„Devil May Cry 5“: Dämonen-Schnetzler läuft zu alter Form auf

Die Spielereihe „Devil May Cry“ bekämpft digitale Dämonen bereits seit dem Jahr 2001. Damals gab der erste Teil auf der Sony PlayStation 2 seinen Einstand. Mittlerweile sind die Games für diverse Plattformen zu haben – von Microsoft Windows über Apple iOS bis hin zu sogar der Nvidia Shield Android TV. Das letzte Spiel der Serie „DmC: Devil May Cry“ wurde von Fans wegen seines Reboot-Charakters etwas gespalten aufgenommen. Nun ist Capcom mit „Devil May Cry 5“ zurück und will alte und neue Fans versöhnen.

Wie viele Gamer, so steige auch ich übrigens nun mit „Devil May Cry 5“ das erste Mal in die Hack-and-Slash-Serie ein. Ich habe die Entwicklung, gerade die Kontroversen um das Reboot, zwar immer verfolgt, aber mich am Ende nie an einen der Titel rangewagt. Ich glaube das hat daran gelegen, dass ich befürchtet hatte hier endlose Kombo-Moves auswendig lernen zu müssen. Das ist nämlich mittlerweile auch ein Grund, aus dem ich Beat ’em ups eher meide.

Und tatsächlich lebt auch „Devil May Cry 5“ von der Kunst die richtigen Moves aneinander zu reihen, um die Dämonenhorden als einer der drei Emo-Hauptcharaktere, Dante, Nero oder V, in ihre Schranken zu weisen. Allerdings gibt es viele Hilfestellungen für Neueinsteiger: Kombos lassen sich automatisieren und Spezialangriffe stark im Einsatz vereinfachen. Es liegt also an einem selbst, wie tief man in das durchaus komplexe und fein abgestimmte Kampfsystem eintauchen möchte. Wer Lust hat, experimentiert selbst und reiht Spezialangriffe aneinander, um mit der besten Taktik jeden Gegner in seine Bestandteile zu zerlegen.

Wer das, so wie ich, ein wenig als Hausaufgabe empfindet, der bastelt eben im Menü herum und Special Moves werden dann teilweise automatisch aktiviert, die Gefechte dadurch vereinfacht. Zudem lässt sich zwischen zwei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden wählen, so dass hier Anfänger wie Profis gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Der Schlüssel mehr Möglichkeiten freizuschalten sind dabei die Stilpunkte. Ihr erhaltet sie für besonders gelungene Kombos und Manöver. Über die Stilpunkte bzw. dadurch freigespielte Orbs schaltet ihr dann neue Fähigkeiten frei.

Auch Mikrotransaktionen soll es noch geben, dazu konnte ich beim Anspielen aber noch nichts sagen, da sie noch nicht eingebunden gewesen sind. Ich selbst bin ein Gegner von Mikrotransaktionen in Vollpreistiteln, doch das muss am Ende jeder halten, wie er es für richtig hält. Was mir hingegen gut gefällt sind Charaktere und Story in „Devil May Cry 5“. Auch wenn das Spiel eine von Dämonen infizierte Stadt als Setting nutzt und man oft durch düstere Abwässerkanäle oder U-Bahn-Tunnel hetzt, setzt das Game auf eine eher lockere Atmosphäre. So haben Dante und Co. immer einen flotten Spruch auf den Lippen und die Action ist dermaßen überdreht, dass das Spiel am Ende eher ein wenig an ein „Dead Rising 4“ als an ein „Resident Evil 7“ erinnert.

Vom zuletzt genannten Titel borgt man sich allerdings die RE Engine, die ja auch schon „Resident Evil 2“ befeuert hat. Bei einem rasanten Prügler wie „Devil May Cry 5“ zählt dabei natürlich vor allem die Performance: An der Xbox One X, meiner Wahl-Konsole für Multiplattform-Titel, läuft das Spiel außerhalb von Cutscenes recht konstant mit 60 fps. Ab und an gibt es kleinere Ruckler, aber insgesamt läuft das Spiel wirklich sehr rund. Für die Grafik arbeitet man mit einer Ausgabe in 4K, bei der aber gewisse Techniken im Hintergrund werkeln, um tatsächlich auf diese hohe Auflösung zu kommen.

In Bewegung sieht „Devil May Cry 5“ an 4K-TVs super aus. Das Bild ist nicht so knackscharf wie bei einigen anderen Titeln, etwa einem „Forza Horizon 4“, das liegt aber auch daran, dass hier mit sehr vielen Effekten gearbeitet wird, um der Optik einen prägnanten Stil zu geben. Da hagelt es Motion Blur, chromatische Aberrationen zur Simulierung einer virtuellen Kamera und eine aggressive Kantenglättung, die für ein sehr sauberes, ruhiges Bild sorgt.

Auch das Art Design weiß zu überzeugen, wenn man nicht vom Anime- / Emo-Look der Protagonisten abgeschreckt ist. Das wurde ja im Reboot „DmC: Devil May Cry“ sogar etwas durch den Kakao gezogen, kam bei Fans aber mehr schlecht als recht an. Deswegen knüpft man da eher an „Devil May Cry 4“ an und hievt das Design eben nur technisch in die aktuelle Zeit. Speziell die Charaktermodelle sind sehr beeindruckend, wie man im Photo Modus auch im Detail prüfen darf. Da zeigen sich etwa Abnutzungserscheinungen an Ledermänteln, Hautporen und andere schöne Feinheiten. Die Cutscenes in Echtzeit-Grafik sind naturgemäß noch detaillierter und beeindrucken schon enorm.

So sind die Zwischensequenzen so detailliert und auch sehr filmreif inszeniert, fast könnten sie aus einem Animationsfilm stammen. Dass man da eine hohe Qualität erreicht, ist aber auch wichtig: Denn um die rund 15 Stunden lange Story zu erzählen, gibt man sich zwischen den Kämpfen sehr häufig derartigen Sequenzen hin – auch typisch für japanisches Spiele-Design. Gilt auch das generelle Gameplay, bei dem man auch einige Action-Adventure-Elemente einstreut. Ab und zu muss man etwa auch recht leichte Rätsel lösen. Jene beschränken sich aber meistens auf ein wenig Schieberei von Objekten und sind rasch erledigt, so dass man sich kurz darauf schon wieder dem Schnetzeln von Dämonen widmet.

Eine Erwähnung verdient dabei auch der knallige Soundtrack, der aufgedrehten japanischen Rock mit Pop- und Techno-Einflüssen verbindet. Unterstreicht die Hektik und lockere Stimmung von „Devil May Cry 5“ und hat wohl auch bei vergangenen Serienteilen sehr zum Charme beigetragen. Zur Geschichte muss man noch sagen, dass sie auch für Neueinsteiger wie mich absolut nachvollziehbar ist, auch wenn ich bestimmt manchen Verweis auf die Vergangenheit der Serie verpasst habe. Vor dem Start kann man sich im Menü, ähnlich wie bei „Kingdom Hearts 3“ aber auch einen Überblick über die Geschichte der bisherigen Games geben lassen.

Die drei Protagonisten spielen sich im Übrigen sehr unterschiedlich: Mein Favorit ist der Veteran Dante, der im Nahkampf am meisten Dampf macht. V kann Dämonen herbeirufen und mit ihnen dann seinem Tagewerk nachgehen. Nero kann einen mechanischen Arm wechseln und damit die düsteren Schergen zu Brei verarbeiten. Hier findet dann jeder seinen Favoriten. Beim Durchspielen der Story kann man aber meistens nicht frei wählen, sondern muss je nach Level einen bestimmten Charakter verkörpern. Ist man einmal durch und wagt einen neuen Anlauf, besteht aber beim erneuten Durchzocken und der Suche nach Geheimnissen die freie Wahl.

Im Ergebnis ist „Devil May Cry 5“ für mich ein wenig wie ein sehr unterhaltsames B-Movie: Alles ist in der augenzwinkernden Story auf schnelle und leichte Unterhaltung getrimmt, so dass der Spaßfaktor hoch ist. Wie viel Tiefgang das Kampfsystem haben soll, legt man selbst fest. Ich habe mich auch als Neueinsteiger schnell wohl in der Welt von „Devil May Cry 5“ gefühlt und das lineare Spiel als coole Abwechslung von Zeitfressern wie „Red Dead Redemption 2“ oder „Assassin’s Creed Odyssey“ empfunden. Hier müsst ihr nämlich nicht gleich euren Jahresurlaub opfern, um mal den Abspann zu erblicken. Bleibt zu hoffen, dass auch die Fangemeinde den Titel mit offenen Armen empfängt, denn für Nachschlag wäre ich nun definitiv zu haben!

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden.

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Ein Kommentar

  1. Download läuft! Microsoft macht es einem fast unmöglich, sich von GamePass wieder zu lösen. Und bald gibt es Halo, Gears und mehr. 🙂

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