Caschys Blog

eero Pro: WLAN-Mesh-System von Amazon ausprobiert

Im Februar 2019 gab es eine interessante Meldung, denn Amazon hatte sich eine weitere Firma einverleibt. Hierbei handelte es sich um eero, einen Hersteller für WLAN-Lösungen. Amazon investierte bekanntlich viel im Bereich Smart Home, nicht nur mit den eigenen Geräten, sondern eben durch Zukäufe wie den Unternehmen Blink, Ring und eben eero. Seit November 2019 sind die eero-Lösungen auch in Deutschland zu haben, allerdings nicht alle. Man startet auf dem deutschen Markt mit eero und eero Pro.

eero verwendet mehrere Access Points, die als System zusammenarbeiten, um ein Zuhause mit einem leistungsstarken Heim-WiFi abzudecken. Kennen andere vielleicht als irgendein anderes Mesh-System, wie es unter anderem auch Linksys, AVM oder Google mit „Google WiFi“ im Angebot haben. eero lässt euer WLAN für Gäste über Alexa aktivieren oder deaktivieren, aber auch das Sperren für einzelne Geräte ist machbar.

Amazon hat mehrere Sets ins Angebot genommen, einmal das klassische Einer-Set – und die 3er-Sets für die größeren Bereiche. Amazon bietet einmal eero Pro und eero an. Die Pro-Version sieht Amazon dabei für besonders schnelle Internet-Anschlüsse bis 1 Gbit/s, während man den normalen eero bis 550 Mbit/s anbietet. Der eero Pro verfügt zudem über Tri-Band 2,4 GHz, 5,2 GHz und 5,8 GHz und deckt als Einzelgerät ca. 20 Quadratmeter mehr Fläche ab (bis 140 der Non-Pro und der Pro eben bis zu 160 Quadratmeter). Günstig ist das Ganze nicht, eero Pro im Dreierpack liegt bei 499 Euro, die Non-Pro-Ausgabe kostet 279 Euro, das geht in Ordnung. eero muss entweder hinter euer Modem oder wie der Google Wifi auch hinter den Router.

Tja, nun also waren die eero in Deutschland verfügbar und ich wollte diese gerne mal ausprobieren. Meine Setups im Laufe der letzten Jahre? AVM-Router nebst AVM-Repeatern und dann die Umstellung auf Google WiFi. Damit war ich immer sehr zufrieden, auch wenn ich die Google-WiFi-Lösung noch hinter einer FRITZ!Box betrieb. Durch die neuen eero Pro bin ich mal dazu gekommen, diese direkt am Modem zu nutzen. Kabelanschluss, 100 MBit/s down, 50 MBit/s up.

Letzten Endes kann man viele Sachen nicht allgemeingültig schreiben, wenn es um das Thema WLAN, Repeater und Ähnliches geht. Da gibt es so viele Faktoren. Wie groß ist die abzudeckende Fläche, welche Störer gibt es, Wandbeschaffenheit, Etagen – all jenes. Wer einen Neubau mit LAN-Anschlüssen hat, der muss unter Umständen weniger bedenken als der, der eben nur WLAN nutzen kann. Ich beispielsweise. Anschluss im Büro, dann müssen unten ein paar Räume abgedeckt werden – und in der ersten Etage will ich auch noch Netz haben – aber unterm Dach könnte anwesende Gäste ja auch mal so ins Netz wollen.

Drei Google WiFi haben sich in der Vergangenheit als besonders praktikabel erwiesen, einmal im Büro, dann einer im Obergeschoss und einer im Wohnzimmer. Der deckte dann auch gleich Wintergarten und den Garten nebst Terrasse ab.

Die eero Pro hauen dabei halt richtig auf den Putz, was die theoretische Abdeckung angeht. 160 Quadratmeter soll man mit einem eero Pro schaffen, satte 560 Quadratmeter mit dem Dreierpack für 499 Euro. Das ist natürlich eine Stange Geld, aber wenn man viel Fläche easy abdecken will, ohne großartig Kabel zu verlegen, dann passt das schon.

Ich habe mir das Dreierpack geordert und habe klein angefangen. Das Anschließen ist recht simpel, wie bei Google WiFi ist alles App-basiert. Ein eero muss an euer Modem oder an ein bestehendes Gateway. Die eero-App benötigt ein Konto, sendet euch einen Code per Mail oder SMS zur Verifizierung. Das Einrichten ist in wenigen Augenblicken erledigt, der Nutzer kann am Ende sein WLAN anlegen und dann theoretisch schon loslegen – oder weitere eero Pro hinzufügen. Ich habe es erst einmal bei einem belassen, um subjektiv meine Bude zu bewerten. Ich habe aus der Google-WiFi-Zeit Erfahrungen, wo ich eben mit einem Puck nicht hinkam  – da kann ich direkt sagen, dass der eero Pro sich von Anfang an besser verhielt.

Das Gerät im Untergeschoss, also meinem Büro, sorgt dafür, dass ich fast im ganzen Haus WLAN habe. 168 Quadratmeter Wohnfläche sind es hier, 160 Quadratmeter sind laut eero bei einem eero Pro drin. Aber: eben nur fast. Fast bedeutet dabei, dass ich zwar noch WLAN auf der Treppe oben zum Gästezimmer habe, nach der Tür geht dann aber nichts mehr.

Da würde also ein zweiter eero Pro auf der ersten Etage eingesetzt werden müssen, wenn ich Gästen im Gästezimmer WLAN bieten will. Aber ansonsten: Top Performance in der ersten Etage, wo Kinderzimmer, Schlafzimmer und Badezimmer sind. Toller Ping, guter Durchsatz und komplettes Ausnutzen der (Internet-)Bandbreite. Wie gesagt, meine Werte wären hier Quatsch, die darf keiner als Referenz nehmen – im Gegensatz zum Google WiFi der ersten Generation liegt der eero Pro aber vorne. Kein Wunder: Das ist in Sachen der Quadratmeter eben so: Der eero deckt mehr ab.

Der eero sowie der eero Pro haben jeweils zwei Ethernet-Ports (Gigabit), sodass ihr da noch etwas anklemmen könnt. In meinem Fall hängt am Haupt-eero noch der Switch, der so kabelgebundenen Geräten Internet spendiert. Gibt ja immer noch Dinger, die wollen das so (Eufy-Bridge, Hue-Bridge, Tradfri-Bridge…). Und wer mehr eero-Geräte im Einsatz hat, kann die LAN-Geräte halt auch da anschließen, kennt man ja auch vom Google WiFi.

So voll des Lobes, keinerlei Kritik? Von wegen. Inwiefern das relevant ist, darf jeder für sich entscheiden.

Netzwerkfrickler werden sicherlich nicht glücklich – wie wahrscheinlich bei Google WiFi auch nicht. Grundsätzlich verfügt die App über die Grundmöglichkeiten. IPs können fest vergeben, Port-Weiterleitungen eingerichtet werden. Dazu gibt es Familien-Profile (somit kann man bestimmte Geräte eben pausieren etc.) und das obligatorische WLAN für Gäste. Was etwas schade ist: Es gibt in Deutschland keine Möglichkeit, Webseiten zu blocken. Das liegt offensichtlich daran, dass man bei eero noch nicht alle Produkte nach Deutschland gebracht hat.

Nicht in Deutschland zu haben: die kleinen eero Beacon, mit denen man das WLAN auch flott an der Steckdose vergrößern kann. Aber hierzulande fehlt auch „Eero Secure“. Hierbei handelt es sich um eine Sicherheits-App, die genau anzeigt, wie Geräte das WLAN nutzen und es gibt eben auch einen Filtermodus. Bei Google WiFi gibt es zwar auch nur die „Friss-oder-stirb“-Filterliste, keine selber definierbare, aber das ist in jedem Fall besser als nichts – zudem eero Secure auch 30 Dollar im Jahr kostet. Das finde ich dann weniger geil, so etwas gehört inkludiert in ein professionell arbeitendes Netzwerk-System. Ansonsten muss man schauen, was bei eero so passiert. Es gibt eine recht überschaubare Community, hier findet man häufige Fragen, auch Vorschläge und Antworten.

Die eero Pro haben, wenn auch die Konfiguration über die App mager ist, bei mir einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Jeder normale Nutzer bekommt hier ein stabiles System, ich selber bin zig Mal durch die Bude marschiert, hatte keine Abbrüche und das Netz war jederzeit sehr stabil. Nutzer sehen alle Zugangspunkte in der App, welche sich auf Wunsch auch meldet, wenn neue Geräte im Netz sind. Diese lassen sich auch für die bessere Verfügbarkeit benennen.

Letzten Endes kann ich spekulieren: Ich komme mit dem eero Pro im Zweiergespann Küche und Büro auf eine hervorragende Abdeckung – mit Ausnahme des Gästezimmers. Sieht man es ähnlich wie ich, dann würde man sicher mit dem normalen eero gut fahren, denn da kostet das 3er-Set lediglich 279 Euro, was ein sehr fairer Preis ist.

Bauchgefühl? Schwer! In diesem Sektor gibt es zahlreiche Lösungen und es kommt immer darauf an, was man möchte. Netgear, Linksys, Google, eero, AVM, UniFi und zahlreiche andere Hersteller buhlen um die Gunst der Kunden. Ich mag es selber, wenn es einfach funktioniert, aber es darf auch nicht ein Mindestmaß an administrativen Möglichkeiten ab Werk fehlen. Und da hat eero noch genug Luft nach oben, eine kostenpflichtige App will ich da nicht gelten lassen. Rein technisch – wenn auch ohne WiFi 6 – top, aber da darf gerne noch was passieren. Ich werde das auf jeden Fall im Auge behalten.

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