E-Mail made in Germany: Deutsche Telekom zieht „positive Bilanz“

Die Deutsche Telekom nennt erstmals Zahlen zur Initiative „E-Mail made in Germany“, die man im August 2013 gemeinsam mit Web.de und GMX startete. Das sind übrigens die, die ihren Kunden weismachen wollten, dass ihre Browser eventuell gefährdet seien, wenn sie nicht bestimmte Erweiterungen deaktivieren.  Mit “E-Mail made in Germany” setzen die Anbieter einen weiteren “Sicherheitsstandard”, der Nutzern von GMX, T-Online.de und WEB.DE eine automatische Verschlüsselung von Daten auf allen Übertragungswegen ermöglicht und zusichert, dass die Daten nur gemäß deutschem Datenschutz verarbeitet werden.Telekom-Logo-Dach-schraeger-Blickwinkel

Hierbei werden E-Mails vom Rechner zum Provider verschlüsselt übertragen und auch die Kommunikation der Server untereinander soll sicher sein. Über 90 Prozent der 50 Millionen E-Mail made in Germany Nutzer sind mittlerweile verschlüsselt unterwegs. Jetzt soll der Endspurt kommen: Ab dem 31. März stellen die Deutsche Telekom, United Internet mit WEB.DE und GMX sowie Freenet die letzten unverschlüsselten Verbindungen sukzessive ab. Ab 29. April sind alle Übertragungswege komplett verschlüsselt. In allen E-Mail-Programmen des Verbundes wird dann in Form eines grünen Hakens sofort erkennbar sein, ob die ausgewählten Empfänger-Adressen den Sicherheitsstandards des Mailverbundes entsprechen.

Der Weg vom Endgerät zum Mail-Server ist bereits heute für alle Kunden verschlüsselt, die eine Mail-Anwendung der Partner (Webmail oder Smartphone-App) einsetzen, beziehungsweise in ihrem E-Mail-Programm die SSL-Verschlüsselung aktiviert haben, wie man seitens der Deutschen Telekom mitteilt. Für Nutzer, die derzeit noch unverschlüsselte Übertragungswege per E-Mail-Programm auf PC, Laptop, Smartphone oder Tablet nutzen, soll der Übergang so problemlos wie möglich gestaltet werden. Bis zur Abschaltung der unverschlüsselten Verbindungen werden diese Kunden per E-Mail darüber benachrichtigt, dass sie nur „wenige Einstellungen am Computer oder ihrem mobilen Gerät ändern müssen“, um mit ihrem E-Mail-Programm weiterhin Mails empfangen und versenden zu können.

Zu bedenken ist hierbei natürlich, dass ihr eure E-Mails zwar bequem verschicken könnt, euch anscheinend keine weitere Gedanken um die Sicherheit machen müsst – aber dennoch liegen die Mails weiterhin auf den Servern der Anbieter vor, könnten wahrscheinlich so direkt an der Wurzel gelesen werden, wenn es jemand (hier Behörde eurer Wahl denken) darauf abgesehen hätte. Wer es denn ernsthafter verschlüsseln will, der kann auf zahlreiche Sicherheitslösungen zurückgreifen, wie zum Beispiel PGP und Co, ein paar Anleitungen dazu findet ihr hier im Blog. Das ist zwar alles leider nicht sonderlich bequem, aber sicherlich eine Ecke sicherer, als das, was derzeit angeboten wird.

Ein interessantes Video kann sich übrigens jeder anschauen, Linus Neumann hatte im Dezember einen Talk unter dem Namen „Bullshit made in Germany“ abgehalten, eine knappe Stunde dreht es sich rund um DE-Mail, Deutschland-Net, Zertifizierungen und eine deutsche Cloud.

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

9 Kommentare

  1. coriandreas says:

    „Das sind übrigens die, die ihren Kunden weismachen wollten, dass ihre Browser eventuell gefährdet seien, wenn sie nicht bestimmte Erweiterungen deaktivieren.“ Stimmt nicht. Ich habe eine FF Portable Variante, da sind gar keine Erweiterungen drauf und GMX &Co. meckern trotzdem.
    Ich schliesse mich Martin Sonneborn an, der letztens in der Heute-Show treffenderweise die ganze IT-Industrie als Abzockladen enttarnt hat, weil diese das ganz große Geschäft mit der Ahnungslosikeit der Leute machen!

  2. Mit der Angst der Menschen konnte man schon immer gut Geld machen.

  3. Thomas Baumann says:

    GMX und Sicherheit, ja ne, ist klar. Die Firma die für FirstLoad und UseNeXT geworben hat… Da würde ich meine privaten Daten und Mails lieber auf einer x-beliebigen nopaste Seite lagern…

  4. @coriandreas

    Tatsächlich sollte dieser Hinweis nur dann erscheinen, wenn man bestimmte Browser nutzt und bestimmte Erweiterungen installiert sind. Allerdings war man bei der Umsetzung sehr schlampig, was letztlich dazu führte, dass man diesen Hinweis fast immer sah – egal mit welchem Browser (so lange er auf Webkit basiert) oder welchen installierten Erweiterungen.

  5. Darauf kann ich verzichten. Ich hab jetzt meine Mail bei posteo.de und mailbox.org, bevor ich mir jemals wieder so einen scheiß antun muss.
    Ja, die sind jetzt ganz stolz von GMX und Web.de, dass sie Dinge haben, die seit Jahren eine Selbstverständlichkeit sind. Und damit trauen die sich an die Presse. Echt peinlich.
    GMail macht ja auch nicht so peinliche Werbekampagnen, die haben einfach seit Jahren schon sichere Verschlüsselung mit drin.

  6. Also die c’t hat an der „Email Made in Germany“-Initiative zum Thema Sicherheit auch kein gutes Haar gelassen:
    – c’t 2013, Heft 22 „E-Mail im Visier“ (Tracking, HTML-Mails etc….)
    – c’t 2014, Heft 4 „Vertrauenssache“

  7. die telekom zieht „immer“ positive bilanz bei eigenen entscheidungen. das ist eine feste marketingregel die aber gleichzeitig dadurch die glaubwürdigkeit einer seifenblasenstabilität besitzt

  8. Vielen, vielen Dank caschy, dass die „Linus Neumann“ aufgebracht hat. Der Typ hat wirklich Ahnung von was er spricht und er macht es auch so einfach wie möglich (und unterhaltsam) für jeden verständlich!

    +1

  9. Das verlinkte Video ist ja mal echt genial!
    Danke dafür!