eBO: Elektronisches Bürgerpostfach erlaubt digitale Kommunikation mit Behörden und Justiz zum 1. Januar 2022

Zum Jahreswechsel startet das elektronische Bürger- und Organisationenpostfach (kurz: eBO). Jenes ermöglicht den elektronischen Austausch von Dokumenten mit der Justiz. Das kann von Bürgern optional, beispielsweise zur Kommunikation mit dem Rechtsanwalt, Gerichten, Behörden aber auch einem Notar herangezogen werden. Eine aktive Nutzungspflicht sieht man noch nicht vor. Pünktlich zum 1. Januar 2022 ist der Start vorgesehen.

Die Einrichtung des eBO erfolgt wie an dieser Stelle beschrieben. Nach eigenen Angaben stellt das eBO einen sicheren Übermittlungsweg dar, wobei man sowas ja mittlerweile mit Vorsicht genießen sollte – siehe id Wallet. Elektronische Schreiben müssen nicht mehr unterzeichnet werden – eure Unterschrift ist damit bei derartiger Amtspost hinfällig. Die Nachrichten innerhalb des Portals seien Ende-zu-Ende verschlüsselt und es erfolge im Sinne der sicheren Kommunikation eine Überprüfung der Identitäten der Postfachinhaber.

Heißt: Bei der erstmaligen Einrichtung müsst ihr beispielsweise die Online-Ausweisfunktion eures Personalausweises bereithalten. Alternativ ist auch das Software-Zertifikat für ELSTER nutzbar. Ohne elektronisches Identifizierungsmittel bleibt euch ein Gang zur Identifikation beim Notar nicht erspart. Damit ihr über das Postfach auch Nachrichten erhalten könnt, wird euer Name mitsamt Anschrift in einem Adressbuch abgelegt, welches von Justiz, Behörden, Rechtsanwälten, Notaren sowie Steuerberatern eingesehen werden kann.

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Baujahr 1995. Technophiler Schwabe & Studienreferendar. Unterwegs vor allem im Bereich Smart Home und ständig auf der Suche nach neuen Gadgets & Technik-Trends aus Fernost. Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: felix@caschys.blog

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21 Kommentare

  1. De-Mail 2.0 würde ich sagen. Welcher Bürger traut sich denn jetzt an dieses Projekt nach dem Untergang des Vorgängers? Deutschland und die Digitalisierung, eine Neverending Show

  2. Wenn ich mir die Seite https://egvp.justiz.de/buerger_organisationen/index.php angucke fällt mir nichts mehr dazu ein.

    Hallo justitz.de, die 90er haben angerufen und wollen Ihr Webdesign zurück haben.
    Wenn die Aufmachung auf die Funktionalität zurückschließen lässt, dann mal gute Nacht Bürgerpostfach.

    Es wird aber noch besser:

    — Zitat —
    Was brauche ich?

    Für das eBO benötigen Sie eine bestimmte Software. Folgende kostenpflichtige Produkte können genutzt werden:

    Governikus COM Vibilia eBO Edition (https://www.governikus.de/com-vibilia/)
    Mentana Gateway (https://www.mentana-claimsoft.de/egvp-bebpo)
    Procilon eBO mit proDESK Framework 3 (https://www.procilon.de/ebo)

    — Zitatende —

    Hä? Welcher „Bürger“ soll da denn mitmachen? Ich kaufe und installiere mir doch keine Software, um alle paar Jahre einmal mit dem Bürgeramt oder Rathaus zu kommunizieren.

    Also wieder einmal eine typisch deutsche digitale Totgeburt.

  3. „Für das eBO benötigen Sie eine bestimmte Software. Folgende kostenpflichtige Produkte können genutzt werden:…“

    Warum muss man kostenpflichtige Produkte nutzen um rechtssicher mit staatlichen Behörden zu kommunizieren? Sieht ja fast so aus als wolle man den Kreis der Nutzer möglichst klein halten.

    • Ich tippe eher darauf, dass bestimmte Politiker/Beamte da Beteiligungen an diesen Firmen haben könnten oder „gute Bekannte“ zu den Eigentümern zählen könnten. Alleine deshalb schon ein NoGo. So etwas geht eigentlich nur mit OpenSource. Alles andere ist mir von vornherein suspekt. Deutschland ist inzwischen auch zu einem Eldorado für „Amigos“ und Lobbyisten geworden.

  4. 1. Wissen die Justizbehörden davon etwas? Das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) müssen Rechtsanwälte ab 1. Januar 2022 auch verbindlich nutzen, aber viele Gerichte können die Nachrichten zwar empfangen, aber nicht intern in elektronischer Form weiterleiten oder darauf antworten.
    2. Die im Artikel verlinkte Seite ist ja gut gemeint, aber Lust sich das Ganze einzurichten macht sie auch nicht gerade. Allein schon, dass die Links zu den Seiten der Softwarelösungen nicht klickbar sind! Oder will die Justiz vermeiden, für bestimmte Produkte zu werben? Dann hätten die Lösungen nicht einmal genannt werden dürfen.
    3. Die Seiten der Lösungsanbieter sind recht schick gemacht, aber nicht gerade sehr übersichtlich. Das Mentana Gateway scheint ja nur für größere Organisationen interessant zu sein, aber nicht für Privatnutzer. ProTECTr geht wohl an die gleiche Zielgruppe, nur Governikus hat etwas für den einfachen Bürger im Angebot. Aber erst kurz vor dem Download erkennt man, dass nur Windows unterstützt wird, es werden aber weder Systemvoraussetzungen noch die Größe des Downloads genannt (74 MByte, davon alleine >7 MByte PDF-Dokumente). Die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises wird aber anscheinend nicht unterstützt, nur diverse Signaturkarten und dafür erforderliche Kartenleser.

    Fazit und Meinung: Tolle Idee, aber die Umsetzung ist mal wieder maximal aufwendig. Es werden keine Synergien mit anderen Systemen genutzt, es muss alles wieder neu eingerichtet werden. Benutzerfreundlichkeit ist ein Fremdwort, Hauptsache ein paar Leute verdienen einen Haufen Geld damit, aber besser, es nutzt keiner.

  5. Was muss ich dafür tun?
    1. Displaysperre aktivieren
    2. Passwort bestehend aus 12 Zeichen mit Ziffern, Buchstaben, Zeichen
    3. 2x Mit Seitentaste bestätigen
    4. Handstand machen und den postalisch zugestellten Freischaltcode nennen
    5. Video-Ident

    Prost.

  6. Danke das ihr darüber berichtet, in dieser ganzen Corona Berichterstattung gehen solche Starts völlig unter.

  7. Überfällige Idee, gewohnt gruselig umgesetzt. Es ist eine Schande…

  8. Totgeburt in 5, 4, 3, 2022!

  9. Governikus setzt auf Java (JRE), ja denn viel Freude mit vielen den Sicherheitslücken und den monatlichen Updates – welche unter Umständen die Lauffähigkeit des Programms beeinträchtigen können. Im Handbuch von 2021 wird auch die technisch fortschrittliche Verbindungsart „Modem (56k)“ und „ISDN“ genannt – ist man sich hier wirklich sicher? Warum nicht Brieftaube oder Lochkarte. Das Ding wird ein Millionengrab für den Steuerzahler.

  10. Oh Oh war das noch der Scheuer der das ausgeheckt hat? Gerade für „ältere Menschen“ die wegen ihrer kleinen Rente „Grundsicherung“ bekommen und so öfter mal Schriftverkehr haben, ist das ganze doch völlig unbrauchbar, so wie es jetzt ist.

    Selbst ich steh ja vor einem Problem, Mac mini, Iphone, Windows 11 Laptop und Android Tablet. Schön, das man das Postfach dank extra Software nur auf dem Windows Laptop nutzen kann.

    Dann bleib ich lieber bei der Post, hab zwar auch nur ein Briefkasten, aber dafür muss ich nicht extra was bezahlen, ist in der Miete mit drinnen.

  11. Zitat: „Für das eBO benötigen Sie eine bestimmte Software. Folgende kostenpflichtige Produkte können genutzt werden“

    Kostenpflichtig! Wirklich? So überzeugt das nicht wirklich. Und das Design der Seite gibt mir dann den Rest. Nein danke, gesehen, gelacht, vergessen.

  12. Wenn doch wenigstens mal eine Person gelesen hätte, um was es da eigentlich geht.

    Kleiner Hinweis: es geht nicht um die Kommunikation mit beliebigen Ämtern.

    • Ja, das ist in meinem Augen auch ein Problem, wieder einmal eine Insellösung statt Kompatibilität mit anderen Diensten. Für einzelne Bürger ist das keine Option, bestenfalls für größere Unternehmen.

      • Es ist keine Insellösung, sondern die Erweiterung bereits bestehender Systeme.
        beA – besonderes elektronisches Anwaltspostfach
        beN – für Notare
        beBePo – für Behörden
        beSt – für Steuerberater
        Die oben genannten können schon über eine elektronische Infrastruktur elektronischen Rechtsverkehr betreiben. Damit an dieser Kommunikation ohne Medienbruch auch Personen oder Vereine teilnehmen können, in der Regel werden das Leute sein die nicht in die oben genannten Gruppen fallen, aber trotzdem oft Dokumente z.B. in Gerichtsverfahren bearbeiten müssen (Gutachter etc.), hat man das ganze jetzt um das eBO erweitert. Sogar so weit, dass auch „Normalbürger“ daran teilnehmen können (was nur in wenigen Fällen überhaupt sinnvoll ist), um nicht noch weitere Insellösungen zu schaffen. Da hohe Anforderungen an die Authentizität aller Beteiligten bestehen, ist die Anmeldung dazu etwas kompliziert – das hat aber in diesem Fall absolut seine Berechtigung. Mit Personalausweis beantragen oder Wohnort ummelden hat das ganze gar nichts zu tun.

    • Das brauchen die Wuthälse hier nicht, Hauptsache man kann unter sein Pamphlet noch drunterschreiben wie typisch schlecht das wieder in Deutschland läuft. Dass es da hauptsächlich um eine einfachere Kommunikation für Leute, die öfter etwas mit Justizbehörden zu tun haben, also z.B. Berufsbetreuer, Dolmetscher, Gerichtsvollzieher oder Sachverständige geht, interessiert erstmal nicht.
      Das Ding ist nicht dafür gedacht, dass man sein Auto darüber anmeldet, es geht um den Austausch von Dokumenten zwischen Beteiligten in Gerichtsverfahren. Das kann man sich auch als Normalbürger anlegen, aber wozu, man wird es eh nie brauchen? Hätte Felix im Artikel auch gerne etwas besser darstellen können.

  13. Also wenn ich die Governikus-Page richtig verstehe, ist die Bürgerversion (Communicator) kostenlos. https://www.governikus.de/com-vibilia/#toggle-id-3

  14. Mike Fedders says:

    …und das in Zeiten, in denen Gesundheitsämter noch per Fax kommunizieren. Sollten erstmal intern aufräumen.

  15. o.g. Artikel ist es ja nur eine allgemeine Info

    @Mod-Team
    dann macht doch mal einen Test der angebotenen Software/Dienste, wie das handling ist und ob es sich rentiert.
    kostenlos scheint ja bspw.: https://www.protectr.com/preise oder https://www.governikus.de/governikus-communicator-justiz-edition/justiz-edition-download/ zu sein

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