Es ist schon eine Ecke her, als wir das Google Stars-Lesezeichensystem in ersten Bildern zeigten. Inzwischen hat man den Nutzern über eine Erweiterung sogar die Möglichkeit gegeben, das neue System, den Bookmark Manager, mit einer speziellen Chrome-Erweiterung manuell auszutesten.
Doch Google hat Größeres damit vor und hat bei einigen Nutzern in der Betaversion von Chrome den neuen Lesezeichen-Manager standardmäßig aktiviert. Noch fehlt ein direkter Schalter, um das Ganze optional zu nutzen, doch das wird sicherlich (hoffentlich!) kommen. Zeit für einen genaueren Blick in das System, das auf mich so wirkt, wie Google Inbox.
Man nimmt eine Sache, die funktioniert und wirbelt diese gehörig durcheinander. Der alte Lesezeichen Manager erweist vielen einen guten Dienst, kann aber eigentlich gar nichts, außer Lesezeichen in Ordnern darstellen. Tags, die andere Browser seit gefühlten 100 Jahren beherrschen, waren bislang Fehlanzeige bei Chrome, der neue Lesezeichen-Manager soll es richten – auch ohne Schlagwörter.
Erstellt man neue Lesezeichen, so wird bei Google automatisch ein Textauszug generiert. Diesen kann man natürlich lassen, wie man will – alternativ sucht man sich selber Schlagwörter heraus und gibt diese im Bereich Notiz ein. Durch die neue Visualisierung ist es ebenfalls möglich, ein Bild für das Lesezeichen zu wählen, hierfür stehen per Menü die Bilder zur Auswahl, die auf der zu bookmarkenden Seite angezeigt werden.
Im Screenshot zu sehen: Punkt 1 ist die Auswahl des Bildes, welches das Lesezeichen visualisieren soll. Punkt 2 ist der Bereich, in dem der automatische Textauszug gezeigt wird, diesen kann man allerdings auch für die eigene Verschlagwortung missbrauchen. Punkt 3 ist dann der Bereich, der den Ordner anzeigt, in dem sich das Lesezeichen versteckt, hier ist auch das Erstellen neuer Ordner möglich. In der Verwaltung als solches geht es dann optisch opulent zur Sache.
Optisch hat man die Lesezeichen recht groß in Szene gesetzt, das Bild als solches ist wohl einprägsamer als der Text. Google hat auf der linken Seite eure alte Ordnerstruktur nebst einigen Auto-Ordnern visualisiert. Diese Auto-Ordner sind zumindest in meinem Fall extrem unlogisch, die verwendeten Namen ergeben wenig bis gar keinen Sinn.
Interessant hingegen ist der Ansatz, Lesezeichen-Ordner öffentlich zugänglich zu machen. Das geht bislang nur nach dem Motto: Friss oder stirb. Man kann freigeben, sodass jeder lesen kann, der Zugriff hat, eine gemeinsame Arbeit ist (bislang?) nicht möglich. In den Einstellungen eines jeden freigegebenen Ordners lässt sich das öffentliche Teilen auch wieder deaktivieren.
Dass das Ganze noch nicht final ist, beweist ein Test. So werden in einem freigegebenen Ordner zwei Lesezeichen angezeigt – obwohl mittlerweile nur noch eines in meinem lokalen Ordner freigegeben ist. Links sieht man meine lokalen Bookmarks, rechts den freigegebenen Ordner. Einen Fehler in der zeitlichen Synchronisation kann ich ausschließen, der Löschvorgang ist sofort synchronisiert, das Phantom-Lesezeichen bleibt:
Schnelldurchlauf der Funktionen. Ordner umbenennen, ansehen und löschen funktioniert über die linke Seitenleiste, die drei Punkte offerieren das Menü:
Dies funktioniert nicht nur bei den Ordnern, sondern logischerweise auch bei den Lesezeichen:
Bearbeitet man ein Lesezeichen, so kann man dieses in andere Ordner verschieben, man kann den Namen, aber auch die Notiz ändern, die man als Schlagwort nutzen kann. Funktioniert nicht nur bei einzelnen Lesezeichen, sondern auch im Modus, in dem man mehrere auswählt.
Lesezeichen importieren oder exportieren – befindet sich auf der Übersichtsseite oben rechts.
Wesentlich wichtiger: alten Lesezeichen-Manager aktivieren, wenn das System umgeswitcht wurde, aber von euch nicht erwünscht wird. In der Adressleiste about:flags eingeben, Enter drücken und dort den Punkt „Erweiterte Lesezeichen“ deaktivieren, denn dann ist der alte Lesezeichen-Manager wieder da.
Erste Meinung? Während Google Inbox zwar auch noch Beta ist, hat man beim Mailer mehr nachgedacht und längst überfällige Funktionen wie die Wiedervorlage eingeführt. Ungleich schwerer ist dies bei Bookmarking. Tagging fehlte immer bei Google, ist nun aber irgendwie da – klasse. Dennoch ist ein Lesezeichensystem schwieriger neu zu erfinden, denn sicherlich liegt es nicht so im Fokus der Nutzer, man ist wahrscheinlich eher selten in der Verwaltung. Ich selber habe Ordner in der Lesezeichensymbolleiste, dazu einige Schnellzugriffe und ich behaupte – das langt erst einmal für mich.