Duolingo für Schulen gestartet: spielerisch Sprachen lernen auch im Klassenzimmer

Duolingo, die kostenlose Sprachen-Lernhilfe, hatten wir schon ein paar Mal im Blog. Das Konzept ist großartig und scheint auch zu funktionieren. Duolingo ist mittlerweile für die drei „großen“ mobilen Betriebssysteme Android, iOS und Windows Phone verfügbar, kann aber auch über den Browser genutzt werden. Jetzt geht Duolingo den nächsten Schritt und versucht sich im Klassenzimmer. Duolingo für Schulen kann ergänzend zum Unterricht von Lehrern eingesetzt werden. Die Motivation für die Schüler kommt sowohl von Duolingo durch den Gamification-Ansatz, kann aber auch von den Lehrern ausgehen, indem sie Schüler für die Nutzung von Duolingo belohnen.

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Die Plattform, die auch in der normalen Version kostenlos und werbefrei ist, wird natürlich auch für Schulen nichts kosten. Schüler und Lehrer werden auch nicht mit Werbung belästigt. Lehrern steht ein Dashboard zur Verfügung, mit dem sie einen Überblick über die Aktivität der Schüler bei Duolingo erhalten. Hier wird angezeigt, welchen Kurs, welche Lektionen und welchen Fähigkeitsbereich der Schüler über Duolingo absolviert. Außerdem werden die Erfahrungspunkte angezeigt.

Um es Lehrern noch einfacher zu machen, werden von Duolingo Lehrpläne zur Verfügung gestellt. Auch können von Lehrern Hausaufgaben aufgegeben werden, zum Beispiel um einen bestimmten Lernabschnitt zu vertiefen. Die Anmeldung ist ebenso einfach, wie die Nutzung. Schüler werden Einladungs-Link vom Lehrer hinzugefügt. Die Schüler müssen dann den Zugriff auf die Daten erlauben, bevor der Lehrer etwas sehen kann. Ist dies geschehen, sieht der Lehrer die Duolingo-Aktivitäten der Schüler. Es können auch mehrere Klassen verwaltet werden, man kann die Schüler direkt bei der Erstellung des Einladungs-Links einer Gruppe zuweisen.

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Schüler profitieren zudem davon, dass Duolingo jeden Nutzer individuell behandelt. So haben Schüler die Möglichkeit, ihrem Leistungsniveau entsprechend zu lernen und werden nicht von Schwächeren ausgebremst oder von Stärkeren abgehängt. Da bei einem Einsatz in der Klasse automatisch ein Konkurrenzkampf unter den Schülern entsteht, was wiederum am Duolingo-Prinzip liegt, ist es doch recht wahrscheinlich, dass auf diesem Weg automatisch mehr gelernt wird.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Duolingo mit Duolingo für Schulen einen Volltreffer landet. Man kann den Unterricht außerhalb der Schule modern erweitern, Lehrern wird es extrem einfach gemacht und man ist nicht gezwungen, das Ganze auch direkt im Unterricht zu nutzen. Als Ergänzung zum normalen Unterricht spricht jedoch nichts dagegen, zumindest kann ich gerade keine Nachteile erkennen. Falls Ihr welche seht, gerne in die Kommentare damit (so wie jede andere Meinung zu dem Thema auch, finde ich sehr spannend).

Anmelden kann sich bei Duolingo für Schulen jeder, wer es also selbst ausprobieren möchte, kann dies an dieser Stelle tun. Wer vorher noch die Informationen von Duolingo selbst zu Duolingo für Schulen lesen möchte, klickt sich hier entlang.

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Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

11 Kommentare

  1. Ein wirklich toller Ansatz von Duolingo, erfolgreiche Lernansätze auch auf Schulen zu übertragen! Hier wird der Hinkefuß wieder eher bei den Schulen bzw. Lehrern zu suchen sein, die nicht willens sind, solche Ansätze in die tägliche Praxis zu übernehmen.
    Aber ein erster Schritt ist getan! ich zumindest von Duolingo ganz privat schon mal sehr überzeugt und glaube auch, dass der Ansatz für Schüler perfekt wäre.
    Warten wir es ab. Es kann nur besser werden 😉

  2. „Der Hinkefuß bei den Lehrern“…
    Auch wenn es in der Erinnerung an die eigene Schulzeit nicht so scheint: Zum Unterrichten gehört mehr, als sich vorne hinzustellen und ein paar Vokabeln abzufragen.

    Ich finde Duolingo toll, nutze es selbst – aber in der Schule wird es sich kaum durchsetzen. Man darf auch nicht vergessen, dass das nur eine Methode und kein Unterrichtsinhalt ist. Es geht auch um Textverständnis und Hörbeispiele (verknüpft mit dem Schulbuch) und Projekte, Referate und Aufsätze und und und.
    Dabei wird hier eine Methode als Heilsbringer bejubelt. Ersetze „Duolingo“ durch „Projektschule“ oder „Gruppenpuzzle“ oder „Klippern“ oder „iPad-Klasse“ oder oder oder und man findet immer das selbe.
    Sogar, dass irgendwer über die Lehrer schimpft, weil sie die tolle neue Methode nicht sofort umsetzen. Dabei wird vergessen, dass Lernen am Smartphone/Computer nicht das gleiche ist, wie Vokabellernen auf Karteikarten. Es wird auch vergessen, dass viele Schulen nicht über PC-Räume und nicht jeder Schüler über ein Smartphone verfügt.
    Aber Hauptsache die Lehrer sind „nicht willens“… :-/

  3. Sascha Ostermaier says:

    @jmklinge: Die technische Ausstattung an Schulen oder im Elternhaus als Hindernis anzuführen ist doch quatsch, vor allem in genau diesem Fall. Die Schulen erwarten heutzutage, dass Schüler zu Hause mit PC und Drucker ausgestattet sind, es gibt entsprechende Hausaufgaben (Internetrecherche, Bilder ausdrucken), die für alle Pflicht sind. Folglich ist die Voraussetzung für die Nutzung von Duolingo gegeben. Wie ich auch in meinem Text geschrieben habe, wird es den Lehrern sehr einfach gemacht. Kein Mensch verlangt, dass der Unterricht auf Duolingo abgestimmt wird. Ergänzung und Belohnung heißt das Zauberwort. Und genau an dieser Stelle wird es leider an den Lehrern hängen. Nicht an der Schule. Und auch nicht an den Eltern. Und ebenso wenig an den Schülern, die werden nämlich gar nicht gefragt. 😉

    Ich denke nicht, dass man den Duolingo-Ansatz mit „iPad im Klassenzimmer“ vergleichen kann, da der logistische und finanzielle Aufwand schlichtweg nicht vorhanden ist. Das Einzige, was hier gefragt ist, ist die Initiative der Lehrer und Schüler, der Rest ist sowieso vorhanden.

  4. @Sascha Ostermaier:
    Wie sähe denn eine konkrete Einbindung in den Unterricht aus? Welchen zusätzlichen (!) Nutzen hätte ich, der den Aufwand (Einführung in die Arbeit, regelmäßige und sinnvolle Einbindung in den Unterricht, Kontrolle des Lernfortschritts, etc.) rechtfertigt?
    Was mache ich, wenn ein paar Kinder einfach „keinen Bock“ haben, mitzumachen, weil sie auf die Belohnung nicht abfahren?
    Wenn der Unterricht nämlich nicht auf Duolingo abgestimmt wird, dann ist es einfach nur eine weitere Möglichkeit, Vokabeln zu lernen. Das kann man toll finden oder nicht. Aber „freiwillig“ hat kein Pubertierender Lust, das zu tun. Erst recht keine ganze Klasse.
    Wenn ich es den Schülern aber aufdrücke, dann muss es mit dem Unterricht verzahnt sein und auch regelmäßig abgeprüft werden, sonst ist es quatsch.

    Abgesehen davon: Eine Sprache lernt man nicht am Computer, sondern mit der Hand – indem man Vokabeln schreibt, schreibt, schreibt. Und nicht nebenher Facebook, Whatsapp und den Lieblingsblog offen hat. Das können Jugendliche noch schlechter als Erwachsene.
    In Bezug auf die iPad-Klasse geht’s mir nicht um den finanziellen Aufwand, sondern darum, dass wieder jemand eine tolle Idee hat und davon ausgeht, alle Lehrer und Schüler fänden das genauso knorke. Das gibt es alle paar Wochen wieder und bspw. erhalte ich allwöchentlich Email, ob ich auf meinem Blog nicht dieses oder jenes Portal vorstellen wolle, mit dem Lehrer und Schüler zukünftig ganz toll dieses und jenes lernen könnten. Wenn das so easy wäre, würden die zahlreichen kostenlosen Youtube-Videos für tolle Physiknoten sorgen, weil dort jedes Thema wirklich cool erklärt wird. Ist aber nicht.

    Ich werde mal mich nächste Woche mal mit ein, zwei Englischkollegen darüber unterhalten und dann einen ausführlicheren Blogeintrag schreiben.

  5. Sascha Ostermaier says:

    @jmklinge: Was macht man denn als Lehrer, wenn ein paar Kinder einfach „keinen Bock“ haben aus einem Buch zu lernen? Stellt doch auch kein Problem dar, oder? Ich behaupte einfach mal ganz forsch, dass ich Kinder mit „digitalem Spielzeug“ besser locken kann als mit einem Vokabelheft. Und nein, das muss nicht zwangsläufig im Unterricht verzahnt sein, das ist ja das Gute daran. Die Mittel dafür sind bereits überall vorhanden, es müssen weder Anschaffungen getätigt werden, noch das Konzept „Unterricht“ auf den Kopf gestellt werden, wie es allzu oft bei solchen Ideen der Fall ist. Das heißt nicht, dass durch den Einsatz von Duolingo nun alle Kids zu Sprachgenies (analog zu Deinem Physik-Video-Beispiel) werden, aber es ist sowohl für Schüler, als auch für Lehrer wohl einer der einfachsten Schritte, um die Neuzeit in der Schule ankommen zu lassen. Funktioniert natürlich nur, wenn die Lehrer mitspielen. Was man nicht aus dem Blick verlieren sollte: Duolingo ist keine neue Lernplattform speziell für Schulen, sondern eine Lernplattform, die sich erst für Schulen öffnete, als sie erfolgreich war. Ganz ohne Belohnungen. Das heißt, die Plattform wird bereits genutzt, muss nicht erst erlernt oder schmackhaft gemacht werden.

  6. Aber das ist ja der Punkt: Es ist schon mühevoll, die Vokabeln zur Unit lernen zu lassen – wenn ein Lehrer jetzt noch zusätzlich den Lernfortschritt von Duolingo überprüfen müsste, ist das erst einmal mehr Arbeit.
    Und klar kann man Kinder mit „digitalem Spielzeug“ eher locken. Aber nicht dauerhaft. Ich bin ja (Mathematik-)Lehrer und kenne Schüler von Laptopklassen und die sind ausnahmslos nicht so begeistert davon. Gerade im Bereich Mathematik kann man z.B. mit Geogebra oder der App „König der Mathematik“ etc. ganz wunderbar arbeiten – aber immer nur punktuell. Die Motivation hält zwei Wochen.
    Was heißt denn „Schule in der Neuzeit ankommen zu lassen“ konkret? Müssen jetzt alle die gleichen Vokabeln lernen? Wieviel Zeit wende ich auf, um den Lernfortschritt zu überprüfen? Was mache ich, wenn Schüler mit „kein Internet“, „kein Computer“ etc. argumentieren? Wie sinnvoll ist es, die Englischstunden mit Vokabelüben bei Duolingo zu verbringen, statt miteinander Englisch zu sprechen, Texte zu lesen und zu schreiben?

    Ähnliches behauptete man vor kurzem von den Elektronischen Whiteboards: Cool, schick, man kann alles mögliche damit machen, endlich „Schule im 21. Jahrhundert“. Aber letztlich sind die nur für reinen Frontalunterricht geeignet: Irgendwer steht vorne und zeigt bunte Bilder. Sie ist nichts anderes als ein einzelnes Werkzeug, das punktuell eingesetzt werden kann. Kosten und Nutzen muss man abwägen.

    Es ist aber natürlich leichter, zu sagen, die Lehrer (am besten „alle“, denn diese Lernplattformen haben sich ja nirgendwo durchgesetzt) seien unmotiviert und altmodisch. Aber wie genau so etwas eingebunden werden soll, weiß niemand.
    (Nochmals: Cool von Duolingo. Ich mag Duolingo. Aber in der Schule wird sich das nicht durchsetzen.)

  7. Duolingo verdient doch durch das Knowledge der User für Firmenkunden oder?!?

    PS: Ich fände mal eine Neuland Spezial Folge zum Thema Bildung & Schulen mit einem Gast aus der Politik interessant… Gern auch mal den Sascha Osterm. dabei wenn er sich hier so einbringt

  8. Ich stimme jmklinge zu! Auch an meiner Schule hat lange nicht jeder Schüler einen PC, geschweige denn einen Internetzugang. Und wenn nur ein Kind keinen Zugriff hat, funktioniert das System nicht. Außerdem darf ich ja nicht mal per Email, Whatsapp oder Facebook Kontakt mit Ihnen aufnehmen. Das ist uns Lehrern schlicht und einfach nicht erlaubt.

  9. Sascha Ostermaier says:

    @jmklinge: Sorry, hier steige ich aus. Ich kann Deinen Vergleich mit anderen Systemen in diesem Fall nicht nachvollziehen. Man kann halt genauso alles schlecht reden, wie man alles hypen kann. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, das Lehrer wie Du einen erheblichen Anteil daran tragen, dass das deutsche Schulsystem so beschissen ist, wie es eben heute ist. („Die Motivation hält zwei Wochen.“ Ja mein Gott, dann motivier Deine Schüler doch länger als zwei Wochen, dafür bist Du doch Lehrer geworden!)

    @seankoellewood: jau.

    @tim0e: Wie ist das an Eurer Schule mit Hausaufgaben, Referaten, etc. gelöst? Meine Tochter geht jetzt in die 7. Klasse und da wird das von jedem Schüler vorausgesetzt. Nicht, dass die Kids das auch einmal erklärt bekommen hätten, die Nutzung eines PCs, der selbstverständlich zu Hause verfügbar sein muss, die Nutzung des Internets und das Ausdrucken von Dokumenten sind hier die Regel, nicht die Ausnahme. Was machen bei Euch die Schüler, die keinen PC / Zugang zum Internet haben?

  10. @Sascha
    In den unteren Klassenstufen gibt es kaum HA. Wenn im Internet recherchiert werden soll, geht die gesamte Klasse in einen unserer PC-Räume. Wie dann dort gearbeitet werden soll, wird durch zweierlei gesichert: Erstens gibt es in Klasse 5 ein Fach, in dem es ausschließlich um den Umgang mit Textverarbeitung und Recherche geht und zweitens haben wir ein schulinternes Methodencurriculum, in dem festgelegt ist, wann und in welchem Fach welche Methode zu lehren bzw. zu wiederholen ist.
    In der Oberstufe sieht es natürlich anders aus.
    Aber wie gesagt, sehe ich die Probleme woanders. Als dritten Punkt könnte ich noch die Medienkompetenz der Kollegen anführen. Es ist noch lange (!) nicht so, dass da jeder mit einem Computer, Beamer, Smartphone (hallo Nokia 33xx) oder Smartboard umgehen könnte.

    Was deinen Kommentar zu jmklinge angeht, würde ich nicht gleich so einen barschen Ton anschlagen. Du kennst ihn nicht und weißt nicht, wie er arbeitet. Deinem Zahnarzt sagst du ja auch nicht, wie er zu neuen Behandlungsmethoden zu stehen hat oder wie er dich behandeln soll. Er ist der studierte Experte.