Erster Blick: Google Chromecast (2020) mit Google TV

Google hat neulich einen neuen Chromecast vorgestellt. Der ist in den vergangenen Wochen schon das eine oder andere Mal durch die Medien gegangen, weil Händler in den USA das Produkt schon zu früh verkauften – da ist natürlich viel Überraschung für Google weg. Leaks sind eine Sache, wenn ein Produkt ohne Ankündigung im Handel landet, dann ist das schon eine andere Nummer. Immerhin konnte man sich so im Vorfeld schon ein Bild des neuen Chromecasts machen, der in Deutschland 70 Euro kosten wird.

Googles neuer Chromecast – der erste kam übrigens schon 2013 auf den Markt – kommt in einer unaufgeregten Verpackung daher. Drinnen stecken der Chromecast, die Sprachfernbedienung das Stromkabel, das Netzteil und zwei Batterien. Der Chromecast wird mittels USB-C mit Strom versorgt, das kann über einen ausreichend starken Hub geschehen, denn an dem Anschluss meines TVs / Monitors wollte er allein nicht funktionieren. Da reichte der Saft dann nicht – der Fire TV Stick macht da weniger Mucken, auch wenn er beim Starten meldet, dass der Strom nicht ausreiche. Nichts, was zu bemängeln wäre, das Netzteil liegt ja nicht aus Spaß anbei.

Eingerichtet werden kann von Hand oder per Smartphone. Wer da sein Google-Konto hinterlegt hat, spart echte Zeit. Google-Home-App starten, den Chromecast einbinden – fertig. Im Setup-Vorgang geht man die „üblichen“ Sachen so durch. Bildschirmschoner aus eigenen Fotos gewünscht – oder lieber Fotos, die Google anliefert? Dazu eben die Vorschläge für die Apps wie YouTube, Netflix, Prime Video, Disney+, Spotify und Co.

Sind die Passwörter zu den einzelnen Diensten bei Google gespeichert (Google Smartlock, wie unter Android), dann wird man mit dem Konto direkt in der App eingeloggt. Je nach verwendeten Apps sieht dann auch die Startseite aus, hier werden auf Basis eurer geschauten Inhalte weitere Filme oder Serien angeboten. Sind es Kauf-Inhalte und keine Gratis-Medien, dann steht gleich direkt der Preis mit anbei. Wer keine Vorschläge möchte, kann diese auch deaktivieren. Knallhart kann man auch sein: Es gibt einen Nur-Apps-Modus in den Einstellungen. Hier fehlen dann sämtliche Empfehlungen, inklusive Suche und Assistant. Nicht ganz sinnvoll für einen Chromecast.

Der Google Chromecast mit Google TV erlaubt auch das Steuern des Smart Homes, quasi alles, was ihr auch über den Google Assistant am Smartphone machen könnt, ist auch mit dem Stick möglich, logo – der hat ja auch eine Assistant-Taste die eben jene Möglichkeit anbietet. Hier kann man dann nach Terminen fragen, die im Google Kalender sind – oder man lässt sich Horrorfilme zeigen. Beispiele:

*Schlag mir ein Programm vor
*Zeige Action-Movies
*Spiel entspannte Musik
*Zeig mir meine Photos von Hawaii
*Suche Yoga-Videos
*Spiel die neuesten Nachrichten ab
*Wie wird das Wetter morgen?
*Zeig mir die Kamera an der Haustür
*Dimme das Licht
*Welche Termine habe ich heute?
*Wie weit ist es zum Mond?

Wie der Chromecast Ultra liefert auch der neue Chromecast eine 4K-Auflösung mit HDR – jene soll bis zu 60 Bildern/ Sekunde ermöglichen. Zudem gibt es in Sachen HDR nun auch Dolby Vision und mit Dolby Atmos auf die Ohren. Habt ihr also entsprechende Möglichkeiten der Medien und der Wiedergabe in Sachen Audio und Video, dann sollte das passen.

Google nennt das Ganze beim neuen Chromecast nun nicht Android TV, sondern „Google TV“. Unter der Haube hat man davon die Version 10 installiert, die neue Version 11 wurde ja neulich erst angekündigt. An freiem Speicher stehen knapp über 5,6 GB bei mir zur Verfügung. Können mehrere Nutzer sich am Chromecast anmelden? Jein. Grundsätzlich könnt ihr mehrere Google-Konten hinterlegen. Jene lassen sich dann individuell für Apps von Google – etwa YouTube – nutzen. Leider beschränken sich die Empfehlungen im Homescreen aber immer auf den Hauptnutzer.

Genereller Eindruck der Oberfläche? Wirkt gut, lässt sich gut durchscrollen und scheint irgendwie besser organisiert und weniger zappelig als Android TV klassisch – wobei das Ganze halt „nur“ ein neuer Launcher ist. Auch die Installation von Apps ist möglich, allerdings findet man keinen klassischen Play Store auf dem neuen Chromecast vor, der sieht anders aus und hat Medien und kompatible Apps im Fokus. Natürlich ist aber auch der Sideload von APK Dateien möglich – das kann per Downloader-App geschehen, alternativ macht ihr es über den Datei-Explorer eurer Wahl.

Der neue Chromecast im Alltag

Unabhängig vom Preis legte der Streaming-Stick in meinem Gebrauch eine flotte Sohle aufs Parkett. Apps ließen sich schnell starten, sämtliche von mir getesteten Streaming-Dienste liefen flüssig. Wer vorher schon auf den Chromecast Ultra setzte, wird vermutlich merken, was eine ordentliche Fernbedienung für einen Unterschied machen kann. Googles Fernbedienung erlaubt den schnellen Zugriff auf gängige Funktionen, aber auch Dienste wie Netflix oder YouTube. Sofern unterstützt, wird auch die Lautstärke des TVs über die Fernbedienung geregelt – und auch ein Ausschalten ist möglich. Der Chromecast mit Google TV machte in der Zeit bei mir alles, was ich wollte. Die Benutzung war einfach gestaltet, die Oberfläche schnell unterwegs – Ausnahme: Manchmal nach einer Serien-Session brauchte die Oberfläche ein Sekündchen, um wieder voll zu rendern.

Anzumerken: Es gibt keine App für Apple TV+. Ich konnte den Stick auch nicht bewegen, gewisse Sekunden oder Minuten zu spulen, weder mit Prime Video noch mit Netflix. Ebenfalls störte mich, dass ich nach meinen Sessions im Empfohlen-Bereich keine Vorschläge zum Weiterschauen bekommen habe. Ich habe eine Serie zum Test geschaut und hätte erwartet, dass mir diese zum raschen Einstieg auch wieder vorgeschlagen wird – quasi so, wie man es von Amazon oder Netflix kennt.

Was derzeit offiziell nicht möglich ist, das ist das Streamen von Spielen über Google Stadia. Und gerade hier könnte die Stärke des Chromecast liegen. Google gibt den Play Store mit und könnte da nach und nach Features folgen lassen – auch was das Gaming angeht. Wer da aber jetzt eh nur in der Welt des Streamings für Videos unterwegs ist, der muss wohl nicht zwingend wechseln. Die Streaming-Lösungen von heute können auf ihre Art alle mehr als das reine Anzeigen von Medien.

Von daher würde ich immer schauen, was ich machen will – und in welchem Ökosystem ich daheim bin. Amazon hat mit dem Fire TV ja ein sehr heißes Eisen im Feuer, welches oft im Angebot ist. Mit dem Chromecast wird Google nicht so einen Treffer hinlegen – allerdings wette ich, dass man erfolgreicher ist, als mit den Vorgängerversionen.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei LinkedIn, Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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75 Kommentare

  1. Was passiert denn wenn man den Stick nicht am TV anschließt und man den TV ausschalten. Geht er dann in den Standby oder schaltet er ab. Den TV als Stromquelle zu haben hat doch immer den Charme den Stick zu deaktivieren wenn der TV aus ist.

  2. Auch wenn es sicherlich kein Drama ist, dass für den Betrieb die Spannungsversorgung über einen USB Port am TV nicht ausreicht, finde ich es doch beim Fire TV Stick äußerst komfortabel, auf ein eigenes Netzteil verzichten zu können. Auch das ist für mich ein Argument, dem Stick vor anderen Geräten dieser Art nach wie vor den Vorzug zu geben, jedenfalls solange das, was ich machen möchte, damit auch gut funktioniert.

  3. Funktioniert die ursprüngliche Chromecast Funktionalität (Chromecast Built-In), also das Starten der Wiedergabe über das Handy, so problemlos wie bei den alten Chromecasts?

  4. Nervt schon etwas, dass die Oberfläche regelmäßig wenn man zb mit der Home Taste zurückgeht neu rendert.

    Was mich aber am meisten nervt ist, dass regelmäßig (bevorzugt wenn man ihn aus dem Standby holt) WLAN deaktiviert ist und ich das immer über das Menü wieder aktivieren muss. Manchmal sogar mehrfach hintereinander.

  5. 2 Fragen.

    Wo kann ich jetzt die Filme von „Google Filme“ suchen bzw finden?

    Funktioniert bei jemandem die Taste (unten rechts) zum Umschalten des Eingangs?

  6. Lieber Caschi,

    Mittels Play Store via Browser könnte man ohne Probleme Kodi installieren – ohne sideload…..

    Nach Installation von netflix, Disney+ und den Updates waren bei mir ca 4,4gb frei

  7. Nicky Romero says:

    Hat jemand schon probiert eine Festplatte anzuschließen?

  8. Da sind unsere Erfahrungen ja äußerst unterschiedlich. Ich habe alle Passwörter unter Chrome gespeichert und musste mich trotzdem bei allen Diensten neu anmelden. Amazon und twitch helfen wenigstens aktiv mit so dass man im Browser eine Seite aufrufen und einen Code eingeben kann und dann geht es. Bei Netflix und Disney+ musste ich alles von Hand eintippern und die Android TV Remote App von Google hat beim Eingeben komplett versagt, also durfte ich das mit der Fernbedienung machen … wunderbare Erfahrung.
    Jetzt hab ich alles eingetippert und die Empfehlungen sind Müll. Ich sehe NIEMALS normales fernsehen. Trotzdem ist die erste Zeile Empfehlungen irgendein Müll von Joyn, was ich eigentlich als erstes deinstalliert hatte.

    Ich bin insofern halbwegs zufrieden als dass mein Chromecast der ersten Generation bei Twitch und Youtube oft kurze Aussetzer hatte und ein Upgrade ohnehin nötig war.

  9. Ich hatte den Chromecast auch als einer der ersten (am Samstag) bekommen und war so enttäuscht, dass ich ihn zurückgeschickt habe. Der Grund ist folgender:
    Ich finde die Idee, alle Serien, die man aktuell schaut oder schauen möchte, an einem Ort zu versammeln und starten zu können, ohne dass man die jeweilige App des Smart-TV starten zu müssen, sehr interessant. Dafür habe ich den Chromecast bestellt. Und genau diese Funktion funktioniert nicht wirklich gut. Zunächst ist (was schon beschrieben wurde) Sky Q (anders als bei LG- und Samsung-Fernsehern) nicht integriert. Damit fallen schon einmal die meisten HBO-Serien weg. Und dann war es mir – trotz Nachfrage bei der Google-Hotline – nicht möglich, bestimmte Serien meinen Favoriten, die hier seltsamerweise „Mediathek“ heißt, hinzuzufügen. Zwei Beispiele: Die Suche des Chromecast findet zwar die Serie „Perfect Harmony“, ordnet diese aber keinem Streaming-Anbieter zu, obwohl diese bei Joyn läuft. Die Serie „Harrow“ wird zwar auch gefunden, aber nur in der OV-Version bei Amazon, obwohl diese auch bei anderen Streaming-Anbietern läuft und selbst bei Amazon in der deutschen Version. Ich habe es nicht geglaubt, aber es gibt keine Möglichkeit, eine Serie, die die Suche des Chromecast nicht automatisch findet (es wird ohnehin immer nur eine Alternative angezeigt) , manuell den Favoriten hinzuzufügen. Damit aber ist das Alleinstellungsmerkmal des Chromecast nicht erfüllt und es bringt keinen Vorteil gegenüber den Smart-TV-Apps. Zudem ist – mir völlig unerklärlich – die Bildqualität bei Joyn über den Chromecast erheblich schlechter als über die Smart-TV-App. Für mich ist der Chromecast so unausgereift auf die Kundschaft losgelassen. Sehr schade!

  10. Hab das Ding jetzt auch. Soweit ganz gut, aber was grausam ist, ist der Bluetooth-Lag (bei allen Apps; ausprobiert mit Youtube, PrimeVideo und Disney+). In dieser Hinsicht ist sogar mein allererster FireTV deutlich besser. Hat jemand eine Idee, wie man den Zeitversatz in Bild und Ton besser synchronisiert kriegt?
    (Würde gerne per BT-Kopfhörer glotzen können, ohne mein Weibsvolk aufzuwecken.)

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