Es war zu erwarten. Heute war Stichtag zur Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und bereits vorab wurde gespannt erwartet welchen der Großen es wohl als erstes erwischen wird – mit einem Vorgehen gegen die Datenverarbeitung durch Unternehmen. Max Schrems ist offenbar nicht so gut auf Facebook zu sprechen, schon 2011 stänkerte er gegen das Social Network, 2014 kam es dann zu einer Klage.
Aber in diesem Fall sind es nicht nur Facebook sowie WhatsApp und Instagram (beide zu Facebook gehörend), sondern auch Google soll gegen die Verordnung verstoßen. Wie The Irish Times berichtet, wurden drei Beschwerden bei den Datenschutzbehörden in Österreich, Belgien und Deutschland gegen Facebook eingereicht. Die Beschwerde gegen Google landete bei der französischen Datenschutzbehörde.
Insgesamt geht es um 7,6 Milliarden Euro, allerdings dürfte das eher nebensächlich sein. Denn es geht vor allem um die Daten der Nutzer. Schrems ist der Ansicht, dass Facebook dem Nutzer nicht genügend Wahl gelassen hat. Entweder löscht er seinen Account oder er akzeptiert die Nutzungsbedingungen. Mit der Akzeptanz der Nutzungsbedingungen stimmt der Nutzer aber auch der Verarbeitung von Daten zu, die nach Meinung von Schrems nicht für den Betrieb des Dienstes nötig sind, sondern nur für Werbeprofile genutzt werden, damit das Unternehmen Gewinne macht.
Gleiches gilt für Google. Wobei es Schrems offenbar auch nicht so richtig um den Nutzer geht. Denn vielmehr ist seine NOYB-Gruppe (None of your Business) offenbar ein Ehrenmann für kleinere Anbieter. Sie möchte verhindern, dass große Anbieter sich quasi einen Datenvorteil verschaffen, indem sie mehr abgreifen als eben für den Betrieb nötig ist.
Im Fall Google geht es übrigens um Android. Es kann ja nicht angehen, dass ein Nutzer, sobald er ein Android-Smartphone einschaltet, in Googles Ökosystem gezwungen wird. Man könne ein Android-Smartphone nicht nutzen, ohne seine Zustimmung zu geben. Diese Dinge werden nun von den Behörden untersucht und man wird irgendwann mal wieder davon hören.
Und hier ein Cut und ein paar Worte zu dieser ganzen DSGVO-Geschichte, die uns allen seit Wochen auf den Zeiger geht. Euch vermutlich auch und sei es nur, weil Eure Mail-Postfächer übergequollen sind.
Ja, es ist schlimm, wie mit Nutzerdaten in manchen Fällen umgegangen wird. Allerdings können auch nur solche Daten verwendet werden, die man verursacht. Google und Facebook sind beides keine Wohltätigkeitsvereine. Es sind Unternehmen, die Dienste bieten, die von Milliarden Menschen offenbar gerne genutzt werden. Aber keiner ist gezwungen, die Dienste zu nutzen.
Das, was manche heute gerne als Nutzungszwang interpretieren, ist ein typisches „fear of missing out.“ Man muss WhatsApp nutzen, sonst wäre man ja nicht erreichbar. Schreib doch einen Brief, dauert länger, aber funktioniert. Urlaubsfoto? Schick doch eine Postkarte. Aber verschlüssele bitte den Text und die Adresse, nicht dass Facebook heimlich nachsieht.
Kein Mensch ist gezwungen, irgendetwas im Internet zu nutzen. Warum der Nutzer dann aber dem profitorientierten Unternehmen, von dem er eine Leistung im Austausch gegen Datenerhebung erhält, seine Vorgehensweise vorschreiben zu wollen? Ich verstehe oft nicht, wie man sich als Einzelperson oder auch Gruppe sich einfach das Recht herausnehmen kann, so zu agieren.
Und ich finde es stark, was die L.A. Times gemacht hat. Die hat europäische Nutzer nämlich einfach ausgesperrt. Dicker Mittelfinger gegen Dinge wie die DSGVO und gegen Typen wie Max Schrems. Wenn das so weiter geht, wird es nicht ewig dauern und aus dem Internet werden Splitternetze. Nichts, worauf ich persönlich Bock hätte, ich würde Webseiten auch gerne weiterhin ohne VPN ansurfen können – was ja heute schon nicht immer so einfach ist. Falls sie denn überhaupt noch verfügbar sind und nicht in einer panischen Kurzschlussreaktion gelöscht wurden.
Was haltet Ihr von so harscher Regulierung, dass Seitenbetreiber bestimmte Nutzer aussperren? Oder passt das schon so und die haben gefälligst das zu machen, was der Nutzer (oder die EU) möchte?