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Devolo Magic 2 im Test – Die Revolution der Powerline-Gadgets?

Devolo hat mit Home Control sein eigenes Smart Home-System am Markt, doch die eigentliche Kernkompetenz des Herstellers liegt im Bereich Netzwerk. Seit langem bietet man Systeme an, mit denen man ein Netzwerk über das eigene Stromnetz realisieren kann. Ist eventuell praktisch, wenn man über mehrere Stockwerke verteilte Räume hat, die man mit ordentlich Durchsatz versorgen will, ohne ein Mesh-Netzwerk aufzubauen. Mit dem devolo Magic 2 stellte man im August letzten Jahres ein neues System vor, welches die bisherigen dLAN-Adapter ablösen wird und gleichzeitig ein Mesh-WLAN anbietet. 

Das System setzt erstmals auf G.hn-Chips der zweiten Generation, damit ist der devolo der erste europäische Hersteller, der das einsetzt. Doch was ist das genau? Bei G.hn handelt es sich um eine Norm, die durch die internationale Fernmeldeunion und unter anderem auch dem Industrieverband HomeGrid Forum entwickelt wurde. Im Gegensatz zu dem alten dLAN-Standard sind damit Geschwindigkeiten von bis zu 2.400Mbit und eine höhere Reichweite von bis zu 500 Meter je nach Stromnetz möglich. Weiterhin passiert das Pairing der eingesteckten Geräte automatisch, ihr müsst also keine Buttons mehr drücken. Aber dazu gleich mehr. 

Wie sieht meine Ausgangssituation aus? Ich wohne mit meiner Familie in einer 165 qm großen Wohnung (aus zwei Wohnungen wurde eine gemacht). Eine große Wohnung, die mit WLAN versorgt werden will, aktuell nutze ich dafür mehrere Google WiFi-Spots. Durch die Zusammenlegung der Wohnungen entsteht zwar ein Stromnetz, jedoch wurde dies nicht immer so betrachtet, denn man hat eigentlich nur die zwei ursprünglichen Stromnetze gekoppelt. Ob das Auswirkungen auf den Durchsatz hat, erkläre ich gleich. Jedenfalls bin ich einigermaßen gespannt gewesen, ob das Magic 2 Multiroom-Kit für die Wohnung ausreicht. 

Lieferumfang

Das Multiroom-Kit besteht aus drei Adaptern, die mit einer Bedienungsanleitung, dem üblichen Garantie-Krams und einem Netzwerkkabel zu euch kommen. Dabei ist ein devolo Magic 2 LAN Adapter mit einem GigaBit-Ethernet-Port und zwei Magic 2 WiFi mit je zwei GigaBit-Ethernet-Ports. Der Durchsatz soll im Powerline bei bis zu 2.400 MBit/s liegen, das WiFi ist mit 1.200 MBit/s angegeben. 

Falls ihr euch jetzt schon die Hände reibt und denkt, ihr könnt euer bestehendes dLAN-Netzwerk damit erweitern: Vergesst das ganz schnell. Die Adapter sind nur untereinander kompatibel, bedeutet ihr könnt nur Magic mit Magic koppeln, Magic und dLAN funktioniert nicht. Schade.

Wenn ihr die Teile auspackt und in die Hand nehmt, wird euch auffallen, dass die eingesetzte Plastik wunderbar Staub aufnimmt. Ist ärgerlich aber auch nicht ganz so wild, denn die Dinger werden ja nicht wie auf dem Präsentierteller zu sehen sein. Ansonsten ist die Verarbeitung wie üblich sehr gut, keine groben Spaltmaße, alles stabil etc. 

Einrichtung

Die Einrichtung ist schnell beschrieben und relativ gut dokumentiert. Zum Setup benötigt ihr die devolo Home Network App. Nachdem ihr den Barcode eures Sets gescannt habt und der App somit verklickert, wie viele Adapter habt, steckt ihr diese nach und nach in freie Steckdosen. Beachtet bitte, dass ihr keine Verteiler nutzt. Die Adapter müssen immer direkt in der Wandsteckdose stecken, die Verteiler können dann in der durchgeschliffenen Steckdose des Adapters Platz nehmen.

 

Nachdem man ca. 3 Minuten gewartet hat, ist das automatische Pairing erledigt, alle LEDs in den Adaptern sollten nun weiß leuchten. Hin und her rennen und Pairing-Tasten drücken gehört also der Vergangenheit an. Wenn ihr kein separates WLAN aufbauen möchtet, könnt ihr die WLAN-Einstellungen schnell per WPS vom Router auf das devolo-System übertragen. In meinem Fall setzte ich jedoch ein neuen WLAN-Netz auf. Dazu gibt es einen Menüpunkt in der App. Möchtet ihr das im Nachhinein ändern, klickt ihr auf den jeweiligen WiFi-Spot und es öffnet sich das nächste Menü in der App, NICHT. 

Wer das devolo Cockpit kennt oder die Home Control-App, wird wissen, dass es devolo nicht so richtig mit Software hat. Zur IFA erzählte man uns, dass die App neu entwickelt wird und man auf mobile-first setzt. Nun öffnet sich aber eben wieder ein Browserfenster und man sieht die Konfigurationsseite. Wenn ihr auf den LAN-Adapter klickt ist diese sogar noch bescheiden skaliert. Ärgerlich. Macht die Sache unnötig kompliziert und die Usability leidet arg. 

Auf Nachfrage teilte devolo uns mit, dass man zeitnah Updates ausliefern wird. Kurzum: Man hat ein unfertiges Software-Produkt zusammengeschustert, um Termine einhalten zu können. 

devolo wollte zum Start alle wichtigen Funktionen in der App abbilden, dies ging kurzfristig nur auf diese Weise. devolo wird die App permanent mit Updates versorgen und zügig (innerhalb von Wochen) nachbessern. Die App soll zur zentralen Schnittstelle zwischen Anwender und devolo Magic werden. Eine Alternative ist die ältere Cockpit App (5.0.1). Natürlich kannst Du die Einstellungen auch immer über die Weboberfläche per IP-Adresse aufrufen. 

Das aufgesetzte Mesh-WLAN unterstützt Airtime Fairness, was dafür sorgt, dass schnellere Geräte immer Vorfahrt im Netz haben. Band Steering nutzt Frequenzen und Kanäle optimal aus und Roaming verbindet euch immer mit dem stärksten bzw. nächsten WLAN-Spot. Natürlich erfolgt die Verschlüsselung im WLAN per WPA/WPA2, euer LAN-Traffic wird standardmäßig mit 128 Bit AES verschlüsselt. 

devolo Magic 2 – Die Sache mit der Geschwindigkeit

Wie anfangs beschrieben gibt devolo die maximal erreichbare Geschwindigkeit über das Stromnetz mit 2.400 MBit/s und über das WLAN mit 1.200 MBit/s an. Diese Raten können nur unter Optimalbedingungen erreicht werden, naheliegende Verbraucher, dadurch entstehende Interferenzen und ein solches Netz-Szenario, wie ich es habe, sind natürlich nicht zuträglich. Dennoch habe ich mich in die Messungen gestürzt und bin im Schnitt bei um die 500 MBit/s im Stromnetz gelandet. Dabei musste ich hart experimentieren und verschiedene Steckdosen testen. Je nachdem, wo ihr die Adapter einsteckt, werdet ihr bessere oder schlechtere Raten erreichen können. 

Leider habe ich keinen Vergleich, wie die 1.200er Sets von devolo in der neuen Wohnung performen würden, in der alten erreichte ich mit denen nämlich genau dieselben Werte. Dadurch kann ich euch leider nicht sagen, ob die versprochene Leistungssteigerung durch die eingesetzte Technologie erreicht werden kann. Für meine Anwendungszwecke wie 4K-Streaming zwischen NAS und Apple TV, Übertragung von Time Machine Backups und Co. reicht das allemal. Selbst parallele Streams sind damit kein Problem. 

Im Bereich des WLANs muss ich feststellen, dass die Raten mit um die 330 MBit/s (gemessen mit iPhone XS) in denselben Sphären rangieren, wie die des Google WiFi. Leider reichen zwei WiFi Spots einfach nicht für die Größe der Wohnung, denn an entfernteren Punkten sackt der Durchsatz dann doch ziemlich schnell in den Keller. Je nach Größe eurer Wohnung und Stromnetz werdet ihr auf vollkommen andere Werte kommen. Mit den Geräten, die in Reichweite der Spots lagen, hatte ich jedenfalls keinerlei Probleme im WLAN.

Links: gemessen an einem äußeren Punkt – Mitte: Google Wifi – Rechts: devolo in der Nähe eines Spots

devolo Magic 2 – Ein Fazit

Devolo hat mit Magic 2 ein System entwickelt, welches je nach Bedingungen sicher hervorragend abschneiden kann und euch ein gutes Mesh-WLAN zur Verfügung stellt. Hardware konnte devolo schon immer. Wo es leider wieder einmal krankt, ist die App. Hier wird wieder viel mit skalierten Webseiten hantiert und man kann nur hoffen, dass devolo schnell Updates nachliefert. Auch das devolo Cockpit wirkt wie aus einer anderen Zeit und hat immer noch denselben Stand wie vor mehreren Jahren. Immerhin sieht man dort nun Magic und dLAN Adapter. Wir werden euch zur Verbesserung der Apps natürlich auf dem Laufenden halten. 

Leider ist das devolo Magic 2 Multiroom-Set, so wie es zum Kunden kommt, für mich nicht praktikabel, da die WLAN-Reichweite anhand der zu wenigen Spots nicht gegeben ist. Erst mit vier Spots konnte ich eine komplette Ausleuchtung erreichen. Da nicht jeder eine 165qm große Wohnung auf einer Ebene hat, bin ich sicherlich die Ausnahme. Wie gerade erwähnt, hilft die Erhöhung der Anzahl der WiFi-Adapter, die aber auch ihren Preis hat. Am Ende muss man die Sache einfach mal zuhause ausprobieren, da der Nutzen von Fall zu Fall unterschiedlich groß ausfällt.

Für das Multiroom Kit allein fallen 299 Euro an, ein WLAN-Erweiterungsadapter schlägt mit 129 Euro zu Buche. Hier bewegt man sich in ähnlichen Regionen wie Google WiFi. Mesh-Systeme sind nach wie vor eben nicht wirklich preiswert. Besitzer eine FritzBox können jedoch auf kostengünstige Repeater zurückgreifen. devolo hat aber den Vorteil, nicht nur ein Mesh-WLAN, sondern auch ein Netzwerk über das Stromnetz anzubieten.

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