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Dreame V11: Akkubetriebener, beutelloser Staubsauger im Test

Staubsauger aus China gibt es wie Sand am Meer. Allerdings bleiben viele Modelle dem Importhandel vorbehalten. In Deutschland erschien erst kürzlich der Anker eufy HomeVac S11 Infinity, den Felix auch ausführlich getestet hat. Der Dreame V11 schlägt in eine ganz ähnliche Kerbe, will aber mit etwas anderen Vorzügen punkten. So erhöht der Hersteller die Saugleistung und gibt auch eine deutlich höhere Laufzeit an.

Vielleicht fragt ihr euch aber zunächst: „Dreame? Was für ein Hersteller ist das nun schon wieder?“ Nun, Dreame ist eng mit Xiaomi verbandelt und im Ökosystem des Unternehmens unterwegs. Soll auch schon für Xiaomi Geräte gefertigt haben. Deswegen werden die Unternehmen bei vielen Händlern dann auch in einen Topf geworfen, auch wenn Dreame an sich ein unabhängiges Unternehmen ist.

Technische Daten des Dreame V11

Steckt denn ein bisschen Xiaomi-DNS im Dreame V11 (hier die offizielle Produktseite)? Das versuche ich im Test herauszufinden – also ob dieser kabel- und beutellose Staubsauger in der Praxis etwas taugt.

Ausstattung und Verarbeitung

Der Dreame V11 erinnert im Aufbau weniger an den eufy HomeVac Infinity S11, sondern mehr an viele andere China-Staubsauger wie beispielsweise diverse Modelle von Jimmy oder einige Modelle der Reihe Rodmi. Das Design wirkt im direkten Vergleich mit dem Vorgängermodell, dem V10, nun in dem stilvolleren Silbergrau deutlich eleganter.

Trotzdem stört mich, dass der Staubbehälter sich nicht geschlossen entnehmen lässt. Das ist etwa beim erwähnten Anker-Modell für die Entleerung sehr praktisch. Stattdessen wird er beim Dreame V11 nach unten geöffnet und der Schmutz fällt dann eben heraus. Trotzdem lässt sich die Einheit für den Behälter auseinander nehmen und auf diese Weise einzeln reinigen. Dafür muss man die Filter und Co. nach oben herausziehen.

Auch der Akku ist fest verbaut, was weder umweltfreundlich noch praktisch ist. Der Ladeanschluss sitzt auch nicht am Akku, sondern an der Rückseite der Saugeinheit. Dort findet sich dann übrigens auch ein kleiner, farbiger OLED-Bildschirm. Die Anzeige ist auch auf Deutsch möglich und informiert über den gewählten Saugmodus, die verbleibende Akkulaufzeit oder Hinweise zur Wartung – etwa wenn der Behälter geleert werden sollte.

Ob ein Display bei einem Staubsauger notwendig ist? Ich sähe das Geld lieber in andere Komponenten investiert, aber praktisch ist es natürlich durchaus. Lasst euch übrigens nicht von der Optik des Dreame V11 auf den Fotos oder dem Marketingmaterial täuschen: Das Gehäuse wirkt auf Bildern stellenweise wie aus Metall, es handelt sich aber um stinknormales Hochglanz-Plastik. Die Verarbeitung passt aber.

Im Lieferumfang findet man neben dem Staubsauger an sich Folgendes: 2-in-1-Bürste, elektrische Milben-Entfernungs-Bürste, flache 2-in-1-Bürste, Walze mit weicher Rolle, Charging-Dock, Verlängerungsrohr und auch einen Verlängerungsschlauch. Die Ladestation ist dabei etwas klapprig und nur sinnvoll, wenn ihr den Dreame V11 an der Wand befestigen möchtet.

Praxistest

Dreame ist lernfähig: Musste man bei Vorgängermodellen (oder auch dem bereits erwähnten eufy HomeVac S11) während des Saugvorgangs den Power-Button stets gedrückt halten, so gibt es beim V11 einen Sperrmechanismus. Dann bleibt der Staubsauger also so lange aktiv, bis ihr die Sperre wieder herausnehmt. Wer lieber den Abzug gedrückt halten möchte, hat ebenfalls diese Option – so sind also beide Seiten zufrieden. Die Saugstärke lässt sich über einen Button unter dem OLED-Bildschirm verstellen, der übrigens keine Touchscreen-Funktion mitbringt.

Dreame vermarktet den V11 mit seinem Space 4.0 High-Speed-Motor. Laut Datenblatt erreiche man eine Leistung von 150 AW bzw. 25.000 pa. Mit 125.000 RPM soll der Motor arbeiten, was alles recht beeindruckend klingt. Damit lässt man beispielsweise auch den eufy HomeVac S11 mit 120 AW und 22.000 pa hinter sich. Aber Zahlen auf dem Papier sind die eine Sache – die Saugleistung in der Praxis eine andere. Ich vergleiche dabei mal mit dem Jimmy JV51 (115 AW), den ich lange genutzt habe. Aber auch den eufy HomeVac S11 habe ich schon in Aktion erlebt.

Saugt der Dreame V11 besser? Bemerkt man im Alltag eine höhere Saugleistung? Nun, es mag schon sein, dass der Dreame V11 den ein oder anderen Krümel doch etwa flotter vom Boden stibitzt, insbesondere natürlich im Turbo-Modus. Zumal man eben mit den unterschiedlichen Aufsätzen für Sofa, Spinnweben an der Raumdecke oder Laminat und Holzfußboden bestens gerüstet ist. Wie auch bei anderen Handstaubsaugern, so ist auch der Dreame V11 allerdings nicht so sehr für Teppichböden, insbesondere Langflor, prädestiniert. Wer Teppiche absaugt, wird definitiv in die höchste Stufe schalten müssen, erreicht aber immer noch gute Ergebnisse.

Ich habe mit dem Dreame V11 auch nach dem Frühstück mal den Tisch von Krümeln befreit, natürlich mit feuchtem Nachwischen und da merkte man eben schon, dass weniger Durchgänge notwendig sind, als mit schwächeren Modellen wie meinem alten Jimmy. Gut gefunden hätte ich, wenn man die weiche Stoffwalze, die sich immerhin auch gut für größere Möbeloberflächen eignet, gegen eine Drehbürste tauschen könnte – wie eben beim eufy HomeVac S11 Infinity. Da wickeln sich dann zwar gerne Haare drumherum, für harten Boden ist so eine Bürste aber besser geeignet.

Lustigerweise konkurriert der Dreame V11 nicht nur in den Spezifikationen, sondern auch im Namen quasi direkt mit dem Dyson V11, der allerdings 185 AW erreicht. Wobei preislich der eufy HomeVac S11 natürlich näher dran liegt. Ich selbst tue mich nun schwer damit, welchen Sauger ich hier eher empfehlen würde: Denn der eufy HomeVac S11 Infinity kostet über 60 Euro weniger als der Dreame V11 und bringt dennoch einen zweiten Akku mit, hat den praktischeren Staubbehälter und zudem eine LED-Beleuchtung an der Walze. Der Dreame V11 liefert dafür die stärkere Saugleistung und ein OLED-Display.

Ich denke, hier kommt es etwas auf das Einsatzgebiet an: Der Dreame V11 kann bei Teppichen nach meinem Eindruck bessere Ergebnisse erzielen und eignet sich wegen der höheren Leistung auch besser für Besitzer von Haustieren bzw. die damit verbundenen Tierhaare. Der eufy HomeVac S11 Infinity ist sonst wegen des zweiten Akkus und dem besseren Design für mich persönlich der Sieger.

Bei der Akkulaufzeit wiederum sind die 90 Minuten übrigens auf den schwächsten Saugmodus bezogen, das macht Dreame also recht geschickt. Im mittleren Modus dürft ihr mit ca. 70 Minuten rechnen und wer volle Kanne in den Turbo geht, nun, jener Hoschi wird dann etwa 10 Minuten hinkommen. Zwar nicht granatenstark, aber das liegt durchaus über dem Schnitt.

Fazit

Der Dreame V11 ist ein beutel- und kabelloser Handstaubsauger, der gut verarbeitet ist und sich in der Ausstattung nur kleine Schwächen leistet. Etwa hätte ich mir einen austauschbaren Akku gewünscht und einen komplett abnehmbaren Staubbehälter präferiert. Dafür ist super, dass man im Betrieb nicht permanent den Power-Button drücken muss, weil man eine optionale Sperre aktivieren kann. Der OLED-Screen wiederum sieht natürlich nett aus, stattdessen hätte ich für die große Walze aber lieber eine zweite, austauschbare Bürstenrolle genommen.

Die Saugergebnisse des Dreame V11 sind gut – durchaus eine Ecke besser als beim eufy HomeVac S11 Infinity – speziell bei Teppichböden. Dafür ist der Lieferumfang bei Ankers Modell aber umfangreicher und auch das Design des Saugers, bis auf die fehlende Arretierung des Powerbuttons, gelungener.

Bleiben wir also in dieser Preisklasse, der Dreame V11 kostet ca. 369 Euro, während der eufy HomeVac S11 Infinity bei 299 Euro steht, dann kommt es eben drauf an, welche Punkte für euch schwerer wiegen. Einen guten, beutellosen Handstaubsauger bekommt ihr in beiden Fällen. In Europa bzw. Deutschland ist der Dreame V11 laut Hersteller ab dem 8. Juli 2020 zu haben.

Kleiner Hinweis zum Schluss: Bei AliExpress soll es den Deame V11 ab dem 9. Juli um 9 Uhr bis zum 10. Juli um 9 Uhr für 293,99 US-Dollar mit einem elektrischen Mopp geben. Solltet ihr aber abwägen, ob sich das lohnt, da ihr dann natürlich auf die Garantie verzichtet.

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