E-Scooter verursachen laut deutschen Versicherern hohe Schäden


E-Scoo­ter ver­ur­sa­chen laut deutschen Versicherern bzw. deren Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) hohe Schäden. Erste Auswertungen haben ergeben, dass die Schadensbilanz ganz ähnlich ausfällt wie bei Mofas und Mopeds.

2020 wurden laut dem Verband mit rund 180.000 versicherten Fahrzeugen 1.150 Unfälle verursacht, bei denen Dritte zu Schaden kamen. Die Kfz-Haftpflichtversicherer zahlten für jeden dieser Unfälle im Schnitt rund 3.850 Euro. Letzten Endes lobt man da die Entscheidung des Gesetzgebers, für E-Scooter eine Versicherungspflicht einzuführen. Sollte aber natürlich niemanden überraschen, dass die Branche das befürwortet, schließlich verdient man am Ende auch daran.

Kritisiert wird, dass E-Scooter immer noch häufig eine Gefahr für Fußgänger darstellen, wenn sie verbotenerweise auf Gehwegen gefahren werden. Auch ich beobachte leider in Kiel, dass dies verhältnismäßig häufig vorkommt – in der Regel aber mit Leihgeräten. Der Versicherungsverband appelliert hier an Ordnungsämter und Polizei, die geltenden Regeln konsequenter durchzusetzen. Dies schließt auch ein, Personen zu stoppen, die zu zweit oder gar zu dritt auf einem einzigen E-Scooter herum juckeln.

Ab dem 1. März 2022 dürfen im Übrigen die insgesamt rund 2,1 Millionen Mofas, Mopeds, E-Scooter und anderen Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen nur noch mit grünen Schildern in Deutschland unterwegs sein. Die blauen Nummernschilder verlieren ihre Gültigkeit. Wer mit alten Kennzeichen weiterfährt, hat keinen Haftpflichtversicherungsschutz mehr, macht sich strafbar und muss die entstehenden Schäden aus eigener Tasche zahlen. Die jeweils gültigen Kennzeichen sind direkt bei den Kraftfahrtversicherern erhältlich.

Diese Fahrzeuge brauchen das Versicherungs-Kennzeichen mit den Maßen 13,0 x 10,1 cm:

  • Kleinkrafträder wie Mofas und Mopeds, die nicht mehr als 50 Kubikzentimeter Hubraum haben und nicht schneller als 45 km/h fahren.
  • Elektrofahrräder mit einer Tretunterstützung bei Geschwindigkeiten über 25 km/h oder einer tretunabhängigen Motorunterstützung über 6 km/h bis max. 45 km/h.
  • Quads und Trikes mit einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h und einem Hubraum von maximal 50 Kubikzentimetern.
  • E-Roller, die über eine Betriebserlaubnis verfügen und maximal 45 km/h schnell sind.
  • Motorisierte Krankenfahrstühle
  • Mofas und Mopeds aus DDR-Produktion mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 60 km/h, die bereits vor dem 01.03.1992 versichert waren.

Diese Fahrzeuge brauchen die Versicherungs-Plakette mit den Maßen 6,7 x 5,5 cm:

  • E-Scooter oder Segways, für die eine Betriebserlaubnis entsprechend der am 15. Juni 2019 in Kraft getretenen Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung erteilt wurde.

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27 Kommentare

  1. Wie in Singapur 1300 Euro Strafe und Gefängnis bei fahren auf dem Gehweg.

  2. Diese Dinger sind absolut idiotisch und sinnlos und gehören abgeschafft und verboten. Zumindest als Leihgeräte, die von Nutzer nicht wieder ins Depot zurück gebracht werden müssen und über abgestellt werden können. Und wer sich privat so ein Ding statt Fahrrad oder Mofa kauft, der soll das selbstverständlich dürfen.
    Aber überall stehen und liegen diese Dinger herum. Leider Teilweise auch durch Vandalismus zerstört oder in Seen, Teiche und Flüsse versenkt. Wirtschaftlich und vorallem ökologisch sinnvoll und nachhaltig ist das sicherlich nicht. Auch dass die Dinger vom Betreiber meist nachts wieder eingesammelt werden müssen.

    • hans dieter says:

      naja das ist halt das problem an der zunehmend verblödeten deutschen gesellschaft, hat aber nichts mit den scootern an sich zu tun.
      schilder werden ja auch mit graffitties zugerotzt, bushaltestellen zerstört oÄ…

      • Thomas Höllriegl says:

        Es verblödet nicht nur die deutsche Gesellschaft. Ich komme aus Österreich und wette, wir stehen euch in nichts nach! 90 % der Autofahrer schaffen hier icht einmal den ersten Zentimeter ohne Verwaltungsübertretung.

  3. Es fehlt Infrrastruktur, d.h. Rad- und Rollerwege.
    Auf der Straße fahren ist Selbstmord und am Gehweg auch zu wenig Platz.
    Da müsste die Politik munter werden und aus dem Autofahrer-Dornröschenschlaf viel schneller aufwachen, aber das wird in Deutschland nie passieren, denn das Auto ist des Deutschen liebstes Kind.

    • Das Problem hast Du zutreffend beschrieben; ich sehe allerdings wirklich keine Notwendigkeit, für diese Fahrzeuge eigene Verkehrswege zu schaffen.

      • Eigene? Schon Mal von diesen mystischen „Fahrrädern“ gehört, auf denen E-Scooter fahren müssen?

      • Thomas Höllriegl says:

        E-Scooter gelten juristisch als Fahrrad. Und wenn man einen Scooter mit Straßenzulassung hat, dann sind ausreichend Möglichkeiten vorhanden. Generell aber, sollten mehr Fahradwege vorhanden sein, aber das ist ein anderes Thema.

  4. Naja, so hoch können die Schäden auch nicht sein, wenn man die Jahresversicherung schon für 17 Euro bekommt. Die Gebühren sind jedenfalls stetig gefallen. Und selbst wenn Scooter hohe Schäden verursachen, wird das am Ende der Versicherung egal sein. Die zahlen ja nicht drauf, sondern richten die Gebühren danach, so dass sie daran auch noch verdienen.

    • Ja, wollte ich auch schreiben. Vollkasko kostet für meinem Scooter nur ein Appel und Ei.

      Btw ich bin teilweise erschrocken wie sich manche Leute über die Dinger aufregen und regelrecht hyperventilieren. Ich wohne in einer Großstadt und ja, manchmal stehen die echt beschissen aufm Gehweg oder sind umgefallen. Aber es wird vollkommen ignoriert wie krass Autos Einfahrten zuparken oder Fußgänger behindern, das wird als Gott gegeben hingenommen. Überspitzt gesagt belegen die Autohalter einen nicht unerheblichen Teil der öffentlichen Fläche und meckern dann über irgendwelche kleinen Furzscooter die man mit einem Handgriff zur Seite stellen kann.

    • Das wollte ich auch schreiben. Die Versicherungssumme ist sogar seit dem ersten Jahr runtergegangen, was nicht unbedingt für die Gefährlichkeit spricht.

  5. Dann verbietet doch den Dreck endlich!! Diese Treter stehen überall herum und nerven nur!!

    • >>Diese Treter stehen überall herum…
      Das ist ja auch genau so gewollt. Ein stationsbasierter Betrieb würde den Verleih eher behindern. Anstatt immer nur zu meckern sollten die Meckerer sich eben damit arrangieren das die Teile irgendwo abgestellt werden.
      >>Auf der Straße fahren ist Selbstmord…
      Womit du vermutlich ganz richtig liegst. Vielleicht auch einer der Gründe, warum die „Oberste Rennleitung“ so selten durchgreift. Aber die Schuld sollte man auf gar keinen Fall den Autofahrern zuweisen. Die 1,5m Abstandsregel ist mancherorts kaum einzuhalten und Spur halten ist für manche Benutzer von e-Scootern ein Fremdwort. Die Straße ist für’s Auto da und alles Andere soll sich doch den Gehweg teilen.

      • >> Anstatt immer nur zu meckern sollten die Meckerer sich eben damit arrangieren das die Teile irgendwo abgestellt werden.
        Genau, ich bin also ein Meckerer weil ich es unlustig finde dass diese Schei**teile bei uns gerne quer auf dem Fahrradweg oder Bürgersteig abgestellt werden? Oder Alternativ auch einfach nur umgekippt sind, was aber auf dasselbe rausläuft.

    • Jo, nervt mich auch, dass überall Autos rumstehen und im Weg sind. Insbesondere auf Fahrradwegen… achso, moment, du meinstest gar nicht Autos? 😉

    • Thomas Höllriegl says:

      Du bist hoffentlich nicht in der Politik oder Gesetzgebung. Wegen ein paar Vollhonks gleich alle bestrafen? *facepalm*

  6. „Erste Auswertungen haben ergeben, dass die Schadensbilanz ganz ähnlich ausfällt wie bei Mofas und Mopeds.“

    Echt jetzt, dafür braucht man eine Auswertung? Ich dachte, ein möglicher Schaden entfällt, sobald der Gott des Zufalls sieht, dass es sich bei dem Zweirad um kein Mofa, sondern ein Scooter handelt. Echt jetzt…

    „Der Versicherungsverband appelliert hier an Ordnungsämter und Polizei, die geltenden Regeln konsequenter durchzusetzen.“

    Das ist falsch. Es muss heißen: „die geltenden Regeln überhaupt durchzusetzen“. Ich habe noch nie einen Scooterfahrer gesehen, der wegen regelwidrigen Verhaltens angehalten wurde. Nicht einmal an Silvester, als mehrere Hundertschaften die Frankfurter Innenstadt abgeriegelt haben. Und im Zentrum an der Hauptwache gibt es wahrscheinlich alle paar Minuten einen offensichtlichen Verstoß mit Rollern.

    • Wir wurden tatsächlich von der Polizei in Frankfurt angehalten, weil wir zu Zweit auf einem Scooter gefahren sind. Einmal Kreuzung Mainzer Landstraße/Platz der Republik und ein anderes Mal in der Europaallee.

      Ich war selbst überrascht, da ich bisher auch noch nie gesehen hatte, dass jemand wegen eines Regelverstoßes angehalten wurde. Beide Male sind wir mit einer Ermahnung davon gekommen, seit dem möchte meine Freundin auch nicht mehr zu Zweit fahren.

  7. Das Ausmaß der Höhe die ausbezahlt wurden ist wirklich beachtlich. Das ist ja ein Vielfaches was er Scooter überhaupt Wert ist. Trotzdem ein sehr gutes Geschäft für die Versicherer. 1150×3850=4427500€, demgegenüber stehen im Schnitt 50€ Pro Anmeldung Mal 180000 = 9000000€, die Hälfte der Beiträge ist also purer Gewinn. Es gibt auch teuerer Anbieter die mehr als 50€ verlangen. Ein wirklich gutes Geschäft für die Versicherer.

    • Die Hälfte der Beiträge ist nicht „purer Gewinn“, denn es müssen noch die Kosten, wie z. B. Verwaltung etc., abgezogen werden. Dennoch eine beachtliche Summe.

  8. Um mit einem Zweirad fahren zu können (können, nicht dürfen) braucht es ein gewisses Maß an Körpergefühl. Je kleiner die Räder und je ungünstiger der Schwerpunkt umso mehr.

    Nur, wo soll dieses noch herkommen, wenn man vor dem Bildschirm aufwächst und kaum gelernt hat, sich zu bewegen?

  9. In diesem Fall sieht man, dass die Menschen selbst mit einem solchen Roller, der geliehen ist, nicht umgehen können, geschweige dafür verantwortlich zu sein. Erschreckende Tatsache, aber leider ist das so.

  10. Bin ich zu doof für die Grafik?
    Bei dem ersten Balken steht mit einer 1 markiert, Fahrzeuge it Versicherungskennzeichen Imagesamt (darunter sogar explizit eScooter genannt). Wie kann dann ein Teilstück davon, sogar mehr aufweisen als alles zusammen?

  11. Diese Roller machen im Jahr sicherlich einige 100.000.000 Fahrten. 1000 Unfälle? Wow!

    Die durchschnittliche Schadenshöhe ist allerdings schon beachtlich.

  12. 1150 Unfälle also. Kurzer Blick in die Statistik: 2,7 Millionen Verkehrsunfälle im Jahr insgesamt. Fast 400.000 Verletzte im Jahr, nicht ganz 3000 Tote. Bei den Toten ist sehr selten mal einer dabei, der von einem Roller oder Radfahrer getötet wird, die meisten sind Opfer von PKW. Woran kann denn das nur liegen? Nächste Statistik: Straftaten im Straßenverkehr. Sind etwas über 200.000 im Jahr, davon alleine 130.000 „Fahren ohne Fahrerlaubnis“… das geht nur mit Fahrzeugen, die eine Fahrerlaubnis benötigen. eScooter und Fahrräder sind da also nicht dabei. Unfallflucht, Drogen am Steuer und sowas ist der Rest. Da sind auch eScooter-Fahrer dabei, wenn sie besoffen erwischt werden.
    Aber am Ende der ganzen Zahlen glaube ich, sollten wir erstmal darüber diskutieren ob die PKW-Nutzung so wie bisher weiter gehen kann! eScooter sind da relativ betrachtet doch überhaupt kein Problem. Und könnte man mit den Dingern auf der Straße fahren ohne von PKW eng überholt, geschnitten und abgedrängt zu werden, wären weniger Leute damit auf Fußwegen unterwegs… das Problem sind wie bei Radfahrern auf Fußwegen in Wahrheit die Autos und die schlechte, autoorientierte Infrastruktur.

  13. Hoffentlich verschwinden diese Teile bald wieder. Ökologisch alles andere als Sinnvoll, dadurch wird auch nicht weniger mit Autos gefahren, dafür gibt es diesen Elektroschrott zusätzlich. Einfach mal öfter zu Fuß gehen oder ein Fahrrad benutzen, aber das ist scheinbar nicht hipp genug und auch viel zu anstrengend.

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