EU-Umfrage: Telekom-Unternehmen lassen sich durch Roaming-Gebühren 300 Millionen Kunden entgehen

28.000 EU-Bürger wurden zur Mobilfunk-Nutzung im Ausland befragt, die Ergebnisse sollten Telekommunikations-Unternehmen stutzig machen. 94% der Befragten schränken ihre Mobilfunk-Nutzung sehr stark ein, wenn sie sich im Ausland befinden. Grund hierfür sind die hohen Roaming-Gebühren, die in vielen Verträgen immer noch Standard sind. Die Europäische Kommission schätzt, dass sich die Unternehmen durch die Preisgestaltung 300 Millionen Handynutzer entgehen lassen, was auch eine Auswirkung auf andere Branchen, wie zum Beispiel den App Markt hat.

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47% der befragten geben an, niemals mobile Internetdienste im Ausland zu nutzen, lediglich 10% würden zumindest E-Mails auf dem Smartphone so nutzen wie auch zu Hause. Und mehr als ein Viertel der Befragten schaltet das Handy einfach komplett aus, wenn sie sich im Ausland befinden.

Interessant ist, dass Vielreisende sogar eher die Daten-Roaming-Option im Smartphone deaktivieren, als Menschen, die nur gelegentlich reisen. Die Europäische Kommission sieht den Grund dafür darin, dass Vielreisende eher informiert sind, welche Kosten durch Datenroaming tatsächlich entstehen können. Neelie Kroos, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, zeigt sich geschockt über diese Zahlen und fordert einmal mehr die Abschaffung der Roaming-Entgelte innerhalb der EU.

SMS und Anrufe aus dem europäischen Ausland sind Ladenhüter, lediglich 8% der Reisenden im Ausland den gleichen Telefonie-Gewohnheiten nachgeht wie zu Hause. Bei den SMS sieht es etwas freundlicher aus, aber auch hier sind nur 20% bereit, diesen Dienst genauso wie im Heimatland zu nutzen.

Datenroaming-Dienste werden von 33% der Vielreisenden deaktiviert, lediglich 16% der Gelegenheitsreisenden schalten diese Option ab. Trotzdem stieg die Nutzung von Datenroaming seit 2008 um 1500%. Grund hierfür sind bereits geltende Roamingvorschriften und von der EU auferlegte Preissenkungen.

Ziel des Legislativvorschlags für einen „vernetzten Kontinent“ ist die Abschaffung sämtlicher Roaming-Gebühren innerhalb der EU. Ab 2016 sollen Mobilfunkkunden dann auch im Ausland die gleichen Preise für die Nutzung zahlen wie im Inland. Bereits ab Juli 2014 haben Kunden das Recht, auf Reisen im Ausland statt der Dienste ihres Heimatanbieters die billigeren Roamingdienste eines lokalen Betreibers oder eines heimischen Konkurrenten zu benutzen, ohne die SIM-Karte wechseln zu müssen.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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13 Kommentare

  1. Guter Artikel, aber sollte das im letzten Absatz nicht besser „Abschaffung“ heißen? 😉

  2. Sascha Ostermaier says:

    @Mw3: Thx. B und N liegen aber auch verdammt nah nebeneinander auf der Tastatur. 😀

  3. Dem User im Ausland ist das schon lange klar das sich die Telekom und Co. viel Geld entgehen lassen. Bevor man zuviel zahlt, telefoniert man halt lieber nicht. Man wollte sich ja unbedingt eine goldene Nase mit Roaming verdienen. Das sie mehr verdienen würden wenn sie das Roaming abschaffen würden, soweit haben die noch nicht gedacht. Gilt auch für außerhalb der EU. Gier vernebelt halt das Hirn.

  4. Und wie soll das ab Juli 2014 funktionieren?

  5. @plexi32 schon was von APN gehört ?

  6. @ase… Erklär das mal bitte einen Standard-Handy Nutzer.

  7. also immer eine apn-liste mit sich führen?

  8. Mich verwundert nicht, die Verwunderung über die Verweigerungshaltung des gemeinen Bürgers.Vielmehr ärgert mich, dass in Brüssel wie bei den Telko’s Leute sitzen, denen der zahlende Kunde schuppe ist.
    Wie bitte soll denn ein Kunde souverän auswählen und entscheiden, wenn ihm die Auswahl durch Knebeltarife verweigert wird?
    Die, die die Abzocke immer noch betreiben und die , die das in der EU (juristisch) hochhalten gehören abkassiert.

  9. Das die Leute im URLAUB im AUSLAND einfach nicht rund um die Uhr erreichbar sein wollen, sondern sich einfach mal ERHOLEN wollen, ist aber nicht möglich oder?

    Kurzes Überfliegen der Umfrage zeigt das gar nicht nach den Gründen gefragt wird warum man es weniger nutzt, sondern nur die frage ob man es weniger nutzt gestellt wird.

  10. Für jemanden der im Grenzgebiet wohnt und im benachbarten Ausland arbeitet wäre es fantastisch das Smartphone ganz normal nutzen zu können wie jeder Andere. 😉

  11. Dicky Smith says:

    Das mit Juli 2014 würde mich auch mal interessieren, höre ich heute zum ersten Mal.
    Wo findet man nähere Infos dazu?

    Wenn ich länger im Ausland Urlaub mache, nehme ich immer ’ne SIM aus dem Land, da ich nicht ’ne Woche aufs Internet verzichten möchte, gerade im Ausland (Routenplanung und Co.).
    Nervig wird’s allerdings, wenn man mal eben über die Grenze fährt, sei es zum Einkaufen, Tanken, oder einfach nur so.
    Da lohnt ein SIM-Wechsel kaum, und Roaming ist zu teuer, also bleibt das Handy aus. 🙁

  12. Bin ich der einzige der Roaming gar nicht so teuer findet? Bei meinem letzten 3 Tage Aufenthalt in Amsterdam habe ich mir 2x für jeweils 2.95 Euro einen Speed Pass gekauft. Damit hatte ich 50MB Volumen für 24 Stunden und konnte wunderbar Facebook und Google Maps nutzen. Das war es mir aber Wert. Das alles ist bei weitem nicht mehr so unbezahlbar wie noch vor ein paar Jahren.

  13. 6€ für 2 Tage Internet bei 100MB Volumen ist nicht teuer? Auf den Monat hoch gerechnet wären das 90€!

    An der Juli-2014 Sache wäre ich auch interessiert, gibt es da eine Quelle für?

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