

  1. Wie ist deine Erfahrung mit der Gegensprech-Funktion? Bei dem Modell, das ich getestet habe, fand ich diese nicht besonders prickelnd.

  2. Ich bin rundum zufrieden mit der Kamera – mit einer gravierenden Ausnahme: bei aktivierter IR-Beleuchtung sieht man deutlich zwei rote Lichtpunkte – damit verrät die Kamera sich in dunkler Umgebung sofort selbst. Ein No-Go.

    • NanoPolymer says:

      Ist das nicht aber vielleicht sogar von Vorteil? So sieht man das eine Kamera vorhanden ist und das ganze wirkt auch im dunklen abschreckend. Wenn es um die Sicherheit geht installiert man sich das ja nicht um einen Einbruch etc filmen zu können sondern das dieser erst gar nicht mehr passiert wegen der abschreckenden Wirkung der Kamera.

  3. Ich hab so ein Baugefühl, dass die Circle View für 40€ mehr der bessere Value ist. Hübschere Optik, tendenziell bessere Verarbeitungsqualität, solideres Design und wasserfest. Lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

  4. Was rechtfertigt eigentlich der 90 Euro-Unterschied zu einer „eufy Security Indoor Cam 2K“ (max. 49,99 Euro) ?

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