EA liefert mit Dungeon Keeper ein Paradebeispiel, wie man es nicht machen sollte

Viele haben sich gefreut, als am 30. Januar der Spieleklassiker Dungeon Keeper als Mobile Game veröffentlicht wurde. Die Freude hielt allerdings nicht lange an. Auf dem Freemium-Modell basierend wäre es theoretisch möglich, das Spiel kostenlos zu spielen. Erfahrung im Freemium-Bereich hat EA sehr wohl, Real Racing 3 hat meiner Meinung nach eines der besten Freemium-Modelle aller Zeiten. Leider konnte dies bei Dungeon Keeper nicht umgesetzt werden. Für viele Aktionen werden Diamanten fällig, die man teuer kaufen muss. Alternativ kann man natürlich auch warten. Lange warten. Mehr warten, als man mit spielen verbringt. Das gefällt natürlich nicht.

DungeonKeeper_Cash

Während die Bewertungen im Google Play Store 4,4 Sterne (von 5) anzeigen, sieht es in Apples AppStore schon anders aus. Hier werden gerade einmal 2 Sterne (von ebenfalls 5) erreicht. Noch schlechter sieht es aus, wenn man auf den User-Score von Metacritics schaut. 0,3 von 10 möglichen Punkten, bei aktuell 242 Bewertungen. Autsch.

Das Problem ist, das viele Spieler Dungeon Keeper bereits kennen. Da passt ein Spiel, das plötzlich ganz anders ist, einfach nicht rein. Entweder hat dies EA vor lauter Geldgier übersehen, oder einfach einen schlampigen Job gemacht. Eine Sprecherin von EA sagte folgendes:

„We specifically built Dungeon Keeper around typical mobile play patterns – that is, checking in a few minutes here and there throughout the day. This way of playing, we’ve found, allows fans to naturally progress through the game as a free player. We believe we’ve designed an experience wherein players don’t have to spend money if they don’t want to.“

Dungeon Keeper wurde nach typischem mobilen Spielverhalten entwickelt.Und hier liegt vermutlich auch das Problem. Dieses typische mobile Spielverhalten gab es zu Dungeon Keeper (dem Original) noch gar nicht. Das heißt hier wurde ein Spielprinzip so umgewandelt, dass es praktisch nur in die Hose gehen kann. Wie das einem so großen Entwickler passieren kann? Eigentlich gar nicht, wenn man ein bisschen nachdenkt, diesen Schritt hat man aber anscheinend ausgelassen.

Spiele wie dieses sind auch der Grund, warum Freemium generell als negatives Mittel zur Geldscheffelei angesehen wird. Da haben dann auch Games keine Chance, die tatsächlich faire Freemium-Angebote haben. HayDay ist zum Beispiel so ein Titel, auch dort kann man sich mit Diamanten Vorteile erspielen, allerdings in einem ganz anderen Maßstab. Für 9 Euro In-App-Kauf erhält man Diamanten, die einen über einen langen Zeitraum im Spiel weiterhelfen. Und selbst ohne den Kauf, kann man das Spiel wunderbar spielen. Es ist eine Option, kein Muss. Man wird nicht genötigt, etwas zu kaufen, wenn man weiterkommen möchte.

Das Thema Dungeon Keeper dürfte sich für EA so gut wie erledigt haben. Selbst wenn noch etwas an der Spielmechanik verändert wird, die Chance auf einen guten ersten Eindruck hat man eben nur einmal. Schade drum, da hätte man definitiv mehr daraus machen können.

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Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

20 Kommentare

  1. Die Android-Wertungen sind nur so gut, weil man Diamant für eine Gute Bewertung erhält.

  2. EA halt …. hat jemand etwas anderes erwartet? Die haben schon bei genug Spielen ihre Geldgier raushängen lassen.

    (sry für den unnötigen Kommentar, aber das musste einfach sein)

  3. Ich weine dem auch hinterher, hab mich so gefreut und dann nach dem Tutorial direkt deinstalliert nachdem ein so ein Block Stunden zum abbauen brauchen sollte..

    Schade schade.. jetzt such ich vergeblich Steam/Origin Versionen – gibts ja auch nicht 🙁

  4. Real Racing 3 hat eine gute Umsetzung des Freemium-Modells? Habe ich was verpasst? Es dauert da ja wohl EWIG, bis man genug Geld hat, um ordentlich weiter zu kommen. Man startet jedes Mal (!) bei Rennen vom letzten Platz und hat im Verlauf des Spiels gar keine Chance mehr einen Sieg einzufahren. Man braucht aber Siege für den Spielfortschritt. Hinzu kommt die Tatsache, dass man an einigen vorherfahrenden Wagen erst fast nicht vorbei kommt, diese dann aber auf einmal deutlich hinter sich verschwinden lässt. Wartung der Wagen nach jedem Rennen nötig, um überhaupt noch Chancen zu haben. Und die Wartung dauert ja wohl mal ewig, genau wie die Upgrades. Ich habs schon lange gelöscht, nachdem ich es recht intensiv gespielt hatte über die Weihnachtstage.

    Da sollen die doch lieber 6-7 € für so ein Spiel nehmen und dann ist gut.

  5. Sascha Ostermaier says:

    @Shad: Jo, Real Racing 3 hat eine super Freemium-Umsetzung. Hab das als es rauskam, ewig gezockt, ohne einen Cent zu bezahlen. Und ich hatte auch keine Probleme Rennen zu gewinnen oder so. Wer das Game natürlich an einem Tag durchzocken will, hat ein Problem, aber auf Dauer lässt es sich wunderbar spielen. Geduld hilft hier. Dungeon Keeper erfordert allerdings ein ganz anderes Geduldlevel. 😉

  6. Bin diese Woche wegen der Dungeon Keeper-Ankündigung auf „War for the Overworld“ gestoßen: https://wftogame.com Das scheint das quasi-inoffizielle Dungeon Keeper 3 zu sein.

    Über Steam bekommt man bereits Zugang zur Beta-Version. Sieht ganz schick aus. Und die finale Version soll dieses Jahr erscheinen.

  7. „Real Racing 3 hat meiner Meinung nach eines der besten Freemium-Modelle aller Zeiten“ – Wie bitte? Vor den Updates war es ja ganz OK, ich habe gespielt was geht. Aber mit jedem Update ist es schlimmer geworden, bis ich den Mist aufgegeben habe. Dieser Freemium-Rotz ist die Seuche der modernen Gamerei. Ich würde ja nichts sagen, wenn es die Möglichkeit gäbe für einen angemessenen Betrag das gesamte Spiel freizuschalten. Aber bei teilweise mehreren hundert Euro die man braucht um theoretisch das gesamte Spiel freizuschalten ist das doch nur Abzocke von Spielsüchtigen und ahnungslosen Kids. Um noch ein positives Beispiel zu nennen, Simpsons Tapped Out ist passabel spielbar ohne echten Geldeinsatz.

  8. Mal wieder ein Paradebeispiel dafür, dass man um Spiele von EA einen Bogen machen sollte.

  9. Du sprichst mir aus der Seele!Ich war früher totaler Fan und hab hier irgendwo auch noch die Cd rumgeistern. Das Spiel ist auf dem Tablet ein totaler Witz. Zum einen das lange Warten und dann bricht bei mir mit DSL 6000 ständig die Verbindung ab (sehr toll in einem Kampf, wenn man plötzlich nichts machen kann und verliert). Gab aber dank der Abbrüche auch schon positive Momente. Wenn er beim Anklicken der harten Fliesen abbricht, sind die Juwelen schon ausgegraben, wenn er sich wieder verbindet. ?

    Die Grafik ist auf dem Slate 10Hd mehr als mies, die Gänge werden nur weiß/schwarz verpixelt dargestellt, die Räume sieht man mit Glück. Müsste mal schauen, ob es am Tablet liegt…

    Für mich ist das Spiel ansonsten auch ein totaler Flop und gehört zu den Dingen, die die Welt nicht braucht… Allerdings werd ich heute mal mein Pc-Spiel suchen ?

  10. So: Installiert, mit einem Stern bewertet auf Grund der 5-Sterne Manipulation und wieder deinstalliert. Sowas gehört sich einfach nicht.

  11. Wofür genau benötigt man denn zwingend Diamanten?
    Im Text fehlt leider jedes Detail!

  12. Ich finde es eine sehr gute Umsetzung. Es ist ganz klar kein Pay to Win, ich kann auch auf der Arbeit kurz mal eine Minute (weniger als die meisten Raucher) verwenden um meine Gnome neu zu beschäftigen. Ich muss mich nicht stundenlang intensiv beschäftigen, Erfolgserlebnisse gibt es am laufenden Band ohne etwas zahlen zu müssen. Und es hat eine Pseudo-Multispielerfunktion bei der man die Dungeons anderer Spieler angreifen kann.

    Ich finde es eine sehr schönes Spiel, und das obwohl ich mich Fremium und dem mobilegames-Prinzip generell verwehre.

    Die sich hier und in den Stores beschweren sind doch zu 80% Fans der alten Spiele die nicht damit klar kommen, dass es ein Spinoff und nicht das Originalspiel ist. Das Orignialspiel würde auf Tablets nie so gut funktionieren und soziale Komponenten gäbe es auch nicht.

  13. Dieser ganze f2p misst ist zu einer richtigen Seuche geworden der mittlerweile sogar auf Konsole Einzug gehalten hat, wo man 60 euro bezahlt und mit IAP belohnt wird.

  14. EA soll sich mal ins Knie …wann geht dieser Drecksladen mal endlich vor die Hunde.

  15. @Florian

    Das Originalspiel würde sich perfekt für Tablets und Handys eigenen und hatte schon damals eine soziale Komponente genannt Mehrspielermodus.

    Es gibt also – außer Geld scheffeln – keinen Grund diesen Markennamen so sehr durch den Dreck zu ziehen. Und ein Spinoff nennt man nicht wie das Original wenn es außer dem Namen keinerlei Ähnlichkeiten gibt.

  16. Sysadmin Margarethe says:

    Original CD rausgeholt, KeeperFX runtergeladen – bam! 😉

  17. Nun ja, ich denke, für die Nutzer sind bei der Download-Entscheidung die App-Store-Bewertungen viel relevanter als Metacritics. Da wird EA dank dem unverdienten Play-Store-Rating wohl noch etwas Geld scheffeln mit der App. Hoffentlich nicht so viel, dass sie das Konzept als gelungen betrachten werden.

    Vorteil: Man wird am dauerdaddeln gehindert. ^^ Kindersicherung inklusive…

  18. Hab mir das Teil auch mal installiert und war richtig enttäuscht, zum einen wegen der „marktüblichen“ und von EA noch „verfeinerten“ IAPs, zum anderen, wegen dem komplett umgekrempelten Design. Jetzt mal im Ernst: Warum hat EA den Namen Dungeon Keeper mit dem Game wieder aufleben lassen? Doch wohl am warscheinlichsten, um die, ich sag mal alte Garde und Liebhaber der DK-Reihe anzulocken. Wenn allerdings das alte Spielkonzept total kastriert und mit derart aufdringlichen Jetzt-kauf-doch-endlich-Juwelen-Nötigungen vermischt wird, wie es hier der Fall ist, macht das keinen Spass mehr. Die Leute, die Dungeon Keeper einst geliebt haben, beschweren sich meiner Meinung nach zu recht, dass EA mal wieder nur an die Kohle gedacht hat. „It’s good to be bad“, es würde mich nicht wundern, wenn dieser Spruch bei EA an der Tür des CEO hängen würde…