Diesen Plan hat Google im Kampf gegen den Terror

Terror ist eine aktuelle Bedrohung, die präsenter denn je ist. Auch das Internet trägt seinen Teil dazu bei, lassen sich so doch jede Menge Leute sehr unkompliziert erreichen. Perfekt für Propaganda jeglicher Art – perfekt, um geistig verwirrte Personen anzuwerben. Nun haben alle Plattformen, auf denen Dinge veröffentlicht werden können, ein großes Problem: Sie möchten weder als die großen Zensoren auftreten, noch möchten sie die Redefreiheit einschränken – aber zum Terrorunterstützer möchte Google eben auch nicht werden.

Vier neue oder verschärfte Maßnahmen sollen nun dafür sorgen, dass Inhalte, die Terror glorifizieren oder versuchen, neue Mitglieder anzuwerben, schwerer auffindbar sind oder direkt gänzlich gelöscht werden. Angefangen bei der automatischen Erkennung von Videos, die Extremismus oder Terror glorifizieren.

Das kann sehr schwierig sein, denn das System muss zwischen Berichterstattung und „Propaganda“ unterscheiden können. Deshalb kann sich Google auch nicht auf die automatische Erkennung alleine verlassen. Aber bis jetzt wurden bereits mehr als 50 Prozent der von Google entfernten Videos auf diese Weise erkannt, mit noch besserem Machine Learning soll dies dann zu einer noch besseren Quote führen.

Die Maschine alleine wird es nicht richten, zur Identifizierung unerwünschter Inhalte wird auch auf Manpower gesetzt. Über das „Trusted Flaggers“-Programm. Meldungen durch Nutzer können verfälscht sein, viele Meldungen bedeuten nicht automatisch, dass der Inhalt auch ungeeignet ist. Aber die Meldungen der „Trusted Flagger“ sind in über 90 Prozent der Fälle berechtigt, hier stockt Google nun noch einmal auf.

Zu den bereits 63 Organisationen, die an dem Programm teilnehmen, gesellen sich 50 weitere NGOs (Nichtregierungsorganisationen), die Inhalte überprüfen werden. Diese stellen Expertise nicht nur in Sachen Terror, sondern auch für andere sensible Bereiche, wie Selbstverletzung oder Hassrede. Gleichzeitig wird die Arbeit mit Gruppen intensiviert, die Content entdecken sollen, der radikalisiert oder rekrutiert.

Sehr interessant im Bezug auf Zensur oder Gleichbehandlung aller ist hingegen der dritte Punkt. Hier kann Google gar nichts richtig machen, denn die Videos verstoßen nicht gegen die AGB, werden aber trotzdem anders behandelt. Es geht um Videos, die aufwieglerische religiöse Botschaften enthalten.

Diesen wird nicht nur eine Warnung vorgesetzt, sie lassen sich auch nicht monetarisieren und tauchen auch nicht in Empfehlungen auf. Außerdem werden Nutzerinteraktionen mit diesen Videos unterbunden. Wer sich das Video anschaut, kann dann nicht kommentieren oder anderweitig interagieren.

Das ist schon ein starker Eingriff, der sicher nicht für jeden nachvollziehbar ist. Auf der einen Seite darf so ein Video auf der Seite bleiben, auf der anderen sorgt es aber für genug „Zündstoff“, dass es eben anders behandelt wird. Google nennt das die richtige Balance zwischen Ausdrucksfreiheit und Recht auf Information, ohne extreme Ansichten zu promoten. Schwierig finde ich, entweder passen die Inhalte auf die Plattform oder eben nicht. So bietet man der Zielgruppe weiterhin eine bequeme Plattform für ihre hirnverbrannten Inhalte – egal ob politisch oder religiös.

Klarer ist wiederum der vierte Punkt, über eine Redirect-Methode sollen potentiell für eine Rekrutierung anfällige Personen aufgeklärt werden. Zusammen mit Jigsaw wird man diese Methode in Europa einführen. Hier kommt der Ansatz personalisierter Werbung zur Anwendung, Nutzer, die solche Videos schauen, bekommen „Gegenvideos“ beworben, die mit „Terrormythen“ aufräumen. Bisherige Einsätze eines solchen Systems haben eine sehr hohe Click-Through-Rate, über eine halbe Million Minuten solchen aufklärenden Videomaterials wurde bereits geschaut.

Zusammen sollen diese Änderungen auf Dauer einen Unterschied machen. Allerdings ist sich Google auch bewusst, dass dies ein andauernder Prozess ist, der immer wieder Anpassungen benötigt, um die richtige Balance zu erreichen. Und vermutlich ein besserer Ansatz als die Plattformen per Gesetz zu bestimmten Reaktionen zu zwingen.

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*Mitglied der Redaktion 2013 bis 2019* Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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24 Kommentare

  1. Martin Schlatter says:

    Lustig, der IS besteht aus 50’000 Kämpfern die alle relativ schnell gewusst haben, warum sie und für was sie kämpfen und Google will Terror verhindern, indem es Treffer aus der Ergebnisliste nimmt? Das ist ein Marketinggag, mehr nicht.
    Wer Terror verhindern will muss bei Sykes-Picot anfangen….

  2. @ Firetribe
    Nö gibt es praktisch nicht. Bezahlbare Dämmung ist maximal schwer entflammbar. Aber Deine nichtargumentative Reaktion ist typisch für Menschen die nicht mit den Folgen Ihres Handelns konfrontiert werden wollen. Sicherlich, rein empirisch gibt es Dämmung die nicht brennt, da gebe ich Dir rhetorisch recht. Deren Resultat ist dann aber ihre Unbezahlbarkeit. Die Folge sind mittlerweile massiv gestiegene Baukosten die keinen Nutzwert haben und gleichzeitig für weniger und teureren Wohnraum sorgen. An der Stelle trifft es aber zumindest die richtigen, fehlt ja gerade in boomenden Studentenstädten an Wohnraum. Shit happens 😉

    Da aber die Abzocker der Energiewende weiter kassieren wollen, verwandeln sie bestehende Häuser in tickende Zeitbomben. Zum einen gibt es keine wirklichen Einspareffekte (mehrfach belegt) so das eine Amortisierung mehr als zweifelhaft ist. Zum anderen werden Häuser in Schimmelinkubatoren umgewandelt. Ein Umstand der nachweislich nicht an den Bewohnern liegt und vom zukünftigen hochgiftigen Sondermüll dank chemischer flammhemmender Behandlung der Dämmung (die nach ca. . 25 Jahren runter und etnsorgt werden muss), fange ich gar nicht erst an. Wegen des Brandbeschleunigers „Wärmedämmung“ als auch wegen Solaranlagen auf Dächern, ist die Feuerwehr mittlerweile dazu übergegangen, diese Häuser im Brandfall kontrolliert abbrennen zu lassen da ein Löschen ab einem bestimmten Punkt nicht mhr möglich ist. Ja, jedes Haus mit Wärmedämmung oder Solaranlage ist eine tickende Zeitbombe die teuer durch die Bewohner finanziert wird. Aber ich nehme an das wir alle Opfer bringen müssen um den CO2 Ausstoß (der bekanntlich Pflanzennahrung ist) zu verringern. Dumm nur das in Deutschland der gegenteilige Effekt eingetreten ist und zwar parallel zur sogenannten Energiewende.

    Die rhetorische Diffamierung hatten wir bereits durch Chris. Du hast es vorgezogen statt zu Diffamieren Dir nicht genehme Aussagen ins Lächerliche mit irgendwelchen Aluhutsachen zu ziehen. Ich weiß genau so wie Du das zwischen dem Thema Brandbeschleuniger Wärmedämmung und Deinem Aluhutvergleich kein Zusammenhang besteht. Was Dich aber trotzdem nicht daran hindert eine suggestive Verbindung herstellen zu wollen. Mit anderen Worten Du trollst Beiträge die Dir nicht passen. Wie arm 🙂

  3. @Firetribe
    Du irrst:
    „Polystyrol, besser bekannt als Styropor. Dieser Stoff ist als Dämmmaterial seit Jahren in der Diskussion, denn immer wieder brennen wärmegedämmte Gebäude: In Delmenhorst traf es 2011 gleich fünf Mehrfamilienhäuser, die komplett ausbrannten, weil Jugendliche zwei Verschläge angezündet hatten. 200 Menschen wurden obdachlos. Bekannt wurden bisher über 50 Brände von Fassadendämmungen aus Polystyrol, die genaue Zahl kennt aber niemand, denn eine offizielle Statistik gibt es nicht.

    Polystyrol ist dennoch weiterhin Deutschlands beliebtester Dämmstoff. Er ist billig, leicht zu verarbeiten und klebt an Millionen von Gebäuden.“
    aus: http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Waermedaemmung-Ignoranz-der-Brandgefahr,waermedaemmung205.html
    Es sind tatsächlich die sog Klimaforscher die dies – unterstützt von der Bauindustrie – fordern und vom Gesetzgeber da massiv unterstützt werden. Der Auslöser in London war ein defekter Kühlschrank aber katastrophal wurde es wegen der neuen Wärmedämmung.

    @Martin Schlatter
    Gerade der IS ist bekannt für seine intensive und erfolgreiche Nutzung der sozialen Medien und allerlei Kommunikationstechniken. Insofern hat diese Initiative von Google einen durchaus ernsten Hintergrund. Die NSA hat wohl erkannt, daß sie beim Abhören gut sind aber nicht beim Stillegen. Da muß Google höchstselbst ran.

  4. *Holt sich eine Tüte Chips aus dem Schrank, macht sich ein Bier auf und genießt die Show*

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