Europäische Kommission pennt, Geräten mit Funkanbindung droht im Sommer das Aus

EU-Richtlinien legen in diversen Bereichen fest, wie Dinge auszusehen habe oder welche technische Eigenschaften sie mitbringen müssen, um in der EU vertrieben werden zu dürfen. Eine nicht rechtzeitig erneuerte EU-Richtlinie sorgt nun dafür, dass Smartphones und Routern im Sommer das Aus für den Verkauf in Europa bevorsteht. Laut einem Bericht in der Welt hat die Europäische Kommission es schlichtweg versäumt, rechtzeitig neue Normen ausarbeiten zu lassen. Betroffen sind Produkte, die Funksignale senden und empfangen können.

Die Kommission hat nach Auffassung der Bundesregierung geschlampt, nämlich bei der Umsetzung der Richtlinie 2014/53/EU, die 2014 verabschiedet wurde und seit 2016 gilt. Diese Richtlinie regelt die Eigenschaften eines Funkwellen sendenden und empfangenden Gerätes. Allerdings ist diese Richtlinie so allgemein formuliert, dass sie den Herstellern von Geräten nicht hilft, sie wissen nicht, ob ein Gerät nun der Norm entspricht oder nicht.

Wie so ein Gerät auszusehen hat, regeln normalerweise die von der europäischen Normungsorganisation ETSI festgelegten „harmonisierte Europäische Normen“ (hEN). Diese hat die Normen aber noch nicht formuliert, hängt dem Zeitplan um Monate hinterher. Deshalb fehlen wichtige Normen, zum Beispiel für Geräte, die im 5GHz-WLAN-Standard funken.

Das hat zur Folge, dass viele relevante Baunormen fehlen, bereits erwähnte 5GHz-WLAN-Norm soll beispielsweise erst im Herbst fertig sein. Die Hersteller müssen dank der fehlenden Normen jedes Gerät einzeln bei einer Prüforganisation (notifizierte Stelle) vorlegen, damit sie es in Europa verkaufen dürfen. Kosten und Aufwand machen dies für eine Vielzahl von Herstellern, vor allem aus dem asiatischen Raum, kaum möglich.

Eine Lösung könnte sein, die Übergangsfrist für die alten Normen noch einmal zu verlängern oder neue Normen befristet in Kraft zu setzen. Ein „Chaos“ könne so vermieden werden. Dass man ab Sommer keine neuen Geräte mehr in den Läden sieht, ist doch eher unwahrscheinlich, zumal es hier ja tatsächlich eine ganze Bandbreite an Geräten betreffen würde.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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8 Kommentare

  1. Das verlinkte Logo ist aber das des Europäischen Parlaments, nicht das der Europäischen Kommission

  2. „Dass man ab Sommer keine neuen Geräte mehr in den Läden sieht, ist doch eher unwahrscheinlich“
    Eben. Und warum dann „Geräten mit Funkanbindung droht im Sommer das Aus“ titeln?
    Manchmal legst du es echt drauf an, dass die Leser meckern, Sascha.

  3. Ja, da hätte ein „theoretisch“ in der Überschrift vielleicht etwas abgemildert. Eine drohende Konsequenz stellt das trotz allem dar. Zumal, wenn die selben Personen damit beauftragt werden, die jetzt schon einmal gepennt haben. 🙂

  4. Schade, dass jetzt auch hier solch ein politisches Clickbait Einzug hält.

  5. Letztendlich sollten uns das nicht interessieren. Notfalls werden im letzen Moment die Fristen verlängert, bzw es gibt eine befristete Genehmigung…. das gab es schon öfters.

  6. Natürlich reine Theorie. Aber viele Klicks wegen der Überschrift. Das ist auch wichtiger als der Inhalt..

  7. Nennen wir das Problem doch beim Namen: Der „Penner“ heißt Junker wie in div. Medien zu lesen war.
    Aber macht ja nichts: Zitieren wir mal: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“
    Soviel zum Thema „Geräte aus, im Sommer“
    Europa ist doch Super, oder?! Weiter so….!

  8. Nicht nur die Überschrift sondern auch die Aussage des Artikels ist schlicht falsch. Wenn es keine Norm gibt, die die Hersteller auf Einhaltung überprüfen lassen müssen, können diese ihre Produkte schneller und kostengünstiger auf den Markt bringen.
    Es könnte natürlich passieren, daß sich dann Geräte verschiedener Hersteller nicht mehr „unterhalten“ können. Wahrscheinlich ist es aber nicht und verkraftbar wäre es auch.
    Schlimmstenfalls würde das das Arbeitsfeld dieses Blogs noch mal erweitern. Und selbst da würde ich vermuten, daß dieser (und ähnliche) Blog derartige Überprüfungen auf Normeneinhaltungen besser (schneller/kostengünstiger) hinkriegt als irgendwelche Normungsinstitutionen der EU.

    Dieses angebliche Versagen ist zu begrüßen und ein Schritt in die richtige Richtung.

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